CT-Kolonographie (CTC)

Die CT-Kolonographie (CTC; Synonym: virtuelle Koloskopie; engl.: CT colonography bzw. virtual colonoscopy) ist ein computertomographisches Verfahren zur Darstellung des gasdistendierten (mit Gas aufgedehnten) Kolons und Rektums (Dickdarm und Mastdarm). Nach einer geeigneten Darmvorbereitung und Distension des Kolons mit Kohlendioxid oder Raumluft werden dünnschichtige CT-Datensätze in mindestens zwei Körperpositionen akquiriert und mittels zweidimensionaler sowie dreidimensionaler Rekonstruktionen ausgewertet. Ziel ist insbesondere die Detektion und Lokalisation kolorektaler Polypen (Schleimhautwucherungen im Dick- und Mastdarm), fortgeschrittener Adenome (fortgeschrittene gutartige Drüsengeschwülste) und kolorektaler Karzinome (Krebserkrankungen des Dick- und Mastdarms) [1, 3, LL3].

Die CT-Kolonographie ist keine endoskopische Untersuchung. Eine unmittelbare Schleimhautinspektion, Biopsie, histologische Diagnosesicherung oder therapeutische Intervention wie eine Polypektomie ist nicht möglich. Bei einem interventionsbedürftigen Befund ist daher eine nachfolgende optische Koloskopie oder operative Abklärung erforderlich [LL1, LL2].

Die MR-Kolonographie ist ein eigenständiges magnetresonanztomographisches Verfahren und keine Variante der CT-Kolonographie. Sie besitzt derzeit weder in der deutschen Darmkrebsfrüherkennung noch als regelhafte Alternative zur CT-Kolonographie einen etablierten Stellenwert [LL1].

Beurteilbare Strukturen

Struktur Beurteilbarkeit Wesentliche Limitationen
Kolon und Rektum Darstellung des gesamten ausreichend gasdistendierten Dickdarms einschließlich Rektum, Rektosigmoid (Übergang vom Mastdarm zum S-förmigen Dickdarmabschnitt), Sigma (S-förmiger Dickdarmabschnitt), Colon descendens (absteigender Dickdarm), Colon transversum (quer verlaufender Dickdarm), Colon ascendens (aufsteigender Dickdarm) und Coecum (Blinddarm) Unzureichende Darmreinigung, Restflüssigkeit, Reststuhl oder segmentale Unterdistension können die diagnostische Sicherheit vermindern [3, LL3]
Kolorektale Polypen Detektion, Größenbestimmung, Lokalisation und morphologische Beschreibung sessiler (breitbasiger), gestielter und flacher Läsionen Die diagnostische Leistungsfähigkeit nimmt bei Läsionen < 6 mm ab; Histologie und Dysplasiegrad (Ausmaß krankhafter Zellveränderungen) können nicht bestimmt werden [1, 4, LL1]
Kolorektale Karzinome Nachweis stenosierender und nichtstenosierender Raumforderungen (Gewebeneubildungen) sowie Darstellung endoskopisch nicht erreichbarer Darmabschnitte Eine definitive Diagnosesicherung erfordert grundsätzlich eine histologische Untersuchung [11, LL2]
Divertikuläre Veränderungen (Veränderungen durch Ausstülpungen der Darmwand) Nachweis einer Divertikulose (Darmausstülpungen ohne Entzündung), einer divertikulären Myochose (Verdickung der Darmmuskulatur bei Divertikeln) und divertikulärer Strikturen (durch Divertikel bedingte Darmverengungen) Bei symptomatischer akuter Kolitis (akute Dickdarmentzündung mit Beschwerden), Proktitis (Mastdarmentzündung) oder akuter Divertikulitis (akute Entzündung von Darmausstülpungen) darf keine elektive CT-Kolonographie ohne dringliche interdisziplinäre Nutzen-Risiko-Abwägung durchgeführt werden [LL2, LL3]
Extrakolonische Strukturen (Strukturen außerhalb des Dickdarms) Orientierende Beurteilung der abgebildeten abdominalen und pelvinen Organe (Organe des Bauch- und Beckenraums), Gefäße, Lymphknoten und knöchernen Strukturen Eine Low-Dose-CT-Kolonographie ohne intravenöses Kontrastmittel ersetzt keine diagnostische kontrastverstärkte CT des Abdomens und Beckens [7, LL3]

Stellenwert der CT-Kolonographie

Die vollständige, qualitätsgesicherte optische Koloskopie besitzt die höchste Sensitivität (Erkennungsrate bei tatsächlich vorhandener Erkrankung) und Spezifität (Anteil korrekt unauffälliger Befunde bei Personen ohne die Erkrankung) für kolorektale Karzinome und Polypen. Sie ermöglicht gleichzeitig Biopsie und Polypektomie und bleibt daher das diagnostische und therapeutische Referenzverfahren [LL1].

Die CT-Kolonographie ist insbesondere dann indiziert, wenn eine vollständige Koloskopie technisch nicht möglich, medizinisch kontraindiziert (medizinisch nicht angezeigt) oder trotz adäquater Durchführung inkomplett geblieben ist. Die European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) und die European Society of Gastrointestinal and Abdominal Radiology (ESGAR) bewerten die CT-Kolonographie in diesen Situationen als radiologisches Verfahren der Wahl [LL2].

In Deutschland soll die CT-Kolonographie nicht zur regulären Darmkrebsfrüherkennung bzw. Darmkrebsvorsorge in der asymptomatischen Bevölkerung (Bevölkerung ohne Beschwerden) eingesetzt werden. Die deutsche S3-Leitlinie erteilt hierfür eine Empfehlung mit Empfehlungsgrad B bei einem Evidenzlevel von 3b für die CT-Kolonographie [LL1].

Diese nationale Empfehlung unterscheidet sich von Empfehlungen einzelner anderer Gesundheitssysteme, in denen die CT-Kolonographie als mögliche Screeningoption in fünfjährigen Intervallen angeboten wird. Internationale Screeningempfehlungen dürfen daher nicht unkritisch auf das deutsche Früherkennungsprogramm übertragen werden [4, 9, 10, LL1, LL2].

Indikationen

Klinische Situation Stellenwert der CT-Kolonographie Besonderheiten
Inkomplette Koloskopie aufgrund anatomischer oder technischer Ursachen Geeignete Methode zur Darstellung des nicht eingesehenen Restkolons, z. B. bei Adhäsionen (Verwachsungen), ausgeprägter Divertikulose, elongiertem Kolon (verlängertem Dickdarm) oder nicht passierbarer Angulation (Abknickung) [LL1, LL2] Die Untersuchung kann nach interdisziplinärer Bewertung vorzugsweise am selben oder am folgenden Tag erfolgen. Der Zeitpunkt hängt von endoskopischen und radiologischen Sicherheitsaspekten ab [LL2]
Kontraindikation gegen eine Koloskopie Diagnostische Alternative bei Patienten mit oder ohne Alarmsymptome (Warnbeschwerden), wenn eine Koloskopie medizinisch nicht möglich oder nicht vertretbar ist [LL2] Vor der CT-Kolonographie muss berücksichtigt werden, ob ein positiver Befund anschließend endoskopisch, chirurgisch oder anderweitig abgeklärt werden kann.
Nicht durchführbare oder nach Aufklärung abgelehnte Koloskopie Individuelle Alternative zur Untersuchung des gesamten Kolons Der Patient muss über die fehlende Möglichkeit zur Biopsie und Polypektomie sowie über eine möglicherweise erforderliche nachfolgende Koloskopie aufgeklärt werden [LL2]
Positiver fäkaler immunochemischer Test auf okkultes Blut bei inkompletter oder nicht durchführbarer Koloskopie Geeignete Alternative zur Untersuchung des gesamten Kolons [LL2] Bei möglicher vollständiger Koloskopie bleibt diese das Verfahren der ersten Wahl
Stenosierendes kolorektales Karzinom Selektiv zur präoperativen Darstellung des proximalen (oberhalb gelegenen), endoskopisch nicht erreichbaren Kolons und zum Nachweis synchroner Läsionen einsetzbar [11, LL2] Nach der deutschen S3-Leitlinie soll bei inkompletter Koloskopie aufgrund eines stenosierenden Tumors (verengender Tumor) postoperativ eine vollständige Koloskopie erfolgen [LL1]
Nachsorge nach kurativ behandeltem kolorektalem Karzinom Nur wenn die Koloskopie kontraindiziert oder nicht durchführbar ist [LL2] Zur kombinierten Beurteilung des Kolons und extrakolonischer Strukturen kann eine intravenös kontrastverstärkte Untersuchung erforderlich sein
Polypennachsorge Nur in ausgewählten Fällen, wenn eine indizierte Koloskopie nicht durchführbar ist [LL2] Die CT-Kolonographie ermöglicht keine histologische Beurteilung oder Polypektomie

Nicht empfohlene bzw. nicht indizierte Anwendungen

  • Reguläre Darmkrebsfrüherkennung bei asymptomatischen Personen in Deutschland – die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt, die CT-Kolonographie nicht als Verfahren der Darmkrebsvorsorge bzw. Darmkrebsfrüherkennung einzusetzen [LL1]
  • Primärdiagnostik nach positivem FIT bei möglicher vollständiger Koloskopie – aufgrund ihrer diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten bleibt die Koloskopie das bevorzugte Verfahren [LL2]
  • Routinemäßige Aktivitäts- oder Dysplasieüberwachung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (lang anhaltende entzündliche Darmerkrankungen) – die CT-Kolonographie ist hierfür nicht indiziert; erforderlich sind klinische, endoskopische, histologische und gegebenenfalls andere bildgebende Verfahren [LL3]
  • Überwachung hereditärer Polyposis- oder nichtpolypöser Karzinomsyndrome (erblich bedingte Erkrankungen mit zahlreichen Darmpolypen bzw. erblich bedingte Darmkrebssyndrome ohne zahlreiche Polypen) – die CT-Kolonographie ist hierfür nicht indiziert; erforderlich sind leitliniengerechte endoskopische Überwachungsprogramme mit Biopsie- und Interventionsmöglichkeit [LL3]
  • Primärdiagnostik von Erkrankungen des Analkanals (Afterkanal) – die CT-Kolonographie ist hierfür nicht indiziert; der Analkanal ist mit dem Verfahren nur eingeschränkt beurteilbar [LL3]
  • Schwangerschaft oder nicht sicher ausgeschlossene Schwangerschaft – eine elektive CT-Kolonographie ist aufgrund der Exposition gegenüber ionisierender Strahlung nicht indiziert; eine Durchführung kommt nur bei einer außergewöhnlichen, medizinisch zwingenden Indikation und nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung in Betracht [LL3]
  • Routinemäßige Polypennachsorge bei möglicher Koloskopie – relevante Läsionen können mittels CT-Kolonographie erkannt, jedoch nicht entfernt oder histologisch untersucht werden [LL2]

Relative Kontraindikationen (Umstände, die gegen die Untersuchung sprechen können) und besondere Risikosituationen

Der ACR–SABI–SAR-Praxisstandard klassifiziert die folgenden Zustände als relative Kontraindikationen bzw. Situationen, in denen besondere Vorsicht erforderlich ist. Eine elektive CT-Kolonographie soll in diesen Situationen regelhaft zurückgestellt werden. Eine Durchführung kommt nur bei dringlicher Indikation nach interdisziplinärer Nutzen-Risiko-Abwägung und unter angepassten Sicherheitsmaßnahmen in Betracht [LL3].

Relative Kontraindikation bzw. Risikosituation Begründung bzw. Vorgehen
Symptomatische akute Kolitis oder Proktitis Erhöhte Vulnerabilität der Darmwand (Verletzlichkeit der Darmwand) und erhöhtes Perforationsrisiko (Risiko eines Darmdurchbruchs) durch die Gasinsufflation; alternative Schnittbilddiagnostik ohne Kolondistension ist vorzuziehen [LL2, LL3]
Akute Diarrhoe (akuter Durchfall) Möglicher Hinweis auf einen akuten entzündlichen oder infektiösen Prozess (durch Krankheitserreger verursachter Prozess); zunächst klinische und gegebenenfalls laborchemische bzw. bildgebende Abklärung der Ursache [LL3]
Kürzlich abgelaufene akute Divertikulitis Die Untersuchung soll erst nach klinischer Ausheilung und individueller radiologischer Bewertung erfolgen [LL2, LL3]
Kürzlich erfolgte kolorektale Operation Durchführung nur nach multidisziplinärer Bewertung und bei ausreichender Stabilität der Darmwand bzw. Anastomose (operativ hergestellte Darmverbindung) [LL2, LL3]
Kürzlich erfolgte tiefe endoskopische Biopsie, Polypektomie oder Mukosaresektion Das mögliche Perforationsrisiko durch die Gasinsufflation ist gegen die Dringlichkeit der Untersuchung abzuwägen; der Untersuchungszeitpunkt ist interdisziplinär festzulegen [LL2, LL3]
Bekannte oder vermutete Kolonperforation (Dickdarmdurchbruch) Eine elektive CT-Kolonographie ist regelhaft zu vermeiden. Zunächst ist eine unverzügliche Akutdiagnostik ohne Kolondistension erforderlich; eine CT-Kolonographie käme allenfalls in einer außergewöhnlichen Konstellation nach dringlicher interdisziplinärer Nutzen-Risiko-Abwägung in Betracht [LL3]
Symptomatische, kolonhaltige Bauchwandhernie (Bauchwandbruch mit enthaltenem Dickdarm) Risiko einer schmerzhaften Distension, Inkarzeration (Einklemmung) oder Beeinträchtigung des hernierten Kolonabschnitts [LL3]
Symptomatischer oder hochgradiger Dünndarmileus (Dünndarmverschluss) Risiko einer klinischen Verschlechterung; zunächst konventionelle Akutdiagnostik ohne Kolondistension [LL3]
Unverträglichkeit gegen das vorgesehene orale Markierungsmittel oder intravenöse Kontrastmittel Alternatives Markierungs- oder Untersuchungsprotokoll prüfen; intravenöses Kontrastmittel ist bei der Standard-CT-Kolonographie nicht erforderlich [3, LL3]

Eine stenosierende kolorektale Neoplasie ist nicht mit der relativen Kontraindikation eines symptomatischen oder hochgradigen Dünndarmileus gleichzusetzen. Bei einem stenosierenden kolorektalen Karzinom kann die CT-Kolonographie selektiv zur Beurteilung des endoskopisch nicht erreichbaren proximalen Kolons eingesetzt werden. Bei klinisch manifester hochgradiger Kolonobstruktion (Dickdarmverschluss) sind Indikation, Insufflationsprotokoll und Untersuchungszeitpunkt jedoch individuell und interdisziplinär festzulegen [11, LL1, LL2].

Vor der Untersuchung

  • Überprüfung der Indikation und der therapeutischen Konsequenzen
    • Klärung, weshalb eine vollständige Koloskopie nicht möglich oder nicht angezeigt ist
    • Prüfung, ob bei einem positiven Befund eine Koloskopie, Operation oder andere Intervention möglich wäre
    • Berücksichtigung vorangegangener Koloskopien, Polypektomien, Operationen und bildgebender Untersuchungen
  • Erfassung möglicher Kontraindikationen und Risikosituationen
    • Akute abdominale Beschwerden, Fieber oder Entzündungszeichen
    • Akute Diarrhoe
    • Bekannte oder kürzlich abgelaufene Divertikulitis
    • Chronisch-entzündliche Darmerkrankung mit möglicher akuter Aktivität
    • Kürzlich erfolgte kolorektale Operation oder endoskopische Intervention
    • Hinweise auf eine Perforation (Darmdurchbruch) oder einen Ileus (Darmverschluss)
    • Symptomatische, kolonhaltige Bauchwandhernie
    • Mögliche Schwangerschaft
  • Darmvorbereitung
    • Rückstandsarme Ernährung entsprechend dem lokalen Untersuchungsprotokoll
    • Vollständige kathartische oder dosisreduzierte Darmreinigung
    • Orale Markierung verbliebener Stuhl- und Flüssigkeitsreste mit einem iodhaltigen oder bariumhaltigen Präparat
    • Die fäkale Markierung erleichtert die Unterscheidung zwischen verbliebenem Darminhalt und einer wandständigen Läsion [1, 3, LL3]
    • Reduzierte Abführprotokolle können bei geeigneter fäkaler Markierung eine diagnostisch ausreichende Untersuchung ermöglichen und die Teilnahmebereitschaft verbessern [3, 8, LL3]
  • Medikation
    • Anpassungen von Antidiabetika, Diuretika oder anderen Arzneimitteln richten sich nach Art und Umfang der Darmvorbereitung sowie nach den individuellen Begleiterkrankungen
    • Da während der CT-Kolonographie keine Biopsie oder Polypektomie erfolgt, ist für die reine CT-Kolonographie keine interventionsbezogene Anpassung einer antithrombotischen Therapie erforderlich
    • Ist eine zeitnahe therapeutische Koloskopie wahrscheinlich, muss das Management antithrombotischer Arzneimittel nach den für die Endoskopie geltenden Vorgaben geplant werden
    • Die optionale Gabe eines Spasmolytikums richtet sich nach dem lokalen Untersuchungsprotokoll und den individuellen Kontraindikationen [3, LL3]
  • Kontrastmittelprüfung
    • Bei der Standard-Low-Dose-CT-Kolonographie ist kein intravenöses Kontrastmittel erforderlich
    • Eine intravenöse Kontrastmittelgabe kann bei bekanntem oder vermutetem Karzinom, kombinierter Stagingdiagnostik oder einer zusätzlichen extrakolonischen Fragestellung angezeigt sein [4, LL2, LL3]
    • Nur bei geplanter intravenöser Kontrastmittelgabe ist eine risikoadaptierte Prüfung der Nierenfunktion, der Kontrastmittelanamnese und weiterer individueller Risikofaktoren erforderlich

Das Verfahren

Untersuchungsphase Technische Durchführung
Positionierung Akquisition in mindestens zwei Körperpositionen, in der Regel Rücken- und Bauchlage. Bei unzureichender Distension einzelner Darmabschnitte kann ergänzend eine Seitenlage erforderlich sein [3, LL3].
Rektaler Katheter Vorsichtiges Einführen eines dünnen flexiblen Katheters in das Rektum. Die Verwendung und Füllung eines Ballons erfolgen zurückhaltend und entsprechend dem lokalen Sicherheitsprotokoll [3, LL3].
Kolondistension Kontrollierte Insufflation von Kohlendioxid oder Raumluft. Eine automatisierte Kohlendioxidinsufflation wird häufig bevorzugt, da Kohlendioxid rasch resorbiert wird und Beschwerden nach der Untersuchung vermindern kann [3, LL3].
Spasmolyse Optionale Gabe eines Spasmolytikums zur Verminderung von Darmspasmen (Darmkrämpfe) und Verbesserung der Distension, sofern keine Kontraindikationen bestehen [3, LL3].
CT-Akquisition Dünnschichtige volumetrische Low-Dose-Akquisition des Abdomens und Beckens in mindestens zwei Körperpositionen unter kurzem Atemstillstand [3, LL3].
Intravenöses Kontrastmittel Bei der Standard-CT-Kolonographie nicht erforderlich. Eine Kontrastmittelgabe kann bei symptomatischen Patienten, bekanntem Karzinom, kombinierter Stagingdiagnostik oder einer zusätzlichen extrakolonischen Fragestellung sinnvoll sein [4, LL2, LL3].
Rekonstruktion Axiale, koronare und sagittale zweidimensionale Rekonstruktionen sowie dreidimensionale endoluminale Darstellungen zur virtuellen Passage des Kolons [3, 4].
Untersuchungsdauer Die eigentliche CT-Akquisition dauert nur wenige Sekunden. Katheteranlage, Insufflation, Lagerungswechsel und Bildakquisition benötigen abhängig vom Protokoll üblicherweise etwa 10-20 Minuten.

Bildauswertung

Eine qualitätsgerechte Befundung erfordert die systematische Kombination der zweidimensionalen Schnittbildanalyse mit dreidimensionalen endoluminalen Darstellungen. Eine ausschließlich dreidimensionale virtuelle Passage reicht nicht aus, da Dichte, extraluminale Ausdehnung (Ausbreitung außerhalb des Darmhohlraums), Wandveränderungen und extrakolonische Befunde nur in den zweidimensionalen Datensätzen zuverlässig beurteilt werden können [3, 4, LL3].

Die Auswertung umfasst:

  • Beurteilung der Untersuchungsqualität – Darmreinigung, fäkale Markierung, Distension, Bewegungsartefakte und vollständig beurteilbare Kolonsegmente [4]
  • Systematische Untersuchung aller Kolonsegmente – jeweils in mindestens zwei Körperpositionen
  • Beschreibung kolorektaler Läsionen – Anzahl, Lokalisation, maximale Größe, Morphologie, Oberflächenkonfiguration und Dichte [4]
  • Unterscheidung zwischen Läsion und Reststuhl – insbesondere anhand von Lagekonstanz, fäkaler Markierung, Dichte und Positionswechsel
  • Beurteilung von Stenosen (Verengungen) – Länge, Symmetrie, Wandkonfiguration, erhaltene Haustrierung (typische Faltenbildung des Dickdarms), Schleimhautoberfläche und mögliche extramurale Ausdehnung (Ausbreitung außerhalb der Darmwand)
  • Systematische Sichtung extrakolonischer Strukturen – unter Berücksichtigung des Low-Dose-Protokolls und des häufig fehlenden intravenösen Kontrastmittels [4, 7]

C-RADS-Klassifikation

Das CT Colonography Reporting and Data System (C-RADS) dient der standardisierten Klassifikation kolorektaler und extrakolonischer Befunde. Die korrigierte C-RADS-Version 2023 führte die Kategorie C2b für wahrscheinlich benigne tumorähnliche divertikuläre Strikturen (gutartige, tumorähnliche durch Divertikel bedingte Darmverengungen) ein und fasste die früheren extrakolonischen Kategorien E1 und E2 zur Kategorie E1/E2 zusammen [4, 5].

Die C-RADS-Managementempfehlungen wurden für internationale Screening- und Diagnostikkontexte entwickelt. Sie ändern nicht die deutsche Leitlinienempfehlung, die CT-Kolonographie nicht als reguläres Früherkennungsverfahren bei asymptomatischen Personen einzusetzen [LL1].

C-RADS-Kategorie Befund Empfohlenes Vorgehen
C0 Technisch unzureichende oder unvollständige Untersuchung, bei der insbesondere Läsionen ≥ 10 mm nicht sicher ausgeschlossen werden können, oder ausstehender Vergleich mit relevanten Voruntersuchungen Ergänzung nach Vorliegen der Vergleichsuntersuchung, Wiederholung der CT-Kolonographie oder alternatives Untersuchungsverfahren [4]
C1 Normalbefund oder sicher benigne Veränderung; kein Polyp ≥ 6 mm Im internationalen C-RADS-Screeningkontext Fortsetzung des regulären Screenings nach 5-10 Jahren; keine unmittelbar durch den CT-Kolonographie-Befund begründete Koloskopie [4]
C2a Ein oder zwei Polypen von jeweils 6-9 mm Koloskopische Polypektomie oder bei ausgewählten Patienten CT-Kolonographie-Verlaufskontrolle nach drei Jahren, abhängig von Alter, Komorbidität (Begleiterkrankungen), Patientenpräferenz und lokalem Versorgungskonzept [4, LL2]
C2b Wahrscheinlich benigne tumorähnliche divertikuläre Veränderung, z. B. ausgeprägte divertikuläre Myochose, Muskelhypertrophie (Verdickung der Darmmuskulatur) oder Striktur, bei der eine Malignität (Bösartigkeit) nicht vollständig ausgeschlossen werden kann Das Vorgehen richtet sich nach dem klinischen Kontext und dem Grad der diagnostischen Sicherheit: Bei hoher Wahrscheinlichkeit einer benignen Veränderung CT-Kolonographie-Kontrolle nach fünf Jahren, bei geringerer diagnostischer Sicherheit Kontrolle nach höchstens drei Jahren; bei hohem Malignitätsverdacht Einstufung als C4 und endoskopische Abklärung [4]
C3 Mindestens ein Polyp oder eine subepitheliale Läsion (unter der Schleimhaut liegende Veränderung) ≥ 10 mm, mindestens drei Polypen von jeweils 6-9 mm oder eindeutiges Wachstum einer zuvor als C2a klassifizierten Läsion Koloskopische Abklärung und Polypektomie; wenn eine endoskopische Entfernung nicht möglich ist, individuelle chirurgische Abklärung bzw. kurzfristige bildgebende Verlaufskontrolle [4]
C4 Polypoide Raumforderung ≥ 30 mm, malignitätsverdächtige Raumforderung, relevante Lumeneinengung (Verengung des Darminnenraums) oder extrakolonische Invasion (Einwachsen in Nachbargewebe) Chirurgische bzw. onkologische Vorstellung mit histologischer Sicherung und leitliniengerechtem Staging [4]
Extrakolonische Kategorie Bedeutung Konsequenz
E0 Extrakolonische Beurteilung aufgrund technischer Einschränkungen nicht möglich; die Angabe ist optional Weiteres Vorgehen abhängig von der klinischen Fragestellung [4]
E1/E2 Keine klinisch relevanten extrakolonischen Befunde oder bekannte stabile Befunde ohne Abklärungsbedarf Keine zusätzliche Abklärung erforderlich [4]
E3 Wahrscheinlich klinisch unbedeutender, jedoch nicht vollständig charakterisierter Befund Abgleich mit Voraufnahmen oder gezielte Abklärung abhängig vom klinischen Kontext und der Patientenpräferenz [4]
E4 Wahrscheinlich klinisch relevanter extrakolonischer Befund Gezielte weiterführende Diagnostik bzw. Therapie entsprechend dem betroffenen Organsystem [4]

Mögliche Befunde

Befundgruppe Typische Merkmale in der CT-Kolonographie Weiteres Vorgehen
Kolorektaler Polyp Wandständige, in unterschiedlichen Körperpositionen ortskonstante Weichteilstruktur; sessile, gestielte oder flache Morphologie Bei mindestens einem Polypen ≥ 6 mm grundsätzlich endoskopische Abklärung bzw. Polypektomie empfehlen; bei ein oder zwei Läsionen von 6-9 mm kann in ausgewählten Fällen eine CT-Kolonographie-Verlaufskontrolle erwogen werden [4, LL2]
Kolorektales Karzinom Irreguläre polypoide oder zirkuläre Wandverdickung, Stenose, überhängende Tumorränder, Schleimhautdestruktion oder extramurale Ausdehnung Histologische Sicherung und leitliniengerechtes Staging [4, LL1]
Divertikulose Multiple Ausstülpungen der Kolonwand, häufig mit Muskelhypertrophie und luminaler Einengung des Sigmas Bei unkomplizierter Divertikulose keine spezifische durch die CT-Kolonographie begründete Intervention
Divertikuläre Striktur Häufig längere, symmetrische luminale Einengung mit erhaltener Haustrierung, fehlender fokaler Schleimhautdestruktion und positionsabhängiger Wandkonfiguration Bei atypischer Morphologie oder verbleibender diagnostischer Unsicherheit Ausschluss eines Karzinoms [4]
Extrakolonischer Zufallsbefund Je nach Befund z. B. Organläsion (Organveränderung), Aneurysma (Gefäßaussackung), Lymphadenopathie (vergrößerte Lymphknoten), Urolithiasis (Harnsteine) oder knöcherne Veränderung Einordnung nach C-RADS-E-Kategorie und organbezogene Abklärung [4, 7]

Diagnostische Leistungsfähigkeit

Die diagnostische Leistungsfähigkeit der CT-Kolonographie ist größenabhängig und wird wesentlich durch Darmvorbereitung, fäkale Markierung, Kolondistension, Untersuchungsprotokoll, Gerätequalität und Befundererfahrung beeinflusst [1, 3, LL1, LL3].

Zielbefund Diagnostische Leistungsfähigkeit Einordnung
Kolorektales Karzinom Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse ermittelte eine gepoolte Sensitivität von 96,1 % [11] Hohe diagnostische Leistungsfähigkeit bei adäquater Darmvorbereitung, fäkaler Markierung und vollständiger Distension
Adenome bzw. Polypen ≥ 10 mm In der ACRIN-Studie betrugen die Sensitivität in der patientenbezogenen Analyse 90 % und die Spezifität 86 %. Die deutsche S3-Leitlinie gibt aus zwei großen Vergleichsstudien Sensitivitäten von 84-92 % und Spezifitäten von 85-96 % an [1, LL1] Gute diagnostische Leistungsfähigkeit bei qualitätsgesicherter Durchführung
Adenome bzw. Polypen ≥ 6 mm Die deutsche S3-Leitlinie gibt Sensitivitäten von 70-86 % an [LL1] Stärkere Abhängigkeit von Technik, Läsionsmorphologie und Befundererfahrung
Läsionen ≤ 5 mm Geringere diagnostische Zuverlässigkeit und überwiegend niedrige Wahrscheinlichkeit einer fortgeschrittenen Histologie Diminutive Läsionen werden im C-RADS-System regelhaft nicht als berichtspflichtiger Polypenbefund gewertet [4]
Flache oder serratierte Läsionen (sägezahnartig aufgebaute Veränderungen) Schwieriger erkennbar als prominente polypoide Läsionen Optimale Distension, fäkale Markierung und kombinierte 2D-/3D-Auswertung sind besonders wichtig [3, 4, LL3]

Die Ergebnisse hochspezialisierter Zentren sind nicht uneingeschränkt auf jede Versorgungssituation übertragbar. Die deutsche S3-Leitlinie verweist auf eine relevante Heterogenität der Studien und auf Leistungsunterschiede zwischen erfahrenen und weniger erfahrenen Zentren [LL1].

Aktuelle Evidenz aus der SAVE-Studie

Primäre SAVE-Auswertung 2016

In der initialen randomisierten SAVE-Studie wurden eine CT-Kolonographie mit reduzierter Darmvorbereitung, eine CT-Kolonographie mit vollständiger Darmvorbereitung, der fäkale immunochemische Test und die optische Koloskopie als primäre Screeningstrategien verglichen. Die Teilnahme betrug 28,1 % bei reduzierter CT-Kolonographie-Vorbereitung, 25,2 % bei vollständiger CT-Kolonographie-Vorbereitung, 50,4 % beim ersten FIT und 14,8 % bei der optischen Koloskopie. Unter den tatsächlich untersuchten Teilnehmern war die Detektionsrate fortgeschrittener Neoplasien (fortgeschrittene Gewebeneubildungen) bei der CT-Kolonographie höher als nach einer einzelnen FIT-Runde [8].

Vergleich einer einmaligen CT-Kolonographie mit drei FIT-Runden 2022

Die 2022 publizierte randomisierte SAVE-Auswertung verglich eine einmalige CT-Kolonographie mit drei im Abstand von jeweils zwei Jahren vorgesehenen FIT-Runden. Von den auswertbaren Eingeladenen nahmen 1.286 von 4.825 Personen im CT-Kolonographie-Arm an der Untersuchung teil; dies entspricht 26,7 %. Im FIT-Arm nahmen 6.027 von 9.288 Personen an mindestens einer FIT-Runde teil; dies entspricht 64,9 %. An mindestens zwei FIT-Runden nahmen 49,2 % und an allen drei FIT-Runden 33,4 % der Eingeladenen teil [9].

Analyse CT-Kolonographie Drei FIT-Runden Einordnung
Modified-intention-to-screen-Analyse: Detektionsrate fortgeschrittener Neoplasien 1,4 % 2,0 % Signifikant niedrigere Detektionsrate im CT-Kolonographie-Arm; p = 0,0094. Die höhere Teilnahme an den FIT-Runden überwog die höhere diagnostische Ausbeute der CT-Kolonographie unter den tatsächlich untersuchten Teilnehmern [9]
Per-Protocol-Analyse: Detektionsrate fortgeschrittener Neoplasien 5,2 % 3,1 % Signifikant höhere Detektionsrate unter den tatsächlich mittels CT-Kolonographie untersuchten Teilnehmern; p = 0,0002 [9]
Modified-intention-to-screen-Analyse: Zuweisung zur Abklärungskoloskopie 2,7 % 7,5 % Signifikant weniger Abklärungskoloskopien im CT-Kolonographie-Arm; p < 0,0001 [9]
Per-Protocol-Analyse: Zuweisung zur Abklärungskoloskopie 10,0 % 11,6 % Kein statistisch signifikanter Unterschied [9]

Die Ergebnisse zeigen, dass die Bewertung eines Screeningverfahrens entscheidend davon abhängt, ob die gesamte eingeladene Population oder ausschließlich die tatsächlich untersuchten Teilnehmer betrachtet werden. Auf Populationsebene war der wiederholte FIT aufgrund der deutlich höheren Teilnahme effizienter. Bei den tatsächlich untersuchten Teilnehmern zeigte die CT-Kolonographie eine höhere Detektionsrate fortgeschrittener Neoplasien [9].

Langzeitanalyse 2025

Die 2025 publizierte Sekundäranalyse verglich die Langzeitergebnisse der 1.286 tatsächlich mittels CT-Kolonographie untersuchten Personen mit den Ergebnissen der 6.027 Personen, die mindestens einen FIT durchgeführt hatten. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 8,4 Jahre [10].

Endpunkt CT-Kolonographie-Gruppe FIT-Gruppe Einordnung
Kolorektale Karzinome 9 58 Kein statistisch signifikanter Unterschied; adjustierte Hazard Ratio 0,73, 95-%-Konfidenzintervall 0,36-1,47; p = 0,38 [10]
Stadium-IV-Karzinome 0 7 Deskriptiver Unterschied zugunsten der CT-Kolonographie; aufgrund der geringen Ereigniszahl kein belastbarer Nachweis einer Überlegenheit [10]
Intervallkarzinom (zwischen zwei Untersuchungen festgestellter Darmkrebs) innerhalb von fünf Jahren nach CT-Kolonographie 1 Nicht unmittelbar vergleichbar aufgrund wiederholter FIT-Runden Das Intervallkarzinom wurde 59 Monate nach der CT-Kolonographie diagnostiziert; nach Ablauf der ersten fünf Jahre trat in der CT-Kolonographie-Gruppe kein weiteres Karzinom auf [10]
Fortgeschrittene Adenome Höhere kumulative diagnostizierte Inzidenz Niedrigere kumulative diagnostizierte Inzidenz Adjustierte Hazard Ratio 1,46, 95-%-Konfidenzintervall 1,11-1,92; p = 0,007 [10]

Die Langzeitergebnisse unterstützen die Annahme, dass ein fünfjähriges Intervall in Gesundheitssystemen, die ein CT-Kolonographie-Screening anbieten, vertretbar sein kann und dass fortgeschrittene Adenome durch eine einmalige CT-Kolonographie möglicherweise früher diagnostiziert werden als durch wiederholte FIT-Untersuchungen [10].

Die Analyse belegt jedoch weder eine statistisch signifikante Senkung der Karzinominzidenz (Häufigkeit neu auftretender Krebserkrankungen) noch eine Senkung der kolorektalen Mortalität (Sterblichkeit). Zudem handelt es sich um eine teilnahmebasierte Sekundäranalyse und nicht um einen vollständigen Intention-to-screen-Vergleich. Die Langzeitergebnisse ändern daher nicht die aktuelle deutsche Empfehlung gegen den Einsatz der CT-Kolonographie als reguläres Screeningverfahren bei asymptomatischen Personen [9, 10, LL1].

Vergleich mit der optischen Koloskopie

Merkmal CT-Kolonographie Optische Koloskopie
Art des Verfahrens Radiologisches Schnittbildverfahren Endoskopisches Verfahren
Darstellung des gesamten Kolons Häufig auch bei endoskopisch nicht passierbaren Angulationen oder Stenosen möglich Kann aufgrund von Stenosen, Adhäsionen, Angulationen oder ausgeprägter Schleifenbildung inkomplett bleiben
Biopsie und Polypektomie Nicht möglich Unmittelbar möglich
Sedierung (Beruhigungs- oder Schlafmedikation) In der Regel nicht erforderlich Je nach Verfahren und Patientenwunsch häufig eingesetzt
Strahlenexposition (Belastung durch ionisierende Strahlung) Vorhanden; dosisoptimiertes Low-Dose-Protokoll erforderlich Keine ionisierende Strahlung
Perforationsrisiko Sehr gering, aber nicht null [6] Höher, insbesondere bei Polypektomie oder anderer Intervention
Extrakolonische Befunde Abgebildete extrakolonische Strukturen können mitbeurteilt werden Keine systematische Beurteilung extrakolonischer Strukturen
Histologische Diagnosesicherung Nachfolgende Koloskopie oder Operation erforderlich Während derselben Untersuchung möglich

In einer großen nicht randomisierten Parallelkohortenstudie wurden 3.120 Personen primär mittels CT-Kolonographie und 3.163 Personen primär mittels Koloskopie untersucht. Die Ausbeute fortgeschrittener Neoplasien war vergleichbar. In der CT-Kolonographie-Gruppe wurden 561 Polypen entfernt, in der primären Koloskopie-Gruppe 2.434. In der Koloskopie-Gruppe traten sieben Perforationen auf, in der CT-Kolonographie-Gruppe keine [2].

Die Untersuchung erlaubt aufgrund ihres nicht randomisierten Designs keine generelle Überlegenheitsaussage. Sie zeigt jedoch, dass eine größenbasierte CT-Kolonographie-Strategie die Zahl nachfolgender Polypektomien und interventionsbedingter Komplikationen vermindern kann [2].

Vorteile

  • Darstellung des gesamten Kolons – auch bei technisch inkompletter Koloskopie oder endoskopisch nicht passierbaren Angulationen
  • Keine Sedierung erforderlich – keine sedierungsbedingte Überwachung oder Einschränkung der Fahrtauglichkeit
  • Kurze Untersuchungszeit – die CT-Akquisition selbst erfolgt innerhalb weniger Sekunden
  • Sehr geringes Perforationsrisiko – insbesondere bei asymptomatischen Personen und standardisierter Durchführung [6]
  • Darstellung extrakolonischer Strukturen – potenziell relevante abdominale und pelvine Befunde können zusätzlich erkannt werden [7]
  • Beurteilung des proximalen Kolons – bei endoskopisch nicht passierbaren Stenosen oder anderen Ursachen einer inkompletten Koloskopie [LL1, LL2]
  • Keine endoskopiebedingte Blutung – da keine Biopsie oder Polypektomie erfolgt

Limitationen und Risiken

Limitation bzw. Risiko Einordnung
Keine Biopsie oder Polypektomie Relevante Befunde erfordern eine zweite Untersuchung mittels Koloskopie oder eine operative Abklärung
Darmvorbereitung erforderlich Auch bei dosisreduzierten Abführprotokollen sind eine diätetische Vorbereitung und fäkale Markierung erforderlich [3, 8, LL3]
Strahlenexposition Die Untersuchung muss als dosisoptimierte Low-Dose-CT unter Beachtung des ALARA-Prinzips erfolgen [LL3]
Perforation Eine Metaanalyse mit 103.399 Untersuchungen ermittelte eine mit der CT-Kolonographie assoziierte Perforationsrate von etwa 0,04 % insgesamt und 0,02 % bei asymptomatischen Personen. Die Rate operationsbedürftiger Perforationen betrug etwa 0,008 %; mit der CT-Kolonographie assoziierte Todesfälle wurden nicht beschrieben [6]
Abdominelle Beschwerden Vorübergehendes Druckgefühl, Blähungen, Krämpfe oder Stuhldrang infolge der Kolondistension
Falsch-negative Befunde Möglich bei unzureichender Vorbereitung, mangelhafter Distension, flachen Läsionen, kleinen Polypen oder Befundungsfehlern
Falsch-positive Befunde Reststuhl, Falten, invertierte Divertikel oder divertikuläre Strikturen können Läsionen imitieren und unnötige Koloskopien auslösen
Extrakolonische Zufallsbefunde Eine Metaanalyse ermittelte bei asymptomatischen Personen potenziell relevante extrakolonische Befunde bei etwa 2,8 %. Eine weiterführende Abklärung sämtlicher extrakolonischer Befunde wurde bei etwa 8,2 % empfohlen. Daraus können zusätzlicher diagnostischer Nutzen, aber auch Überdiagnostik, Folgeuntersuchungen und Kosten entstehen [7]
Kontrastmittelrisiken Nur bei zusätzlicher intravenöser Kontrastmittelgabe relevant; mögliche Überempfindlichkeitsreaktion (allergieähnliche Reaktion), Extravasation (Austritt von Kontrastmittel aus dem Gefäß) und weitere kontrastmittelassoziierte Risiken

Nach der Untersuchung

  • Entfernung des rektalen Katheters – anschließend kann das insufflierte Gas entweichen
  • Keine Sedierungsnachwirkungen – bei unkompliziertem Verlauf sind normale Alltagsaktivitäten unmittelbar möglich
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr – insbesondere nach kathartischer Darmvorbereitung sinnvoll
  • Radiologische Befundung – strukturierte Beurteilung des Kolons und der extrakolonischen Strukturen, vorzugsweise unter Verwendung von C-RADS [4, 5]
  • Koloskopische Abklärung – bei mindestens einem Polypen ≥ 6 mm grundsätzlich zu empfehlen; bei ein oder zwei Läsionen von 6-9 mm kann bei erheblicher Komorbidität, niedrigem Risikoprofil oder ausdrücklichem Patientenwunsch eine CT-Kolonographie-Verlaufskontrolle erwogen werden [4, LL2]
  • Karzinomverdächtiger Befund – zeitnahe histologische Sicherung, leitliniengerechtes Staging und interdisziplinäre Therapieplanung
  • Extrakolonischer Befund – weitere Abklärung entsprechend der C-RADS-E-Kategorie und dem betroffenen Organsystem [4, 5]

Fazit

Die CT-Kolonographie ist ein leistungsfähiges, minimal-invasives radiologisches Verfahren zur Darstellung des Kolons und Rektums. Ihr zentraler Stellenwert liegt in der Abklärung nach inkompletter oder nicht durchführbarer Koloskopie. Bei qualitätsgesicherter Durchführung besitzt sie eine hohe diagnostische Genauigkeit für kolorektale Karzinome und Läsionen ≥ 10 mm, ist jedoch bei kleineren und flachen Läsionen weniger sensitiv und erlaubt weder Biopsie noch Therapie.

Die SAVE-Studie zeigt, dass eine einmalige CT-Kolonographie unter den tatsächlich untersuchten Teilnehmern eine höhere Detektionsrate fortgeschrittener Neoplasien erreichen kann als wiederholte FIT-Untersuchungen. Aufgrund der deutlich höheren Teilnahme erwiesen sich drei FIT-Runden in der Modified-intention-to-screen-Analyse jedoch als effizienter. Die Langzeitanalyse stützt ein fünfjähriges Untersuchungsintervall in Gesundheitssystemen mit etabliertem CT-Kolonographie-Screening, belegt aber keine statistisch signifikante Reduktion der Karzinominzidenz oder Mortalität [9, 10].

In Deutschland soll die CT-Kolonographie weiterhin nicht als reguläres Früherkennungsverfahren bei asymptomatischen Personen eingesetzt werden [LL1].

Red Flags (Warnzeichen) nach CT-Kolonographie

  • Neu auftretende oder zunehmende starke Bauchschmerzen
  • Abwehrspannung (harte, schmerzhafte Bauchdecke) oder andere klinische Zeichen einer Peritonitis (Bauchfellentzündung)
  • Zunehmende abdominelle Distension (Aufblähung des Bauches)
  • Fieber oder Schüttelfrost
  • Anhaltendes Erbrechen
  • Kreislaufinstabilität (instabiler Kreislauf), Synkope (Ohnmacht) oder ausgeprägte Schwäche
  • Stärkere rektale Blutung (Blutung aus dem Mastdarm)

Bei diesen Symptomen ist eine unverzügliche klinische Untersuchung zum Ausschluss einer Perforation, Blutung, akuten Entzündung oder anderen abdominalen Komplikation erforderlich.

Literatur

  1. Johnson CD, Chen MH, Toledano AY et al.: Accuracy of CT colonography for detection of large adenomas and cancers. N Engl J Med. 2008;359(12):1207-1217. doi: 10.1056/NEJMoa0800996
  2. Kim DH, Pickhardt PJ, Taylor AJ et al.: CT colonography versus colonoscopy for the detection of advanced neoplasia. N Engl J Med. 2007;357(14):1403-1412. doi: 10.1056/NEJMoa070543
  3. Neri E, Halligan S, Hellström M et al.: The second ESGAR consensus statement on CT colonography. Eur Radiol. 2013;23(3):720-729. doi: 10.1007/s00330-012-2632-x
  4. Yee J, Dachman A, Kim DH et al.: CT Colonography Reporting and Data System (C-RADS): Version 2023 Update. Radiology. 2024;310(1):e232007. Korrigierte Fassung vom 30. Januar 2024. doi: 10.1148/radiol.232007
  5. Yee J, Dachman A, Kim DH et al.: Erratum for: CT Colonography Reporting and Data System (C-RADS): Version 2023 Update. Radiology. 2024;310(2):e249004. doi: 10.1148/radiol.249004
  6. Bellini D, Rengo M, De Cecco CN et al.: Perforation rate in CT colonography: a systematic review of the literature and meta-analysis. Eur Radiol. 2014;24(7):1487-1496. doi: 10.1007/s00330-014-3190-1
  7. Pickhardt PJ, Correale L, Morra L et al.: JOURNAL CLUB: Extracolonic Findings at CT Colonography: Systematic Review and Meta-Analysis. AJR Am J Roentgenol. 2018;211(1):25-39. doi: 10.2214/AJR.17.19495
  8. Sali L, Mascalchi M, Falchini M et al.: Reduced and Full-Preparation CT Colonography, Fecal Immunochemical Test, and Colonoscopy for Population Screening of Colorectal Cancer: A Randomized Trial. J Natl Cancer Inst. 2016;108(2):djv319. doi: 10.1093/jnci/djv319
  9. Sali L, Ventura L, Mascalchi M et al.: Single CT colonography versus three rounds of faecal immunochemical test for population-based screening of colorectal cancer (SAVE): a randomised controlled trial. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2022;7(11):1016-1023. doi: 10.1016/S2468-1253(22)00269-2
  10. Puliti D, Sali L, Mascalchi M et al.: Colorectal Cancer and Advanced Adenoma after Single CT Colonography or Biennial FIT Screening in the SAVE Randomized Controlled Trial. Radiology. 2025;316(3):e250091. doi: 10.1148/radiol.250091
  11. Pickhardt PJ, Hassan C, Halligan S, Marmo R: Colorectal cancer: CT colonography and colonoscopy for detection--systematic review and meta-analysis. Radiology. 2011;259(2):393-405. doi: 10.1148/radiol.11101887

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom, Langversion 3.2. (AWMF-Registernummer 021-007OL) März 2026 Langfassung [LL1]
  2. Spada C, Hassan C, Bellini D et al.: Imaging alternatives to colonoscopy: CT colonography and colon capsule. European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) and European Society of Gastrointestinal and Abdominal Radiology (ESGAR) Guideline – Update 2020. Endoscopy. 2020;52(12):1127-1141. doi: 10.1055/a-1258-4819 [LL2]
  3. American College of Radiology, Society for Advanced Body Imaging, Society of Abdominal Radiology: ACR–SABI–SAR Practice Parameter for the Performance of Computed Tomography (CT) Colonography in Adults. Revised 2024, Resolution 26. ACR-Praxisstandard [LL3]