Nagelbettentzündung (Paronychie) – Weitere Therapie

Die weitere Therapie der Paronychie (Nagelbettentzündung) richtet sich nach Verlauf, Ausdehnung, Abszedierung (Eiterbildung), Risikokonstellation und zugrunde liegenden Auslösefaktoren. Die Diagnose wird in der Regel klinisch gestellt; bei unkomplizierter akuter Paronychie stehen lokale Maßnahmen im Vordergrund. Bei chronischer oder rezidivierender (wiederkehrender) Paronychie ist die konsequente Reduktion von Feuchtigkeit, Irritation (Reizung) und mechanischem Trauma (Verletzung) zentral [1-5].

Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) weisen aufgrund der erhöhten Infektanfälligkeit (Anfälligkeit für Infektionen) und möglicher Mikrozirkulations-/Wundheilungsstörungen (Durchblutungs-/Heilungsstörungen) ein erhöhtes Risiko für komplizierte Verläufe auf. Zur Therapie der Nagelbettentzündung steht bei diesen Patienten zusätzlich die leitliniengerechte Behandlung des Diabetes mellitus im Vordergrund. Nachfolgende Empfehlungen betreffen alle Patienten mit einer Paronychie – unabhängig von der Ursache der Erkrankung [6, 7].

Allgemeine Maßnahmen

  • Schonung, Ruhigstellung und Hochlagerung des betroffenen Fingers oder Zehs bei akuter schmerzhafter Paronychie [1, 2].
  • Vermeidung manipulativer Maßnahmen am Nagelfalz (Hautfalte am Nagel), insbesondere Nagelhautentfernung, Ausdrücken, Aufstechen durch den Patienten, Nägelkauen, aggressive Maniküre/Pediküre und wiederholte Mikrotraumen (kleine Verletzungen) [1, 2].
  • Trockenhalten des betroffenen Nagelfalzes außerhalb geplanter therapeutischer Bäder oder Umschläge [1, 2].
  • Schutz vor Feuchtarbeit und irritativen Substanzen bei chronischer oder rezidivierender Paronychie [1, 3-5].
    • Tragen von Baumwollunterziehhandschuhen unter flüssigkeitsdichten Schutzhandschuhen bei Feuchtarbeit
    • Regelmäßiger Handschuhwechsel bei Schwitzen oder längerer Exposition
    • Vermeidung von Detergenzien (Reinigungsmitteln), Lösungsmitteln, aggressiven Desinfektionsmitteln und mechanischer Reibung am Nagelfalz
  • Bei Diabetes mellitus, Immunsuppression (Unterdrückung der Abwehrkräfte), peripherer arterieller Verschlusskrankheit (Durchblutungsstörung der Bein- oder Armarterien) oder Neuropathie (Nervenschädigung) frühzeitige ärztliche Kontrolle, da Weichteilinfektionen (Infektionen des weichen Gewebes) häufiger schwer verlaufen können [5-7].
  • Bei Diabetes mellitus Optimierung der glykämischen Kontrolle (Blutzuckereinstellung) entsprechend der diabetologischen Therapieziele, da schlechte glykämische Kontrolle mit einem erhöhten Risiko für Haut- und Weichteilinfektionen beziehungsweise Cellulitis (bakterielle Hautentzündung) assoziiert ist [6, 7].

Konventionelle nichtoperative Therapieverfahren

  • Akute Paronychie ohne Abszess (Eiteransammlung) und ohne Ausbreitungszeichen [1, 2].
    • Warme Hand- oder Fußbäder mehrmals täglich, jeweils mit anschließender sorgfältiger Trocknung des Nagelfalzes
    • Antiseptische Lokaltherapie (keimreduzierende örtliche Behandlung) bei oberflächlicher Entzündung
    • Topische Antibiotikatherapie (örtliche Behandlung mit Antibiotika) bei klinischem Verdacht auf bakterielle Infektion
    • Topische Antibiotikatherapie in Kombination mit einem niedrig- bis mittelpotenten topischen Glukokortikoid (örtlich angewendetem Kortisonpräparat) kann bei entzündlicher Komponente die Symptomrückbildung beschleunigen [3]
  • Akute Paronychie mit klinischen Hinweisen auf Abszedierung [1, 2].
    • Keine alleinige konservative Therapie bei fluktuierender Eiteransammlung
    • Ärztliche Vorstellung zur Entscheidung über Drainage (Ableitung von Flüssigkeit oder Eiter)
    • Systemische Antibiotikatherapie (Behandlung mit Antibiotika im ganzen Körper) nur bei Cellulitis, Lymphangitis (Entzündung der Lymphbahnen), Fieber, Immunsuppression, Diabetes mellitus, ausgeprägter lokaler Ausbreitung oder hohem Risiko für komplizierten Verlauf
  • Chronische Paronychie [1, 4, 5].
    • Konsequente Meidung von Feuchtigkeit, Irritanzien (Reizstoffen) und mechanischem Trauma als Basistherapie
    • Topische antientzündliche Therapie mit einem topischen Glukokortikoid als bevorzugte medikamentöse Maßnahme bei chronischer entzündlicher Paronychie
    • Topischer Calcineurininhibitor (entzündungshemmender Wirkstoff), z. B. Tacrolimus, als Option bei chronischer Paronychie, insbesondere bei unzureichendem Ansprechen oder Steroid-sparender Strategie [5]
    • Antimykotische Therapie (Behandlung gegen Pilze) nur bei gesicherter oder klinisch plausibler Candida-Beteiligung (Hefepilzbeteiligung) beziehungsweise Onychomykose (Nagelpilz); Candida-Nachweis allein beweist nicht zwingend eine primär mykotische Genese (pilzbedingte Entstehung) [1, 4]
  • Rezidivierende Paronychie [1, 2].
    • Analyse und Ausschaltung auslösender Faktoren, insbesondere Nageltrauma, Feuchtarbeit, irritative Kontaktdermatitis (reizbedingte Hautentzündung), Onychophagie (Nägelkauen), aggressive Nagelpflege, eingewachsener Nagel und diabetische Stoffwechsellage
    • Bei wiederholten bakteriellen Episoden Erregerdiagnostik (Keimnachweis) und Resistenztestung (Prüfung der Antibiotika-Wirksamkeit), insbesondere bei Therapieversagen, Immunsuppression oder Risiko für Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (gegen bestimmte Antibiotika widerstandsfähiger Hautkeim)

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

  • Klinische Verlaufskontrolle bei akuter Paronychie innerhalb von 24-72 Stunden bei zunehmender Rötung, Schwellung, Schmerz, Pusbildung (Eiterbildung), Funktionseinschränkung oder Risikokonstellation [1, 2].
  • Sofortige Wiedervorstellung bei Fieber, Lymphangitis, rascher Ausbreitung der Rötung, starken pulsierenden Schmerzen, Bewegungseinschränkung, Sensibilitätsstörung (Gefühlsstörung), Verdacht auf Panaritium (tiefe Finger- oder Zehenentzündung), Sehnenscheidenbeteiligung, Gelenkbeteiligung oder Osteomyelitis (Knochenentzündung) [1, 2].
  • Bei chronischer Paronychie Verlaufskontrolle nach mehreren Wochen konsequenter Schutz- und Lokaltherapie, da die Wiederherstellung der Barrierefunktion (Schutzfunktion) des Nagelfalzes Zeit benötigt [1, 4, 5].
  • Bei Diabetes mellitus Kontrolle der lokalen Wund- und Infektionssituation sowie Überprüfung der Stoffwechseleinstellung, insbesondere bei verzögerter Abheilung oder rezidivierenden Infektionen [6, 7].

Ernährungsmedizin

  • Keine krankheitsspezifische Diät zur Behandlung der Paronychie ist belegt.
  • Bei Diabetes mellitus Ernährungstherapie im Rahmen der leitliniengerechten Diabetesbehandlung mit dem Ziel einer stabilen glykämischen Kontrolle [7].
  • Bei Mangelernährung, Wundheilungsstörung oder relevantem Risikoprofil: Ernährungserfassung und gezielte Korrektur nachgewiesener Defizite.
  • Keine routinemäßige Empfehlung für Zink, Omega-3-Fettsäuren (Docosahexaensäure, Eicosapentaensäure), Probiotika oder sonstige Nahrungsergänzungsmittel allein zur Behandlung der Paronychie, sofern kein nachgewiesener Mangel oder keine andere medizinische Indikation (Anwendungsgrund) besteht.
  • Ggf. Einnahme eines geeigneten Nahrungsergänzungsmittels
    Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
    Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
  • Detaillierte Informationen zur Ernährungsmedizin erhalten Sie von uns.

Patientenschulung und Rezidivprophylaxe

  • Aufklärung über die Barrierefunktion von Nagelfalz und Cuticula (Nagelhaut) sowie über die Bedeutung atraumatischer Nagelpflege [1, 2].
  • Nägel kurz, glatt und gerade schneiden; keine tiefe Manipulation der Nagelränder.
  • Verzicht auf Nagelhautschneiden, aggressives Zurückschieben der Cuticula und traumatisierende kosmetische Nagelbehandlungen.
  • Bei beruflicher Feuchtarbeit strukturierter Hautschutzplan mit Hautschutzpräparaten, Handschuhmanagement und konsequenter Rückfettung.
  • Bei eingewachsenem Nagel, Nageldystrophie (Nagelverformung), Psoriasis (Schuppenflechte), Ekzem (entzündliche Hauterkrankung), Onychomykose oder rezidivierender bakterieller Infektion gezielte Behandlung der Grunderkrankung.

Literatur

  1. Relhan V, Goel K, Bansal S, Garg VK. Acute and Chronic Paronychia Revisited: A Narrative Review. J Cutan Aesthet Surg. 2022;15(1):1-16. https://doi.org/10.4103/JCAS.JCAS_30_21
  2. Gottlieb M, Long B. Management of Finger Felons and Paronychia: A Narrative Review. J Emerg Med. 2025;78:1-11. https://doi.org/10.1016/j.jemermed.2025.07.054
  3. Wollina U. Acute paronychia: comparative treatment with topical antibiotic alone or in combination with corticosteroid. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2001;15(1):82-84. https://doi.org/10.1046/j.1468-3083.2001.00177-6.x
  4. Tosti A, Piraccini BM, Ghetti E, Colombo MD. Topical steroids versus systemic antifungals in the treatment of chronic paronychia: an open, randomized double-blind and double dummy study. J Am Acad Dermatol. 2002;47(1):73-76. https://doi.org/10.1067/mjd.2002.122191
  5. Rigopoulos D, Gregoriou S, Belyayeva H, Larios G, Kontochristopoulos G, Katsambas A. Efficacy and safety of tacrolimus ointment 0.1% vs. betamethasone 17-valerate 0.1% in the treatment of chronic paronychia: an unblinded randomized study. Br J Dermatol. 2009;160(4):858-860. https://doi.org/10.1111/j.1365-2133.2008.08988.x
  6. Zacay G, Sikron FH, Heymann AD. Glycemic Control and Risk of Cellulitis. Diabetes Care. 2021;44(2):367-372. https://doi.org/10.2337/dc19-1393
  7. Bajaj M, McCoy RG, Balapattabi K et al.: 6. Glycemic Goals, Hypoglycemia, and Hyperglycemic Crises: Standards of Care in Diabetes-2026. Diabetes Care. 2026;49(Suppl 1):S132-S149. https://doi.org/10.2337/dc26-S006