| Aspekt |
Akute Höhenkrankheit (AMS – acute mountain sickness) |
Höhenhirnödem (HACE – high-altitude cerebral edema) |
Höhenlungenödem (HAPE – high-altitude pulmonary edema) |
| Typische Höhe (Auftreten) |
- Schwellenhöhe ca. > 2.500 m
- Erste Fälle schon ab ca. 2.000 m möglich
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- Meist > 3.500-4.000 m, in Einzelfällen darunter beschrieben
- Tritt meist auf dem Boden einer AMS auf.
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- Klassisch > 3.000 m
- Selten unter 2.500-3.000 m
- Risiko steigt mit Höhe und schneller Aufstiegsgeschwindigkeit.
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Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) |
Je nach Definition, Aufstieg und Population:
- Ca. 10-25 % bei 2.000-3.000 m
- 35-50 % bei 3.500-4.500 m
- Bei sehr schnellem Aufstieg auf > 4.500 m in Studien bis > 50 %
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- Selten: Schätzungen ≈ 0,5-1 % bei Höhen > 4.000-5.000 m
- Fast immer in Zusammenhang mit vorbestehender AMS.
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Selten, aber wichtigste Todesursache unter den Höhenkrankheiten:
- In Kohorten typischerweise 0,01-0,1 % an moderaten Höhen (z. B. Colorado-Skiresorts um 2.700-3.000 m)
- ≈ 0,2-6 % bei ca. 4.500 m
- 2-15 % bei 5.500 m – stark abhängig von Aufstiegsgeschwindigkeit und individueller Suszeptibilität
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Latenz (nach Ankunft in der Höhe) |
- Beginn typischerweise 6-12 Stunden nach Erreichen einer neuen Schlafhöhe
- Gipfel der Symptomatik nach 24-48 Stunden
- Selten nach > 72 Stunden
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- Entwickelt sich meist innerhalb von 24-72 Stunden nach Beginn einer AMS, wenn keine Therapie und kein Stopp des Aufstiegs erfolgt.
- Kann aber auch rasch (innerhalb weniger Stunden) auftreten.
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- Beginn meist nach 2-5 Tagen Aufenthalt in großer Höhe
- Selten vor der zweiten Nacht und selten nach > 1 Woche Akklimatisation in konstanter Höhe
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| Symptome –Beschwerden |
Typische Symptome:
- Kopfschmerzen – Leitsymptom, meist dumpf, belastungsabhängig
- Schwindel, Benommenheit
- Appetitlosigkeit
- Nausea (Übelkeit), Erbrechen
- Schwäche, Leistungsabfall, rasche Erschöpfbarkeit
- Ein- und Durchschlafstörungen, nicht erholsamer Schlaf
- Ggf. Tachykardie (Puls > 100/min)
- Leichte Gangunsicherheit
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Symptomatische schwere, neurologische Verlaufsform (Notfall!):
- Stärkste Kopfschmerzen (oft stärker als typische AMS-Kopfschmerzen)
- Ataxie (Gangstörung) – sehr wichtiges Warnzeichen
- Bewusstseinsstörung, Verwirrtheit, psychische Auffälligkeiten (Reizbarkeit, inadäquates Verhalten), Halluzinationen („Dritte-Mann-Phänomen“)
- Nausea (Übelkeit), Erbrechen
- Neurologische Ausfälle (Aphasie (Verlust der Sprache), Doppelbilder, Krampfanfälle)
- Rasche Progredienz (Fortschreiten) zur Bewusstlosigkeit – akute Lebensgefahr!
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Kardiorespiratorischer (Herz und Lunge betreffender) Notfall:
- Plötzlicher Leistungseinbruch, ausgeprägte Belastungsintoleranz
- Dyspnoe (Atemnot) zunächst bei Belastung, später in Ruhe
- Trockener Husten, später schaumiger, ggf. rosafarbener Auswurf (Schaum-Sputum)
- Tachypnoe (beschleunigte Atmung), Tachykardie (Herzrasen), evtl. Zyanose (bläuliche Lippen/Fingernägel)
- Häufig leichtes Fieber (meist < 38,5 °C)
- Auskultatorisch (beim Abhören feststellbar) feinblasige Rasselgeräusche, die häufig den klinischen Schweregrad unterschätzen
- Häufig begleitende AMS-Symptome, ggf. auch Zeichen eines HACE
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Prophylaxe – nicht-medikamentös (Basismaßnahmen für alle) |
- Langsamer Aufstieg, ab ca. 2.500-3.000 m möglichst nicht mehr als 300-500 m Schlafhöhenzunahme pro Tag.
- Alle 3-4 Tage einen Ruhetag einplanen.
- Nach dem Prinzip „hoch steigen, tief schlafen“: Schlafhöhe niedriger als tagsüber erreichte Maximalhöhe.
- Konsequente Selbstbeobachtung und frühzeitiges Reagieren auf Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlaflosigkeit.
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Wie bei AMS, da HACE fast immer auf unzureichend behandelter AMS beruht:
- Konsequenter langsamer Aufstieg und Ruhetage
- Bei AMS-Symptomen: sofortiger Stopp des Aufstiegs, bis die Symptome vollständig abgeklungen sind
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Wie bei AMS – zusätzlich wichtig bei HAPE-gefährdeten Personen (z. B. HAPE in der Vorgeschichte):
- Sehr langsamer, stufenweiser Aufstieg, v. a. in Höhen > 3.000 m
- Belastung reduzieren, ausreichend trinken, Kälteexposition begrenzen
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Prophylaxe – medikamentös (nur nach ärztlicher Beratung, je nach Risiko) |
Standardprophylaxe bei moderatem bis hohem AMS-Risiko (z. B. schneller Aufstieg > 2.750-3.000 m, fehlende Akklimatisation, AMS in Vorgeschichte):
- Acetazolamid – Mittel der ersten Wahl zur Unterstützung der Akklimatisation, z. B. 125 mg 2x/Tag, Beginn 24 Stunden vor dem Aufstieg, Fortführung für 2 Tage nach Erreichen der maximalen Schlafhöhe.
- Dexamethason – Alternative bei Kontraindikation (Gegenanzeige) gegen Acetazolamid (z. B. 2 mg 4x/Tag oder 4 mg 2x/Tag); nicht gleichzeitig mit Acetazolamid als primäre Prophylaxe einsetzen.
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Prophylaxe deckungsgleich mit AMS-Prophylaxe bei Hochrisiko (z. B. vorangegangenes HACE, sehr schneller Aufstieg auf große Höhen):
- Acetazolamid – wie bei AMS
- Dexamethason als Alternative, wenn Acetazolamid nicht möglich ist
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Medikamentöse Prophylaxe wird nur bei hohem HAPE-Risiko empfohlen (z. B. HAPE in der Vorgeschichte, notwendiger schneller Aufstieg, berufliche Exposition):
- Nifedipin retard (z. B. 30 mg 2x/Tag) als Standard, beginnend vor oder beim Aufstieg
- Alternativ/zusätzlich in ausgewählten Fällen: Tadalafil (z. B. 10 mg 2x/Tag) oder Sildenafil (z. B. 50 mg alle 8 h)
- Medikamente ersetzen nicht den langsamen Aufstieg und ein striktes Symptom-Monitoring.
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| Therapie |
- Aufstieg sofort stoppen, körperliche Belastung reduzieren.
- Bei mittelschwerer AMS (v. a. starker Kopfschmerz, Übelkeit, Schlaflosigkeit):
- Nicht-opioide Analgetika (z. B. Ibuprofen, Paracetamol) zur Kopfschmerzbehandlung
- Antiemetika bei ausgeprägter Übelkeit
- Acetazolamid therapeutisch (z. B. 250 mg 2x/Tag) zur Förderung der Akklimatisation
- Bei schwerer AMS oder fehlender Besserung innerhalb von 24 Stunden:
- Dexamethason (z. B. Initialdosis 8 mg, dann 4 mg alle 6 h)
- Abstieg um mindestens 500-1.000 m, wenn möglich
- Sauerstoffgabe (ggf. portabler Überdrucksack), falls verfügbar
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Medizinischer Notfall!
- Sofort jegliche weitere Höhenexposition beenden.
- Schnellstmöglicher Abstieg um ≥ 1.000 m (bzw. unter ca. 2.500 m), idealerweise liegend und ohne körperliche Anstrengung.
- Hochdosiertes Dexamethason: z. B. 8 mg i.v./i.m. als Bolus, anschließend 4 mg alle 6 h; bei Therapie > 5 Tagen Ausschleichen erforderlich.
- Sauerstoffgabe (Ziel SpO₂ > 90 %) und – wenn kein rascher Abstieg möglich – Nutzung eines portablen Überdrucksacks (Gamow-Bag).
- Oberkörper hochlagern (≥ 30°), engmaschige Vitalzeichen-Kontrolle
- Unverzügliche Alarmierung der Bergrettung/ notfallmedizinischen Versorgung.
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Medizinischer Notfall!
- Sofortiger Abstieg (möglichst um ≥ 1.000 m) bzw. Evakuation in geringere Höhe; körperliche Anstrengung strikt minimieren
- Sauerstoffgabe (z. B. 2-4 l/min über Nasensonde oder Maske) – zentrale Therapie
- Falls Abstieg vorübergehend nicht möglich: portabler Überdrucksack (Gamow-Bag) bis zur Evakuation
- Nifedipin retard (z. B. 30 mg 2x/Tag) zur Senkung des pulmonalarteriellen Drucks; sorgfältige Blutdruckkontrolle (Hypotonie-Risiko!)
- Je nach Setting: Ergänzend PDE-5-Hemmer oder inhalative β₂-Mimetika
- Oberkörper hochlagern, engmaschige Überwachung, ggf. intensivmedizinische Behandlung; immer frühzeitig professionelle Bergrettung hinzuziehen
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