Analvenenthrombose – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Analvenenthrombose (Blutgerinnsel in einer Vene am After) mitbedingt sein können:

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Drucknekrose (druckbedingtes Absterben von Gewebe) der die Analvenenthrombose bedeckenden Haut bei ausgeprägter lokaler Spannung [LL1, 1, 2]
  • Lokale irritative Dermatitis (reizbedingte Hautentzündung) bei persistierender perianaler Schwellung (anhaltender Schwellung im Afterbereich), Sekretion (Absonderung), Reibung oder erschwerter Analhygiene (Reinigung des Afterbereichs); als unspezifische Begleitkomplikation bei prolongiertem Verlauf (verlängertem Krankheitsverlauf) zu werten [LL1, 1]

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Spontanruptur (spontanes Aufplatzen) der Analvenenthrombose bei Drucknekrose und Ulzeration (Geschwürbildung) der bedeckenden Haut mit konsekutiver Blutung (nachfolgender Blutung) und spontanem Abgang des Gerinnungsthrombus (Blutgerinnsels); dies kann zu einer schlagartigen Beschwerdeminderung führen [LL1, 1]
  • Defäkationsassoziierte Schmerzverstärkung (beim Stuhlgang auftretende Schmerzverstärkung) mit reflektorischem Stuhlverhalt (unwillkürlicher Zurückhaltung des Stuhlgangs) beziehungsweise Vermeidung der Defäkation (Stuhlentleerung); klinisch relevant insbesondere bei ausgeprägtem akutem Analrandknoten (Knoten am Afterrand) und starkem Druckschmerz (Schmerz bei Druck) [LL1, 1, 2]
  • Prolongierter lokaler Krankheitsverlauf mit anhaltender perianaler Schwellung und Beschwerden über mehrere Wochen; selten auch verzögerte vollständige Rückbildung über Monate [LL1, 1, 2]
  • Rezidivierende Analvenenthrombose (wiederkehrende Analvenenthrombose) beziehungsweise rezidivierende externe hämorrhoidale Thrombose (wiederkehrendes Blutgerinnsel in äußeren Hämorrhoiden) nach abgeheilter Indexläsion (erstmaliger krankhafter Gewebeveränderung); in retrospektiven Daten (rückblickend ausgewerteten Daten) unter konservativer Behandlung (nichtoperativer Behandlung) häufiger als nach Exzision (operativer Entfernung) beschrieben [1-3, LL2-3]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Akuter perianaler Schmerz (plötzlich auftretender Schmerz im Afterbereich), Spannungsgefühl, Druckschmerz, Brennen oder Stechen bei akut entstandener prallelastischer bis derber, bläulich-roter Knotenbildung am Analrand oder im Analkanal (Afterkanal) [LL1, 1, 2]
  • Lokale Blutung nach spontaner Ulzeration der Haut über der Thrombose (Blutgerinnsel); eine frische, nicht ulzerierte Analvenenthrombose blutet typischerweise nicht [LL1]
  • Schmerzbedingte Einschränkung von Sitzen, Gehen, Defäkation und Alltagsaktivität, insbesondere in den ersten Tagen der Erkrankung [1, 2, LL2-3]

Prognosefaktoren 

  • Beschwerdeintensität bei Erstvorstellung; starke Schmerzen und ausgeprägter lokaler Druck begünstigen eine längere klinische Beeinträchtigung und können eine frühe Exzision rechtfertigen [1, 2, LL2-3]
  • Ausmaß der lokalen Schwellung und Hautspannung; hohe Spannung erhöht das Risiko für Drucknekrose, Ulzeration, Spontanruptur und Blutung [LL1]
  • Zeitlicher Verlauf; viele Analvenenthrombosen bilden sich innerhalb von Tagen bis Wochen spontan zurück, selten dauert die vollständige Rückbildung Monate [LL1, 1, 2]
  • Vorangegangene Analvenenthrombose beziehungsweise externe hämorrhoidale Thrombose; anamnestische Rezidive (in der Krankengeschichte berichtete Wiederholungen) sprechen für erhöhte Wiederholungswahrscheinlichkeit [1, 3]
  • Therapiestrategie (Behandlungsstrategie) bei stark symptomatischer früher Erkrankung; Exzision kann gegenüber konservativer Behandlung die Symptomdauer verkürzen und das Rezidivrisiko (Risiko für ein Wiederauftreten) senken, die Evidenzqualität (Qualität der wissenschaftlichen Belege) ist jedoch begrenzt [1-3, LL2-3]

Literatur

  1. Picciariello A, Rinaldi M, Grossi U et al.: Management and Treatment of External Hemorrhoidal Thrombosis. Front Surg. 2022;9:898850. https://doi.org/10.3389/fsurg.2022.898850
  2. Chan KKW, Arthur JD: External haemorrhoidal thrombosis: evidence for current management. Tech Coloproctol. 2013;17(1):21-25. https://doi.org/10.1007/s10151-012-0904-8
  3. Greenspon J, Williams SB, Young HA, Orkin BA: Thrombosed external hemorrhoids: outcome after conservative or surgical management. Dis Colon Rectum. 2004;47(9):1493-1498. https://doi.org/10.1007/s10350-004-0607-y

Leitlinien

  1. Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie: Analthrombose. AWMF-Leitlinie 081-002. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/081-002.pdf
  2. Hawkins AT, Davis BR, Bhama AR et al.: The American Society of Colon and Rectal Surgeons Clinical Practice Guidelines for the Management of Hemorrhoids. Dis Colon Rectum. 2024;67(5):614-623. https://doi.org/10.1097/DCR.0000000000003276
  3. Brillantino A, Gallo G, Trompetto M et al.: The Italian Unitary Society of Colon-Proctology (Società Italiana Unitaria di Colonproctologia) guidelines for the management of acute and chronic hemorrhoidal disease. Ann Coloproctol. 2024;40(4):287-320. https://doi.org/10.3393/ac.2023.00871.0124