Kaliumüberschuss (Hyperkaliämie) – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Hyperkaliämie (erhöhten Kaliumwert im Blut) mitbedingt sein können:
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Bradyarrhythmien (zu langsame Herzrhythmusstörungen) – insbesondere Sinusbradykardie (zu langsamer Herzschlag vom Sinusknoten ausgehend), junktionaler Ersatzrhythmus (Ersatzrhythmus aus dem Übergangsbereich zwischen Vorhöfen und Herzkammern) und höhergradige Erregungsleitungsstörungen (Störungen der elektrischen Reizweiterleitung am Herzen) bei schwerer Hyperkaliämie [1, LL1]
- Atrioventrikulärer Block (AV-Block) (Blockierung der Reizleitung zwischen Vorhöfen und Herzkammern) II. oder III. Grades [1, LL1]
- Intraventrikuläre Leitungsverzögerung (verzögerte Reizleitung in den Herzkammern) – mit QRS-Verbreiterung (Verbreiterung eines Abschnitts im Herzstromkurvenbild) bis hin zum Sinuswellenmuster (wellenförmiges Muster der Herzstromkurve) im Elektrokardiogramm (EKG) (Herzstromkurve) bei schwerer Hyperkaliämie [1, LL1]
- Ventrikuläre Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen aus den Herzkammern) – insbesondere ventrikuläre Tachykardie (schneller Herzrhythmus aus den Herzkammern) und Kammerflimmern (lebensbedrohliches Flimmern der Herzkammern) [1, LL1]
- Asystolie (fehlende elektrische Herzaktivität)/Herzstillstand [1, LL1]
- Plötzlicher Herztod – insbesondere bei schwerer, rasch auftretender oder unbehandelter Hyperkaliämie [1, LL1]
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Akute schlaffe Parese (Lähmung)/Paralyse (vollständige Lähmung) – vor allem bei schwerer Hyperkaliämie; potenziell reversibel (rückbildungsfähig) nach rascher Kaliumsenkung [1]
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Muskelschwäche – typischerweise proximal (körperstammnah) betont, bei schwerer Hyperkaliämie bis zur schlaffen Lähmung [1]
- Parästhesien (Missempfindungen) – mögliche neuromuskuläre Manifestation (Erscheinungsform, die Nerven und Muskeln betrifft), jedoch unspezifisch [1]
Prognosefaktoren
- Akuter Myokardinfarkt (Herzinfarkt)
- Hyperkaliämie bei akutem Myokardinfarkt ist mit erhöhter Krankenhausmortalität (Sterblichkeit im Krankenhaus) assoziiert; das Risiko steigt mit der maximal gemessenen Kaliumkonzentration und mit wiederholten Hyperkaliämie-Episoden [2, 3].
- Eine moderate bis schwere Hyperkaliämie mit Kalium ≥ 5,5 mmol/l war in einer großen Kohortenanalyse (Analyse einer Patientengruppe über einen Zeitraum) bei Patienten mit akutem Myokardinfarkt mit einer Krankenhausmortalität > 15 % assoziiert [2].
- Ausmaß der Hyperkaliämie
- Je höher die Kaliumkonzentration, desto höher ist das Risiko für EKG-Veränderungen, Bradyarrhythmien, ventrikuläre Arrhythmien und Herzstillstand [1, LL1].
- Dynamik des Kaliumanstiegs
- Ein rascher Kaliumanstieg ist gefährlicher als eine langsam entstandene Hyperkaliämie gleicher Höhe, da kardiale Adaptationsmechanismen (Anpassungsmechanismen des Herzens) fehlen können [1, LL1].
- EKG-Veränderungen
- Vorhandene EKG-Zeichen der Hyperkaliämie – insbesondere QRS-Verbreiterung, höhergradige Erregungsleitungsstörungen, Bradyarrhythmien oder Sinuswellenmuster – kennzeichnen eine unmittelbar vital bedrohliche Situation [1, LL1].
- Komorbiditäten (Begleiterkrankungen)
- Chronische Nierenerkrankung, akutes Nierenversagen, Herzinsuffizienz (Herzschwäche), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Therapie mit Inhibitoren (Hemmern) des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (hormonelles Blutdruck- und Salzhaushaltssystem) erhöhen das Risiko für rezidivierende (wiederkehrende) oder persistierende (anhaltende) Hyperkaliämien [1, LL1].
- Therapieverzögerung
- Verzögerte Diagnostik (Untersuchungen zur Krankheitserkennung), fehlendes EKG-Monitoring (Überwachung der Herzstromkurve) oder verspätete Akuttherapie (Notfallbehandlung) erhöhen das Risiko für maligne Arrhythmien (bösartige Herzrhythmusstörungen) und Herzstillstand [1, LL1].
Literatur
- Lindner G, Burdmann EA, Clase CM, Hemmelgarn BR, Herzog CA, Małyszko J, Nagahama M, Pecoits-Filho R, Rafique Z, Rossignol P, Singer AJ, Wheeler DC, Wiecek A, Krahn J, Mendu ML. Acute hyperkalemia in the emergency department: a summary from a Kidney Disease: Improving Global Outcomes conference. Eur J Emerg Med. 2020;27(5):329-337. https://doi.org/10.1097/MEJ.0000000000000691
- Grodzinsky A, Goyal A, Gosch K, McCullough PA, Fonarow GC, Mebazaa A, Masoudi FA, Spertus JA, Palmer BF, Kosiborod M. Prevalence and Prognosis of Hyperkalemia in Patients with Acute Myocardial Infarction. Am J Med. 2016;129(8):858-865. https://doi.org/10.1016/j.amjmed.2016.03.008
- Xi H, Yu RH, Wang N, Chen XZ, Zhang WC, Hong T. Serum potassium levels and mortality of patients with acute myocardial infarction: A systematic review and meta-analysis of cohort studies. Eur J Prev Cardiol. 2019;26(2):145-156. https://doi.org/10.1177/2047487318780466
Leitlinien
- UK Kidney Association. Clinical Practice Guidelines: Treatment of Acute Hyperkalaemia in Adults. Publication date: 19 December 2023; review date: 19 October 2026. https://www.ukkidney.org/health-professionals/guidelines/treatment-acute-hyperkalaemia-adults-0