Schuppen und Plaques – Medikamentöse Therapie
Therapieziel
Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung sowie Verminderung von Schuppung, Entzündung, Juckreiz und Hautverdickung. Schuppen und Plaques (flächig erhabene Hautveränderungen) sind morphologische Hautbefunde; aus ihrem Vorliegen allein lässt sich keine einheitliche Arzneimitteltherapie ableiten.
Therapieempfehlungen
Vor einer Behandlung insbesondere Psoriasis (Schuppenflechte), Ekzem (entzündlicher Hautausschlag) und Dermatophytose (Hautpilzinfektion durch Fadenpilze) unterscheiden. Eine schuppende Plaque rechtfertigt weder automatisch ein topisches Glukokortikoid noch ein Antimykotikum. Bei unklarer Diagnose, atypischem Verlauf oder fehlendem Therapieansprechen ist eine dermatologische Abklärung erforderlich [LL1, LL2, B1].
| Ursache | Hinweisende Befunde | Ursachenbezogene Therapie und Therapieverweis |
|---|---|---|
| Psoriasis vulgaris | Häufig scharf begrenzte, infiltrierte Plaques mit weißlicher Schuppung; typische Lokalisationen sind Streckseiten, Kopfhaut und Sakralregion (Kreuzbeingegend). Nagelveränderungen können hinzukommen. | Bei begrenztem Befall topische Therapie, häufig mit einer Kombination aus Vitamin-D-Analogon und Glukokortikoid. Auswahl nach Lokalisation, Schweregrad und Verträglichkeit. Bei unzureichender Kontrolle, hoher Krankheitslast oder besonderen Lokalisationen Prüfung einer weiterführenden Behandlung; siehe „Psoriasis/Medikamentöse Therapie“ [LL1]. |
| Atopisches oder kontaktbedingtes Ekzem | Häufig Juckreiz, weniger scharfe Begrenzung, trockene oder nässende Haut; bei chronischem Verlauf Lichenifikation (Verdickung und Vergröberung der Haut). Die Verteilung kann auf auslösende Kontakte hinweisen. | Hautbarriere stabilisieren und Auslöser vermeiden. Entzündungshemmende Lokaltherapie mit geeigneter Glukokortikoidpotenz; bei atopischer Dermatitis (Neurodermitis) gegebenenfalls topischer Calcineurininhibitor. Siehe „Neurodermitis“, „Kontaktekzem“ und „Gesichtsekzem/Medikamentöse Therapie“ [LL2]. |
| Dermatophytose, insbesondere Tinea corporis (Fadenpilzinfektion der Körperhaut) | Häufig randbetonte, sich ausbreitende schuppende Herde mit möglicher zentraler Abblassung; nach Glukokortikoidanwendung kann das Erscheinungsbild verändert sein. | Bei Verdacht mykologische Diagnostik, möglichst vor Therapiebeginn. Begrenzte oberflächliche Infektionen topisch antimykotisch behandeln; bei ausgedehntem, follikulärem (die Haarbälge betreffendem) oder therapierefraktärem (auf die Behandlung nicht ansprechendem) Befall systemische Behandlung prüfen. Siehe „Dermatophytosen/Medikamentöse Therapie“ [1, B1, B2]. |
| Andere Ursachen | Beispielsweise seborrhoisches Ekzem (entzündlicher Hautausschlag an talgdrüsenreichen Hautstellen), Ichthyosen (Verhornungsstörungen mit ausgeprägter Schuppung), Pityriasis rosea (Röschenflechte) oder persistierende atypische Einzelplaques. | Behandlung nach gesicherter Diagnose; siehe die jeweiligen Erkrankungsartikel. Bei persistierenden atypischen Plaques gegebenenfalls histologische Abklärung vor weiterer antientzündlicher Behandlung. |
Die genannten Merkmale unterstützen die Differenzialdiagnose, beweisen sie jedoch nicht. Eine vorübergehende Besserung unter Glukokortikoiden schließt eine Dermatophytose nicht aus [B1].
Keine empirische Glukokortikoidbehandlung bei möglicher Dermatophytose: Sie kann die Infektion verschlechtern und das klinische Bild als Tinea incognito (durch entzündungshemmende Behandlung verschleierte Hautpilzinfektion) verschleiern. Auch eine routinemäßige Kombination aus Antimykotikum und Glukokortikoid ist keine Standardbehandlung unklarer schuppender Plaques [1, B1].
Rückfettende, möglichst reizstoffarme Externa unterstützen die Behandlung trockener Haut. Eine reine Entschuppung ersetzt keine ursachenbezogene Therapie. Bei Ekzemen müssen insbesondere relevante Allergene und Irritanzien berücksichtigt werden [LL1, LL2].
Wirkstoffe (Hauptindikationen)
Die folgenden Wirkstoffe sind Beispiele für die Behandlung gesicherter Ursachen. Sie stellen keine gemeinsame Behandlungsschiene für Schuppen und Plaques dar. Dosierungen beziehen sich auf die jeweils genannte Zubereitung; andere Präparate können abweichende Anwendungsvorgaben haben.
Vitamin-D-Analoga in Fixkombination mit topischen Glukokortikoiden – Psoriasis vulgaris
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Calcipotriol/Betamethason, Schaum 50 µg/g + 0,5 mg/g | Für Psoriasis vulgaris. Nicht für Gesicht oder Genitalbereich. Fortführung nach ärztlicher Kontrolle [FI1]. |
- Wirkweise: Regulation der epidermalen Zellvermehrung und Entzündungshemmung.
- Indikation: Topisch behandelbare Psoriasis vulgaris.
- Kontraindikationen: Unter anderem Störungen des Calciumstoffwechsels und unbehandelte Hautinfektionen; vollständige Gegenanzeigen beachten.
- Nebenwirkungen: Hautreizung, Hautatrophie (Ausdünnung der Haut); bei übermäßiger Anwendung Hypercalcämie (erhöhter Calciumgehalt im Blut) und systemische Glukokortikoidwirkungen [FI1].
Topische Glukokortikoide – Ekzeme
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Hydrocortison 0,5 %, Creme | Schwach wirksames Glukokortikoid für leichte entzündliche Hauterkrankungen. Bei Kindern unter 6 Jahren nur nach ärztlicher Verordnung [FI2]. |
- Wirkweise: Entzündungshemmend und antipruritisch.
- Indikation: Glukokortikoidempfindliche Ekzeme; Potenz und Dauer nach Lokalisation und Schweregrad auswählen.
- Kontraindikationen: Unbehandelte lokale Infektionen, Rosazea (chronisch entzündliche Gesichtshauterkrankung) und periorale Dermatitis (entzündlicher Hautausschlag um den Mund) im Behandlungsgebiet.
- Nebenwirkungen: Bei längerer Anwendung Hautatrophie, Teleangiektasien (sichtbar erweiterte kleine Hautgefäße) und steroidbedingte Hautveränderungen [LL2, FI2].
Im Gesicht und in Hautfalten möglichst niedrige Potenz und kurze Anwendung wählen. Stark lichenifizierte Ekzeme können zeitlich begrenzt eine höhere Potenz benötigen; Hydrocortison ist hierfür häufig nicht ausreichend [LL2].
Topische Calcineurininhibitoren – atopische Dermatitis
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Tacrolimus 0,1 %, Salbe | Steroidfreie Alternative insbesondere an empfindlichen Lokalisationen; nicht als unspezifische Plaquetherapie [FI3]. |
- Wirkweise: Hemmung der Calcineurin-vermittelten Entzündungsreaktion.
- Indikation: Mittelschwere bis schwere atopische Dermatitis bei unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit konventioneller Therapie.
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Tacrolimus oder Makrolide; infizierte, prämaligne (als Krebsvorstufe einzustufende) oder maligne (bösartige) Läsionen (Gewebeveränderungen) nicht behandeln.
- Nebenwirkungen: Häufig anfangs Brennen und Juckreiz; mögliche lokale Infektionen. UV-Exposition minimieren [FI3].
Topische Antimykotika – Allylamine
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Terbinafin 1 %, Creme | Auf gereinigte, trockene betroffene und angrenzende Haut auftragen. Bei fehlender Besserung nach 2 Wochen Diagnose überprüfen [FI4]. |
- Wirkweise: Hemmung der Squalenepoxidase; gegenüber Dermatophyten fungizid.
- Indikation: Begrenzte oberflächliche Dermatophytose.
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; Augen- und Schleimhautkontakt vermeiden.
- Nebenwirkungen: Lokales Brennen, Rötung, Juckreiz und Überempfindlichkeitsreaktionen [FI4].
Topische Antimykotika – Azole
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Clotrimazol 1 %, Creme | Alternative bei geeigneten oberflächlichen Pilzinfektionen. Präparatespezifische Behandlungsdauer einhalten [FI5]. |
- Wirkweise: Hemmung der Ergosterolsynthese.
- Indikation: Oberflächliche Infektionen durch empfindliche Dermatophyten oder Hefen.
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder Hilfsstoffe.
- Nebenwirkungen: Lokale Reizung, Brennen und Kontaktdermatitis (durch Hautkontakt ausgelöste Hautentzündung) [FI5].
Beachte
- Therapieversagen: Diagnose, Anwendung, Behandlungsdauer und mögliche Reinfektion (erneute Ansteckung) überprüfen. Bei anhaltender Dermatophytose Erregerspezifizierung und gegebenenfalls Resistenzdiagnostik veranlassen; unter anderem sind terbinafinresistente Dermatophyten möglich [B2].
- Systemische Therapie: Keine Indikation allein wegen Schuppen oder Plaques. Systemische Psoriasis- und Ekzemtherapien sowie orale Antimykotika erfordern eine gesicherte Diagnose und krankheitsspezifische Indikationsstellung [LL1, LL2, B2].
- Besondere Patientengruppen: Bei Kindern, Schwangerschaft und Stillzeit sowie großflächiger Anwendung die jeweilige Fachinformation und krankheitsspezifische Leitlinie berücksichtigen.
- Dringliche Abklärung: Bei ausgedehnter Hautrötung mit Allgemeinsymptomen, rascher Verschlechterung, ausgeprägten Schmerzen, Blasenbildung oder Schleimhautbeteiligung.
Abkürzungen
- AD: atopische Dermatitis
- AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
- B: Behördeninformation
- CDC: Centers for Disease Control and Prevention
- EMA: European Medicines Agency
- FI: Fachinformation
- LL: Leitlinie
- UV: ultraviolett
Literatur
- El-Gohary M et al.: Topical antifungal treatments for tinea cruris and tinea corporis. Cochrane Database Syst Rev. 2014;(8):CD009992. doi:10.1002/14651858.CD009992.pub2.
Leitlinien
- S3-Leitlinie: Therapie der Psoriasis vulgaris, adaptiert von EuroGuiDerm. AWMF-Registernummer: 013-001. Langfassung, Fassung Februar 2026 [LL1]
- S3-Leitlinie: Atopische Dermatitis (AD) [Neurodermitis; atopisches Ekzem]. AWMF-Registernummer: 013-027; Langfassung. Topische Therapie: Werfel T et al.: S3-Leitlinie Atopische Dermatitis: Teil 1 – Allgemeine Aspekte, topische und nichtmedikamentöse Therapien, besondere Patientengruppen. 2024. doi:10.1111/ddg.15230_g [LL2]
Behördeninformationen
- Centers for Disease Control and Prevention: Clinical Overview of Ringworm. Abruf: 15.10.2026 [B1]
- Centers for Disease Control and Prevention: Clinician Brief: Emerging Ringworm. 2026 [B2]
Fachinformationen