Postthrombotisches Syndrom – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch ein postthrombotisches Syndrom (Folgezustand nach einer tiefen Venenthrombose) mitbedingt sein können:
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Lipodermatosklerose (Verhärtung von Haut und Unterhautgewebe durch chronischen venösen Blutstau) – fibrosierende Induration von Haut und Subkutis infolge der chronischen venösen Hypertonie (erhöhter Druck im Venensystem); sie kennzeichnet eine fortgeschrittene chronische Venenerkrankung und erhöht das Risiko venöser Ulzerationen (venöser Geschwüre) [4, LL3].
- Sekundäre Varikosis (Krampfadern) bzw. venöse Ektasien (Venenerweiterungen) – können sich infolge der postthrombotisch bedingten venösen Hypertonie und Kollateralisierung entwickeln [4, LL3].
- Stauungsdermatitis (Hautentzündung durch venösen Blutstau) (venöses Ekzem) – entzündliche Hautveränderung infolge der chronischen venösen Hypertonie [4, LL3].
- Trophische Hautveränderungen (Hautveränderungen infolge einer gestörten Gewebeversorgung) – insbesondere Hyperpigmentierung (verstärkte Hautfärbung), Hautinduration (Hautverhärtung) und Atrophie blanche als Ausdruck einer fortgeschrittenen chronischen venösen Erkrankung [4, LL3].
- Ulcus cruris venosum (venös bedingtes Unterschenkelgeschwür) – schwerwiegendste lokale Manifestation des postthrombotischen Syndroms; das Vorliegen eines venösen Ulkus definiert unabhängig vom numerischen Villalta-Score ein schweres postthrombotisches Syndrom [4, LL1, LL3].
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Chronisches Beinödem (dauerhafte Beinschwellung) – persistierende oder im Tagesverlauf zunehmende Schwellung infolge der venösen Hypertonie und gestörten venösen Drainage (Blutabfluss aus den Venen) [4, LL1, LL3].
- Persistierende Beinschmerzen (anhaltende Beinschmerzen) mit Schwere- und Spannungsgefühl – typischerweise belastungs- und orthostaseabhängig und häufig durch Hochlagerung gebessert [4, LL1, LL3].
- Venöse Claudicatio (belastungsabhängige Beinschmerzen durch eine venöse Abflussbehinderung) – belastungsabhängiger, teilweise stark einschränkender Beinschmerz bei ausgeprägter venöser Ausflussobstruktion (Behinderung des Blutabflusses in den Venen), insbesondere bei chronischer iliofemoraler bzw. iliokavaler Obstruktion [LL3].
Weiteres
- Dauerhafte Einschränkung der körperlichen Funktionsfähigkeit, Alltagsaktivitäten und gesundheitsbezogenen Lebensqualität; das Ausmaß der Beeinträchtigung nimmt mit dem Schweregrad des postthrombotischen Syndroms zu [3, 4].
Prognosefaktoren
- Ausmaß und Lokalisation der vorausgegangenen tiefen Venenthrombose (Blutgerinnsel in einer tiefen Vene) – das Risiko eines postthrombotischen Syndroms steigt mit zunehmender proximaler Thrombusausdehnung. In einer aktuellen Metaanalyse betrug das Risiko nach iliofemoraler Thrombose 51,1 %, nach femoropoplitealer Thrombose 30,7 % und nach isolierter distaler Thrombose 22,8 %. Für ein moderates bis schweres postthrombotisches Syndrom lagen die entsprechenden Risiken bei 20,1 %, 11,9 % und 4,3 % [1].
- Ipsilaterale Rezidivthrombose (erneute Thrombose auf derselben Körperseite) bzw. vorausgegangene venöse Thromboembolien (Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel) – erneute thrombotische Ereignisse sind mit einem deutlich erhöhten Risiko für die Entwicklung bzw. Verschlechterung eines postthrombotischen Syndroms verbunden [2, 4, LL1, LL2].
- Übergewicht bzw. Adipositas (Fettleibigkeit) – ist ein unabhängiger Prädiktor für die Entwicklung eines postthrombotischen Syndroms [2].
- Höheres Lebensalter – ist mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung eines postthrombotischen Syndroms assoziiert [2].
- Vorbestehende Varikosis – ist ein unabhängiger Prädiktor für die Entwicklung eines postthrombotischen Syndroms [2, 4].
- Rauchen – ist in der aktuellen Metaanalyse unabhängiger Prädiktoren mit einem erhöhten Risiko für ein postthrombotisches Syndrom assoziiert [2].
- Erhöhter Villalta-Score in der frühen Verlaufsphase – ein höherer Ausgangswert ist mit einem erhöhten Risiko für die spätere Entwicklung bzw. einen höheren Schweregrad des postthrombotischen Syndroms assoziiert [2, 4].
Literatur
- Valerio L, Christodoulou KC, Abele C et al.: Postthrombotic syndrome: risk after deep vein thrombosis and estimates of its incidence and prevalence in Europe. J Thromb Haemost. 2026;24(5):1690-1699. doi: 10.1016/j.jtha.2025.12.017.
- Yu T, Song J, Yu L et al.: A systematic evaluation and meta-analysis of early prediction of post-thrombotic syndrome. Front Cardiovasc Med. 2023;10:1250480. doi: 10.3389/fcvm.2023.1250480.
- Lubberts B, Pereira NRP, Kabrhel C et al.: What is the effect of venous thromboembolism and related complications on patient reported health-related quality of life? A meta-analysis. Thromb Haemost. 2016;116(3):417-431. doi: 10.1160/TH16-02-0152.
- Hupperetz R, Ten Cate-Hoek A: The Postthrombotic syndrome, where are we now? Vasa. 2025;54(1):7-19. doi: 10.1024/0301-1526/a001156.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und Lungenembolie. (AWMF-Registernummer 065-002) Februar 2023 Langfassung. [LL1]
- Kakkos SK, Gohel M, Baekgaard N et al.: Editor's Choice - European Society for Vascular Surgery (ESVS) 2021 Clinical Practice Guidelines on the Management of Venous Thrombosis. Eur J Vasc Endovasc Surg. 2021;61(1):9-82. doi: 10.1016/j.ejvs.2020.09.023. [LL2]
- De Maeseneer MG, Kakkos SK, Aherne T et al.: Editor's Choice - European Society for Vascular Surgery (ESVS) 2022 Clinical Practice Guidelines on the Management of Chronic Venous Disease of the Lower Limbs. Eur J Vasc Endovasc Surg. 2022;63(2):184-267. doi: 10.1016/j.ejvs.2021.12.024. [LL3]