Prostatakarzinom – Rezidivtherapie
Nachfolgende Aussagen beruhen auf der aktuellen S3-Leitlinie, soweit nicht anders vermerkt.
Rezidiv, das als lokal eingegrenzt geschätzt wird
- Bei Patienten mit PSA-Rezidiv und günstigen prognostischen Kriterien (PSA-Verdopplungszeit von > 12 Monaten, Gleason-Score < 8 (ISUP <4)) ist das abwartende Verhalten eine Option.
- Die HIFU-Therapie (hochintensiver fokussierter Ultraschall; High-Intensity-Focused-Ultrasound, HIFU) kann zur Therapie des histologisch (feingeweblich) gesicherten isolierten Lokalrezidivs (örtliches Wiederauftreten der Krebserkrankung) nach perkutaner Strahlentherapie (Bestrahlung "von außen") eingesetzt werden.
Der Patient soll über den experimentellen Charakter dieses Verfahrens als Salvage-Therapie ("Rettungstherapie") und über die Therapiealternativen informiert werden.
PSA-Rezidivs und PSA-Persistenz nach radikaler Prostatektomie
- Die perkutane Salvagestrahlentherapie (SRT) (mind. 66 Gy) sollte als Therapieoption nach radikaler Prostatektomie (operative Entfernung von Prostata mit Kapsel, den Endstücken der Samenleiter und den Samenblasen) bei PSA-Anstieg aus dem Nullbereich in der Kategorie pN0/Nx angeboten werden.
- Die SRT soll möglichst frühzeitig beginnen (PSA vor SRT < 0,5 ng/ml).
PSA-Progression nach Strahlentherapie
- Die Salvageprostatektomie (Entfernung der Prostata nach primärer Strahlentherapie) ist eine Therapieoption beim PSA-Rezidiv nach primärer perkutaner Strahlentherapie oder Brachytherapie (interne Strahlentherapie), wenn die PSA-Progression mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht durch eine Metastasierung bedingt ist.
- Vor einer Salvageprostatektomie sollte eine bioptische Sicherung angestrebt werden.
- Aktuelle Kohortendaten (Daten aus Patientengruppenbeobachtungen) deuten darauf hin, dass bei bioptisch (durch Gewebeprobe) gesichertem, auf die Prostata (Vorsteherdrüse) begrenztem Rezidiv (Wiederauftreten der Krebserkrankung) nach vorangegangener Strahlentherapie (Bestrahlungsbehandlung) sowohl die Salvage-Fokaltherapie (gezielte örtliche Rettungstherapie; insbesondere HIFU oder Kryotherapie) als auch die radikale Salvageprostatektomie (vollständige operative Entfernung der Prostata als Rettungseingriff) eine wirksame kurative (heilende) Behandlungsoption darstellen. In der nicht-randomisierten (nicht zufallsbasierten) Vergleichsstudie zeigte die Salvage-Fokaltherapie bei vergleichbarer Langzeit-Tumorkontrolle (langfristige Kontrolle des Tumorwachstums) eine deutlich geringere perioperative ("um die Operation herum auftretende") Komplikationsrate (Rate von Komplikationen); aufgrund methodischer Limitationen (methodischer Einschränkungen) ist jedoch eine zurückhaltende Interpretation erforderlich [4].
Rezidiv nach alleiniger externer Strahlentherapie
- Intraprostatisches Rezidiv nach alleiniger externer Strahlentherapie der Prostata, Prostata und der Lymphknoten oder nach einer Brachytherapie: Eine stereotaktische Zweitbestrahlung mit dem Cyberknife führte dazu, dass zwei Jahre nach der Salvage-Radiatio 73 % der Männer frei von biochemischen Rezidiven (PSA-Erhöhung in zwei aufeinanderfolgenden Messungen bei einem Wert > 2 ng/ml) waren [3].
PSA-Rezidiv und Progression
- Die hormonablative Therapie (auch als ADT = Androgen Deprivation Therapy bezeichnet; Hormontherapie, die das männliche Geschlechtshormon Testosteron vorenthält) ist beim PSA-Rezidiv oder bei PSA-Progression keine Standardtherapie.
- Eine US-amerikanische Phase-III-Studie zeigt allerdings, dass bei Patienten mit einem biochemischen Rezidiv nach radikaler Prostatektomie, eine hormonelle Intervention mit einem Androgenrezeptor-Blocker die weitere Progression (Fortschreiten der Erkrankung) hinauszögern kann [2].
- Zum Thema hormonablative Therapie des metastasierten Prostatakarzinoms siehe unter "Medikamentöse Therapie"
Weitere Hinweise
- Bei Patienten mit T2/T3N0-Tumoren und PSA-Rezidiv, die eine Radiotherapie (64,8 Gy; verteilt auf 36 Termine) und eine anschließende zwölfmonatige Behandlung mit Bicalutamid (nichtsteroidales und selektives Antiandrogen; 150 mg/die) erhielten, waren nach 12 Jahren noch 76,3 % der Patienten am Leben (versus 71.3 % mit alleiniger Radiotherapie). Die prostatakarzinomspezifische Mortalität war unter einer alleinigen Radiotherapie 13,4 %, nach einer zusätzlichen Hormontherapie waren es nur 5,8 % [1].
Literatur
- Shipley WU et al.: Radiation with or without Antiandrogen Therapy in Recurrent Prostate Cancer. N Engl J Med 2017; 376:417-428 February 2, 2017 doi: 10.1056/NEJMoa1607529
- Aggarwal R et al.: A phase III, open-label study of androgen annihilation in patients (pts) with high-risk biochemically relapsed prostate cancer (AFT-19) European Society for Medical Oncology ESMO 2022, Abstract #LBA63
- Allali S et al.: Salvage stereotactic reirradiation for intraprostatic cancer recurrence: A large retrospective study. Prostate 2023; https://doi.org/10.1002/pros.24511
- Light A, Peters M, Arya M et al.: Salvage Focal Therapy vs Radical Prostatectomy for Localized Radiorecurrent Prostate Cancer. JAMA Oncol. Published online February 12, 2026. https://doi.org/10.1001/jamaoncol.2025.6448
Leitlinien
- S3-Leitlinie: Prostatakarzinom. (AWMF-Registernummer: 043 - 022OL), Juni 2025 Langfassung