Planetary Health Diet
Die Planetary Health Diet (Synonyme: nachhaltige Ernährung; planetare Gesundheitskost; planetarische Gesundheitsernährung; Planetendiät) ist ein überwiegend pflanzenbetontes, flexitarisches Ernährungskonzept, das zwei Ziele miteinander verbindet: Gesundheit des Menschen und Schutz planetarer Belastungsgrenzen. Sie wurde ursprünglich 2019 durch die EAT-Lancet-Kommission beschrieben und 2025 im Rahmen der aktualisierten EAT-Lancet-Kommission weiterentwickelt [1]. Die Ernährung soll langfristig gesundheitsförderlich sein und gleichzeitig Treibhausgasemissionen, Landnutzung, Wasserverbrauch und Biodiversitätsverlust durch Ernährungssysteme reduzieren.
Die Planetary Health Diet ist eine präventive, nachhaltigkeitsorientierte Ernährungsform. Sie ist nicht krankheitsspezifisch leitliniengestützt, kann aber bei Adipositas, metabolischem Syndrom (klinische Bezeichnung für die Symptomkombination Adipositas, Hypertonie, erhöhte Nüchternglucose und Nüchterninsulin-Serumspiegel (Insulinresistenz) und Fettstoffwechselstörung), Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes als gesundheitsförderliches Ernährungsmuster in ein ärztlich begleitetes Gesamtkonzept eingebettet werden.
Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen
Die Planetary Health Diet entstand aus der Frage, wie eine wachsende Weltbevölkerung gesund ernährt werden kann, ohne ökologische Belastungsgrenzen weiter zu überschreiten. Die EAT-Lancet-Kommission formulierte dafür ein Referenzmuster mit konkreten Lebensmittelgruppen und Mengenbereichen. Das Konzept verbindet Ernährungsmedizin, Public Health, Klimawissenschaft, Agrarwissenschaft und Nachhaltigkeitsforschung [1].
Zentrale Annahmen sind:
- Ernährungsweisen mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und ungesättigten Pflanzenölen sind mit einem geringeren Risiko für chronische Erkrankungen assoziiert [2-4].
- Ein hoher Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch, stark verarbeiteten Lebensmitteln, Zucker und gesättigten Fettsäuren ist gesundheitlich ungünstig.
- Die Umstellung auf eine pflanzenbetonte Kost kann die Umweltbelastung des Ernährungssystems deutlich senken. Die EAT-Lancet-Kommission 2025 beschreibt u. a. mögliche Reduktionen lebensmittelbedingter Emissionen und einen potentiellen Beitrag zur Prävention vorzeitiger Todesfälle [1].
Zielsetzung der Diät
Die Planetary Health Diet verfolgt in erster Linie das Ziel einer langfristigen Prävention. Sie soll dazu beitragen, das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, bestimmte Krebserkrankungen und eine vorzeitige Mortalität (Sterblichkeit) zu senken [2-4]. Gleichzeitig zielt sie darauf ab, die allgemeine Ernährungsqualität zu verbessern, indem mehr Ballaststoffe, pflanzliche Proteine (Eiweiß), ungesättigte Fettsäuren und sekundäre Pflanzenstoffe aufgenommen werden, während die Zufuhr gesättigter Fettsäuren reduziert wird.
Ein weiteres wesentliches Ziel ist die Verringerung der ökologischen Belastung durch eine Ernährung mit weniger rotem Fleisch, weniger stark verarbeiteten Lebensmitteln und einem höheren Anteil pflanzlicher Lebensmittel [1, 5]. Dabei ist die Planetary Health Diet bewusst alltagstauglich und kulturell anpassbar angelegt. Sie muss weder strikt vegan noch vegetarisch umgesetzt werden.
Wird die Planetary Health Diet im medizinischen Kontext eingesetzt, zum Beispiel bei Adipositas, Hypertonie (Bluthochdruck), Typ-2-Diabetes oder Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung), sollten die Zielparameter individuell festgelegt und regelmäßig überprüft werden.
Zu den primären Zielparametern gehören Körpergewicht, Taillenumfang, Blutdruck, LDL-Cholesterin, Triglyceride, HbA1c (Langzeitblutzuckerwert) und Nüchternglucose.
Sekundäre Ziele können eine bessere Sättigung, eine höhere Ballaststoffzufuhr, eine verbesserte Lebensqualität sowie gegebenenfalls eine Reduktion von Medikamenten unter ärztlicher Kontrolle sein.
Das Monitoring sollte je nach Ausgangssituation Gewicht, Blutdruck, relevante Laborparameter, die Nierenfunktion bei entsprechenden Vorerkrankungen sowie den Eisenstatus, Vitamin B12, Vitamin D und gegebenenfalls Jod umfassen.
Neuere Kohortendaten deuten zudem darauf hin, dass eine stärkere Übereinstimmung mit der EAT-Lancet Planetary Health Diet mit einem geringeren Risiko für das Neuauftreten einer chronischen Nierenerkrankung assoziiert sein kann. Dieser Befund ergänzt die präventive Zielsetzung der Diät, sollte aber nicht als gesicherter therapeutischer Effekt verstanden werden [8].
Grundprinzipien
Die Planetary Health Diet ist ein dauerhaft angelegtes Ernährungsmuster. Die Basis bilden Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und hochwertige pflanzliche Öle. Tierische Lebensmittel sind dabei nicht grundsätzlich ausgeschlossen, werden jedoch nur in kleinen bis moderaten Mengen eingesetzt. Besonders rotes Fleisch, verarbeitetes Fleisch, Zucker, Weißmehlprodukte und stark verarbeitete Lebensmittel sollen deutlich reduziert werden.
Gleichzeitig bleibt die Ernährung flexibel und kann an regionale, kulturelle und individuelle Vorlieben angepasst werden.
Wichtig ist außerdem, dass die Energiezufuhr nicht starr übernommen, sondern an den persönlichen Bedarf angepasst wird; das Referenzmodell arbeitet häufig mit etwa 2.500 kcal pro Tag, was nicht für jede Person passend ist.
Angestrebte Wirkmechanismen
Die erwarteten gesundheitlichen Effekte der Planetary Health Diet beruhen vor allem auf bekannten Mechanismen einer pflanzenbetonten Ernährung. Durch den hohen Anteil an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten steigt die Ballaststoffzufuhr. Dies kann zu einer besseren Sättigung beitragen, die Darmmikrobiota günstig beeinflussen, die Glucoseaufnahme verlangsamen und sich potentiell positiv auf die LDL-Cholesterinwerte auswirken. Gleichzeitig verbessert sich das Fettsäureprofil, da weniger gesättigte Fettsäuren aus Fleisch, Wurst und fettreichen Milchprodukten aufgenommen werden, während ungesättigte Fettsäuren aus Nüssen, Samen und pflanzlichen Ölen stärker in den Vordergrund treten.
Ein weiterer Wirkmechanismus ergibt sich aus der meist geringeren Energiedichte dieser Ernährung. Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte können bei geeigneter Umsetzung helfen, eine moderate Energiezufuhr einzuhalten, ohne dass die Ernährung stark restriktiv wirken muss.
Ferner liefern pflanzliche Lebensmittel zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe. Antioxidative und antiinflammatorische (entzündungshemmende) Effekte sind biologisch plausibel, lassen sich jedoch nicht für jede einzelne Substanz eindeutig klinisch belegen. Neben den gesundheitlichen Effekten wird auch eine ökologische Wirkung angestrebt: Durch einen geringeren Anteil ressourcenintensiver tierischer Lebensmittel, insbesondere von rotem Fleisch, können Treibhausgasemissionen und Flächenbedarf reduziert werden [1, 5].
Zielgruppen und Ausschlusskriterien
Geeignete Zielgruppen
- Erwachsene mit durchschnittlichem Energiebedar
- Personen mit erhöhtem kardiometabolischem Risiko
- Menschen mit hohem Fleisch- und Wurstkonsum
- Personen mit Ballaststoffmangel
- Menschen mit Interesse an nachhaltiger Ernährung
- Kinder und Jugendliche: grundsätzlich möglich, aber nicht als starres Reduktionsmodell; Energie-, Protein-, Eisen-, Calcium-, Jod-, Vitamin-D- und Vitamin-B12-Zufuhr müssen gesichert sein
- Schwangere und Stillende: nur gut geplant; kritische Nährstoffe wie Eisen, Jod, Docosahexaensäure (DHA; Omega-3-Fettsäure), Vitamin B12, Vitamin D und Calcium müssen beachtet werden
- Geriatrische (ältere) Patienten: geeignet, wenn ausreichend Proteine, Energie, Calcium, Vitamin D und Vitamin B12 sichergestellt werden; bei Sarkopenie (alters- oder krankheitsbedingter Abbau von Muskelmasse, Muskelkraft und körperlicher Leistungsfähigkeit) darf die Ernährung nicht zu proteinarm werden
Eingeschränkte Eignung
- Personen mit Essstörungen (z. B. Anorexia nervosa/Magersucht)
- Personen mit schwerer Mangelernährung, sehr hohem Energiebedarf, komplexen gastrointestinalen Erkrankungen oder stark eingeschränkter Lebensmittelauswahl
Medizinische Indikationen
- Typ-2-Diabetes
- Adipositas
- Hypertonie
- Dyslipidämie
- Bei Personen mit erhöhtem Risiko für eine chronische Nierenerkrankung, etwa bei Hypertonie, Typ-2-Diabetes oder kardiometabolischem Risikoprofil, kann eine gut geplante, pflanzenbetonte Ernährung zusätzlich interessant sein. Aktuelle Daten zeigen eine inverse Assoziation zwischen höherer Adhärenz zur Planetary Health Diet und dem Neuauftreten einer CKD. Bei bereits bestehender chronischer Nierenkrankheit müssen Protein-, Kalium- und Phosphatzufuhr jedoch individuell ärztlich bewertet werden [8].
Durchführung und Ablauf der Diät
Zu Beginn der Planetary Health Diet sollte der bisherige Fleisch- und Wurstkonsum realistisch erfasst werden, um sinnvolle und erreichbare Veränderungen planen zu können. Hilfreich ist es außerdem, die eigenen Vorräte zu prüfen und gezielt Lebensmittel wie Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, hochwertige Pflanzenöle und Tiefkühlgemüse bereitzuhalten. Für den Alltag empfiehlt es sich, zwei bis drei einfache, pflanzenbetonte Standardgerichte festzulegen, die regelmäßig zubereitet werden können.
Bei Risikogruppen, zum Beispiel Schwangeren, älteren Menschen, Personen mit chronischen Erkrankungen oder bereits bekannten Mangelzuständen, sollten vor oder während der Umstellung relevante Laborwerte kontrolliert werden. Dazu gehören je nach Situation Blutbild, Ferritin (Eisenspeicher), Vitamin B12, Vitamin D, gegebenenfalls Jodstatus sowie Lipidwerte und HbA1c.
Typische Fehler zu Beginn sind:
- Fleisch und Wurst einfach wegzulassen, ohne geeignete Proteinquellen einzuplanen. Dadurch kann die Ernährung insbesondere bei älteren Menschen, bei erhöhtem Proteinbedarf oder bei bereits bestehender Sarkopenie ungünstig werden.
- Energiezufuhr zu gering zu gestalten, vor allem bei Personen mit niedrigem Körpergewicht oder ungewolltem Gewichtsverlust.
- Calcium, Jod, Vitamin B12 und Eisen bei einer stark pflanzenbetonten Umsetzung zu wenig zu berücksichtigen.
- Hülsenfrüchte zu abrupt und in großen Mengen einzuführen. Besser ist eine langsame Steigerung, da es sonst zu Blähungen und Völlegefühl kommen kann.
- Stark verarbeitete, vegane Ersatzprodukte zur Hauptbasis der Ernährung zu machen, statt überwiegend unverarbeitete oder wenig verarbeitete Lebensmittel zu verwenden.
Schritt-für-Schritt-Ablauf
- Wurstwaren und verarbeitetes Fleisch deutlich reduzieren
- Rotes Fleisch auf kleine Mengen und seltene Anlässe begrenzen
- Drei- bis viermal pro Woche Hülsenfrüchte einbauen
- Weißmehlprodukte durch Vollkornvarianten ersetzen
- Täglich Nüsse oder Samen in kleiner Menge einplanen
- Gemüseanteil pro Mahlzeit erhöhen
- Tierische Lebensmittel gezielt auswählen: eher Naturjoghurt, Eier, Fisch oder kleine Mengen Geflügel statt Wurst und rotem Fleisch
- Süßgetränke, Süßwaren und hochverarbeitete Snacks reduzieren
Die Planetary Health Diet ist als dauerhafte Ernährungsweise gedacht. Eine Übergangsphase von 4-8 Wochen ist sinnvoll, um Verdauung, Einkaufsverhalten und Geschmack anzupassen.
Empfohlene Lebensmittel
Die folgenden Lebensmittel bilden die Basis der Planetary Health Diet:
- Gemüse: Blattgemüse, Kohlgemüse, Wurzelgemüse, Tomaten, Paprika, Zucchini, Pilze
- Obst: Beeren, Äpfel, Birnen, Zitrusfrüchte, saisonales Obst
- Vollkornprodukte: Haferflocken, Vollkornbrot, Naturreis, Vollkornnudeln, Hirse, Buchweizen, Gerste
- Hülsenfrüchte: Linsen, Bohnen, Kichererbsen, Erbsen, Sojaprodukte wie Tofu oder Tempeh
- Nüsse und Samen: Walnüsse, Mandeln, Haselnüsse, Leinsamen, Chiasamen, Kürbiskerne
- Pflanzliche Öle: Rapsöl, Olivenöl, Leinöl, Walnussöl
- Tierische Lebensmittel in Maßen: Fisch, Eier, Milchprodukte, kleine Mengen Geflügel
- Getränke: Wasser, ungesüßter Tee, Kaffee in moderater Menge
Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel
Aus Sicht der Planetary Health Diet werden vor allem Lebensmittel eingeschränkt, die gesundheitlich oder ökologisch ungünstig sind.
- Rotes Fleisch: Rind, Schwein, Lamm nur selten und in kleinen Mengen
- Verarbeitetes Fleisch: Wurst, Schinken, Speck, Salami möglichst vermeiden
- Stark verarbeitete Lebensmittel: Fertiggerichte, süße Backwaren, Chips, Fast Food
- Zuckerreiche Produkte: Süßigkeiten, Softdrinks, gesüßte Milchprodukte, Energydrinks
- Raffinierte Getreideprodukte: Weißbrot, helle Nudeln, Gebäck
- Fette mit ungünstigem Profil: große Mengen Butter, Schmalz, Palmfett, frittierte Produkte
Nicht jedes tierische Lebensmittel ist verboten. Kritisch ist vor allem die Kombination aus hoher Menge, ungünstiger Verarbeitung und regelmäßigem Konsum.
Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag
Im Alltag gelingt die Planetary Health Diet am besten, wenn die Umstellung ohne Perfektionsanspruch erfolgt. Beim Einkauf sollte die Planung zunächst auf Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse ausgerichtet werden. Tierische Lebensmittel werden anschließend bewusst und ergänzend ausgewählt.
Eine praktikable Strategie besteht darin, bekannte Fleischgerichte schrittweise pflanzenbetonter zu gestalten, zum Beispiel, indem ein Teil des Hackfleischs durch Linsen ersetzt wird. Besonders bei Kindern ist es sinnvoll, vertraute Gerichte behutsam anzupassen, statt die Ernährung abrupt umzustellen.
Hülsenfrüchte sollten anfangs in kleinen Mengen verwendet und gut gegart werden, damit sie besser verträglich sind. Geeignete Alltagsgerichte sind beispielsweise Linsenbolognese, Chili sin Carne, Kichererbsencurry oder Bohnen-Tacos, weil sie sättigend, proteinreich und gut vorzubereiten sind.
Eine praktische Tellerstruktur:
- ½ Teller: Gemüse und Obst, bevorzugt gemüsebetont
- ¼ Teller: Vollkorngetreide oder stärkehaltige Beilage
- ¼ Teller: Hülsenfrüchte, Nüsse/Samen, gelegentlich Fisch, Ei, Milchprodukte oder kleine Fleischmengen
- Fettquelle: hochwertige pflanzliche Öle, z. B. Raps-, Oliven- oder Leinöl
Für die Vorratshaltung sind tiefgekühltes Gemüse, vorgekochte Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und portionsweise vorbereitete Nüsse hilfreich. Tiefgekühltes Gemüse ist schnell verfügbar und reduziert den Aufwand beim Kochen. Nüsse lassen sich beispielsweise in Mengen von 20-30 g pro Tag vorbereiten, damit sie regelmäßig, aber nicht unkontrolliert verzehrt werden.
Für Beruf und Schule eignen sich vorbereitete Bowls, Vollkornbrot mit Hummus, Salate mit Hülsenfrüchten oder Overnight Oats.
Ernährungsphysiologische Bewertung
Die Planetary Health Diet ist grundsätzlich ernährungsphysiologisch hochwertig, wenn sie gut geplant und bedarfsgerecht umgesetzt wird. Sie liefert viele Ballaststoffe, komplexe Kohlenhydrate, pflanzliche Proteine, ungesättigte Fettsäuren sowie relevante Mikronährstoffe wie Magnesium, Kalium und Folsäure. Zusätzlich enthält sie durch den hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe.
Kritisch zu beachten ist jedoch, dass die Nährstoffversorgung nicht automatisch in jeder Lebenssituation gesichert ist. Die Proteinzufuhr ist bei Erwachsenen meist gut erreichbar, sollte bei älteren Menschen, Sportlern, Schwangeren oder bei Krankheit jedoch gezielt geplant werden.
Vitamin B12 kann kritisch werden, wenn tierische Lebensmittel stark reduziert werden. In diesem Fall kann eine Supplementation erforderlich sein. Auch Eisen verdient besondere Aufmerksamkeit, da pflanzliches Eisen eine geringere Bioverfügbarkeit hat. Die Aufnahme lässt sich jedoch durch Vitamin-C-reiche Lebensmittel verbessern. Zink kann bei sehr hoher Phytatzufuhr aus Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten weniger gut verfügbar sein. Calcium wird vor allem dann relevant, wenn Milchprodukte stark eingeschränkt und keine calciumreichen Alternativen genutzt werden. Jod kann bei geringer Zufuhr von Fisch und Milchprodukten sowie bei fehlender Verwendung von Jodsalz kritisch werden. Vitamin D ist in Mitteleuropa häufig unabhängig von der Ernährungsform ein potentieller Mangelnährstoff. Bei den Omega-3-Fettsäuren liefern Leinöl, Walnüsse und Chiasamen vor allem Alpha-Linolensäure. Bei geringer Fischzufuhr sollte zusätzlich auf eine ausreichende Versorgung mit EPA und DHA geachtet werden.
Analysen weisen darauf hin, dass die EAT-Lancet-Ernährung bei unkritischer Umsetzung relevante Mikronährstofflücken aufweisen kann, insbesondere bei Eisen, Zink, Calcium, Vitamin B12 und gegebenenfalls Retinol bzw. Vitamin A in bestimmten Bevölkerungsgruppen [6, 7].
Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen
Die medizinischen Risiken der Planetary Health Diet entstehen weniger durch das Grundkonzept selbst, sondern vor allem durch eine zu einseitige, zu kalorienarme oder falsch verstandene Umsetzung. Mögliche Nährstoffmängel betreffen insbesondere Vitamin B12, Eisen, Zink, Calcium, Jod, Vitamin D sowie die langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA.
Ein Proteinmangel kann vor allem bei geriatrischen Patienten, Tumorerkrankungen, chronischen Erkrankungen, bestehender Sarkopenie oder sehr niedriger Energiezufuhr relevant werden.
Bei einer zu schnellen Steigerung der Ballaststoffzufuhr können gastrointestinale Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl oder Stuhlveränderungen auftreten.
Ein Gewichtsverlust kann bei Adipositas erwünscht sein, ist jedoch bei Untergewicht, Frailty oder bestehender Mangelernährung problematisch.
Auch mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten sollten berücksichtigt werden. Bei Patienten, die Antidiabetika (blutzuckersenkende Medikamente) einnehmen, kann eine verbesserte Ernährung in Verbindung mit Gewichtsabnahme das Risiko für Hypoglykämien (Unterzuckerungen) erhöhen. Unter Antihypertensiva (blutdrucksenkende Medikamente) kann ein Blutdruckabfall relevant werden, wenn sich Körpergewicht, Salzaufnahme oder Stoffwechsellage deutlich verändern. Bei einer Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten sollte eine stark veränderte Zufuhr grüner Gemüse ärztlich begleitet werden. Diese Lebensmittel müssen jedoch nicht pauschal vermieden werden. Bei chronischer Nierenkrankheit sind Protein-, Kalium- und Phosphatzufuhr individuell zu bewerten.
Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
Ärztliche Rücksprache ist empfohlen, wenn relevante Erkrankungen, Mangelzustände oder besondere Lebensphasen vorliegen.
Absolute Kontraindikationen
- Keine
Relative Kontraindikationen bzw. Situationen mit Monitoringbedarf
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Säuglinge, Kinder und Jugendliche bei stark eingeschränkter Tierproduktzufuhr
- Geriatrische Patienten mit Frailty (Gebrechlichkeit), Sarkopenie oder ungewolltem Gewichtsverlust
- Chronische Nierenkrankheit, insbesondere bei Kalium- oder Phosphatproblemen
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn), Reizdarmsyndrom oder Zustand nach Darmoperationen
- Eisenmangel, Vitamin-B12-Mangel, Osteoporose oder hohes Osteoporoserisiko
- Leistungssport oder sehr hoher Energiebedarf
- Therapie mit Insulin, Sulfonylharnstoffen, Antihypertensiva (blutdrucksenkende Medikamente) oder Vitamin-K-Antagonisten
Vorteile
- Gesundheitsförderliches Ernährungsmuster: hohe Zufuhr von Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchten und Nüssen
- Kardiometabolischer Nutzen: bessere Ballaststoffzufuhr, günstigeres Fettsäureprofil, potentiell bessere Blutzucker- und Lipidwerte [2-4]
- Flexibilität: keine zwingend vegane Ernährung; tierische Lebensmittel bleiben in moderaten Mengen möglich
- Nachhaltigkeit: geringerer Konsum besonders ressourcenintensiver Lebensmittel, insbesondere rotes Fleisch [1, 5]
- Alltagstauglichkeit: Umsetzung mit regionalen und kulturell angepassten Lebensmitteln möglich
- Gute Sättigung: durch Ballaststoffe, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte
- Präventionspotential: höhere Adhärenz (Umsetzbarkeit im Alltag) war in aktuellen Studien mit niedrigerer Mortalität und geringerem Risiko für chronische Erkrankungen assoziiert [2-4]
Nachteile
- Planungsbedarf: Proteine, Calcium, Jod, Eisen, Zink, Vitamin B12 und Vitamin D müssen bewusst berücksichtigt werden.
- Nicht automatisch therapeutisch: Sie ersetzt keine medizinische Ernährungstherapie bei Zöliakie, Niereninsuffizienz (Nierenschwäche), Diabetes mellitus mit komplexer Medikation oder Mangelernährung.
- Verdauungsprobleme möglich: Ballaststoffe und Hülsenfrüchte müssen langsam gesteigert werden.
- Soziale Umsetzbarkeit: Essen außer Haus, Familie und kulturelle Gewohnheiten können die Umsetzung erschweren.
- Kosten und Verfügbarkeit: je nach Region können Nüsse, frisches Gemüse, Obst oder hochwertige Proteinquellen teuer sein.
- Eine zu stark eingeschränkte Variante kann Nährstoffdefizite fördern, besonders bei vulnerablen Gruppen [6, 7].
Wissenschaftliche Einordnung
Die Planetary Health Diet basiert auf Prinzipien, die auch in anderen gesundheitsförderlichen Ernährungsmustern vorkommen: mediterrane Ernährung, DASH-ähnliche Kost, ballaststoffreiche Vollwerternährung und Reduktion von rotem/verarbeitetem Fleisch.
Die Evidenz besteht aus:
- EAT-Lancet-Kommissionsberichten und Modellierungen [1],
- prospektiven Kohortenstudien zu Mortalität und kardiovaskulären Endpunkten [3, 4],
- systematischen Reviews und Metaanalysen, die eine Assoziation zwischen höherer Adhärenz und geringerem Risiko für Mortalität, kardiovaskuläre Erkrankungen und chronische Erkrankungen zeigen [2],
- Analysen zur Umweltwirkung unterschiedlicher PHD-Scores [5],
- Untersuchungen zu möglichen Mikronährstofflücken [6, 7].
Die Studien zeigen überwiegend Assoziationen, keine vollständigen Beweise für Kausalität in jedem Endpunkt. Die Gesamtaussage ist dennoch robust: Eine gut geplante, pflanzenbetonte, wenig verarbeitete Ernährung mit moderatem Anteil tierischer Lebensmittel ist sowohl medizinisch als auch ökologisch sinnvoll.
Fazit
Die Planetary Health Diet ist ein wissenschaftlich plausibles und präventiv sinnvolles Ernährungskonzept. Ihr großer Vorteil ist, dass sie Gesundheit und Nachhaltigkeit zusammenführt, ohne eine strikt vegane Ernährung zu verlangen.
Für die Allgemeinbevölkerung ist sie langfristig empfehlenswert, wenn sie abwechslungsreich, ausreichend proteinreich und nährstoffdeckend umgesetzt wird. Besonders sinnvoll ist sie für Menschen mit hohem Fleisch- und Wurstkonsum, niedrigem Gemüse- und Ballaststoffverzehr oder erhöhtem kardiometabolischem Risiko.
Die Nachteile liegen in der möglichen Fehlumsetzung: Wer einfach Fleisch, Milchprodukte und Fisch reduziert, ohne Protein, Vitamin B12, Eisen, Calcium, Jod und Omega-3-Fettsäuren zu beachten, riskiert Defizite. Bei Kindern, Schwangeren, Stillenden, älteren Menschen, chronisch Kranken und Patienten mit Nierenkrankheiten ist eine individuelle Anpassung notwendig.
Gesamtbewertung: eine sehr sinnvolle, moderne Präventionsdiät mit guter wissenschaftlicher Grundlage.
Literatur
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