Gonorrhoe

Die Gonorrhoe (Tripper) ist eine sexuell übertragbare Infektion (durch Sexualkontakt übertragbare Infektion). Der Erreger ist das Bakterium Neisseria gonorrhoeae, das auch als Gonokokkus (Gonorrhoe-Erreger) bezeichnet wird [1-4].

Weltweit gehört die Gonorrhoe zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. Die Weltgesundheitsorganisation schätzte für das Jahr 2020 etwa 82,4 Millionen neue Infektionen mit Neisseria gonorrhoeae bei Erwachsenen im Alter von 15-49 Jahren [4]. In Europa und Deutschland ist die Erkrankung wegen zunehmender Nachweise und wegen der Resistenzentwicklung weiterhin von hoher Public-Health-Relevanz [1, 3, 5].

Die Ansteckung erfolgt vor allem über ungeschützten vaginalen, analen oder oralen Sexualkontakt. Aufgrund der relativ kurzen Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten erster Beschwerden) von meist 2-7 Tagen, teilweise bis etwa 14 Tage, treten erste Anzeichen häufig rasch auf [1-3].

Eine Gonorrhoe hinterlässt keine lebenslange Immunität (dauerhaften Schutz vor einer erneuten Infektion). Es ist daher möglich, sich mehrmals zu infizieren.

Die Erkrankung ist meldepflichtig. In Deutschland besteht eine nichtnamentliche, laborbasierte Meldepflicht für den Nachweis von Neisseria gonorrhoeae nach § 7 Abs. 3 Infektionsschutzgesetz [3].

Übertragung

Ursache der Gonorrhoe ist eine Infektion mit Neisseria gonorrhoeae. Der Erreger befällt vor allem Schleimhäute (feuchte innere Oberflächen) der Harnröhre, des Gebärmutterhalses, des Enddarms, des Rachens und der Augenbindehaut [1-3].

Der Erreger wird vor allem beim Vaginalverkehr, Analverkehr und Oralverkehr übertragen. Eine Übertragung kann auch von einer infizierten Mutter auf das Neugeborene während der Geburt erfolgen [1-3].

Die Gonorrhoe kann symptomatisch (mit Beschwerden) oder asymptomatisch (ohne Beschwerden) verlaufen. Asymptomatische Infektionen sind besonders an Cervix (Gebärmutterhals), Rektum (Enddarm) und Pharynx (Rachen) häufig und tragen zur unbemerkten Weitergabe der Infektion bei [1-3].

Eine relevante Koinfektion (gleichzeitige Infektion) mit Chlamydia trachomatis ist möglich. Deshalb soll bei Nachweis oder Verdacht auf Gonorrhoe regelhaft auch auf Chlamydien getestet werden; außerdem sollen weitere sexuell übertragbare Infektionen wie HIV, Syphilis und Hepatitis B/C risikoadaptiert abgeklärt werden [1-3].

Wichtiger Hinweis!

Kondome und Lecktücher reduzieren das Risiko einer Übertragung deutlich, bieten aber keinen vollständigen Schutz, wenn infektiöse Schleimhäute außerhalb des geschützten Bereichs Kontakt haben.

Symptome und Beschwerden

Genitale Gonorrhoe der Frau

Untere Gonorrhoe

  • Cervicitis (Gebärmutterhalsentzündung), häufig mit mukopurulentem Fluor genitalis (eitrig-schleimigem Scheidenausfluss)
  • Urethritis (Harnröhrenentzündung) mit Dysurie (Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen)
  • Kontaktblutungen, Zwischenblutungen oder Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr
  • Unterbauchbeschwerden
  • Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr)
  • Bartholinitis (Entzündung der Bartholin-Drüsen)

Hinweis!

Bei Frauen verläuft eine Gonorrhoe häufig mild oder asymptomatisch. Beschwerden können fehlen, obwohl eine ansteckende Infektion besteht.

Obere Gonorrhoe

  • Endometritis (Entzündung der Gebärmutterschleimhaut)
  • Salpingitis (Eileiterentzündung)
  • Adnexitis (Entzündung von Eileiter und Eierstock)
  • Pelvic inflammatory disease, PID (entzündliche Beckenerkrankung)
  • Kolikartige oder anhaltende Unterbauchschmerzen
  • Fieber
  • Übelkeit, Krankheitsgefühl
  • Schmerzen bei Bewegung des Gebärmutterhalses im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung

Mögliche Komplikationen einer Gonorrhoe der Frau sind:

  • Perihepatitis (Entzündung der Leberkapsel), auch Fitz-Hugh-Curtis-Syndrom genannt
  • Peritonitis (Bauchfellentzündung) im Rahmen einer aufsteigenden Infektion
  • Tuboovarialabszess (Eiteransammlung im Bereich von Eileiter und Eierstock)
  • Chronische Adnexitis (langandauernde Entzündung von Eileiter und Eierstock)
  • Sterilität (Unfruchtbarkeit)
  • Tubargravidität (Eileiterschwangerschaft)
  • Chronische Unterbauchschmerzen

Eine infizierte Mutter kann die Erkrankung während der Geburt auf ihr Kind übertragen.

Beim Neugeborenen kann eine Ophthalmia neonatorum (eitrige Bindehautentzündung des Neugeborenen) entstehen. Diese kann unbehandelt zu Hornhautschädigung und Erblindung führen. Die historische Crédé-Prophylaxe mit Silbernitrat ist in vielen Ländern nicht mehr Standard. Heute stehen die frühzeitige Diagnostik und Behandlung der Mutter, risikoadaptierte Neugeborenendiagnostik sowie eine gezielte antibiotische Therapie im Vordergrund [1-3].

Genitale Gonorrhoe des Mannes

  • Urethritis (Harnröhrenentzündung) mit Brennen der Harnröhre
  • Dysurie (Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen)
  • Gelblich-grüner, eitriger Ausfluss aus der Harnröhre
  • Gerötete oder verklebte Harnröhrenöffnung
  • Pollakisurie (häufiges Wasserlassen kleiner Mengen)
  • Urethritis posterior (Entzündung der hinteren Harnröhre)
  • Selten Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl

Hinweis!
Eine Gonorrhoe des Mannes kann auch mild oder asymptomatisch verlaufen. Besonders rektale (den Enddarm betreffende) und pharyngeale (den Rachen betreffende) Infektionen bleiben häufig unbemerkt.

Mögliche Komplikationen einer Gonorrhoe des Mannes sind:

  • Epididymitis (Nebenhodenentzündung)
  • Orchitis (Hodenentzündung)
  • Prostatitis (Prostataentzündung)
  • Vesikulitis (Bläschendrüsenentzündung)
  • Urethrastriktur (Harnröhrenverengung), selten
  • Sterilität (Unfruchtbarkeit), selten

Extragenitale Gonorrhoe

Eine Gonorrhoe kann sich auch außerhalb der Genitalorgane manifestieren.

  • Pharyngeale Gonorrhoe (Rachengonorrhoe) nach Oralverkehr, häufig asymptomatisch
  • Rektale Gonorrhoe (Enddarmgonorrhoe) nach Analverkehr, häufig asymptomatisch oder mit Juckreiz, Schmerzen, Ausfluss oder Blutbeimengung
  • Konjunktivitis (Bindehautentzündung) durch direkten Kontakt mit infektiösem Sekret
  • Ophthalmia neonatorum (eitrige Bindehautentzündung des Neugeborenen)

Disseminierte Gonokokkeninfektion (im Körper ausgebreitete Gonokokkeninfektion)

  • Gonokokkensepsis (Blutvergiftung durch Gonokokken), selten
  • Arthritis (Gelenkentzündung)
  • Tenosynovitis (Sehnenscheidenentzündung)
  • Dermatitis (Hautentzündung) mit Hautläsionen
  • Meningitis (Hirnhautentzündung), sehr selten
  • Endokarditis (Herzinnenhautentzündung), sehr selten

Diagnostik

Die moderne Diagnostik der Gonorrhoe beruht primär auf dem direkten Erregernachweis mittels Nukleinsäureamplifikationstest. Die Kultur bleibt wichtig, weil nur sie eine vollständige phänotypische Resistenztestung erlaubt [1-3, 6].

Laborparameter 1. Ordnung – obligate Laboruntersuchungen

  • Nukleinsäureamplifikationstest (NAT/NAAT) auf Neisseria gonorrhoeae – bevorzugtes Verfahren zum Erregernachweis
    • Beim Mann: Erststrahlurin nach möglichst mindestens zweistündiger Miktionskarenz oder meataler/urethraler Abstrich
    • Bei der Frau: Vaginalabstrich oder Zervixabstrich; Erststrahlurin ist möglich, kann aber je nach Testsystem weniger sensitiv sein
    • Bei entsprechender Exposition: rektaler Abstrich und/oder pharyngealer Abstrich
    • Bei Augensymptomen: Konjunktivalabstrich
  • Nukleinsäureamplifikationstest (NAT/NAAT) auf Chlamydia trachomatis – wegen häufiger Koinfektion obligat mitzuführen
  • Kultureller Nachweis von Neisseria gonorrhoeae – möglichst vor Therapie, insbesondere bei positivem NAT/NAAT, bei Therapieversagen, bei Verdacht auf Resistenz, bei pharyngealer Gonorrhoe, bei disseminierter Gonokokkeninfektion, bei forensischer Fragestellung oder wenn eine Resistenztestung erforderlich ist
  • Antibiotikaresistenztestung (Empfindlichkeitsprüfung gegen Antibiotika) aus der Kultur – wichtig wegen zunehmender Resistenzentwicklung, insbesondere gegen Fluorchinolone, Makrolide und Cephalosporine
  • Mikroskopie eines gefärbten Abstrichs – nur ergänzend bei symptomatischer Urethritis des Mannes mit eitrigem Ausfluss aussagekräftig; Nachweis gramnegativer intrazellulärer Diplokokken kann eine schnelle Verdachtsdiagnose ermöglichen

Hinweise zur Probenentnahme

  • Die Probenentnahme muss alle exponierten Körperstellen berücksichtigen: genital, rektal, pharyngeal und ggf. konjunktival.
  • Bei ausschließlicher Untersuchung von Urin oder Genitalabstrich können rektale oder pharyngeale Infektionen übersehen werden.
  • Bei Kultur ist eine kurze Transportzeit und ein geeignetes Transportmedium erforderlich, da Gonokokken empfindliche Bakterien sind.
  • Ein serologischer Antikörpernachweis gegen Neisseria gonorrhoeae ist für die Routinediagnostik der Gonorrhoe nicht geeignet und wird nicht als Standardverfahren empfohlen.

Laborparameter 2. Ordnung – in Abhängigkeit von Anamnese, körperlicher Untersuchung, Sexualanamnese und Befundkonstellation – zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • HIV-Test – bei jeder neu diagnostizierten Gonorrhoe beziehungsweise bei entsprechendem Risiko
  • Syphilis-Serologie – bei jeder neu diagnostizierten Gonorrhoe beziehungsweise bei entsprechendem Risiko
  • Hepatitis-B-Serologie – insbesondere Impfstatus, HBsAg, Anti-HBs und Anti-HBc bei unklarem Status oder Risikokonstellation
  • Hepatitis-C-Diagnostik – Anti-HCV, ggf. HCV-RNA bei Risikokonstellation
  • Mycoplasma genitalium-NAT – bei persistierender oder rezidivierender Urethritis, Cervicitis oder Proktitis nach Standarddiagnostik
  • Trichomonas vaginalis-NAT – bei entsprechender Symptomatik, Risikokonstellation oder persistierenden Beschwerden
  • Schwangerschaftstest – bei Frauen im gebärfähigen Alter, wenn Therapieentscheidung oder Komplikationsdiagnostik davon abhängen
  • Entzündungsparameter – CRP (C-reaktives Protein), Blutbild, ggf. Blutkulturen bei Fieber, Sepsisverdacht oder Verdacht auf disseminierte Gonokokkeninfektion
  • Gelenkpunktion mit Kultur und NAT/NAAT – bei Verdacht auf gonokokkenbedingte Arthritis
  • Liquorpunktion mit Liquordiagnostik – bei Verdacht auf Meningitis
  • Endokarditisdiagnostik mit Blutkulturen und Echokardiographie – bei Verdacht auf Endokarditis

Screening und Testindikation

  • Testung bei Symptomen einer Urethritis, Cervicitis, Proktitis, Pharyngitis nach Sexualkontakt oder Konjunktivitis mit STI-Risiko
  • Testung nach Sexualkontakt mit einer Person mit nachgewiesener Gonorrhoe
  • Testung bei Diagnostik anderer sexuell übertragbarer Infektionen
  • Risikoadaptierte Testung bei wechselnden Sexualpartnern, Männern mit Sex mit Männern, Sexarbeit, HIV-Präexpositionsprophylaxe, HIV-Infektion oder früherer STI
  • Testung aller relevanten Expositionsorte, da pharyngeale und rektale Infektionen häufig asymptomatisch sind
  • Testung in der Schwangerschaft bei Risikokonstellation oder Symptomen

Kontrolluntersuchung und Partnerbehandlung

  • Sexualpartner der letzten 60 Tage sollen informiert, untersucht und behandelt werden.
  • Bis 7 Tage nach abgeschlossener Behandlung und bis zur Behandlung der Sexualpartner soll auf Sexualkontakte verzichtet werden.
  • Ein Test-of-Cure (Kontrolltest zum Nachweis der Heilung) ist besonders bei pharyngealer Gonorrhoe, Therapieversagen, persistierenden Beschwerden, Resistenzverdacht, alternativer Therapie oder Schwangerschaft erforderlich.
  • Bei erneutem Risiko oder nach behandelter Gonorrhoe wird eine erneute Testung nach etwa 3 Monaten empfohlen, da Reinfektionen häufig sind.

Therapie

Die Gonorrhoe wird antibiotisch behandelt. Wegen zunehmender Antibiotikaresistenzen soll die Therapie leitliniengerecht erfolgen und sich, wenn möglich, an Kultur und Resistenztestung orientieren [1-3, 6].

Bei unkomplizierter Gonorrhoe ist Ceftriaxon derzeit der zentrale Wirkstoff der Standardtherapie. Wenn eine Chlamydieninfektion nicht ausgeschlossen ist, erfolgt zusätzlich eine gegen Chlamydien wirksame Behandlung, zum Beispiel mit Doxycyclin. Die genaue Therapie richtet sich nach Manifestationsort, Schwangerschaft, Allergien, Resistenzlage, Vorbehandlung und Begleitinfektionen [1-3].

Bei disseminierter Gonokokkeninfektion, Arthritis, Meningitis, Endokarditis, Ophthalmia neonatorum, Schwangerschaft, Therapieversagen oder Resistenzverdacht ist eine fachärztliche Mitbehandlung erforderlich.

Red Flags (Warnzeichen) bei Gonorrhoe

  • Fieber, starker Unterbauchschmerz oder Verdacht auf entzündliche Beckenerkrankung
  • Hodenschmerzen oder Schwellung des Nebenhodens
  • Gelenkschmerzen, Gelenkschwellung, Hautläsionen oder Verdacht auf disseminierte Gonokokkeninfektion
  • Augenschmerzen, eitrige Bindehautentzündung oder Sehverschlechterung
  • Beschwerden beim Neugeborenen nach möglicher mütterlicher Infektion
  • Persistierende Beschwerden nach Therapie
  • Positiver Test trotz leitliniengerechter Therapie
  • Verdacht auf Antibiotikaresistenz

Leitlinien und maßgebliche Quellen

  1. S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Gonorrhoe. AWMF-Registernummer: 059-004. Version 2.0, Stand: 21.12.2018, aktuell in Überarbeitung. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/059-004
  2. S3-Leitlinie: Management der Urethritis bei männlichen Jugendlichen und Erwachsenen. AWMF-Registernummer: 013-099. Stand: September 2024, publiziert 2025. https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-099l_S3_Management-Urethritis-maennliche-Jugendliche-Erwachsene_2025-02.pdf
  3. Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber: Gonorrhö (Tripper). https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Gonorrhoe.html
  4. World Health Organization. Gonorrhoea (Neisseria gonorrhoeae infection). Fact sheet. 22 October 2025. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/gonorrhoea-%28neisseria-gonorrhoeae-infection%29
  5. European Centre for Disease Prevention and Control. Gonorrhoea. Annual Epidemiological Report for 2023. Published 10 February 2025. https://www.ecdc.europa.eu/en/publications-data/gonorrhoea-annual-epidemiological-report-2023
  6. Centers for Disease Control and Prevention. Gonococcal Infections Among Adolescents and Adults. STI Treatment Guidelines. https://www.cdc.gov/std/treatment-guidelines/gonorrhea-adults.htm