Fokal-segmental sklerosierende Glomerulonephritis – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine fokal-segmental sklerosierende Glomerulonephritis (FSSGN; Synonym: fokal-segmentale Glomerulosklerose, FSGS) (herdförmig-segmentale Vernarbung der Nierenkörperchen) mitbedingt sein können:

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung) insbesondere bei nephrotischem Syndrom (Nierenerkrankung mit starkem Eiweißverlust über den Urin) mit Hypercholesterinämie (erhöhtem Cholesterinspiegel) und häufig Hypertriglyceridämie (erhöhtem Triglyceridspiegel); sie resultiert wesentlich aus der gesteigerten hepatischen Lipoproteinsynthese und einem verminderten Lipoproteinabbau und trägt zur kardiovaskulären Risikokonstellation bei [1, LL1]

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) insbesondere bei persistierender Proteinurie und fortschreitender chronischer Nierenkrankheit (lang andauernder Nierenerkrankung); sie kann durch renale Natrium- und Volumenretention verstärkt werden und ist mit einer ungünstigeren renalen und kardiovaskulären Prognose assoziiert [5-7, LL2]
  • Kardiovaskuläre Erkrankungen und Ereignisse (Herz-Kreislauf-Erkrankungen und -Ereignisse) das kardiovaskuläre Risiko nimmt insbesondere mit zunehmender Albuminurie bzw. Proteinurie und abnehmender glomerulärer Filtrationsrate zu; bei FSGS sind höhere Proteinuriewerte mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und Gesamtmortalität assoziiert [5, 6]
  • Venöse Thromboembolien (Blutgerinnsel mit Gefäßverschluss in Venen) Folge der nephrotischen Hyperkoagulabilität; möglich sind insbesondere tiefe Venenthrombosen (Blutgerinnsel in tiefen Venen), Lungenembolien (Verschlüsse von Lungenarterien durch Blutgerinnsel) und Nierenvenenthrombosen (Blutgerinnsel in den Nierenvenen), seltener zerebrale Sinus-/Venenthrombosen (Blutgerinnsel in Hirnvenen bzw. venösen Blutleitern des Gehirns) oder Portalvenenthrombosen (Blutgerinnsel in der Pfortader). In einer FSGS-Kohorte mit nephrotischem Syndrom lag die Prävalenz venöser Thromboembolien bei etwa 10 %; besonders gefährdet waren Patienten während eines Rezidivs (Wiederauftretens) des nephrotischen Syndroms [2, 3]

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Infektionen, insbesondere bakterielle Infektionen bei ausgeprägtem nephrotischen Syndrom besteht infolge des renalen Verlusts von Immunglobulinen und weiteren Abwehrproteinen eine erhöhte Infektanfälligkeit; Hypoalbuminämie, ausgeprägte Proteinurie und niedrige IgG-Konzentrationen sind mit einem höheren Infektionsrisiko assoziiert [1, 2]

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Nephrotisches Syndrom charakteristisch vor allem für die primäre FSGS; nach KDIGO ist die primäre FSGS klinisch durch nephrotische Proteinurie (> 3,5 g/24 h) und Hypoalbuminämie (< 30 g/l) gekennzeichnet, häufig begleitet von Ödemen (Wassereinlagerungen) und Dyslipidämie. Sekundäre und genetische FSGS-Formen sowie eine FSGS unklarer Ursache können dagegen ohne vollständiges nephrotisches Syndrom verlaufen [1, LL1]
  • Akute Nierenschädigung (Acute Kidney Injury, AKI) (plötzliche Verschlechterung der Nierenfunktion) kann insbesondere bei schwerem nephrotischem Syndrom auftreten; ausgeprägte Proteinurie, Hypoalbuminämie und tubulointerstitielle Schädigung sind mit einem erhöhten Risiko verbunden [1, 2]
  • Chronische Nierenkrankheit (Chronic Kidney Disease, CKD) persistierende Proteinurie und fortschreitende glomeruläre sowie tubulointerstitielle Schädigung können zu einem kontinuierlichen Verlust der Nierenfunktion führen. Das Progressionsrisiko wird wesentlich durch die Höhe und Persistenz der Proteinurie sowie die Ausgangsnierenfunktion bestimmt [4-7, LL2]
  • Nierenversagen (Ausfall der Nierenfunktion) eine progrediente FSGS kann bis zum dauerhaften Nierenversagen mit Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie (Behandlung zur Übernahme der Nierenfunktion) durch Dialyse (Blutwäsche) oder Nierentransplantation (Übertragung einer Spenderniere) fortschreiten. In einer großen Langzeitkohorte betrug die Nierenüberlebenswahrscheinlichkeit bei FSGS nach zehn Jahren insgesamt etwa 58 %, war jedoch stark vom Ausmaß der Proteinuriekontrolle abhängig [4]
  • Rezidiv der FSGS im Nierentransplantat (transplantierte Niere) insbesondere bei primärer FSGS eine klinisch bedeutsame Komplikation nach Nierentransplantation. Eine Metaanalyse ergab eine gepoolte Rezidivrate von 38 % (95-%-KI 31-44 %); Rezidive treten häufig früh nach Transplantation auf und können zum Transplantatverlust (Verlust der transplantierten Niere) führen [8, 9, LL1]. Bei genetischen FSGS-Formen ist das Rezidivrisiko im Allgemeinen deutlich geringer [LL1]

Prognosefaktoren

  • Ausmaß und Persistenz der Proteinurie einer der stärksten prognostischen Faktoren. Hohe Albuminurie bzw. Proteinurie ist mit schnellerer CKD-Progression, höherem Risiko für Nierenversagen und höherem kardiovaskulärem Risiko assoziiert [4-7]
  • Erreichen einer kompletten oder partiellen Remission (Rückgang bzw. weitgehendes Verschwinden der Krankheitszeichen) von zentraler prognostischer Bedeutung. In einer großen FSGS-Kohorte betrug das 10-Jahres-Nierenüberleben bei kompletter Remission 88 %, bei partieller Remission 65 % und ohne Remission 37 %. Eine über 6-24 Monate gemittelte Proteinurie von < 1,5 g/g war mit einem 10-Jahres-Nierenüberleben von etwa 90 % verbunden [4]
  • Nierenfunktion bei Diagnosestellung eine bereits reduzierte geschätzte glomeruläre Filtrationsrate ist mit einer ungünstigeren Langzeitprognose und einem höheren Risiko für Nierenversagen verbunden [5, 7]
  • Tubulointerstitielle Schädigung (Schädigung von Nierenkanälchen und Nierenzwischengewebe) interstitielle Fibrose (Vernarbung des Nierenzwischengewebes), tubuläre Atrophie (Schwund der Nierenkanälchen) und interstitielle Entzündung (Entzündung des Nierenzwischengewebes) in der Nierenbiopsie (Gewebeentnahme aus der Niere) sind mit einer ungünstigeren Nierenprognose assoziiert [7]
  • Nephrotische Proteinurie und Hypoalbuminämie sind mit einem höheren Progressionsrisiko sowie mit nephrotischen Komplikationen wie akuter Nierenschädigung, Infektionen und thromboembolischen Ereignissen assoziiert [2, 3, 7]
  • Kardiovaskuläres Risiko höhere Albuminurie und niedrigere glomeruläre Filtrationsrate sind bei FSGS unabhängige Prädiktoren kardiovaskulärer Ereignisse; die Progression zum Nierenversagen erhöht die kardiovaskuläre und allgemeine Mortalitätsbelastung zusätzlich [5, 6]
  • FSGS-Rezidiv nach Nierentransplantation ein Rezidiv verschlechtert das Transplantatüberleben erheblich. Eine rasche Progression der ursprünglichen Erkrankung bis zum Nierenversagen und eine hohe Proteinurie vor Transplantation sind mit einem höheren Rezidivrisiko assoziiert; genetische FSGS-Formen weisen demgegenüber meist ein deutlich geringeres Rezidivrisiko auf [8, 9, LL1]

Literatur

  1. Braun DA, Pavenstädt HJ: Nephrotisches Syndrom. Inn Med (Heidelb). 2025;66(9):917-926. doi: 10.1007/s00108-025-01946-w.
  2. Zhang Q, Zeng C, Cheng Z et al.: Primary focal segmental glomerulosclerosis in nephrotic patients: common complications and risk factors. J Nephrol. 2012;25(5):679-688. Oxford Academic. doi: 10.5301/jn.5000040.
  3. Li SJ, Tu YM, Zhou CS et al.: Risk factors of venous thromboembolism in focal segmental glomerulosclerosis with nephrotic syndrome. Clin Exp Nephrol. 2016;20(2):212-217. doi: 10.1007/s10157-015-1149-4.
  4. Pitcher D, Braddon F, Hendry B et al.: Long-Term Outcomes in Nephrotic Syndrome by Kidney Biopsy Diagnosis and Proteinuria. J Am Soc Nephrol. 2025;36(7):1398-1413. doi: 10.1681/ASN.0000000610.
  5. Stamellou E, Nadal J, Hendry B et al.: Long-term outcomes of adults with FSGS in the German Chronic Kidney Disease cohort. Clin Kidney J. 2024;17(7):sfae131. doi: 10.1093/ckj/sfae131.
  6. Velez JCQ, Thakker KM, Bensink ME et al.: Cardiovascular, Kidney Failure, and All-Cause Mortality Events in Patients with FSGS in a US Real-World Database. Kidney360. 2024;5(8):1145-1153. doi: 10.34067/KID.0000000000000469.
  7. Forster BM, Nee R, Little DJ et al.: Focal Segmental Glomerulosclerosis, Risk Factors for End Stage Kidney Disease, and Response to Immunosuppression. Kidney360. 2021;2(1):105-113. doi: 10.34067/KID.0006172020.
  8. Bai J, Zhang T, Wang Y et al.: Incidence and risk factors for recurrent focal segmental glomerulosclerosis after kidney transplantation: a meta-analysis. Ren Fail. 2023;45(1):2201341. doi: 10.1080/0886022X.2023.2201341.
  9. Uffing A, Pérez-Sáez MJ, Mazzali M et al.: Recurrence of FSGS after Kidney Transplantation in Adults. Clin J Am Soc Nephrol. 2020;15(2):247-256. doi: 10.2215/CJN.08970719.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) Glomerular Diseases Work Group: KDIGO 2021 Clinical Practice Guideline for the Management of Glomerular Diseases. Kidney Int. 2021;100(4S):S1-S276. doi: 10.1016/j.kint.2021.05.021. KDIGO-Leitlinienseite. [LL1]
  2. Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group: KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int. 2024;105(4S):S117-S314. doi: 10.1016/j.kint.2023.10.018. KDIGO-Leitlinienseite. Langfassung. [LL2]