Nagelbettentzündung (Paronychie) – Differentialdiagnosen

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Immundefizienz (Abwehrschwäche) – begünstigt rezidivierende (wiederkehrende), atypische oder schwer verlaufende bakterielle, virale und mykotische Nagelfalzentzündungen
  • Neutropenie (Mangel an bestimmten weißen Blutkörperchen) – prädisponiert für bakterielle und mykotische Weichteilinfektionen (Infektionen der Haut und des darunterliegenden Gewebes) im Bereich von Nagelfalz und Finger-/Zehenendglied

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) – Risikofaktor für bakterielle und mykotische Paronychie (Nagelbettentzündung), verzögerte Wundheilung und komplizierte Weichteilinfektionen
  • Periphere diabetische Neuropathie (diabetische Nervenschädigung) – kann Mikrotraumata (kleinste Verletzungen) und verzögerte Wahrnehmung entzündlicher Veränderungen an Zehen begünstigen

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Acrodermatitis continua suppurativa Hallopeau (eitrige Entzündung an Finger- oder Zehenspitzen) – sterile pustulöse Psoriasisvariante an Finger- oder Zehenendgliedern mit Nageldystrophie (Nagelwachstumsstörung) und paronychieähnlichem Bild
  • Allergisches Kontaktekzem (allergischer Hautausschlag durch Kontaktstoffe) – periunguales Ekzem (Nagelfalzekzem) durch Allergene (allergieauslösende Stoffe), z. B. Acrylate, Nagelkosmetika, Desinfektionsmittel oder berufliche Kontaktstoffe
  • Chronisch irritatives Handekzem (langanhaltender Reizhautausschlag der Hände) – häufige Ursache einer chronischen Paronychie durch Feuchtarbeit, Detergenzien, Reinigungsmittel oder wiederholte mechanische Irritation (Reizung)
  • Dyshidrotisches Ekzem (Bläschenekzem) – vesikulöses Hand-/Fußekzem mit periungualer Entzündung, Juckreiz und gelegentlicher bakterieller Superinfektion (zusätzliche Infektion)
  • Lichen planus unguium (Knötchenflechte der Nägel) – entzündliche Nagelerkrankung mit Nageldystrophie, longitudinaler Riefung (Längsrillenbildung), Ausdünnung der Nagelplatte und gelegentlicher Nagelfalzbeteiligung
  • Nagelpsoriasis (Nagelschuppenflechte) – kann mit Onycholyse (Nagelablösung), Tüpfelnägeln, subungualer Hyperkeratose (Verhornung unter dem Nagel), Ölfleckphänomen und periungualer Entzündung eine chronische Paronychie imitieren
  • Onychogrypose (Krallennagel) – verdickter, gekrümmter Nagel mit chronischer mechanischer Irritation des Nagelfalzes, vor allem an Zehen
  • Onycholyse – Ablösung der Nagelplatte mit sekundärer mikrobieller Besiedlung und paronychieähnlicher Entzündung
  • Periunguales Ekzem – entzündliche Veränderung des Nagelfalzes als Differenzialdiagnose der chronischen Paronychie
  • Pyoderma gangraenosum (schmerzhafte entzündliche Hautgeschwüre) – seltene neutrophile Dermatose (entzündliche Hauterkrankung) mit schmerzhaften Ulzerationen (Geschwüren), die periungual auftreten und infektiöse Prozesse imitieren kann
  • Pyogenes Granulom (überschießendes Blutgefäßknötchen) – rasch wachsender, leicht blutender vaskulärer Knoten am Nagelfalz, häufig nach Mikrotrauma oder unter Medikamenten
  • Unguis incarnatus (eingewachsener Nagel) – eingewachsener Nagel mit schmerzhafter Entzündung des lateralen Nagelfalzes, besonders an der Großzehe

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Akute bakterielle Paronychie – meist durch Staphylococcus aureus, Streptokokken oder Mischflora nach Mikrotrauma, Maniküre, Nägelkauen oder Manipulation der Nagelhaut
  • Candidose des Nagelfalzes (Hefepilzinfektion des Nagelfalzes) – häufige sekundäre Besiedlung bei chronischer Paronychie, insbesondere bei Feuchtarbeit, Diabetes mellitus oder Immunsuppression (Unterdrückung der Immunabwehr)
  • Dermatophytose der Nägel (Fadenpilzinfektion der Nägel) – Onychomykose (Nagelpilz) durch Dermatophyten (Fadenpilze) mit Nagelverdickung, Verfärbung, Onycholyse und sekundärer Nagelfalzentzündung
  • Herpes-Whitlow (Herpesinfektion am Finger) – Herpes-simplex-Virus-Infektion mit gruppierten Vesikeln (Bläschen), brennendem Schmerz und paronychieähnlicher Schwellung; Inzision (Einschnitt) kontraindiziert
  • Impetigo contagiosa (Borkenflechte) – oberflächliche bakterielle Hautinfektion, die periungual auftreten und eine akute Paronychie vortäuschen kann
  • Mykobakterielle Weichteilinfektion – seltene Ursache chronischer, therapieresistenter periungualer Entzündungen, insbesondere nach Aquarien-, Fisch- oder Wasserexposition
  • Nichtdermatophyten-Schimmelpilzinfektion des Nagels – seltene Onychomykoseform mit Nageldystrophie und sekundärer Nagelfalzbeteiligung
  • Panaritium (eitrige Finger- oder Zehenentzündung) – eitrige Infektion der Finger- oder Zehenweichteile; bei Lokalisation der Fingerbeere als Panaritium subcutaneum (eitrige Entzündung des Unterhautgewebes) von der Paronychie abzugrenzen
  • Pseudomonas-Infektion des Nagels (Infektion mit einem Feuchtkeim) – grünliche Nagelverfärbung und sekundäre Nagelfalzentzündung, häufig bei Feuchtigkeitsexposition und Onycholyse

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Arthritis urica (Gicht) – Gichtarthritis (gichtbedingte Gelenkentzündung) mit periartikulärer Schwellung, Rötung und Schmerz im Bereich von Finger- oder Zehenendgliedern; bei Tophi (Gichtknoten) auch periunguale Beteiligung möglich
  • Daktylitis (Wurstfinger/Wurstzehe) – diffuse Schwellung eines Fingers oder einer Zehe, z. B. bei Psoriasisarthritis, kann eine lokalisierte Nagelfalzentzündung klinisch überlagern
  • Psoriasisarthritis (Schuppenflechten-Gelenkentzündung) – kann mit Daktylitis, Nagelpsoriasis und periungualer Entzündung ein paronychieähnliches Beschwerdebild erzeugen

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Amelanotisches Melanom (heller schwarzer Hautkrebs) – seltene, aber wichtige Differenzialdiagnose bei persistierender, blutender oder therapieresistenter periungualer Läsion (Gewebeveränderung)
  • Glomustumor (schmerzhafter Gefäßtumor) – stark schmerzhafter subungualer Tumor mit Kälteempfindlichkeit und punktförmigem Druckschmerz, nicht primär entzündlich
  • Keratoakanthom (rasch wachsender Hautknoten) – rasch wachsender keratotischer Tumor im periungualen oder subungualen Bereich, kann entzündlich imponieren
  • Morbus Bowen (Frühform von hellem Hautkrebs) – intraepidermales Plattenepithelkarzinom, periungual möglich und bei chronisch therapierefraktärer Nagelfalzveränderung abzugrenzen
  • Periunguale Fibrome (Bindegewebsknoten am Nagel) – derbe periunguale Knoten, klassisch bei tuberöser Sklerose (angeborener Erkrankung mit gutartigen Tumoren), können mechanische Reizung und sekundäre Entzündung verursachen
  • Plattenepithelkarzinom des Nagelorgans (heller Hautkrebs des Nagelorgans) – wichtigste maligne Differenzialdiagnose bei chronischer, einseitiger, therapieresistenter Paronychie, Ulzeration, Blutung oder Nageldestruktion (Zerstörung des Nagels)
  • Subunguale Exostose (knöcherner Auswuchs unter dem Nagel) – knöcherne Auftreibung unter dem Nagel, meist an der Großzehe, mit Nagelbettverformung, Schmerz und sekundärer Nagelfalzirritation

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Dermatillomanie (krankhaftes Hautzupfen) – wiederholtes Manipulieren der Nagelhaut oder periungualen Haut mit chronischer Reizung, Erosionen (oberflächlichen Hautdefekten) und sekundärer Paronychie
  • Onychophagie (Nägelkauen) – Nägelkauen mit Mikrotraumata, bakterieller Inokulation (Einbringung von Keimen) und erhöhtem Risiko für akute Paronychie
  • Onychotillomanie (zwanghaftes Nagelzupfen) – zwanghaftes Manipulieren oder Ausreißen von Nagelbestandteilen mit chronischer Nagel- und Nagelfalzentzündung

Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)

  • Feuchtarbeit – wiederholte Wasserexposition mit Barrierestörung des proximalen Nagelfalzes, besonders relevant bei chronischer Paronychie
  • Maniküre/Pediküre – Verletzung oder Entfernung der Nagelhaut mit Eintrittspforte für bakterielle Infektionen
  • Nagelkosmetik – künstliche Nägel, Acrylate, Gelmodellage oder Klebstoffe als Auslöser irritativer oder allergischer periungualer Entzündungen
  • Nägelkauen oder Nagelhautmanipulation – häufige Eintrittspforte für akute bakterielle Paronychie und Herpes-Whitlow
  • Okklusive Handschuhe – Feuchtigkeitsstau und Irritation bei beruflicher Exposition, begünstigend für chronische Paronychie

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Fremdkörperreaktion – Holzsplitter, Dornen, Glas- oder Metallpartikel im Nagelfalzbereich können eine persistierende Entzündung imitieren oder unterhalten
  • Quetschverletzung des Endglieds – traumatische Schwellung, Hämatom (Bluterguss) und Schmerz können initial wie eine akute Paronychie erscheinen
  • Subunguales Hämatom (Bluterguss unter dem Nagel) – Blutung unter der Nagelplatte nach Trauma (Verletzung) mit Schmerz und Nagelverfärbung ohne primäre Infektion
  • Thermische oder chemische Schädigung des Nagelfalzes – lokale Barrierestörung mit sekundärer Entzündung oder Infektion
  • Trauma des Nagelfalzes – Mikrotrauma, Schnittverletzung oder Einriss der Nagelhaut als Auslöser oder Differenzialdiagnose einer Paronychie

Medikamente

  • BRAF-Inhibitoren – können periunguale Entzündungen, pyogene Granulome und paronychieähnliche Veränderungen auslösen
  • Epidermal-growth-factor-receptor-Inhibitoren – typische Ursache therapieassoziierter Paronychie und periungualer pyogener Granulome, vor allem an Fingern und Zehen
  • Immunsuppressiva – erhöhen das Risiko für atypische, rezidivierende oder opportunistische Infektionen des Nagelfalzes
  • Retinoide – können Nagelfalzfragilität, periunguale Entzündungen und pyogene Granulome begünstigen
  • Taxane – können Nagelveränderungen, Onycholyse und sekundäre Nagelfalzentzündungen verursachen

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Chemische Irritanzien (reizende chemische Stoffe) – Reinigungsmittel, Lösungsmittel, Detergenzien, Desinfektionsmittel oder berufliche Kontaktstoffe können eine chronisch irritative Paronychie auslösen
  • Wiederholte Wasser- und Detergenzienexposition – zentrale Ursache der chronischen irritativen Nagelfalzentzündung, besonders bei Pflege-, Reinigungs-, Küchen- und Friseurberufen