Herzbeutelentzündung (Perikarditis) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Perikarditis (Herzbeutelentzündung) mitbedingt sein können:

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Begleitmyokarditis (begleitende Herzmuskelentzündung) beziehungsweise Myoperikarditis (Entzündung von Herzmuskel und Herzbeutel) bei zusätzlicher myokardialer (den Herzmuskel betreffender) Entzündungsbeteiligung; prognostisch relevant insbesondere bei Troponinanstieg (Anstieg eines Herzmuskelschädigungsmarkers), ventrikulären Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen aus den Herzkammern), linksventrikulärer Dysfunktion (Funktionsstörung der linken Herzkammer) oder ausgedehnter Entzündungsaktivität in der kardialen Magnetresonanztomographie (MRT) (Kernspintomographie des Herzens) [LL1, 1]
  • Chronische Perikarditis beziehungsweise persistierende Perikarditis (anhaltende Herzbeutelentzündung) bei fortbestehenden Symptomen (Beschwerden) und Entzündungsaktivität über mehr als 3 Monate [LL1, 1]
  • Chronisch konstriktive Perikarditis (chronisch einengende Herzbeutelentzündung) durch fibrotische (vernarbende), verdickte oder verkalkte Perikardveränderungen (Herzbeutelveränderungen) mit diastolischer Füllungsbehinderung (gestörter Herzfüllung in der Entspannungsphase); bei idiopathischer (ohne erkennbare Ursache) oder viraler (virusbedingter) akuter Perikarditis selten, bei bakterieller (durch Bakterien verursachter), tuberkulöser (durch Tuberkulose verursachter), neoplastischer (tumorbedingter), postradiogener (nach Bestrahlung entstandener) oder postoperativer (nach einer Operation entstandener) Genese (Ursache) deutlich wahrscheinlicher [LL1, 1-3]
  • Effusiv-konstriktive Perikarditis (ergussbedingte und einengende Herzbeutelentzündung) mit Kombination aus relevantem Perikarderguss (Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel) und persistierender konstriktiver Hämodynamik (anhaltender einengungsbedingter Kreislaufveränderung) nach Drainage (Ableitung) des Ergusses [LL1, 1]
  • Herzinsuffizienzzeichen (Zeichen einer Herzschwäche) bei konstriktiver Perikarditis, insbesondere periphere Ödeme (Wassereinlagerungen an Armen oder Beinen), erhöhter zentralvenöser Druck (erhöhter Druck in den großen Körpervenen), Hepatomegalie (Lebervergrößerung), Pleuraergüsse (Flüssigkeitsansammlungen im Brustfellraum) und Belastungsdyspnoe (Atemnot bei Belastung) [LL1, 1]
  • Perikarderguss bei exsudativer (flüssigkeitsbildender) oder inflammatorischer (entzündlicher) Perikarditis; kleine Ergüsse sind häufig, große oder progrediente Ergüsse (zunehmende Flüssigkeitsansammlungen) erhöhen das Risiko für hämodynamische Komplikationen (kreislaufwirksame Folgezustände) [LL1, 1]
  • Perikardtamponade (Herzbeuteltamponade) bei rascher oder ausgeprägter Flüssigkeitszunahme im Perikardraum (Herzbeutelraum) mit eingeschränkter diastolischer Herzfüllung (Herzfüllung in der Entspannungsphase); absoluter Notfall mit Risiko für obstruktiven Schock (Kreislaufschock durch mechanische Behinderung) und Kreislaufstillstand [LL1, 1]
  • Rezidiv (Wiederauftreten) einer Perikarditis nach beschwerdefreiem Intervall (Zeitraum); nach akutem Erstereignis treten Rezidive bei etwa 15-30 % der Patienten auf, nach einem ersten Rezidiv steigt das Risiko weiterer Rezidive deutlich an [LL1, 1, 4]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Aszites (Bauchwassersucht) bei konstriktiver Perikarditis oder ausgeprägter rechtsseitiger Stauung (Blutrückstauung im rechten Kreislauf) im Rahmen einer fortgeschrittenen perikardialen Füllungsbehinderung (herzbeutelbedingten Füllungsstörung) [LL1, 1]
  • Persistierende oder rezidivierende thorakale Schmerzen (Brustkorbschmerzen) mit deutlicher Einschränkung von Belastbarkeit, Schlafqualität, körperlicher Aktivität und gesundheitsbezogener Lebensqualität, insbesondere bei rezidivierender oder therapierefraktärer Perikarditis (behandlungsresistenter Herzbeutelentzündung) [1, 3, 4]

Prognosefaktoren

  • Körpertemperatur > 38 °C als Risikomerkmal (Hinweis auf ein erhöhtes Risiko) für komplizierten Verlauf, nicht idiopathische Genese oder stationäre Abklärungsbedürftigkeit (Notwendigkeit einer Abklärung im Krankenhaus) [LL1, 1]
  • Subakuter Verlauf (schleichender Verlauf) mit verzögertem Symptombeginn oder protrahierter Entzündungsaktivität (verlängerter Entzündungsaktivität) [LL1, 1]
  • Großer Perikarderguss, insbesondere echokardiographisch (mittels Herzultraschall) diastolischer Ergussraum (Flüssigkeitssaum in der Entspannungsphase) > 20 mm [LL1, 1]
  • Perikardtamponade oder klinische Zeichen (erkennbare Krankheitszeichen) einer drohenden Tamponade (Einklemmung des Herzens durch Flüssigkeit im Herzbeutel), insbesondere Hypotonie (niedriger Blutdruck), Tachykardie (Herzrasen), Dyspnoe (Atemnot), Orthopnoe (Atemnot im Liegen), Oligurie (verminderte Urinmenge), erhöhter Jugularvenendruck (erhöhter Druck in den Halsvenen) oder Pulsus paradoxus (krankhaft verstärkter Blutdruckabfall beim Einatmen) [LL1, 1]
  • Begleitmyokarditis beziehungsweise Myoperikarditis, insbesondere bei erhöhten kardialen Biomarkern (herzbezogenen Blutmarkern), Rhythmusstörungen oder linksventrikulärer Funktionsstörung [LL1, 1]
  • Immunsuppression (Unterdrückung der Immunabwehr), da opportunistische (bei geschwächter Abwehr auftretende), bakterielle, tuberkulöse, neoplastische oder autoimmune Ursachen (gegen körpereigenes Gewebe gerichtete Ursachen) wahrscheinlicher sind [LL1, 1]
  • Orale Antikoagulation (blutverdünnende Behandlung zum Einnehmen), insbesondere bei größerem Perikarderguss oder Blutungsrisiko [LL1, 1]
  • Trauma (Verletzung), iatrogene Verletzung (durch medizinische Maßnahmen verursachte Verletzung), kardiochirurgischer Eingriff (Herzoperation), Katheterintervention (Kathetereingriff) oder postkardiales Verletzungssyndrom (Entzündungsreaktion nach Herzverletzung) als Hinweis auf spezifische Ätiologie (Krankheitsursache) und potenziell komplizierten Verlauf [LL1, 1]
  • Therapieversagen (fehlendes Ansprechen auf die Behandlung) nach 7 Tagen Behandlung mit nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) (entzündungshemmende Schmerzmittel) und Colchicin (entzündungshemmendes Arzneimittel) beziehungsweise persistierende Entzündungszeichen trotz leitliniengerechter Therapie [LL1, 1]
  • Spezifische Ätiologie, insbesondere bakterielle, tuberkulöse, neoplastische, urämische (harnstoffbedingte), autoimmune, postradiogene oder postoperative Perikarditis; diese Ursachen sind mit höherem Risiko für Tamponade, Persistenz (Fortbestehen), Rezidiv oder konstriktive Perikarditis verbunden [LL1, 1-3]
  • Cortikosteroidtherapie (Behandlung mit Kortisonpräparaten), vor allem früh oder hoch dosiert ohne zwingende Indikation (Behandlungsgrund), als Risikofaktor für Rezidive; bei systemischen Autoimmunerkrankungen (den ganzen Körper betreffenden Erkrankungen des Immunsystems) ist die Grunderkrankungsaktivität (Aktivität der zugrunde liegenden Krankheit) zusätzlich prognostisch relevant [1, 4]
  • Fehlende oder unvollständige Entzündungskontrolle, insbesondere fortbestehend erhöhtes C-reaktives Protein (CRP) (Entzündungswert), persistierende Beschwerden oder residuelle Entzündungsaktivität (verbleibende Entzündungsaktivität) in der kardialen Magnetresonanztomographie (MRT) [LL1, 1]

Literatur

  1. Cremer PC, Klein AL, Imazio M: Diagnosis, Risk Stratification, and Treatment of Pericarditis: A Review. JAMA. 2024;332(13):1090-1100. https://doi.org/10.1001/jama.2024.12935
  2. Imazio M, Brucato A, Maestroni S et al.: Risk of Constrictive Pericarditis After Acute Pericarditis. Circulation. 2011;124(11):1270-1275. https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.111.018580
  3. Chiabrando JG, Bonaventura A, Vecchié A et al.: Management of Acute and Recurrent Pericarditis: JACC State-of-the-Art Review. Journal of the American College of Cardiology. 2020;75(1):76-92. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2019.11.021
  4. Kim YJ, Lovell J, Diab A et al.: Incidence and Factors Associated With Recurrent Pericarditis in Lupus. JAMA Network Open. 2025;8(2):e2461610. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2024.61610

Leitlinien

  1. Schulz-Menger J, Collini V, Groschel J et al.: 2025 ESC Guidelines for the management of myocarditis and pericarditis: Developed by the task force for the management of myocarditis and pericarditis of the European Society of Cardiology (ESC). European Heart Journal. 2025;46(40):3952-4041. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehaf192