Bauchspeicheldrüsenschwäche (Pankreasinsuffizienz) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Pankreasinsuffizienz (Bauchspeicheldrüsenschwäche) mitbedingt sein können:

Exokrine Pankreasinsuffizienz (Schwäche der Verdauungsfunktion der Bauchspeicheldrüse)

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Protein-Energie-Mangelernährung (Eiweiß-Energie-Unterernährung) – Folge der Maldigestion (gestörte Verdauung) und Malabsorption (gestörte Nährstoffaufnahme) von Makro- und Mikronährstoffen; klinisch relevant insbesondere bei chronischer Pankreatitis (dauerhafte Bauchspeicheldrüsenentzündung), Pankreaskarzinom (Bauchspeicheldrüsenkrebs), nach Pankreasresektion (operativer Entfernung von Bauchspeicheldrüsengewebe) und Mukoviszidose (zystische Fibrose) [1, 2, LL1, LL2]
  • Mangel an fettlöslichen Vitaminen – insbesondere Vitamin A, Vitamin D, Vitamin E und Vitamin K; bei chronischer Pankreatitis und exokriner Pankreasinsuffizienz regelmäßig zu berücksichtigen [3, LL1, LL2]
  • Vitamin-D-Mangelzustände – bei exokriner Pankreasinsuffizienz und chronischer Pankreatitis häufig, jedoch nicht spezifisch, da Vitamin-D-Mangel auch in der Allgemeinbevölkerung verbreitet ist [3, 4, LL1, LL2]
  • Vitamin-K-Mangelzustände – mögliche Folge einer ausgeprägten Fettmalabsorption (gestörte Fettaufnahme); klinisch relevant bei verlängerter Prothrombinzeit beziehungsweise erhöhter International Normalized Ratio (INR) [3, LL1]

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Steatorrhoe (Fettstuhl) – Leitsymptom der Fettmaldigestion (gestörte Fettverdauung) bei exokriner Pankreasinsuffizienz; häufig verbunden mit voluminösen, übelriechenden, fettglänzenden Stühlen [1, 2, LL1, LL2]
  • Chronische Diarrhoe (dauerhafter Durchfall) – Folge der Maldigestion und Malabsorption, häufig gemeinsam mit Steatorrhoe, Meteorismus (Blähbauch) und abdominellen Beschwerden (Bauchbeschwerden) [1, 2, LL1, LL2]
  • Meteorismus und abdominelle Distension (aufgetriebener Bauch) – Folge unvollständiger Nährstoffverdauung und intestinaler Fermentation (Gärung im Darm) [1, 2, LL1]
  • Darmmikrobiomveränderungen/Dysbiose (gestörte Darmflora) – mögliche Begleit- und Folgekonstellation der veränderten intestinalen Nährstoffverfügbarkeit; die Kausalität (Ursächlichkeit) ist nicht abschließend gesichert, die Evidenz zeigt vor allem Assoziationen (Zusammenhänge) und präklinische beziehungsweise krankheitsspezifische Daten [5, 6]

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Osteopenie (verminderte Knochendichte) – insbesondere bei chronischer Pankreatitis, Malnutrition (Mangelernährung), Vitamin-D-Mangel und unbehandelter beziehungsweise unzureichend behandelter exokriner Pankreasinsuffizienz [7, LL2]
  • Osteoporose (Knochenschwund) – erhöhtes Risiko bei chronischer Pankreatitis und exokriner Pankreasinsuffizienz; klinisch relevant wegen des erhöhten Risikos für Fragilitätsfrakturen (Knochenbrüche bei geringer Belastung) [7, LL2]
  • Sarkopenie (Muskelschwund) – Folge beziehungsweise Begleitkomplikation von Malnutrition, chronischer Entzündung, verminderter Nahrungsaufnahme und unbehandelter beziehungsweise unzureichend behandelter exokriner Pankreasinsuffizienz [7, LL2]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Gewichtsverlust – typisches klinisches Zeichen einer relevanten Maldigestion und Malabsorption [1, 2, LL1, LL2]
  • Kachexie (krankhafte Auszehrung) – mögliche Folge bei fortgeschrittener Malnutrition, Pankreaskarzinom, chronischer Entzündung oder unzureichend behandelter exokriner Pankreasinsuffizienz; nicht als spezifische direkte Folge jeder Pankreasinsuffizienz zu werten [1, 2, LL1, LL2]
  • Chronische Müdigkeit und Leistungsminderung – unspezifische Symptomfolge bei Malnutrition, Gewichtsverlust und Mikronährstoffdefiziten; nicht als eigenständige neurologisch-psychiatrische Folgeerkrankung (Erkrankung von Nerven oder Psyche) der Pankreasinsuffizienz zu werten [1, 2, LL1, LL2]
  • Abdominelle Schmerzen (Bauchschmerzen) – häufig bei zugrunde liegender chronischer Pankreatitis; nicht spezifisch für die exokrine Pankreasinsuffizienz selbst, aber klinisch häufig im Gesamtbild [1, LL2]

Endokrine Pankreasinsuffizienz (Schwäche der Hormonfunktion der Bauchspeicheldrüse)

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Diabetes mellitus Typ 3c (pankreasbedingte Zuckerkrankheit) – pankreopriver beziehungsweise pankreatogener Diabetes mellitus infolge Erkrankung, Destruktion (Zerstörung) oder Resektion (operative Entfernung) des Pankreas (Bauchspeicheldrüse); insbesondere bei chronischer Pankreatitis, Pankreaskarzinom, Mukoviszidose, Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit), Pankreatektomie (operative Entfernung der Bauchspeicheldrüse) und nach nekrotisierender Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung mit Gewebeuntergang) [8, 9]
  • Hypoglykämien (Unterzuckerungen) – möglich bei Typ-3c-Diabetes durch gestörte Insulin- und Glukagonregulation, insbesondere unter Insulintherapie, bei eingeschränkter Nahrungsaufnahme und bei gleichzeitiger exokriner Pankreasinsuffizienz [8, 9]
  • Mangelernährung bei kombinierter exokriner und endokriner Pankreasinsuffizienz – verstärkt durch Maldigestion, Malabsorption, Gewichtsverlust, inadäquate Kalorienzufuhr und metabolische Entgleisungen (Stoffwechselentgleisungen) [1, 2, LL1, LL2]

Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)

  • Diabetische Retinopathie (diabetesbedingte Netzhauterkrankung) – mögliche Spätfolge eines Typ-3c-Diabetes bei chronischer Hyperglykämie (Überzuckerung); nicht als Folge der isolierten exokrinen Pankreasinsuffizienz zu werten [8, 9]

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Kardiovaskuläre Folgeerkrankungen (Herz-Kreislauf-Folgeerkrankungen) bei Typ-3c-Diabetes – insbesondere bei chronischer Hyperglykämie und weiteren kardiometabolischen Risikofaktoren (Herz-Stoffwechsel-Risikofaktoren); nicht als Folge der isolierten exokrinen Pankreasinsuffizienz zu werten [8, 9]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Diabetische Polyneuropathie (diabetesbedingte Nervenschädigung) – mögliche Spätfolge eines Typ-3c-Diabetes bei chronischer Hyperglykämie; nicht als Folge der isolierten exokrinen Pankreasinsuffizienz zu werten [8, 9]

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Diabetische Nephropathie (diabetesbedingte Nierenschädigung) – mögliche Spätfolge eines Typ-3c-Diabetes bei chronischer Hyperglykämie; nicht als Folge der isolierten exokrinen Pankreasinsuffizienz zu werten [8, 9]

Prognosefaktoren

  • Ätiologie (Ursache) der Pankreasinsuffizienz – ungünstiger bei Pankreaskarzinom, fortgeschrittener chronischer Pankreatitis, Mukoviszidose, ausgedehnter Pankreasresektion und kombinierter exokriner/endokriner Insuffizienz [1, LL1, LL2]
  • Schweregrad der exokrinen Pankreasinsuffizienz – höheres Risiko für Steatorrhoe, Gewichtsverlust, Malnutrition, fettlösliche Vitaminmängel, Osteopenie, Osteoporose und Sarkopenie bei schwerer oder unbehandelter Insuffizienz [1, 3, 7, LL1, LL2]
  • Therapieadhärenz (Therapietreue) und Dosierung der Pankreasenzymersatztherapie (Ersatz von Bauchspeicheldrüsenenzymen) – inadäquate Enzymdosis, falscher Einnahmezeitpunkt oder fehlende Therapie erhöhen das Risiko persistierender Maldigestion und Folgekomplikationen [1, LL1]
  • Ernährungsstatus – niedriger Body-Mass-Index, ungewollter Gewichtsverlust, verminderte Muskelmasse und Mikronährstoffdefizite verschlechtern die Prognose [1, 7, LL2]
  • Vitamin-D-Status und Knochenstatus – Vitamin-D-Mangel, Osteopenie und Osteoporose erhöhen Morbidität (Krankheitshäufigkeit) und Frakturrisiko (Knochenbruchrisiko) [3, 4, 7, LL2]
  • Diabetes mellitus Typ 3c – verschlechtert die metabolische Prognose (Stoffwechselprognose), insbesondere bei Hypoglykämieneigung (Neigung zu Unterzuckerungen), unzureichender Ernährung und gleichzeitiger exokriner Pankreasinsuffizienz [8, 9]
  • Fortbestehender Alkohol- und Nikotinkonsum – relevant vor allem bei chronischer Pankreatitis; beide Faktoren erhöhen das Risiko für Progression (Fortschreiten), Malnutrition und Komplikationen [LL2]

Literatur

  1. de la Iglesia D, Vujasinovic M, Löhr JM. Pancreatic exocrine insufficiency. EClinicalMedicine. 2026;94:103880. https://doi.org/10.1016/j.eclinm.2026.103880
  2. Barkin JA, Delk TB, Powell VJ. Symptoms, burden, and unmet needs of patients living with exocrine pancreatic insufficiency: a narrative review of the patient experience. BMC Gastroenterol. 2024;24(1):101. https://doi.org/10.1186/s12876-024-03188-w
  3. Estes-Doetsch H, Carey AN, Walkowiak J, Hoilat GJ, Sellers ZM, Philips CA et al.: Fat-soluble vitamin deficiency and exocrine pancreatic insufficiency among adults with chronic pancreatitis: Is routine monitoring necessary for all patients? Nutr Clin Pract. 2024;39(1):129-140. https://doi.org/10.1002/ncp.11082
  4. Mikula P, Unseld M, Heppner HJ. Vitamin D Deficiency and Exocrine Pancreatic Insufficiency: An Analysis Carried Out in Orthogeriatric Patients (VIDEP.org). J Clin Med. 2025;14(15):5558. https://doi.org/10.3390/jcm14155558
  5. Guo Y, Li Z, Li Y, Zhang L, Wang X, Zhang X. Impacts of pancreatic exocrine insufficiency on gut microbiota. J Zhejiang Univ Sci B. 2024;25(4):289-300. https://doi.org/10.1631/jzus.B2300070
  6. Halle-Smith JM, Hall LA, Tunbridge A, Clark A, Roberts KJ. Pancreatic Exocrine Insufficiency and the Gut Microbiome in Pancreatic Cancer: A Systematic Review. Cancers (Basel). 2023;15(21):5140. https://doi.org/10.3390/cancers15215140
  7. Parhiala M, Ukkonen M, Sand J, Laukkarinen J. Osteoporosis and sarcopenia are common and insufficiently diagnosed among chronic pancreatitis patients. BMC Gastroenterol. 2023;23(1):124. https://doi.org/10.1186/s12876-023-02756-w
  8. Hart PA, Bellin MD, Andersen DK, Bradley D, Cruz-Monserrate Z, Forsmark CE et al.: Type 3c (pancreatogenic) diabetes mellitus secondary to chronic pancreatitis and pancreatic cancer. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2016;1(3):226-237. https://doi.org/10.1016/S2468-1253(16)30106-6
  9. Goodarzi MO, Petrov MS. Diabetes of the Exocrine Pancreas: Implications for Pharmacological Management. Drugs. 2023;83(12):1077-1090. https://doi.org/10.1007/s40265-023-01913-5

Leitlinien

  1. Dominguez-Muñoz JE, Vujasinovic M, de la Iglesia D, Iglesias-Garcia J, Hocke M, Dominguez-Santos R, et al. European guidelines for the diagnosis and treatment of pancreatic exocrine insufficiency: UEG, EPC, EDS, ESPEN, ESPGHAN, ESDO, and ESPCG evidence-based recommendations. United European Gastroenterol J. 2025;13(1):125-172. https://doi.org/10.1002/ueg2.12674
  2. Arvanitakis M, Ockenga J, Bezmarevic M, Gianotti L, Krznarić Ž, Lobo DN, et al. ESPEN practical guideline on clinical nutrition in acute and chronic pancreatitis. Clin Nutr. 2024;43(2):395-412. https://doi.org/10.1016/j.clnu.2023.12.019