Nagelbettentzündung (Paronychie) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Paronychie (Nagelbettzündung) mitbedingt sein können:

Die Paronychie ist eine Entzündung beziehungsweise Infektion des proximalen oder lateralen Nagelfalzes. Klinisch relevante Folgeerkrankungen entstehen vor allem bei Abszedierung (Eiteransammlung), unzureichender Drainage (Ableitung von Eiter oder Flüssigkeit), verzögerter Therapie (Behandlung), Ausbreitung in benachbarte Weichteil- oder Tiefenkompartimente, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Immunsuppression (Unterdrückung des Abwehrsystems) oder chronisch-rezidivierender Irritation (Reizung) des Nagelfalzes [1-4].

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Abszess des Nagelfalzes – umschriebene Eiteransammlung im Bereich des proximalen oder lateralen Nagelfalzes; wichtigste lokale Komplikation der akuten bakteriellen Paronychie [1, 2]
  • Cellulitis/Phlegmone (flächenhafte Weichteilentzündung) der Finger- oder Zehenweichteile – flächenhafte Ausbreitung der bakteriellen Infektion in das umliegende Weichteilgewebe [1-3]
  • Hohlhandphlegmone (flächenhafte Entzündung der Hohlhand) – seltene schwere Ausbreitung einer Fingerinfektion in tiefe Hohlhandräume, insbesondere bei verzögerter oder inadäquater Therapie [2-4]
  • Lymphangitis (Lymphbahnentzündung) – entzündliche Ausbreitung entlang der Lymphbahnen bei bakterieller Weichteilinfektion [2, 3]
  • Nageldystrophie (Nagelwachstumsstörung) – deformiertes, verdicktes, gerilltes oder brüchiges Nagelwachstum nach chronischer oder rezidivierender Nagelfalzentzündung [1]
  • Nagelmatrixschädigung (Schädigung der Nagelwurzel) – mögliche Folge ausgeprägter, chronischer oder rezidivierender Entzündung des proximalen Nagelfalzes [1]
  • Onycholyse (Nagelablösung) – teilweise Ablösung der Nagelplatte vom Nagelbett im Rahmen chronischer Entzündung, Feuchtarbeit, Irritation oder sekundärer Kolonisation (Besiedlung) [1]
  • Panaritium subcutaneum (tiefe Finger- oder Zeheneiterung im Unterhautgewebe) – Ausbreitung der Infektion in das subkutane Gewebe der Finger- oder Zehenendgliedregion [2, 3]
  • Panaritium subunguale (Eiterung unter dem Nagel) – Eiteransammlung unter der Nagelplatte mit möglicher Druckschmerzhaftigkeit, Nagelablösung oder persistierender Entzündung [1, 2]
  • Persistierende Nagelverfärbung – mögliche Folge einer länger bestehenden Entzündung, subungualen Eiteransammlung oder sekundären Nagelplattenveränderung; keine eigenständige schwere Komplikation [1]

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Bakteriämie (Bakterien im Blut) – seltene hämatogene Erregerstreuung (Ausbreitung von Krankheitserregern über das Blut) bei schwerer oder fortgeleiteter Weichteilinfektion, insbesondere bei Immunsuppression, Diabetes mellitus oder inadäquater lokaler Infektionskontrolle [2-4]
  • Rezidivierende bakterielle Weichteilinfektion – wiederholte Infektionsepisoden bei persistierendem Eintrittstor, Nageltrauma (Nagelverletzung), Manipulation, Nägelkauen, Feuchtarbeit oder unzureichender Beseitigung prädisponierender Faktoren [1, 2]
  • Sepsis (Blutvergiftung) – sehr seltene, potenziell lebensbedrohliche systemische Komplikation einer fortgeleiteten oder hämatogen streuenden bakteriellen Infektion [2-4]
  • Sekundäre Pilz- oder Mischkolonisation – insbesondere bei chronischer Paronychie möglich; meist Begleit- beziehungsweise Verstärkungsfaktor der chronischen Entzündung [1]

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Bewegungseinschränkung des betroffenen Fingers oder Zehs – Folge von Schmerz, Schwellung, Abszessbildung oder tiefer Infektionsausbreitung [2-4]
  • Flexor-Tenosynovitis/Sehnenscheidenphlegmone (Beugesehnenscheidenentzündung/Sehnenscheideneiterung) – seltene, dringlich behandlungsbedürftige Ausbreitung einer Fingerinfektion auf die Beugesehnenscheide mit Risiko eines Funktionsverlustes [2-4]
  • Osteomyelitis (Knochenentzündung) des Endgliedes – seltene Komplikation bei fortgeleiteter Infektion, nicht drainiertem Abszess, chronischem Verlauf oder Risikokonstellationen wie Diabetes mellitus und Immunsuppression [1-4]
  • Panaritium articulare/septische Arthritis (Gelenkeiterung/eitrige Gelenkentzündung) – Übergreifen der Infektion auf ein Finger- oder Zehengelenk; selten, aber wegen möglicher Gelenkdestruktion klinisch relevant [2-4]
  • Panaritium ossale (Knocheneiterung) – Übergreifen der Infektion auf den Knochen des Finger- oder Zehenendgliedes; klinisch entspricht dies einer lokalen Osteomyelitis [2-4]
  • Panaritium periostale (Knochenhautbeteiligung bei Eiterung) – Beteiligung des Periosts (Knochenhaut) bei tiefer fortgeleiteter Infektion der Endgliedregion [2, 3]
  • Sehnen- oder Gelenkfunktionsverlust – mögliche Spätfolge verzögert behandelter tiefer Handinfektionen, insbesondere bei Sehnenscheiden-, Gelenk- oder Knochenbeteiligung [3, 4]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Fieber – Hinweis auf systemische Beteiligung oder fortgeleitete Infektion; bei unkomplizierter lokaler Paronychie nicht typisch [2, 3]
  • Persistierender lokaler Schmerz – möglich bei nicht drainiertem Abszess, subungualer Eiteransammlung, Panaritium (Finger- oder Zeheneiterung) oder tiefer Infektionsausbreitung [1-3]
  • Schwellung und Druckschmerz der Finger- oder Zehenendgliedregion – klinisches Korrelat einer lokalen Abszedierung oder Ausbreitung in benachbarte Weichteilräume [1-3]

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Iatrogene (ärztlich verursacht) oder traumatische Nagelfalzschädigung – mögliche Folge wiederholter Manipulation, Maniküre/Pediküre, Nageltrauma, Nägelkauen oder aggressiver lokaler Maßnahmen; begünstigt Rezidive (Rückfälle) und Chronifizierung [1, 2]
  • Narbenbildung im Nagelfalzbereich – mögliche Folge ausgeprägter Entzündung, chirurgischer Drainage oder rezidivierender Gewebeschädigung [1, 2]

Prognosefaktoren

  • Abszessbildung – erhöht das Risiko für Persistenz (Fortbestehen) und lokale Ausbreitung, wenn keine adäquate Drainage erfolgt [1, 2]
  • Diabetes mellitus – Risikofaktor für schwerere, verzögerte oder fortgeleitete Weichteilinfektionen [2-4]
  • Immunsuppression – erhöht das Risiko für atypische Erreger, schwerere Verläufe, Rezidive und systemische Ausbreitung [2-4]
  • Periphere Durchblutungsstörung (Durchblutungsstörung an Armen oder Beinen) – ungünstiger Faktor für Wundheilung und Infektionskontrolle [2-4]
  • Rezidivierende mechanische oder chemische Irritation – begünstigt chronische Paronychie, Nageldystrophie und wiederholte Entzündungsschübe [1]
  • Verzögerte Diagnostik (Untersuchungen zur Abklärung) oder inadäquate Therapie – erhöht das Risiko für tiefe Handinfektionen, Sehnenscheidenphlegmone, septische Arthritis, Osteomyelitis, Funktionsverlust und in schweren Fällen Amputation (Entfernung eines Körperteils) [2-4]

Literatur

  1. Relhan V, Bansal A. Acute and Chronic Paronychia Revisited: A Narrative Review. J Cutan Aesthet Surg. 2022;15(1):1-16. https://doi.org/10.4103/JCAS.JCAS_30_21
  2. Rerucha CM, Ewing JT, Oppenlander KE, Cowan WC. Acute Hand Infections. Am Fam Physician. 2019;99(4):228-236.
  3. Osterman M, Draeger R, Stern P. Acute hand infections. J Hand Surg Am. 2014;39(8):1628-1635. https://doi.org/10.1016/j.jhsa.2014.03.031
  4. Flevas DA, Syngouna S, Fandridis E, Tsiodras S, Mavrogenis AF. Infections of the hand: an overview. EFORT Open Rev. 2019;4(5):183-193. https://doi.org/10.1302/2058-5241.4.180082