Funktionstests (endokrinologische Funktionsdiagnostik) – klinische Einordnung und Entscheidungsprinzipien

Funktionstests sind dynamische Untersuchungsverfahren zur gezielten Beurteilung hormoneller Regelkreise und endokriner Zielorganantworten. Sie werden eingesetzt, wenn basale Hormonbestimmungen keine ausreichende funktionelle Einordnung erlauben oder zur differenzialdiagnostischen Klärung spezifischer endokrinologischer Fragestellungen.

Grundprinzipien der klinischen Anwendung

  • Indikationsstellung:
    • Funktionstests sind keine Screeningverfahren
    • Einsatz nur bei klarer klinischer Fragestellung
  • Stufendiagnostik:
    • Zunächst basale Hormonanalytik
    • Anschließend gezielte Auswahl eines Funktionstests
  • Achsenorientiertes Vorgehen:
    • Beurteilung stets im Kontext der gesamten hormonellen Achse
  • Priorisierung:
    • Einsatz validierter Standardtests
    • Spezialdiagnostik nur selektiv

Hypercortisolismus (Cushing-Syndrom)

Nebennierenrindeninsuffizienz

  • Klinische Einordnung:
  • Weiterführende Diagnostik:
    • Insulin-Hypoglykämie-Test (zentrale Differenzierung)
  • Fallstricke:
    • Frühe zentrale Formen
    • Glukokortikoidtherapie

Hypogonadismus und Pubertätsstörungen

Akromegalie

  • Klinische Einordnung:
    • Oraler Glucosetoleranztest (oGTT) zur GH-Suppression (Suppressionstest; Synonym: GH-Suppressionstest) ist diagnostischer Standard
  • Fallstricke:
    • Präanalytik
    • Diskrepanz Wachstumshormon/IGF-I

Wachstumshormonmangel

  • Klinische Einordnung:
    • Insulin-Hypoglykämie-Test als Referenz
  • Alternativen:

Neurohypophyse/Wasserhaushalt

  • Klinische Einordnung:

Primärer Hyperaldosteronismus

  • Klinische Einordnung:
    • Kochsalzbelastungstest zur Bestätigung
    • Captopril-Test als Alternative

Zentrale Hypothyreose

  • Klinische Einordnung:

Klinische Schlüsselprinzipien (Kurzübersicht)

Situation Primärer Test Wichtiger Hinweis
Cushing-Verdacht Dexamethason-Kurztest Pseudo-Cushing beachten
NNR-Insuffizienz ACTH-Kurztest zentrale Formen möglich
GH-Mangel Insulin-Hypoglykämie-Test Kontraindikationen prüfen
Akromegalie oGTT zur GH-Suppression IGF-I berücksichtigen
Polyurie/Polydipsie Durstversuch (Wasserentzugstest) Differenzierung zentral vs. renal
Hyperaldosteronismus Kochsalzbelastungstest Screening zuvor erforderlich

Zusammenfassung

  • Funktionstests sind essenziell zur funktionellen Differenzierung endokriner Erkrankungen.
  • Ihr Einsatz erfolgt indikationsbezogen und stufenweise.
  • Sie ergänzen die basale Hormondiagnostik durch die Beurteilung von Achsenfunktion und Zielorganantwort.
  • Die Interpretation erfordert stets die Einordnung in den klinischen Gesamtkontext.