Insulin-like-growth-factor – binding-protein-3 (IGFBP-3)
Insulin-like-growth-factor-binding-protein-3 (IGFBP-3) ist das quantitativ wichtigste Bindungsprotein der insulinähnlichen Wachstumsfaktoren (IGF-1 (Wachstumsfaktor) und IGF-2 (Wachstumsfaktor)) im Serum (Blutbestandteil). Es bildet zusammen mit IGF (Wachstumsfaktor) und der acid-labile subunit (ALS) (Transporteiweiß) einen ternären Komplex und reguliert dadurch die Bioverfügbarkeit, Halbwertszeit und periphere Wirkung der Wachstumsfaktoren. Die Synthese erfolgt überwiegend in der Leber und ist primär Wachstumshormon-(GH/STH-)abhängig.
In der klinischen Labordiagnostik dient IGFBP-3 als ergänzender Parameter zur Beurteilung der GH-IGF-Achse (Wachstumshormon-System), insbesondere bei kindlichen Wachstumsstörungen.
Synonyme
- IGFBP-3
- Insulin-like growth factor-binding protein 3
- Insulinähnliches Wachstumsfaktor-bindendes Protein 3
- IGF-binding protein 3
Das Verfahren
- Benötigtes Material
- Serum
- Alternativ Heparin- oder EDTA-Plasma (methodenabhängig)
- Vorbereitung des Patienten
- Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
- Nüchternabnahme nicht obligat
- Störfaktoren
- Ausgeprägte Assay- und Methodenabhängigkeit der Messergebnisse
- Alters-, Geschlechts- und Pubertätsabhängigkeit
- Biotininterferenz bei bestimmten Immunoassays möglich
- Präanalytische Einflüsse (Lagerung, Transport, Hämolyse (Auflösung roter Blutkörperchen))
- Methode
- Immunoassay (Labormethode zur Antigen-Antikörper-Bestimmung) (z. B. Chemilumineszenz- oder Elektrochemilumineszenz-Immunoassay)
- Bewertung vorzugsweise mittels alters- und geschlechtsspezifischer Referenzbereiche bzw. SDS/Z-Scores
Normbereiche (je nach Labor)
| Subgruppe/Geschlecht/Alter | Referenzbereich |
| Kinder und Jugendliche | Stark alters-, geschlechts- und pubertätsabhängig; Verwendung von Referenzperzentilen/SDS empfohlen |
| Erwachsene | Altersabhängig; kontinuierliche Abnahme mit zunehmendem Alter |
| Beispiel (assayspezifisch) | Männer 21-25 Jahre: 2,75-6,36 mg/L; Frauen 2,86-6,56 mg/L |
Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
- Diagnostik und Differentialdiagnostik von Wachstumsstörungen im Kindes- und Jugendalter
- Ergänzende Diagnostik bei Verdacht auf Wachstumshormonmangel
- Ergänzende Beurteilung bei Verdacht auf Akromegalie (Vergrößerung von Händen, Füßen und Gesicht) (zusammen mit IGF-1)
- Verlaufskontrolle unter Wachstumshormontherapie (Behandlung mit Wachstumshormon) (additiver Parameter)
- Abklärung von Störungen der GH-IGF-Achse
Interpretation
- Erhöhte Werte
- GH-Exzess (z. B. Akromegalie (Vergrößerung von Händen, Füßen und Gesicht), Gigantismus (übermäßiges Körperwachstum))
- Physiologisch erhöhte Werte in Wachstumsphasen/Pubertät
- Erniedrigte Werte
- Wachstumshormonmangel
- GH-Resistenz (z. B. Laron-Syndrom)
- Chronische Lebererkrankungen (verminderte Synthese)
- Mangelernährung/katabole Stoffwechsellage (abbauender Stoffwechsel)
- Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)
- Spezifische Konstellationen
- IGFBP-3 ist ein ergänzender Marker; IGF-1 bleibt primärer Parameter der GH-IGF-Achse (Wachstumshormon-System)
- Normale Werte schließen einen Wachstumshormonmangel nicht sicher aus
- In der Pädiatrie (Kinderheilkunde) höhere Aussagekraft als im Erwachsenenalter
Weiterführende Diagnostik
- IGF-1
- GH-Stimulationstests (z. B. Arginin-, Insulin-Hypoglykämietest (Test zur Prüfung der Wachstumshormonfunktion))
- Auxologische Beurteilung (Wachstumsgeschwindigkeit, Perzentilenverlauf)
- Knochenalterbestimmung
- Hypophysenparameter – TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon), fT3, fT4, ACTH, Cortisol, Prolaktin, LH, FSH
- Magnetresonanztomographie (MRT) (Kernspintomographie) der Hypophysenregion
- Leberparameter – bei Verdacht auf Synthesestörung
- Nierenparameter – bei chronischen Erkrankungen
Ergänzende Hinweise
- IGFBP-3 besitzt eine geringere diagnostische Sensitivität als IGF-1, ist jedoch weniger von kurzfristigen Schwankungen abhängig.
- Besonders in der Pädiatrie sinnvoll bei grenzwertigen IGF-1-Befunden.
- Die Diagnose eines Wachstumshormonmangels erfolgt nie isoliert laborchemisch, sondern im Gesamtkontext aus Klinik, Auxologie (Lehre vom körperlichen Wachstum und der Entwicklung des Menschen) und Funktionstests.
- Der Begriff „Somatopause“ beschreibt einen altersabhängigen Rückgang der GH-IGF-Achse, stellt jedoch keine eigenständige labordiagnostische Indikation dar.
Literatur
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