Hymenoptera (Hautflügler) (terrestrische Gifttiere)

Stiche von Hautflüglern (Hymenoptera) – insbesondere von Bienen, Wespen, Hornissen und Hummeln – gehören weltweit zu den häufigsten Ursachen für schmerzhafte lokalen Reaktionen und schweren allergischen Reaktionen bis zur Anaphylaxie. Während die meisten Stiche harmlos verlaufen, entwickeln etwa 3-5 % der Bevölkerung systemische allergische Reaktionen. Bei Personen mit bekannter Insektengiftallergie können Stiche lebensbedrohlich sein.

Die wichtigsten Maßnahmen umfassen eine gezielte Prävention, die korrekte Erste Hilfe am Stichort, sowie – im Falle einer allergischen Reaktion – die schnelle Gabe von Adrenalin und eine nachfolgende allergologische Abklärung.

Gift/Verbreitung Symptome Maßnahmen (Prävention/Therapie)

Giftzusammensetzung:

  • Biene: Melittin, Phospholipase A2, Hyaluronidase
  • Wespe/Hornisse: Mastoparan, Antigen 5
Verbreitung: global, häufig in Siedlungsnähe; Wespen/Hornissen aggressiver bei Neststörung

Lokale Reaktion: 

  • Sofortiger stechender Schmerz
  • Rötung, Schwellung, Wärme
  • Juckreiz

Große lokale Reaktion:

  • Schwellung >10 cm, Dauer bis zu 7 Tagen

Systemische allergische Reaktion (Anaphylaxie):

  • Urtikaria (Nesselsucht), Angioödem
  • Atemnot, Kehlkopfschwellung
  • Bronchospasmus (krampfartiges Zusammenziehen der Bronchien)
  • Schwindel, Bewusstlosigkeit
  • Blutdruckabfall bis Schock

Seltene Komplikationen:

  • Toxische Reaktion bei > 50-100 Stichen (Rhabdomyolyse (Auflösung quergestreifter Muskelfasern), Hämolyse (Auflösung von Erythrozyten/rote Blutkörperchen), Nierenversagen möglich)

Prävention:

  • Meiden von Nestern, Bienenstöcken
  • Keine süßen Getränke im Freien offen stehen lassen.
  • Schuhe im Freien immer anziehen.
  • Keine hektischen Bewegungen.
  • Vorsicht beim Öffnen von Abfallbehältern.
  • Bei bekannter Allergie: Notfallset (Adrenalin-Autoinjektor, Antihistaminikum, Kortikosteroid), Venom-Immuntherapie erwägen

Therapie:

  • Lokal:
    • Stachel (nur bei Biene!) umgehend abstreifen, nicht herausziehen/pinzettieren.
    • Kühlen (Eispackung)
    • Antihistaminikum gegen Juckreiz
    • Topische Kortikosteroide bei starker Schwellung
    • Schmerzmittel (Ibuprofen/Paracetamol)
  • Große lokale Reaktion:
    • Orales Antihistaminikum 1-3 Tage
    • Kurzzeitige orale Steroide bei massiver Schwellung

Anaphylaxie:

  • Erste Maßnahme: Adrenalin i. m. (Autoinjektor) in den Oberschenkel
  • Notruf 112
  • Hocklage oder stabile Seitenlage
  • O2, Volumen, weitere Allergietherapie
  • Klinische Überwachung

Nachsorge:

  • Allergologische Abklärung: spezifisches IgE, Basaltryptase
  • Bei bestätigter Allergie: Venom-Immuntherapie (Schutzrate > 90 %)

Literatur

  1. Ruëff F, Bauer A, Becker S, et al.: Diagnosis and management of Hymenoptera venom allergy. Allergol Select. 2023 Oct 2;7:154-190. doi: 10.5414/ALX02430E.
  2. American Academy of Allergy Asthma & Immunology: Stinging insect allergy.
  3. Sturm GJ, Varga E-M, Roberts G et al.: EAACI guidelines on allergen immunotherapy: Hymenoptera venom allergy. 27 July 2017 doi: 10.1111/all.13262.