Viruswarzen – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Viruswarzen mitbedingt sein können:

Viruswarzen sind durch humane Papillomaviren (HPV) (Warzenviren) verursachte benigne epitheliale Proliferationen (gutartige Wucherungen der Oberflächenzellen). Anogenitale Warzen (Warzen im Genital- und Analbereich) (Condylomata acuminata) werden zu etwa 90 % durch die nichtonkogenen Niedrigrisiko-HPV-Typen 6 und 11 verursacht. Sie sind grundsätzlich benigne und von HPV-assoziierten prämalignen bzw. malignen Läsionen (HPV-bedingten Krebsvorstufen bzw. bösartigen Gewebeveränderungen) abzugrenzen; onkogene HPV-Typen können jedoch gleichzeitig nachweisbar sein [LL1].

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Nageldystrophie (Nagelverformung) bzw. Onycholyse (Ablösung der Nagelplatte) bei periungualen oder subungualen Warzen Warzen des proximalen Nagelfalzes können Längsrillen und eine Dystrophie der Nagelplatte, Warzen des Nagelbetts eine Onycholyse verursachen; Warzen der Nageleinheit sind zudem besonders rezidiv- und therapieresistent [3].
  • Persistierende bzw. therapierefraktäre Viruswarzen (anhaltende bzw. behandlungsresistente Viruswarzen) insbesondere Warzen der Nageleinheit sowie Warzen bei eingeschränkter zellulärer Immunität können langwierig verlaufen und wiederholte Behandlungen erfordern [3, LL2].
  • Rezidivierende Viruswarzen (wiederkehrende Viruswarzen) nach klinischer Abheilung bzw. Therapie sind erneute Warzen möglich; Rezidive sind insbesondere bei anogenitalen Warzen ein relevantes klinisches Problem [1, LL1].
  • Autoinokulation (Selbstübertragung) und Ausbreitung von Viruswarzen durch Übertragung HPV-infizierter Keratinozyten auf benachbarte Hautareale können weitere Warzen entstehen; bei Warzen an den Fingern bzw. an der Nageleinheit ist die Ausbreitung auf andere Haut- und Schleimhautareale besonders relevant [3, LL2].

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Buschke-Löwenstein-Tumor (Condyloma giganteum) (riesiger Feigwarzentumor) seltene, sehr große und lokal aggressive Variante anogenitaler Condylomata, meist mit HPV 6 oder 11 assoziiert; charakteristisch sind infiltrativ-destruierendes Wachstum und eine hohe Rezidivneigung. Eine maligne Transformation (bösartige Entartung) ist beschrieben [6].
  • Juvenile rezidivierende respiratorische Papillomatose (JORRP) (wiederkehrende Papillomwarzen der Atemwege im Kindesalter) seltene Komplikation einer perinatal erworbenen HPV-Infektion, überwiegend durch HPV 6 oder 11. Anogenitale Warzen der Mutter in der Schwangerschaft sind ein starker Risikofaktor. Wiederkehrende Papillome (warzenartige Schleimhautwucherungen) des Respirationstrakts, insbesondere des Larynx, können Heiserkeit, Atemwegsobstruktion (Verengung bzw. Verlegung der Atemwege) und zahlreiche operative Eingriffe verursachen [4, LL1, LL3].
    • Pulmonale Ausbreitung der rezidivierenden respiratorischen Papillomatose (Ausbreitung in die Lunge) seltene schwere Verlaufsform; in einer systematischen Übersicht betrug die gepoolte Prävalenz einer Lungenbeteiligung bei rezidivierender respiratorischer Papillomatose 8 % (95-%-KI: 4-14 %) [5].
    • Pulmonale Tumorentwicklung bei rezidivierender respiratorischer Papillomatose mit Lungenbeteiligung (Tumorentwicklung in der Lunge) seltene Komplikation; die gepoolte Prävalenz pulmonaler Tumoren betrug in der systematischen Übersicht 4 % (95-%-KI: 1-7 %) bei Patienten mit Lungenbeteiligung [5].

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Angst- und depressive Symptome (Angst und depressive Beschwerden) bei anogenitalen Warzen die Diagnose kann eine erhebliche psychische Belastung mit Angst und depressiven Symptomen verursachen [LL1].
  • Psychosexuelle Beeinträchtigung (Beeinträchtigung von Sexualität und seelischem Wohlbefinden) Scham, Sorge vor HPV-Übertragung, Beeinträchtigung des Körperbildes und Rezidivangst können eine psychosexuelle Dysfunktion (Störung des sexuellen Erlebens und Verhaltens) verursachen [LL1].
  • Beeinträchtigung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität kutane und anogenitale Warzen können insbesondere bei sichtbarer Lokalisation, Schmerzen, langem Verlauf oder wiederholten Therapien die Lebensqualität relevant vermindern [1, 2, LL1].

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Zunahme anogenitaler Warzen in der Schwangerschaft Condylomata acuminata können während der Schwangerschaft an Zahl und Größe zunehmen [4, LL1].
  • Geburtshindernis durch ausgedehnte Condylomata acuminata bzw. Condylomata gigantea sehr große anogenitale Läsionen können den Geburtsweg mechanisch verlegen; eine Sectio caesarea (Kaiserschnitt) kann in dieser seltenen Konstellation erforderlich sein. Eine Sectio caesarea allein zur Verhinderung einer neonatalen HPV-Übertragung wird dagegen nicht empfohlen [4, LL1].

Prognosefaktoren

  • Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) insbesondere eine fortgeschrittene HIV-Infektion oder eine Immunsuppression nach Organtransplantation (Verpflanzung eines Spenderorgans) begünstigt ausgedehntere bzw. schwerere anogenitale Warzen; auch kutane Warzen können bei eingeschränkter zellulärer Immunität persistenter und therapieresistenter verlaufen [LL1, LL2].
  • Rauchen bei anogenitalen Warzen ist mit einer erhöhten Prävalenz und Inzidenz anogenitaler Warzen, verminderter HPV-Clearance und höheren Rezidivraten assoziiert [LL1].
  • Periunguale bzw. subunguale Lokalisation Warzen der Nageleinheit sind schwieriger zu behandeln als Warzen vieler anderer kutaner Lokalisationen und weisen eine hohe Rezidivneigung auf [3].
  • Früher Erkrankungsbeginn und HPV-11-Positivität bei juveniler rezidivierender respiratorischer Papillomatose sind mit einem erhöhten Rezidivrisiko bzw. aggressiveren Krankheitsverlauf assoziiert [LL3].
  • Buschke-Löwenstein-Tumor lokale Infiltration und wiederholte Rezidive kennzeichnen einen ungünstigen Verlauf und bedingen eine hohe krankheitsbezogene Morbidität [6].

Literatur

  1. Werner RN, Westfechtel L, Dressler C et al.: Self-administered interventions for anogenital warts in immunocompetent patients: a systematic review and meta-analysis. Sex Transm Infect. 2017;93(3):155-161. doi: 10.1136/sextrans-2016-052768.
  2. Ciconte A, Campbell J, Tabrizi S et al.: Warts are not merely blemishes on the skin: A study on the morbidity associated with having viral cutaneous warts. Australas J Dermatol. 2003;44(3):169-173. doi: 10.1046/j.1440-0960.2003.00672.x.
  3. Curtis KL, Davis JC, Di Chiacchio N et al.: Diagnosis and management of subungual and periungual verruca: A clinical review. J Am Acad Dermatol. 2025;92(4):861-871. doi: 10.1016/j.jaad.2024.10.081.
  4. Sugai S, Nishijima K, Enomoto T: Management of Condyloma Acuminata in Pregnancy: A Review. Sex Transm Dis. 2021;48(6):403-409. doi: 10.1097/OLQ.0000000000001322.
  5. Sechi I, Muresu N, Di Lorenzo B et al.: Pulmonary Involvement in Recurrent Respiratory Papillomatosis: A Systematic Review. Infect Dis Rep. 2024;16(2):200-215. doi: 10.3390/idr16020016.
  6. Nieves-Condoy JF, Acuña-Pinzón CL, Chavarría-Chavira JL et al.: Giant Condyloma Acuminata (Buschke-Lowenstein Tumor): Review of an Unusual Disease and Difficult to Manage. Infect Dis Obstet Gynecol. 2021;2021:9919446. doi: 10.1155/2021/9919446.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Nugent D, Apoola A, Coleman H et al.: British association for sexual health and HIV national guideline for the management of anogenital warts in adults (2024). Int J STD AIDS. 2024;35(7):498-509. doi: 10.1177/09564624241233338. [LL1]
  2. Zhu P, Qi RQ, Yang Y et al.: Clinical guideline for the diagnosis and treatment of cutaneous warts (2022). J Evid Based Med. 2022;15(3):284-301. doi: 10.1111/jebm.12494. [LL2]
  3. Working Group of Chinese Guideline for the Diagnosis and Treatment of JORRP, Subspecialty Group of Pediatrics, Society of Otorhinolaryngology Head and Neck Surgery, Chinese Medical Association, Editorial Board of Chinese Journal of Otorhinolaryngology Head and Neck Surgery: Chinese guideline for the diagnosis and treatment of juvenile-onset recurrent respiratory papillomatosis (2024). Pediatr Investig. 2025;9(1):12-34. doi: 10.1002/ped4.12464. [LL3]