Chlamydien-Test

Unter einer Chlamydien-Infektion ist in der klinischen Labordiagnostik in der Regel eine sexuell übertragene Infektion durch Chlamydia trachomatis zu verstehen. Für die heutige Standarddiagnostik ist der direkte Erregernachweis (Nachweis des Krankheitserregers) mittels Nukleinsäureamplifikationstest (NAAT) maßgeblich. Ältere Verfahren wie Antigennachweise (Nachweis von Bestandteilen des Erregers), direkte Immunfluoreszenz (Sichtbarmachung mit fluoreszierenden Farbstoffen) oder serologische Routinediagnostik (Antikörperuntersuchung im Blut) sind der modernen Primärdiagnostik urogenitaler (Harn- und Geschlechtsorgane betreffend) und extragenitaler (außerhalb der Geschlechtsorgane) Infektionen diagnostisch unterlegen und sollen hierfür nicht mehr als Standardverfahren verwendet werden [1-3].

Synonyme

  • Chlamydia-trachomatis-Infektion
  • Genitale Chlamydien-Infektion
  • Urogenitale Chlamydien-Infektion
  • Chlamydien-Urethritis (Harnröhrenentzündung)
  • Chlamydien-Cervicitis (Gebärmutterhalsentzündung)

Das Verfahren

  • Benötigtes Material
    • Frauen: Vaginaler Abstrich (Abstrich aus der Scheide) als Material der ersten Wahl
    • Frauen alternativ: Endozervikaler Abstrich (Abstrich aus dem Gebärmutterhalskanal) oder Erststrahlurin (erste Portion des Urins)
    • Männer: Erststrahlurin (erste Portion des Urins) als Material der ersten Wahl
    • Männer alternativ: Urethralabstrich (Abstrich aus der Harnröhre)
    • Bei entsprechender Exposition oder Symptomatik: Rektalabstrich (Abstrich aus dem Enddarm) und/oder Oropharyngealabstrich (Abstrich aus dem Rachen)
    • Bei okulärer Symptomatik: Konjunktivaler Abstrich (Abstrich aus der Bindehaut des Auges)
  • Vorbereitung des Patienten
    • Für die Urindiagnostik (Urinuntersuchung) sollte Erststrahlurin verwendet werden.
    • Möglichst keine Miktion (Wasserlassen) in den vorangehenden 1-2 Stunden vor Gewinnung von Erststrahlurin.
    • Die Probennahme (Entnahme der Probe) sollte sich an Lokalisation der Beschwerden und Sexualanamnese (Befragung zum Sexualverhalten) orientieren.
    • Bei Verdacht auf extragenitale Infektion ist eine alleinige urogenitale Probengewinnung (Probenentnahme im Genitalbereich) nicht ausreichend.
  • Störfaktoren
    • Ungeeignetes Probenmaterial (nicht geeignetes Untersuchungsmaterial)
    • Unzureichende Präanalytik (Vorbereitung der Probe vor der Analyse) oder falsche Entnahmetechnik
    • Zu geringe Zellausbeute im Abstrichmaterial (zu wenige Zellen in der Probe)
    • Vorangegangene antibiotische Therapie (Behandlung mit Antibiotika)
    • Zu frühe Kontrolltestung (Kontrolluntersuchung) nach Therapie mit Nachweis nicht mehr vitaler Erregerbestandteile
    • Fehlende Testung exponierter extragenitaler Lokalisationen
  • Methode
    • Nukleinsäureamplifikationstest (NAAT), z. B. Polymerase-Kettenreaktion (PCR) (Vervielfältigung von Erbmaterial) oder Transcription-Mediated Amplification (TMA)
    • Direkter Erregernachweis (direkter Nachweis des Krankheitserregers) aus urogenitalem oder extragenitalem Material
    • Serologie (Antikörperuntersuchung im Blut) nicht zur Routinediagnostik akuter unkomplizierter anogenitaler Infektionen
    • Kultur (Anzüchtung von Erregern) nur in Spezialfragestellungen, nicht als Routinemethode
    • Antigennachweise (Nachweis von Erregerbestandteilen) und direkte Immunfluoreszenz sind heute nicht mehr Standard der Primärdiagnostik [1-3]

Normbereiche (je nach Labor)

Untersuchung Referenzbereich
Chlamydia trachomatis-NAAT aus geeignetem Probenmaterial Negativ
Qualitativer Erregernachweis Kein Erregernachweis

Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.

Indikationen

  • Urethritis (Harnröhrenentzündung), Cervicitis (Gebärmutterhalsentzündung), Dysurie (Schmerzen beim Wasserlassen), mukopurulenter Fluor (schleimig-eitriger Ausfluss), Kontaktblutung (Blutung nach Berührung), Zwischenblutungen
  • Verdacht auf pelvine entzündliche Erkrankung (Entzündung im Beckenbereich)
  • Epididymitis (Nebenhodenentzündung), Proktitis (Enddarmentzündung) oder proktitische Beschwerden
  • Sexualanamnese (Befragung zum Sexualverhalten) mit erhöhtem Expositionsrisiko
  • Testung asymptomatischer (ohne Beschwerden verlaufender) sexuell aktiver Frauen bis zum abgeschlossenen 25. Lebensjahr im Rahmen des in Deutschland vorgesehenen Screenings [6]
  • Schwangerschaft (Schwangerschaft) bei klinischer Indikation oder erhöhtem Risiko
  • Partnertestung (Untersuchung von Sexualpartnern) bei gesicherter Chlamydien-Infektion
  • Extragenitale Testung (Untersuchung außerhalb der Geschlechtsorgane) bei analer oder oraler Exposition
  • Verdacht auf neonatale Chlamydien-Infektion (Infektion beim Neugeborenen)
  • Verdacht auf Lymphogranuloma venereum (bestimmte sexuell übertragbare Erkrankung) bei invasiven anorektalen oder inguinalen Verläufen [1, 2]

Interpretation

  • Positiver NAAT
    • Spricht für eine Infektion (Ansteckung) mit Chlamydia trachomatis an der getesteten anatomischen Lokalisation
    • Ein positiver Befund ist lokalisationsbezogen zu interpretieren
    • Ein negativer urogenitaler Test schließt eine rektale oder oropharyngeale Infektion nicht sicher aus
  • Negativer NAAT
    • Spricht gegen eine Infektion an der getesteten Lokalisation
    • Falsch-negative Befunde sind bei ungeeignetem Material, unzureichender Präanalytik, früher Antibiotikagabe oder nicht getesteter Expositionsstelle möglich
  • Serologie
    • Nicht geeignet zur Akutdiagnostik unkomplizierter genitaler Chlamydien-Infektionen
    • Allenfalls in ausgewählten Spezialkonstellationen mit limitierter Zusatzinformation
  • Kontrolltestung
    • Bei nicht graviden Patienten ist ein früher Test of Cure (Kontrolluntersuchung nach Therapie) in der Regel nicht indiziert
    • Eine Eradikationskontrolle (Überprüfung der vollständigen Erregerbeseitigung) mittels NAAT soll, wenn erforderlich, frühestens etwa 4 Wochen nach Therapie erfolgen
    • Eine Re-Testung (erneute Untersuchung) nach etwa 3 Monaten ist sinnvoll, um Reinfektionen (erneute Ansteckung) zu erfassen [1, 2]

Weiterführende Diagnostik

  • Zusätzliche Testung (Untersuchung) auf Neisseria gonorrhoeae bei klinischer Überlappung oder entsprechendem Risiko
  • Weitere STI-Diagnostik (Untersuchung auf sexuell übertragbare Infektionen) je nach Risikoprofil: HIV, Syphilis, Hepatitis B, Hepatitis C
  • Bei persistierender (anhaltender) oder rezidivierender (wiederkehrender) Urethritis oder Cervicitis: Differentialdiagnostische Abklärung (weitere Abklärung möglicher Ursachen) auf Mycoplasma genitalium, Trichomonas vaginalis oder bakterielle Vaginosen oder andere Urogenitalinfektionen
  • Bei Verdacht auf pelvine entzündliche Erkrankung: Gynäkologische Untersuchung (Untersuchung der weiblichen Geschlechtsorgane) und transvaginale Sonographie (Ultraschalluntersuchung über die Scheide)
  • Bei Epididymitis oder Orchitis: Urologische Untersuchung (Untersuchung der männlichen Geschlechtsorgane und Harnwege) und Sonographie (Ultraschalluntersuchung)
  • Bei Verdacht auf Lymphogranuloma venereum: Differenzierende Genotypisierung (genetische Feintypisierung), sofern verfügbar

Klinische Hinweise

  • Erreger und klinische Einordnung
    • Für sexuell übertragene Chlamydien-Infektionen ist klinisch primär Chlamydia trachomatis relevant
    • Die Serovare D-K verursachen vor allem urogenitale, rektale und konjunktivale Infektionen
    • Die Serovare L1-L3 verursachen das Lymphogranuloma venereum als invasive Sonderform [1]
  • Asymptomatische Verläufe
    • Ein großer Teil der Infektionen verläuft asymptomatisch oder oligosymptomatisch
    • Dies begründet die klinische Bedeutung einer risikoadaptierten Teststrategie und des Screenings [1, 2, 6]
  • Frauen
    • Typische Manifestationen sind Cervicitis und Urethritis sowie pelvine entzündliche Erkrankung bei aszendierendem Verlauf
    • Erhöhtes Risiko für pelvine entzündliche Erkrankung, Extrauteringravidität und tubaren Fertilitätsschaden
    • Langzeitdaten zeigen ein erhöhtes Risiko reproduktionstraktbezogener Komplikationen [5]
    • Wiederholte Infektionen erhöhen das Risiko für Folgeschäden [1, 2, 5]
  • Männer
    • Häufige Manifestationen sind Urethritis und Epididymitis
    • Anorektale Infektionen sind bei entsprechender Exposition möglich
    • Langfristige Fertilitätsfolgen sind weniger gut belegt als bei Frauen [2, 5]
  • Extragenitale Infektionen
    • Rektale Infektionen sind klinisch relevant und können asymptomatisch verlaufen
    • Rektale Koinfektionen bei Frauen auch ohne analen Geschlechtsverkehr möglich
    • Reine Urogenitaldiagnostik kann extragenitale Infektionen übersehen [1, 2]
  • Probenmaterial
    • Vaginale Abstriche sind sensitiver als Urinproben bei Frauen
    • Selbst entnommene Proben sind diagnostisch geeignet und verbessern die Testzugänglichkeit [3, 4, 7]
  • Schwangerschaft und Neonatologie
    • Unbehandelte Infektionen sind mit maternalen und neonatalen Komplikationen assoziiert
    • Präpartale Diagnostik und Therapie reduzieren das Risiko neonataler Infektionen
    • Test of Cure (Heilungstest) nach etwa 4 Wochen und Re-Testung nach 3 Monaten empfohlen [1, 2]
  • Therapie und Nachsorge
    • Eine gesicherte Infektion ist behandlungsbedürftig
    • Partnermanagement ist essenziell zur Vermeidung von Reinfektionen
    • Doxycyclin ist Standardtherapie bei nicht graviden Patienten, Azithromycin in der Schwangerschaft [1, 2]
  • Einordnung älterer diagnostischer Konzepte
    • Frühere Routinediagnostik mittels Immunfluoreszenz oder Antikörperbestimmung ist obsolet
    • Heute entscheidend sind NAAT, korrektes Probenmaterial und Expositionsdiagnostik [1-3]
  • Versorgung in Deutschland
    • Frauen bis zum 25. Lebensjahr haben Anspruch auf ein jährliches Screening [6]

Literatur

  1. White JA, Dukers-Muijrers NHTM, Hoebe CJPA, Kenyon CR, Ross JDC, Unemo M. 2025 European guideline on the management of Chlamydia trachomatis infections. Int J STD AIDS. 2025;36(6):434-449. https://doi.org/10.1177/09564624251323678
  2. Hocking JS, Geisler WM, Kong FYS. Update on the Epidemiology, Screening, and Management of Chlamydia trachomatis Infection. Infect Dis Clin North Am. 2023;37(2):313-327. https://doi.org/10.1016/j.idc.2023.02.007
  3. Rodrigues R, Silva AR, Sousa C, Vale N. Addressing Challenges in Chlamydia trachomatis Detection: A Comparative Review of Diagnostic Methods. Medicina (Kaunas). 2024;60(8):1236. https://doi.org/10.3390/medicina60081236
  4. Aaron KJ, Griner S, Footman A, Boutwell A, Van Der Pol B. Vaginal Swab vs Urine for Detection of Chlamydia trachomatis, Neisseria gonorrhoeae, and Trichomonas vaginalis: A Meta-Analysis. Ann Fam Med. 2023;21(2):172-179. https://doi.org/10.1370/afm.2942
  5. Alexiou ZW, Hoenderboom BM, Hoebe CJPA, Dukers-Muijrers NHTM, Götz HM, van der Sande MAB, et al. Reproductive tract complication risks following Chlamydia trachomatis infections: a long-term prospective cohort study from 2008 to 2022. Lancet Reg Health Eur. 2024;45:101027. https://doi.org/10.1016/j.lanepe.2024.101027
  6. Gemeinsamer Bundesausschuss. Chlamydien-Test für Frauen bis 25 Jahre. Stand: Abruf 13.04.2026.
  7. Smith AC, Thorpe PG, Learner ER, Galloway ET, Kersh EN. At-home specimen self-collection as an additional testing strategy for chlamydia and gonorrhoea: a systematic literature review and meta-analysis. BMJ Glob Health. 2024;9(8):e015349. https://doi.org/10.1136/bmjgh-2024-015349