Hüftnaher Oberschenkelbruch (proximale Femurfraktur) – Weitere Therapie
Allgemeine Maßnahmen
- Frühfunktionelle Mobilisation der betroffenen unteren Extremität nach operativer Stabilisierung (Operation zur Stabilisierung), abhängig von Frakturtyp (Knochenbruchform), Osteosynthese-/Prothesenstabilität (Stabilität der Knochenfixierung/des Gelenkersatzes) und Allgemeinzustand des Patienten (allgemeiner Gesundheitszustand), mit dem Ziel der Vermeidung immobilisationsbedingter Komplikationen (Folgen von Bewegungsmangel) [1, 2, 4].
- Konsequente Hochlagerung der betroffenen Extremität (Bein) zur Ödemreduktion (Abschwellung) in der Frühphase postoperativ (nach der Operation) [1].
- Engmaschige klinische und neurovaskuläre Überwachung (engmaschige Kontrolle von Nerven und Durchblutung) (Durchblutung, Sensibilität (Gefühl), Motorik (Beweglichkeit); Schmerzprogression (zunehmende Schmerzen) als Warnzeichen) zur frühzeitigen Erkennung von Komplikationen (Folgeproblemen) wie Hämatom (Bluterguss), Infektion (Entzündung) oder Kompartmentsyndrom (Druckschädigung durch Gewebeschwellung) [1, 2].
- Leitliniengerechte Schmerztherapie nach einem stufenweisen Konzept (nicht-opioide Analgetika (Schmerzmittel ohne Opioide), ggf. Opioide (starke Schmerzmittel) unter Risiko-Nutzen-Abwägung), um Mobilisation (Bewegungsaufnahme) und aktive Mitarbeit zu ermöglichen [1, 2].
- Frakturassoziierte Osteoporoseabklärung (Abklärung von Knochenschwund) bei Niedrigenergietrauma (Bagatelltrauma) oder höherem Lebensalter mit anschließender sekundärer Frakturprävention (Vorbeugung weiterer Brüche) [1, 5].
- Nikotinrestriktion (Verzicht auf Tabakkonsum), da Rauchen mit verzögerter Frakturheilung (verzögerter Knochenheilung), erhöhter Komplikationsrate (mehr Folgeproblemen) und schlechteren funktionellen Ergebnissen (schlechterer Wiederherstellung der Funktion) assoziiert ist [1].
- Begrenzter Alkoholkonsum entsprechend den allgemeinen medizinischen Empfehlungen.
- Normalgewicht anstreben unter Berücksichtigung des Body-Mass-Index (BMI) (Körpermasse-Index) und der Körperzusammensetzung, da Unter- wie Übergewicht mit ungünstigen funktionellen Ergebnissen (schlechterer Wiederherstellung der Funktion) assoziiert sind [1].
- Überprüfung der Dauermedikation hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf Blutungsrisiko, Knochenstoffwechsel und Sturzrisiko (z. B. Antikoagulanzien (Blutverdünner), Sedativa (Beruhigungsmittel)) [1, 2].
- Reduktion psychosozialer Belastungen (seelischer/sozialer Stress) (z. B. Stress, soziale Isolation (Vereinsamung)), da diese den Rehabilitationsverlauf (Genesungsverlauf) negativ beeinflussen können.
- Reduktion von Umwelt- und Sturzrisiken im häuslichen Umfeld als Bestandteil der Sekundärprävention (Vorbeugung weiterer Ereignisse) [1, 5].
Konventionelle nicht-operative Therapieverfahren
- Eine primär konservative Therapie (Behandlung ohne Operation) der proximalen Femurfraktur (Oberschenkelhals-/hüftnaher Oberschenkelbruch) ist nur in Ausnahmefällen indiziert (sinnvoll), z. B. bei nicht dislozierten Frakturen (nicht verschobenen Brüchen) mit stabiler Morphologie (stabiler Bruchform) und hohem Operationsrisiko (hohem Risiko einer Operation) [1, 2].
- Konservative Behandlung (Behandlung ohne Operation) umfasst strenge Schmerztherapie (konsequente Schmerzbehandlung), funktionelle Lagerung (zweckmäßige Lagerung), Mobilisation (Bewegungsaufnahme) im schmerzadaptierten Rahmen (angepasst an die Schmerzen) sowie engmaschige klinische (ärztliche) und radiologische Verlaufskontrollen (Kontrollen mit Bildgebung) [1].
- Thromboseprophylaxe (Vorbeugung von Blutgerinnseln) entsprechend individueller Risikokonstellation bei eingeschränkter Mobilität (Bewegungseinschränkung) [1, 2].
- Regelmäßige Reevaluation (erneute Überprüfung) der Therapiestrategie (Behandlungsstrategie) bei ausbleibender Mobilisierbarkeit (fehlender Mobilisierbarkeit) oder zunehmender funktioneller Einschränkung (zunehmender Einschränkung der Funktion) [1].
Operative Therapie
- Operative Stabilisierung (Operation zur Stabilisierung) oder endoprothetische Versorgung (Gelenkersatz) ist bei der proximalen Femurfraktur (Oberschenkelhals-/hüftnaher Oberschenkelbruch) das Standardverfahren (Standardbehandlung) und erfolgt gemäß Frakturlokalisation (Knochenbruchstelle), Stabilität, biologischem Alter (funktionellem Alter) und funktionellem Anspruch (Anspruch an Beweglichkeit und Alltag) [1, 2].
- Postoperative Frühmobilisation (frühe Mobilisation nach der Operation) mit Belastung entsprechend der Stabilität der Versorgung (Stabilität der Fixierung/des Gelenkersatzes) ist leitliniengerecht anzustreben [1, 2, 4].
- Ein strukturiertes, indikationsbezogenes physiotherapeutisches Nachbehandlungskonzept (Physiotherapieplan je nach Situation) ist essenziell (entscheidend); ein darüber hinaus intensiviertes Frührehabilitationsprogramm (früh intensivierte Reha) ist nicht in allen Endpunkten (Ergebnisparametern) überlegen und sollte individuell entschieden werden [3, 4].
Medizinische Hilfsmittel
- Einsatz von Gehhilfen (z. B. Unterarmgehstützen (Krücken), Rollator (Gehwagen)) zur sicheren Mobilisation (sicheren Bewegung) in der Früh- und Übergangsphase (Anfangs- und Übergangszeit) [1].
- Hilfsmittel zur Alltagsadaptation (Hilfen für den Alltag) (z. B. Toilettensitzerhöhung (Toilettenaufsatz), Greifhilfen (Greifzange)) im Rahmen der Ergotherapie (Beschäftigungstherapie) bei funktionellen Einschränkungen (Einschränkungen der Funktion) [3].
Impfungen
Für Patienten mit proximaler Femurfraktur (Oberschenkelhals-/hüftnaher Oberschenkelbruch) bestehen keine frakturspezifischen Impfempfehlungen (besonderen Impfempfehlungen) über die allgemeinen STIKO-Empfehlungen (Empfehlungen der Ständigen Impfkommission) hinaus; eine Überprüfung des Impfstatus (Impfschutz) im Rahmen der allgemeinmedizinischen Betreuung wird empfohlen [1].
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen
- Frühzeitige unfallchirurgisch-orthopädische Verlaufskontrollen (Kontrollen beim Unfallchirurgen/Orthopäden) zur Beurteilung der Wundheilung (Heilung der Wunde), Implantatlage (Sitz des Implantats) und Mobilisierbarkeit (Möglichkeit zur Mobilisation) [1, 2].
- Radiologische Verlaufskontrollen (Kontrollen mit Bildgebung) gemäß Frakturmuster (Knochenbruchmuster), operativem Verfahren (Operationsmethode) und lokaler SOP (Standardvorgehen der Klinik) [1].
- Frühzeitiges Screening auf postoperative Komplikationen (z. B. Infektion, Implantatversagen, Luxation (Ausrenkung), thromboembolische Ereignisse (Blutgerinnsel/Embolien)) [1, 2].
- Funktionelle Verlaufskontrollen zur Beurteilung von Gehfähigkeit (Gehvermögen), Selbstständigkeit (Unabhängigkeit) und Rehabilitationsbedarf (Bedarf an Reha) [3].
Ernährungsmedizin
- Ernährungsberatung auf der Grundlage einer individuellen Ernährungsanalyse.
- Ernährungsempfehlungen gemäß einem gesunden Mischköstler unter Berücksichtigung des Alters und der individuellen Lebenssituation. Dies umfasst unter anderem:
- täglich insgesamt 5 Portionen frisches Gemüse und Obst (≥ 400 g; 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst)
- ein- bis zweimal pro Woche frischen Seefisch, insbesondere fette Meeresfische wie Lachs, Hering oder Makrele (Omega-3-Fettsäuren (Docosahexaensäure, Eicosapentaensäure))
- ballaststoffreiche Ernährung (faserreiche Ernährung) mit bevorzugtem Einsatz von Vollkornprodukten, Gemüse und Hülsenfrüchten
- Sicherstellung einer ausreichenden Proteinzufuhr (Eiweißzufuhr) zur Unterstützung von Wundheilung, Muskelkraft und Mobilisation, insbesondere bei älteren Patienten [3].
- Ausreichende Calcium- und Vitamin-D-Zufuhr im Rahmen der Osteoporoseprävention (Vorbeugung von Knochenschwund) und -therapie (Behandlung) gemäß individuellem Risikoprofil [5].
- Auswahl geeigneter Lebensmittel auf der Grundlage der individuellen Ernährungsanalyse.
- Siehe auch unter „Therapie mit Mikronährstoffen (Vitalstoffe)“ (Behandlung mit Mikronährstoffen) – ggf. ergänzende Einnahme eines geeigneten Nahrungsergänzungsmittels (Supplement).
- Beachte: Die aufgeführten Mikronährstoffe stellen keinen Ersatz für eine medikamentöse Therapie dar. Nahrungsergänzungsmittel (Supplemente) dienen ausschließlich der Ergänzung der allgemeinen Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation.
Sportmedizin
- Stufenweiser Belastungsaufbau (schrittweise Steigerung der Belastung) und Rückkehr zu Alltags- und sportlichen Aktivitäten abhängig von Frakturheilung (Knochenheilung), Stabilität und funktionellem Status (Funktionszustand) [3].
- Training von Gleichgewicht (Balance) und Beinkraft (Kraft der Beine) zur Reduktion des Sturz- und Refrakturrisikos (Risiko für Sturz und erneuten Bruch) [1, 5].
- Erstellung eines individuellen Trainings- bzw. Bewegungsplans (persönlichen Trainingsplans) auf Grundlage eines medizinischen Checks (medizinischen Untersuchungsprogramms).
Physikalische Therapie (inkl. Physiotherapie)
- Frühfunktionelle Übungsbehandlung (frühe Übungen zur Wiederherstellung der Funktion) bereits in der Akutphase mit Fokus auf Mobilisation (Bewegungsaufnahme), Kraftaufbau und Koordination [3, 4].
- Ergotherapie (Beschäftigungstherapie) bei persistierenden Einschränkungen (anhaltenden Einschränkungen) der Alltagsfunktionen [3].
- Multimodale Therapieansätze (Behandlung mit mehreren Bausteinen) bei komplexen Schmerzsyndromen (komplizierten Schmerzstörungen) oder verzögerter funktioneller Erholung (verzögerter Wiederherstellung der Funktion) [3].
Psychotherapie
- Psychologische oder psychotherapeutische Mitbehandlung (psychologische/psychotherapeutische Behandlung) bei Angst, depressiver Symptomatik (Depression), Schmerzchronifizierung (chronischen Schmerzen) oder funktioneller Vermeidung (Schonverhalten) im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzeptes (Behandlung mit mehreren Bausteinen) [3].
Schulungsmaßnahmen
- Patientenschulung zu Mobilisation (Bewegungsaufnahme), Hilfsmitteln, Sturzprävention (Sturzvorbeugung), Warnzeichen postoperativer Komplikationen (Warnzeichen nach der Operation) und eigenständigen Übungsprogrammen (selbstständigen Übungen) [1, 3].
Rehabilitation
- Strukturierte rehabilitative Maßnahmen (Reha) (ambulant oder stationär) bei relevanten funktionellen Defiziten (wichtigen Funktionsdefiziten) oder eingeschränkter Selbstständigkeit (eingeschränkter Unabhängigkeit), insbesondere im höheren Lebensalter [3].
Literatur
- National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Hip fracture: management (CG124). Update 2023. Verfügbar unter: https://www.nice.org.uk/guidance/cg124
- American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS). Management of Hip Fractures in Older Adults: Evidence-Based Clinical Practice Guideline. 2021. Verfügbar unter: https://www.aaos.org/globalassets/quality-and-practice-resources/hip-fractures-in-the-elderly/hipfxcpg.pdf
- Handoll HHG, Cameron ID, Mak JCS, Finnegan TP. Multidisciplinary rehabilitation for older people with hip fractures. Cochrane Database Syst Rev. 2021;11:CD007125. doi: https://doi.org/10.1002/14651858.CD007125.pub3
- Agarwal N, Feng T, MacLullich A, Duckworth A, Clement N. Early mobilisation after hip fracture surgery is associated with improved patient outcomes: a systematic review and meta-analysis. Musculoskeletal Care. 2024;22:e1863. doi: https://doi.org/10.1002/msc.1863
- S3-Leitlinie: Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern ab dem 50.Lebensjahr. (AWMF-Registernummer: 183-001), September 2023 Kurzfassung Langfassung
Leitlinien
- National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Hip fracture: management (CG124). Update 2023. Verfügbar unter: https://www.nice.org.uk/guidance/cg124
- American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS). Management of Hip Fractures in Older Adults: Evidence-Based Clinical Practice Guideline. 2021. Verfügbar unter: https://www.aaos.org/globalassets/quality-and-practice-resources/hip-fractures-in-the-elderly/hipfxcpg.pdf
- S3-Leitlinie: Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern ab dem 50.Lebensjahr. (AWMF-Registernummer: 183-001), September 2023 Kurzfassung Langfassung