Analvenenthrombose – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
- Schmerzlinderung
- Abschwellung und Rückbildung des lokalen thrombotisch-entzündlichen Befundes (durch Blutgerinnsel und Entzündung bedingten Befundes)
- Vermeidung von Obstipation (Verstopfung), Pressen und lokaler Traumatisierung (Verletzung/Reizung)
- Vermeidung unnötiger operativer Maßnahmen bei geringen, mäßigen oder rückläufigen Beschwerden
Therapieempfehlungen
- Primär konservative Therapie – bei geringen, mäßigen oder bereits rückläufigen Beschwerden ist eine symptomatische Therapie (Behandlung der Beschwerden) ausreichend; die Analvenenthrombose (Blutgerinnsel in einer Vene am After) ist meist selbstlimitierend (von selbst abklingend) und bildet sich innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen durch Organisation (Umbau des Blutgerinnsels), Resorption (Abbau/Aufnahme) und Rekanalisation (Wiedereröffnung des Gefäßes) zurück [1-4, LL1].
- Analgesie – bei Schmerzen bevorzugt ein nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR) (entzündungshemmendes Schmerzmittel), z. B. Ibuprofen oder Diclofenac, sofern keine Kontraindikationen (Gegenanzeigen) bestehen [1-4, LL1].
- Alternative Analgesie – bei Kontraindikationen gegen nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), hohem gastrointestinalem Risiko (Risiko für Magen-Darm-Beschwerden), relevanter Niereninsuffizienz (Nierenschwäche), kardiovaskulärem Hochrisiko (hohem Herz-Kreislauf-Risiko) oder Antikoagulation (Blutverdünnung) kann Paracetamol oder, bei stärkeren Schmerzen und geeigneter Indikation (Anwendungsgrund), Metamizol eingesetzt werden.
- Lokale antiphlogistische Therapie – eine kurzfristige lokale Anwendung eines niedrig- bis mittelpotenten Corticosteroids (Kortisonpräparats) kann zur Abschwellung und Symptomlinderung erwogen werden; sie ist keine kausale Thrombosetherapie (Behandlung des Blutgerinnsels) und sollte wegen lokaler Hautatrophie (Hautverdünnung) nicht längerfristig angewendet werden [LL1].
- Lokalanästhetika – Lidocain-haltige Externa (lokal anzuwendende Mittel) können bei ausgeprägtem lokalem Schmerz kurzfristig ergänzend eingesetzt werden; Sensibilisierung (Allergiebereitschaft) und Schleimhautirritation (Schleimhautreizung) sind zu beachten.
- Stuhlregulation – bei Obstipation oder starkem Pressen ggf. Macrogol oder Lactulose; Ziel ist weicher, geformter Stuhl ohne forcierte Defäkation (erzwungene Stuhlentleerung).
- Keine routinemäßige Antikoagulation – eine systemische Antikoagulation ist bei isolierter Analvenenthrombose nicht indiziert; bestehende Antikoagulation wird nach individueller Blutungs- und Thromboserisikoabwägung (Abwägung von Blutungs- und Blutgerinnselrisiko) fortgeführt oder angepasst.
- Keine Antibiotikatherapie – Antibiotika sind bei unkomplizierter Analvenenthrombose nicht indiziert; sie kommen nur bei gesicherter bakterieller Superinfektion (zusätzlicher bakterieller Infektion) oder Abszesskonstellation (Eiteransammlung) in Betracht.
- Spontanperforation – unter Drucknekrose (druckbedingtem Gewebeuntergang) kann es zur Ulzeration (Geschwürsbildung) der bedeckenden Haut mit Blutung und spontanem Abgang des Thrombus (Blutgerinnsels) kommen; dies kann die Schmerzen abrupt lindern, ist aber nicht gezielt medikamentös anzustreben [LL1].
- Operative Therapie – bei sehr starken, frischen Schmerzen, großem Befund oder erheblichem Leidensdruck ist eine operative Therapie zu prüfen; siehe hierzu „Operative Therapie“.
- Weitere Therapie – ergänzende Maßnahmen wie Schonung, lokale Kühlung, Sitzbäder, Stuhlregulation und Vermeidung von Pressen siehe „Weitere Therapie“.
Weiterer Hinweis
- Akute Hämorrhoidalthrombose – Eine akute Hämorrhoidalthrombose (Blutgerinnsel in einem Hämorrhoidalknoten) soll primär konservativ behandelt werden.
- Beachte: Eine Analvenenthrombose bezeichnet die Thrombosierung (Bildung eines Blutgerinnsels) einer perianalen Vene (Vene am After), im Gegensatz zu einer akuten Hämorrhoidalthrombose, bei der ein oder mehrere Hämorrhoidalknoten thrombosiert sind.
- Repositionsversuche – Diese sind bei einer Analvenenthrombose nicht indiziert, da es sich nicht um prolabierte Hämorrhoidalknoten (vorgefallene Hämorrhoidalknoten) handelt [LL1].
Wirkstoffe (Hauptindikation)
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Ibuprofen | Bevorzugt bei kurzfristiger Schmerztherapie; Dosisanpassung bzw. Zurückhaltung bei Niereninsuffizienz, Leberinsuffizienz (Leberschwäche), gastrointestinalem Risiko, Antikoagulation und kardiovaskulärem Hochrisiko |
| Diclofenac | Erhöhtes kardiovaskuläres Risiko beachten; kontraindiziert bei manifester Herzinsuffizienz (Herzschwäche), ischämischer Herzerkrankung (Durchblutungsstörung des Herzens), peripherer arterieller Verschlusskrankheit (Durchblutungsstörung der Gliedmaßenarterien) und zerebrovaskulärer Erkrankung (Durchblutungsstörung des Gehirns) |
| Naproxen | Bei kardiovaskulärem Risiko oft günstigeres Risikoprofil als Diclofenac; gastrointestinales Risiko weiterhin relevant |
- Wirkweise – reversible Hemmung der Cyclooxygenase (COX)-1 und/oder Cyclooxygenase (COX)-2 (entzündungsfördernder Enzyme) mit analgetischer (schmerzlindernder), antiphlogistischer (entzündungshemmender) und antipyretischer (fiebersenkender) Wirkung; die thrombozytenhemmende Wirkung (Hemmung der Blutplättchenfunktion) ist bei nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) variabel und nicht mit der irreversiblen Acetylsalicylsäure-Wirkung gleichzusetzen.
- Indikationen – akute Schmerzen und lokale Entzündungsreaktion bei Analvenenthrombose.
- Dosierungshinweise – möglichst niedrig dosieren und nur kurzzeitig einsetzen; Einnahme vorzugsweise zu oder nach einer Mahlzeit.
- Nebenwirkungen – Dyspepsie (Verdauungsbeschwerden), Übelkeit, Diarrhoe (Durchfall), gastrointestinale Ulzera (Magen-Darm-Geschwüre) und Blutungen, Blutdruckanstieg, Ödeme (Wassereinlagerungen), Verschlechterung einer Herzinsuffizienz, Nierenfunktionsverschlechterung, Transaminasenerhöhung (Erhöhung von Leberwerten), Exanthem (Hautausschlag), Bronchospasmus (Verkrampfung der Atemwege) bei Analgetika-Asthma (schmerzmittelbedingtem Asthma), selten Blutbildveränderungen.
- Kontraindikationen – aktive gastrointestinale Blutung oder Ulkuserkrankung (Geschwürkrankheit), schwere Herzinsuffizienz, schwere Niereninsuffizienz, schwere Leberinsuffizienz, bekannte NSAR-Überempfindlichkeit, drittes Trimenon der Schwangerschaft (letztes Schwangerschaftsdrittel); substanzspezifische Kontraindikationen beachten.
- Gastroprotektion – bei erhöhtem gastrointestinalem Risiko Kombination mit einem Protonenpumpenhemmer (Magenschutzmittel), z. B. Pantoprazol oder Omeprazol; Nutzen und Risiko sind bei kurzfristigem Einsatz individuell abzuwägen.
Nichtopioide Analgetika bei NSAR-Kontraindikationen
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Paracetamol | Keine antiphlogistische Wirkung; Lebertoxizität (Leberschädigung) bei Überdosierung, Alkoholabusus (Alkoholmissbrauch), Lebererkrankung oder Interaktionen (Wechselwirkungen) beachten |
| Metamizol | Stark analgetisch und spasmolytisch (krampflösend); Risiko für Agranulozytose (schwere Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen), Hypotonie (niedriger Blutdruck) und Überempfindlichkeitsreaktionen beachten |
- Wirkweise – zentrale Analgesie; Paracetamol ohne relevante periphere antiphlogistische Wirkung, Metamizol zusätzlich spasmolytisch.
- Indikationen – Schmerztherapie bei Kontraindikationen gegen nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder ergänzend bei unzureichender Analgesie.
- Nebenwirkungen – Paracetamol: Hepatotoxizität (Leberschädigung) bei Überdosierung; Metamizol: Agranulozytose, Hypotonie, allergische Reaktionen bis Anaphylaxie (schwere allergische Sofortreaktion).
Lokale Corticosteroide
| Wirkstoffgruppe | Besonderheiten |
|---|---|
| Niedrig- bis mittelpotente topische Corticosteroide, z. B. Hydrocortison-haltige oder Prednisolon-haltige Externa | Nur symptomatisch zur Abschwellung und Entzündungshemmung; keine kausale Thrombusauflösung; lokale Hautatrophie, Irritation und Maskierung infektiöser Befunde beachten |
- Wirkweise – lokale antiphlogistische und antiödematöse Wirkung (abschwellende Wirkung) über Glucocorticoidrezeptor-vermittelte Hemmung entzündlicher Signalwege.
- Indikationen – ausgeprägtes Begleitödem (Begleitschwellung), Juckreiz, entzündliche Reizung und Schmerzverstärkung durch lokale Schwellung.
- Nebenwirkungen – Brennen, Irritation, Kontaktdermatitis (kontaktbedingte Hautentzündung), Hautatrophie, perianale Mazeration (Aufweichung der Haut am After), Verschlechterung oder Maskierung lokaler Infektionen bei längerer Anwendung.
Lokalanästhetika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Lidocain, topisch | Nur kurzfristig bei starkem lokalem Schmerz; Kontaktallergie, Irritation und systemische Resorption (Aufnahme in den Blutkreislauf) bei großflächiger oder häufiger Anwendung beachten |
- Wirkweise – Blockade spannungsabhängiger Natriumkanäle (Erregungsleitungen der Nerven) mit lokaler Hemmung der Schmerzleitung.
- Indikationen – kurzfristige Zusatztherapie bei ausgeprägtem lokalem Schmerz.
- Nebenwirkungen – lokale Reizung, Brennen, Kontaktallergie; bei Überdosierung selten systemische neurotoxische (das Nervensystem schädigende) oder kardiale Effekte (Herzwirkungen).
Stuhlregulierende Arzneimittel
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Macrogol | Geeignet bei Obstipation und Pressen; ausreichende Flüssigkeitszufuhr beachten |
| Lactulose | Blähungen und abdominelle Krämpfe (Bauchkrämpfe) möglich; bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) Kohlenhydratgehalt beachten |
- Wirkweise – osmotische Wasserbindung (Wasserbindung durch gelöste Teilchen) im Darmlumen (Darminneren) mit Erweichung des Stuhls.
- Indikationen – Obstipation, harter Stuhl, starkes Pressen oder Schmerzverstärkung bei Defäkation.
- Nebenwirkungen – Meteorismus (Blähungen), abdominelle Beschwerden (Bauchbeschwerden), Diarrhoe bei Überdosierung, Elektrolytverschiebungen (Verschiebungen der Blutsalze) bei inadäquater Anwendung.
Beachte
- Keine Thrombolyse – eine medikamentöse Lyse (Auflösung) des perianalen Thrombus ist nicht indiziert.
- Keine routinemäßigen Antibiotika – bei unkomplizierter Analvenenthrombose besteht keine Indikation für eine Antibiotikatherapie.
- Keine routinemäßige Antikoagulation – bei isolierter Analvenenthrombose besteht keine Indikation für eine systemische Antikoagulation.
- Keine Dauertherapie mit Corticosteroiden – topische Corticosteroide nur kurzzeitig und streng symptomorientiert.
- Keine aggressive lokale Manipulation – Ausdrücken, Punktieren oder Repositionsversuche außerhalb eines indizierten operativen Vorgehens sind zu vermeiden.
- Wiedervorstellung – erforderlich bei zunehmenden Schmerzen, Fieber, eitriger Sekretion (Absonderung), progredienter Schwellung (zunehmender Schwellung), unklarer Blutung, Therapieversagen oder Verdacht auf Analabszess, thrombosierte Hämorrhoiden, Analfissur (Einriss der Afterschleimhaut) oder Neoplasie (Neubildung).
Literatur
- Alldinger I, Poschinski Z, Ganzera S, Helmes C: Perianal thrombosis: no need for surgery. Langenbecks Arch Surg. 2022;407(3):1251-1256. https://doi.org/10.1007/s00423-021-02415-2
- Picciariello A, Rinaldi M, Grossi U et al.: Management and treatment of external hemorrhoidal thrombosis. Front Surg. 2022;9:898850. https://doi.org/10.3389/fsurg.2022.898850
- Cavcic J, Turcic J, Martinac P et al.: Comparison of topically applied 0.2% glyceryl trinitrate ointment, incision and excision in the treatment of perianal thrombosis. Dig Liver Dis. 2001;33(4):335-340. https://doi.org/10.1016/S1590-8658(01)80088-8
- Greenspon J, Williams SB, Young HA, Orkin BA: Thrombosed external hemorrhoids: outcome after conservative or surgical management. Dis Colon Rectum. 2004;47(9):1493-1498. https://doi.org/10.1007/s10350-004-0607-y
Leitlinien
- Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie: Leitlinie Analthrombose. AWMF-Registernummer 081-002. 2006. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/081-002.pdf
- S3-Leitlinie Hämorrhoidalleiden. (AWMF-Registernummer 081-007) April 2019 Langfassung Kurzfassung