Nebennieren-CT

Die Computertomographie (CT) der Nebennieren ist ein schnittbildbasiertes, hochauflösendes Verfahren zur Beurteilung der Nebennierenrinde und des Nebennierenmarks. Sie wird primär zur Abklärung inzidenteller Raumforderungen (Nebenniereninzidentalome, zufällige Tumorfunde), hormonproduzierender Tumoren sowie bei onkologischen Fragestellungen zur Metastasensuche eingesetzt. Die CT erlaubt eine exakte Beurteilung morphologischer Merkmale (Größe, Dichte, Abgrenzbarkeit, Wachstum) und spielt insbesondere in der Differenzierung zwischen benignen (gutartigen) und malignen (bösartigen) Läsionen eine zentrale Rolle.

Synonyme

  • Adrenal-CT
  • CT der Nebennieren
  • CT zur Adrenalanalyse

Beurteilbare Strukturen

  • Nebennierenrinde und -mark (äußere und innere Schicht der Nebenniere)
  • Tumoren der Nebennieren (Adenome, Karzinome, Phäochromozytome, Metastasen)
  • Periadrenales Fettgewebe (umgebendes Fettgewebe; Beurteilung auf Infiltration oder Blutungen)
  • Gefäßversorgung der Nebennieren (Blutzufuhr)
  • Lymphknotenstationen im Retroperitoneum (Lymphknoten im hinteren Bauchraum)

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Abklärung von Nebenniereninzidentalomen (Nebennierenveränderungen als Zufallsbefund)
  • Differenzierung benigner (gutartiger) vs. maligner (bösartiger) Nebennierentumoren
  • Verdacht auf hormonaktive Tumoren (z. B. Phäochromozytom, Cortisol-produzierendes Adenom, Aldosteronom)
  • Metastasensuche bei onkologischen Grunderkrankungen (Krebserkrankungen)
  • Präoperative Planung (z. B. Adrenalektomie, operative Entfernung der Nebenniere)
  • Verlaufskontrollen bekannter Nebennierenläsionen (regelmäßige Nachuntersuchung)

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Allgemeine Kontraindikationen für die CT (unabhängig von der Kontrastmittelgabe)

Absolute Kontraindikationen

  • Keine absoluten Kontraindikationen für die reine CT (Computertomographie) ohne Kontrastmittelgabe
    Ausnahme: fehlende Einwilligungsfähigkeit bei fehlender rechtlicher Vertretung

Relative Kontraindikationen

  • Schwangerschaft – insbesondere im ersten Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) aufgrund potenzieller Strahlenempfindlichkeit des Embryos (ungeborenes Kind)
  • Kinder und Jugendliche – nur bei strenger Indikationsstellung und Anwendung niedrigstmöglicher Strahlendosis (ALARA-Prinzip: so wenig Strahlung wie möglich)
  • Häufige Voruntersuchungen mit ionisierender Strahlung – kumulative Strahlenexposition (gesamte Strahlenbelastung) sollte beachtet und dokumentiert werden
  • Akute internistische Instabilität – z. B. bei schwerer Dyspnoe (Atemnot), hämodynamischer Instabilität (Kreislaufversagen) oder Lagerungsintoleranz (Unverträglichkeit bestimmter Lagerungen)
  • Klaustrophobie (Platzangst) – ggf. Sedierung (Beruhigungsmittel) erforderlich, insbesondere bei längeren Untersuchungen 

Zusätzliche Kontraindikationen bei geplanter Kontrastmittelgabe (jodhaltige Kontrastmittel)

Absolute Kontraindikationen

  • Schwere jodinduzierte Kontrastmittelallergie (schwere Unverträglichkeit gegenüber jodhaltigem Röntgen-Kontrastmittel) in der Anamnese (Vorgeschichte) – z. B. anaphylaktische Reaktion (schwere allergische Reaktion)
  • Deutlich eingeschränkte Nierenfunktion (starke Funktionsstörung der Nieren; glomeruläre Filtrationsrate < 30 ml/min/1,73 m²)
  • Nicht kontrollierte Hyperthyreose (nicht eingestellte Schilddrüsenüberfunktion)
  • Mastozytose (krankhafte Vermehrung spezieller Immunzellen mit erhöhter Reaktionsbereitschaft)
  • Metformin-Therapie (Blutzuckersenkung mit Metformin) bei gleichzeitig eingeschränkter Nierenfunktion ohne adäquates Pausen- und Monitoringkonzept

Relative Kontraindikationen

  • Schwangerschaft – nur bei vitaler Indikation (lebenswichtiger Grund) und strenger Nutzen-Risiko-Abwägung
  • Stillzeit – ggf. Stillpause in Abhängigkeit vom verwendeten Kontrastmittel
  • Leichte bis moderate Niereninsuffizienz (mäßige Einschränkung der Nierenfunktion; glomeruläre Filtrationsrate 30-59 ml/min/1,73 m²)
  • Paraproteinämien (vermehrte krankhafte Eiweiße im Blut), insbesondere bei Dehydratation (Flüssigkeitsmangel)
  • Einnahme nephrotoxischer Medikamente (nierenbelastende Medikamente)
  • Vorbestehende Allergien oder Asthma bronchiale
  • Unzureichende Hydratation (unzureichende Flüssigkeitszufuhr)

Vor der Untersuchung

  • Anamnese und klinische Fragestellung: Erhebung endokrinologischer (hormoneller), onkologischer (tumorbezogener) oder symptombezogener Verdachtsmomente
  • Laboruntersuchungen: Bei Verdacht auf hormonaktive Tumoren: ACTH, Cortisol, DHEA-S, Aldosteron, Renin, Metanephrine (Hormondiagnostik)
  • Nierenfunktionsprüfung: Bestimmung der GFR bei geplanter Kontrastmittelgabe
  • Kontrastmittelaufklärung: Risikoabschätzung bei Allergien oder Vorerkrankungen

Das Verfahren

Technik

  • Multidetektor-CT mit Dünnschichttechnik (≤ 3 mm; hochauflösende Aufnahmen)
  • Untersuchung nativ (ohne Kontrastmittel) sowie nach intravenöser Kontrastmittelgabe in arterieller (optional), venöser und ggf. Spätphase
  • Bei Raumforderungen: zusätzliche Spätbildgebung (15 Minuten) zur Bestimmung des Wash-out-Verhaltens (Abbau des Kontrastmittels aus dem Gewebe)

Ablauf der Untersuchung

  • Patient in Rückenlage
  • Scanregion: Oberbauch inkl. Nebennierenlager beidseits
  • Bei Kontrastmittelgabe: automatischer Bolustrigger zur Phasenkontrolle (zeitlich gesteuerte Bildaufnahme)
  • Gesamtdauer der Untersuchung: ca. 10-15 Minuten

Mögliche Befunde

  • Nebennierenadenom: homogene (gleichmäßige), gut begrenzte Raumforderung, < 10 HU (Hounsfield-Einheiten, Maß für Gewebedichte) im Nativ-CT, rasches Kontrastmittel-Wash-out
  • Phäochromozytom: meist hypervaskularisiert (stark durchblutet), > 10 HU nativ, deutliche Kontrastmittelaufnahme
  • Adrenokortikales Karzinom: unregelmäßige Begrenzung, Infiltration (Einwachsen ins Nachbargewebe), > 20 HU nativ, verzögerter Kontrastmittel-Rückgang
  • Metastase: variable Dichte, oft beidseitig, unspezifische Morphologie
  • Nebennierenblutung: hyperdense Läsion nativ (Hämorrhagie = Blutung), kein Kontrastmittelanstieg
  • Myelolipom: fetthaltige Raumforderung mit negativen HU-Werten (< -30 HU)

Nach der Untersuchung

  • Auswertung durch erfahrene Radiologen unter Verwendung quantitativer Kriterien (z. B. absoluter und relativer Kontrastmittel-Wash-out)
  • Dokumentation in strukturiertem Befundbericht
  • Rückmeldung an überweisenden Arzt zur Therapieplanung
  • Bei Zufallsbefund: endokrinologische Abklärung, Verlaufskontrolle nach 3-6 Monaten je nach Befund

Literatur

  1. Young WF Jr. The incidentally discovered adrenal mass. N Engl J Med. 2007;356(6):601–610. https://doi.org/10.1056/NEJMcp065470