HCG-Diät

Die HCG-Diät ist eine extrem energiearme Reduktionsdiät. In ihrer ursprünglichen Form kombiniert sie eine tägliche Energiezufuhr von weniger als bzw. ungefähr 500 kcal mit der Anwendung des Hormons humanes Choriongonadotropin, kurz hCG. Je nach kommerziellem Anbieter werden inzwischen auch Varianten mit etwa 500-800 kcal täglich angeboten [4].

HCG ist ein Peptidhormon, das vor allem während der Schwangerschaft gebildet wird. Medizinisch wird es unter anderem bei ausgewählten reproduktionsmedizinischen und endokrinologischen Indikationen eingesetzt. Die Gewichtsreduktion gehört nicht zu den zugelassenen Anwendungsgebieten [4, 5].

Die HCG-Diät ist daher einzuordnen als:

  • kurzfristige Reduktionsdiät,
  • extrem energiearme Crashdiät,
  • nicht evidenzbasierte Methode zur Gewichtsreduktion

und ist damit keine ausgewogene oder langfristig geeignete Ernährungsform.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät von der Anwendung von HCG zur Gewichtsreduktion ausdrücklich ab [4].

Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen

Die HCG-Diät wurde im Jahr 1954 von dem britischen Arzt Albert T. W. Simeons entwickelt. Er kombinierte eine extrem niedrige Energiezufuhr von etwa 500 kcal täglich mit regelmäßigen HCG-Injektionen [4].

Ausgangspunkt waren Beobachtungen an schwangeren Frauen in Indien. Simeons berichtete, dass diese trotz sehr geringer Energieaufnahme verhältnismäßig viel Fettgewebe, aber wenig Muskelgewebe verloren hätten und körperlich leistungsfähig geblieben seien. Er führte dies auf die während der Schwangerschaft erhöhten HCG-Konzentrationen zurück.

Daraus entwickelte Simeons die Hypothese, dass HCG:

  • gespeichertes Fett mobilisieren könne,
  • bestimmte Fettdepots bevorzugt abbauen lasse,
  • den Verlust von Muskelmasse verhindere,
  • das Hungergefühl während einer extremen Diät verringere,
  • die körperliche und psychische Leistungsfähigkeit aufrechterhalte.

Diese Annahmen wurden später durch kontrollierte Untersuchungen nicht bestätigt. Nach der von der DGE wiedergegebenen Bewertung der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft besitzt HCG weder eine besondere fettmobilisierende Wirkung noch einen nachgewiesenen Einfluss auf Appetit oder Hungergefühl [4, 5].

Zielsetzung der Diät

Das primäre Ziel der HCG-Diät ist eine möglichst schnelle und deutliche Gewichtsabnahme innerhalb weniger Wochen. Von Befürwortern werden insbesondere folgende Ziele genannt:

  • Reduktion des Körpergewichts
  • Bevorzugter Abbau hartnäckiger Fettdepots
  • Verringerung von Fettpolstern an Hüften, Beinen, Armen und Bauch
  • Verminderung von Hunger und Heißhunger
  • Erhalt der Muskelmasse trotz sehr geringer Energiezufuhr
  • Vermeidung von Müdigkeit und negativen Stimmungslagen
  • Langfristige „Neuprogrammierung“ oder Stabilisierung des Stoffwechsels

In kommerziellen Programmen werden teilweise Gewichtsverluste von bis zu 10 % des Ausgangsgewichts innerhalb von drei Wochen versprochen. Ein solcher Gewichtsverlust wäre jedoch in erster Linie durch die massive Energierestriktion erklärbar. Ein zusätzlicher Beitrag von HCG ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen [4, 5].

Langfristig soll das reduzierte Gewicht durch eine sogenannte Stabilisierungs- oder Erhaltungsphase gesichert werden. Eine besondere, dauerhafte Stoffwechselwirkung des Hormons konnte jedoch ebenfalls nicht nachgewiesen werden.

Grundprinzipien

Die klassische HCG-Diät besteht aus mehreren Phasen:

  1. Ladephase
    Die Diät beginnt üblicherweise mit zwei sogenannten Lade- oder Schlemmertagen. Während dieser Zeit dürfen nach dem ursprünglichen Konzept besonders energie- und fettreiche Lebensmittel gegessen werden. Nach der Theorie der Diät sollen dadurch der Stoffwechsel angekurbelt werden, der Körper auf die folgende Kalorienrestriktion vorbereitet sowie ein frühzeitiges starkes Hungergefühl vermieden werden. Ein wissenschaftlicher Nutzen dieser Ladephase ist nicht belegt [4].
  2. Strenge Diätphase
    An die Ladephase schließen sich gewöhnlich drei Wochen mit einer sehr niedrigen Energiezufuhr an. Die ursprüngliche Variante sieht weniger als beziehungsweise etwa 500 kcal täglich vor. Neuere Programme erlauben teilweise bis zu 800 kcal.
    Gleichzeitig werden Fett, Zucker, viele kohlenhydratreiche Lebensmittel und Alkohol weitgehend ausgeschlossen. Die Ernährung besteht überwiegend aus sehr kleinen Portionen magerer Eiweißquellen, ausgewähltem Gemüse und begrenzten Obstmengen [4].
    In der ursprünglichen Form wurde HCG injiziert. Heute werden im Rahmen kommerzieller Angebote auch Tropfen, Tabletten, Sprays oder homöopathisch bezeichnete Produkte angeboten.
  3. Stabilisierungsphase
    Nach der strengen Phase wird die Energiezufuhr allmählich erhöht. Zucker und stärkereiche Lebensmittel sollen zunächst weiterhin vermieden oder nur langsam wieder eingeführt werden.
    Einige Varianten kombinieren die HCG-Diät mit vermeintlichen Leptin- oder radionischen Produkten. Die DGE weist darauf hin, dass auch die diesen Produkten zugeschriebenen energetischen oder sättigenden Wirkungen wissenschaftlich nicht belegt sind [4].
  4. Erhaltungsphase
    Langfristig soll eine kontrollierte Ernährung das erreichte Gewicht stabilisieren.

Angestrebte Wirkmechanismen

Nach der ursprünglichen Theorie soll HCG während der starken Kalorienrestriktion körpereigene Fettreserven freisetzen und für die Energieversorgung verfügbar machen.

Als Wirkungen werden behauptet:

  • bevorzugte Mobilisierung bestimmter Fettdepots,
  • stärkerer Fettabbau bei geringerem Muskelabbau,
  • Reduktion des Hungergefühls,
  • bessere Stimmung während der Diät,
  • Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit,
  • Veränderung der Körperfettverteilung,
  • Stabilisierung des Stoffwechsels nach Diätende.

Wissenschaftlich plausibel ist dagegen zunächst nur der Effekt des sehr großen Energiedefizits: Werden täglich lediglich etwa 500 kcal aufgenommen, muss der Körper auf gespeicherte Energiereserven zurückgreifen. Dabei wird jedoch nicht ausschließlich Fett abgebaut. Auch fettfreie Körpermasse und Skelettmuskulatur können verloren gehen.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit zu sehr niedrigkalorischen Diäten zeigt, dass der Verlust fettfreier Masse unter anderem von der Stärke und Dauer des Energiedefizits, dem Ausgangsgewicht, dem Gesundheitszustand, der Eiweißzufuhr und der körperlichen Aktivität abhängt. Ein besonderer Schutz der Muskulatur durch HCG wird nicht beschrieben [2].

Nach der DGE und der Arzneimittelkommission bestehen keine belastbaren Hinweise darauf, dass HCG:

  • die Gewichtsabnahme gegenüber einer vergleichbaren Diät ohne HCG steigert,
  • die Fettverteilung verändert,
  • gezielt Depotfett mobilisiert,
  • das Hungergefühl vermindert,
  • das Befinden während der Diät verbessert [4, 5].

Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Geeignete Zielgruppen

Sehr niedrigkalorische Ernährungsformen können bei ausgewählten Menschen mit Adipositas medizinisch vertretbar sein. Dabei handelt es sich jedoch um standardisierte, nährstoffdefinierte Programme ohne HCG.

Eingeschränkt beziehungsweise nicht geeignet

  • Normalgewichtige Menschen mit kosmetischem Abnahmewunsch
  • Schwangere und Stillende
  • Kinder und Jugendliche
  • Menschen mit Essstörungen (z. B. Anorexia nervosa/Magersucht)
  • Geriatrische (ältere) Menschen mit Frailty (Gebrechlichkeit)
  • Personen mit schweren Herz-, Leber- oder Nierenerkrankungen
  • Menschen mit Herzrhythmusstörungen
  • Personen mit schweren psychiatrischen Erkrankungen
  • Menschen, deren Medikamente bei rascher Gewichtsabnahme angepasst werden müssen

Durchführung und Ablauf der Diät

Vor einer stärkeren Gewichtsreduktion sollten zunächst geklärt werden:

  • Körpergewicht, BMI (Body-Mass-Index/Körpermassen-Index) und Taillenumfang
  • Bisherige Gewichts- und Diätentwicklung
  • Realistische Therapieziele
  • Bestehende Begleiterkrankungen
  • Aktuelle Medikamente
  • Blutdruck und Stoffwechselsituation
  • Mögliche Essstörungen
  • Ggf. relevante Laborwerte

Bei einer medizinisch begründeten, sehr niedrigkalorischen Ernährung ist eine vorherige Untersuchung erforderlich. Medikamente gegen Diabetes mellitus oder Bluthochdruck müssen bei einer raschen Gewichtsabnahme häufig angepasst werden [1].

1. Ladephase

  • Während der ersten beiden Tage werden große Mengen energie- und fettreicher Lebensmittel verzehrt. Je nach Programm beginnt gleichzeitig die Anwendung des HCG-Produktes [4].

2. Strenge Reduktionsphase

  • Anschließend wird die Energiezufuhr meist für drei Wochen auf ungefähr 500 kcal täglich reduziert. Einige Varianten dauern länger oder erlauben bis zu 800 kcal.
  • Typischerweise werden zwei kleine Hauptmahlzeiten vorgesehen. Sie enthalten überwiegend eine magere Eiweißquelle, Gemüse und eine kleine Menge Obst. Frühstück und Zwischenmahlzeiten fallen häufig aus oder bestehen nur aus kalorienfreien Getränken.
  • Eine konkrete HCG-Dosierung wird hier nicht angegeben.

3. Beendigung der strengen Phase

  • Nach einer länger andauernden extremen Energierestriktion sollte die Nahrungszufuhr nicht unkontrolliert und abrupt erhöht werden.
  • Ein HCG-spezifischer Fallbericht beschreibt einen jungen Mann, der nach einer stark kalorienreduzierten HCG-Diät ein schweres Refeeding-Syndrom entwickelte. Das Refeeding-Syndrom ist eine potentiell lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung, die nach längerer starker Nahrungseinschränkung durch eine abrupte Steigerung der Energie- und insbesondere der Kohlenhydratzufuhr ausgelöst werden kann. Der dadurch verursachte Insulinanstieg führt dazu, dass Phosphat, Kalium und Magnesium verstärkt in die Zellen aufgenommen werden und ihre Konzentrationen im Blut gefährlich absinken. Mögliche Folgen sind Muskelschwäche, Herzrhythmusstörungen, Atem- und Herzversagen, neurologische Beschwerden sowie eine Rhabdomyolyse (Zerfall von Skelettmuskelgewebe). Bei einer extrem kalorienarmen HCG-Diät kann dieses Risiko insbesondere nach einer unkontrollierten Beendigung der Diät bestehen [3].
  • Ein einzelner Fallbericht erlaubt keine Aussage darüber, wie häufig eine solche Komplikation auftritt. Er verdeutlicht jedoch, dass eine extreme Kalorienrestriktion und eine anschließende abrupte Wiederernährung erhebliche Stoffwechselrisiken bergen können.

4. Übergang in eine ausgewogene Ernährung

  • Nach einer sehr niedrigkalorischen Kost folgt üblicherweise eine mehrwöchige Umstellung auf eine ausgewogene Mischkost mit etwa 1.200-1.500 kcal täglich. Anschließend kann die Energiezufuhr zur Gewichtserhaltung individuell auf etwa 1.500-2.000 kcal täglich angehoben werden [1].

5. Langfristige Gewichtsstabilisierung

  • Adipositas besitzt eine hohe Rezidivneigung. Maßnahmen zur Gewichtsstabilisierung sollten daher bereits während der Gewichtsabnahme vorbereitet werden. Dazu gehören regelmäßige Bewegung, Selbstbeobachtung, geeignete Portionsgrößen und ein langfristig umsetzbares Essverhalten. [1]

Typische Fehler zu Beginn einer HCG-Diät sind:

  • den Gewichtsverlust dem Hormon statt der Kalorienrestriktion zuzuschreiben.
  • HCG-Produkte aus nicht überprüfbaren Quellen zu erwerben.
  • ohne ärztliche Untersuchung zu beginnen.
  • die Eiweiß- und Mikronährstoffversorgung nicht zu berücksichtigen.
  • intensive sportliche Belastungen trotz Schwäche fortzusetzen.
  • Warnzeichen wie Schwindel, Herzklopfen oder Muskelschwäche zu ignorieren.
  • keine langfristige Strategie zur Gewichtsstabilisierung vorzubereiten.

Empfohlene Lebensmittel

Die konkreten Lebensmittellisten unterscheiden sich zwischen den Anbietern. Aus dem weitgehenden Ausschluss von Fett, Zucker und kohlenhydratreichen Lebensmitteln ergibt sich in typischen Varianten eine Auswahl aus:

  • Magerem Geflügel, Rind- oder Kalbfleisch
  • Fettarmen Fischsorten
  • Je nach Variante Eiern oder fettarmen Milchprodukten
  • Blattsalaten, Gurken, Tomaten, Spinat, Kohl, Zucchini, weiteren stärkearmen Gemüsesorten
  • Kleinen Portionen ausgewählter Obstsorten
  • Wasser und Mineralwasser, ungesüßtem Tee, schwarzem Kaffee
  • Kräutern, Gewürzen, Essig und Zitronensaft

Bei sehr niedrigkalorischen Kostformen werden mindestens 2-2,5 Liter täglich empfohlen, sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen [1, 4].

Die Lebensmittelauswahl der HCG-Diät dient vor allem dazu, die Energieaufnahme extrem niedrig zu halten. Sie ist nicht mit einer ausgewogenen, bedarfsdeckenden Ernährung gleichzusetzen.

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

Während der strengen Phase werden typischerweise ausgeschlossen oder stark eingeschränkt:

  • Zucker, Süßigkeiten
  • Kuchen und Gebäck
  • Zuckerhaltige Getränke
  • Butter und Margarine, Speiseöle
  • Fettreiches Fleisch, Wurstwaren
  • Fettreiche Milchprodukte
  • Frittierte Lebensmittel
  • Nüsse und Samen
  • Avocados
  • Viele Hülsenfrüchte
  • Brot und Backwaren
  • Nudeln, Reis, Kartoffeln
  • Fertiggerichte
  • Energiereiche Soßen
  • Alkohol

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

Mahlzeiten im Voraus planen

  • Mahlzeiten und Einkäufe sollten für mehrere Tage geplant werden. Das verhindert, dass Mahlzeiten ausfallen oder bei starkem Hunger ungeeignete Lebensmittel gewählt werden.
  • Praktisch sind:
    • Wochenplan und Einkaufsliste erstellen
    • Gemüse und Eiweißquellen vorbereiten
    • Mahlzeiten für Arbeit und Termine mitnehmen
    • Feste Essenszeiten einplanen

Gemeinsame Mahlzeiten ermöglichen

  • Gemüse, Salat und eine magere Eiweißquelle können gemeinsam für die Familie zubereitet werden. Für andere Familienmitglieder lassen sich Kartoffeln, Reis, Brot oder Soßen ergänzen.
  • So bleibt gemeinsames Essen möglich, ohne verschiedene Gerichte kochen zu müssen.

Restaurantbesuche vorbereiten

  • Vorab sollte die Speisekarte geprüft werden. Geeignet sind einfach zusammengesetzte Speisen mit gut erkennbaren Zutaten. Hilfreich ist es:
    • gegrillte oder gedünstete Gerichte zu wählen,
    • Gemüse oder Salat zu bestellen,
    • Soßen und Dressings getrennt servieren zu lassen,
    • frittierte Speisen und Alkohol zu meiden,
    • vorher keine Mahlzeiten auszulassen.

Den Arbeitsalltag organisieren

  • Bei körperlicher Arbeit, Schichtarbeit, langen Fahrten oder Tätigkeiten an Maschinen kann die starke Energieeinschränkung problematisch sein. Schwindel, Schwäche und Konzentrationsprobleme können die Sicherheit beeinträchtigen.
  • Mahlzeiten und Getränke sollten griffbereit sein. Bei Zittern, Benommenheit oder ausgeprägter Schwäche sollte nicht Auto gefahren und keine gefährliche Maschine bedient werden.

Regelmäßig und bedarfsgerecht trinken

  • Getränke sollten über den Tag verteilt aufgenommen werden. Hilfreich sind eine Trinkflasche, ein Glas Wasser zu den Mahlzeiten oder feste Trinkzeiten.
  • Geeignet sind Wasser, Mineralwasser und ungesüßter Tee. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen muss die Trinkmenge ärztlich abgestimmt werden. Im klassischen HCG-Konzept werden etwa zwei Liter täglich vorgesehen [4].

Körperliche Belastung anpassen

  • Leichte Bewegung wie Spaziergänge oder Mobilitätsübungen kann bei guter Verträglichkeit beibehalten werden.
  • Intensives Ausdauertraining, schwere körperliche Arbeit und stark belastendes Krafttraining sind bei einer extrem geringen Energiezufuhr nicht sinnvoll. Bei Schwindel, Herzklopfen oder Muskelschwäche sollte die Belastung beendet und ärztlicher Rat eingeholt werden.

Beschwerden dokumentieren

  • Ein kurzes Protokoll kann helfen, Beschwerden frühzeitig zu erkennen. Erfasst werden können:
    • Schwindel und Kreislaufprobleme
    • Müdigkeit und Konzentrationsstörungen
    • Herzklopfen
    • Muskelkrämpfe oder Muskelschwäche
    • Verdauungsbeschwerden
    • Flüssigkeitsaufnahme
    • Veränderungen des Körpergewichts
  • Ein- bis zweimaliges Wiegen pro Woche ist ausreichend. Häufigere Gewichtsschwankungen beruhen oft auf Veränderungen des Wasserhaushalts.

Verstopfung vorbeugen

  • Die geringe Nahrungsmenge und der Ausschluss ballaststoffreicher Lebensmittel können Verstopfung begünstigen. Hilfreich sind Gemüse, ausreichendes Trinken und leichte Bewegung.
  • Abführmittel sollten nicht zur Gewichtsabnahme eingesetzt werden.

Soziale Situationen realistisch planen

  • Feiern und Einladungen müssen nicht grundsätzlich abgesagt werden. Gastgeber können vorab informiert, geeignete Speisen ausgewählt oder passende Lebensmittel mitgebracht werden.
  • Alternativ können Treffen auch mit Spaziergängen, Ausflügen oder anderen Aktivitäten verbunden werden.

Das Ende der Diät vorbereiten

  • Die Rückkehr zur normalen Ernährung sollte rechtzeitig geplant werden. Nach längerer starker Nahrungseinschränkung sollten nicht plötzlich große, fett- oder kohlenhydratreiche Mahlzeiten gegessen werden.
  • Die Nahrungsmenge sollte schrittweise erhöht werden. Bei ausgeprägter Schwäche, erheblichem Gewichtsverlust oder Elektrolytstörungen ist eine medizinisch begleitete Wiederernährung erforderlich. Nach einer HCG-Diät wurde ein schweres Refeeding-Syndrom beschrieben [3].

Die Gewichtsstabilisierung von Anfang an mitplanen

  • Bereits während der Gewichtsabnahme sollte die langfristige Ernährung geplant werden. Sinnvoll sind:
    • eine feste Mahlzeitenstruktur,
    • angemessene Portionsgrößen,
    • regelmäßige Bewegung,
    • wöchentliches Wiegen,
    • ein Plan für erneute Gewichtszunahmen,
    • gegebenenfalls professionelle Unterstützung.

Warnzeichen ernst nehmen

  • Die starke Kalorienrestriktion sollte beendet und ärztlich beurteilt werden bei:
    • wiederkehrendem Schwindel,
    • anhaltendem Erbrechen,
    • deutlicher Muskelschwäche,
    • Herzklopfen,
    • ungewöhnlichen Wassereinlagerungen,
    • deutlicher Verschlechterung des Allgemeinzustands.
  • Bei Ohnmacht, Brustschmerzen, Atemnot, Verwirrtheit, Krampfanfällen, Lähmungserscheinungen oder schweren Herzrhythmusstörungen ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich.

Kosten

Kommerzielle Komplettpakete für eine 21-tägige HCG-Diät enthalten je nach Anbieter unter anderem Globuli, Vitamin- und Mineralstoffpräparate, Basenpulver, Omega-3-Fettsäuren, Aminosäuren oder Proteinprodukte. Preisbeispiele sind:

  • Komplettset für Lade-, Diät- und Stabilisierungsphase: etwa 126 Euro
  • 21-Tage-Stoffwechselkur als Kombipackung: etwa 168 Euro

Beachte: Die im Internet oder teilweise in Apotheken angebotenen HCG-Globuli sind nicht mit einem HCG-Arzneimittel gleichzusetzen. Sie enthalten gewöhnlich kein HCG in einer pharmakologisch wirksamen Menge.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Eine Energiezufuhr von ungefähr 500 kcal täglich liegt deutlich unter dem gewöhnlichen Bedarf eines Erwachsenen. Sie unterschreitet auch den Bereich von 800-1.200 kcal, den die S3-Leitlinie für medizinisch betreute sehr niedrigkalorische Kostformen nennt [1].

Bei einer starken Energierestriktion baut der Körper neben Fett auch fettfreie Körpermasse ab. Dazu gehört insbesondere Skelettmuskulatur.

Durch den nahezu vollständigen Ausschluss von Nahrungsfetten kann die Versorgung mit essentiellen Fettsäuren beeinträchtigt werden. Zugleich kann die Aufnahme fettlöslicher Vitamine ungünstig beeinflusst sein.

Der Ausschluss von Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und weiteren kohlenhydrat- und ballaststoffreichen Lebensmitteln kann zu einer geringen Ballaststoffzufuhr führen. Obstipation (Verstopfung) gehört daher zu den möglichen Beschwerden.

Bei nur etwa 500 kcal aus gewöhnlichen Lebensmitteln lässt sich eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen kaum zuverlässig gewährleisten.

Die HCG-Diät ist ernährungsphysiologisch nicht für eine langfristige Anwendung geeignet. Sie schränkt mehrere Lebensmittelgruppen stark ein, vermittelt nur begrenzt alltagstaugliche Ernährungsfähigkeiten und bietet keine wissenschaftlich belegte Strategie für eine dauerhafte Gewichtsstabilisierung bzw. Ernährungs- und Verhaltensänderung.

Vorteile

  • Schneller Gewichtsverlust zu Beginn
  • Klare und einfach verständliche Regeln
  • Zeitlich überschaubare Diätphase
  • Weitgehender Verzicht auf Alkohol
  • Starke Einschränkung von Süßigkeiten und hochverarbeiteten Lebensmitteln
  • Möglicherweise kurzfristig motivierende Veränderungen des Körpergewichts

Diese Vorteile beruhen im Wesentlichen auf der extremen Energieeinschränkung und der strikten Struktur.

Nachteile

  • Extrem geringe Energiezufuhr
  • Geringe Lebensmittelvielfalt
  • Mögliche Eiweiß- und Mikronährstoffdefizite
  • Hunger und Heißhunger
  • Müdigkeit und Konzentrationsprobleme
  • Verlust von Muskelmasse
  • Eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit
  • Schlechte Vereinbarkeit mit Beruf und Familie
  • Kosten für wirkungslose oder nicht zugelassene Produkte
  • Fehlende langfristige Ernährungsstrategie
  • Hohes Risiko einer erneuten Gewichtszunahme
  • Gefahr unseriöser oder falsch deklarierter Präparate
  • Jo-Jo-Effekt – Die Diät vermittelt kaum, wie Portionsgrößen, Lebensmittelauswahl und Essverhalten dauerhaft gestaltet werden können. Nach einer kurzfristigen Crashdiät besteht daher ein erhebliches Risiko, dass das Gewicht erneut ansteigt.

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

  • Schwäche und Antriebslosigkeit
  • Frieren
  • Schwindel
  • Hypotonie (niedriger Blutdruck)
  • Konzentrationsstörungen
  • Nervosität
  • Übelkeit
  • Obstipation
  • Dehydration (Flüssigkeitsmangel)
  • Hypoglykämien (Unterzuckerungen)
  • Muskelabbau
  • Elektrolytstörungen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Erhöhte Harnsäure bis zum Gichtanfall
  • Gallensteinbeschwerden
  • Nierensteinbeschwerden
  • Haarausfall
  • Refeeding-Syndrom

Bei Herzklopfen, Ohnmacht, Brustschmerzen, ausgeprägter Muskelschwäche, Lähmungserscheinungen oder starken neurologischen Beschwerden ist eine sofortige medizinische Abklärung erforderlich.

Diese Risiken werden auch für medizinisch eingesetzte, sehr niedrigkalorische Kostformen beschrieben. Bei einer unkontrollierten 500-kcal-Diät ohne definierte Nährstoffzusammensetzung und ohne medizinische Betreuung sind sie besonders kritisch zu bewerten [1].

Mögliche unerwünschte Wirkungen von HCG [4, 5]

  • Kopfschmerzen
  • Störungen der Regelblutung
  • Reizbarkeit
  • Unruhe
  • Depressive Verstimmungen
  • Müdigkeit
  • Ödeme
  • Gynäkomastie beim Mann (gutartige Vergrößerung des männlichen Brustdrüsengewebes)
  • Ovarialzysten
  • Schmerzen an der Injektionsstelle 

Ferner wurden einzelne thromboembolische Ereignisse im zeitlichen Zusammenhang mit HCG-Diäten beschrieben [4].

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Da die klassische HCG-Diät insgesamt nicht empfohlen wird, sollte sie grundsätzlich nicht in Eigenregie durchgeführt werden.

Für sehr niedrigkalorische Kostformen nennt die S3-Leitlinie unter anderem folgende Kontraindikationen:

  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Diabetes mellitus Typ 1
  • Behandlung mit SGLT2-Hemmern
  • Fortgeschrittene Nierenerkrankung
  • Fortgeschrittene Lebererkrankung
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche) der Stadien NYHA III und IV
  • Instabile Angina pectoris
  • Myokardinfarkt (Herzinfarkt) innerhalb der vergangenen zwölf Monate
  • Apoplex (Schlaganfall) innerhalb der vergangenen zwölf Monate
  • Herzrhythmusstörungen
  • Schwere respiratorische Insuffizienz (die Lunge kann den Körper nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgen und/oder Kohlendioxid nicht genügend abgeben)
  • Essstörungen
  • Schwere psychiatrische Erkrankungen
  • Alkohol- oder Drogenabhängigkeit
  • Schwere Infektionen
  • Höheres Lebensalter mit Gebrechlichkeit [1]

Eine ärztliche Rücksprache ist außerdem besonders wichtig bei:

  • Diabetes mellitus Typ 2
  • Einnahme blutzuckersenkender Medikamente
  • Medikamentös behandeltem Bluthochdruck
  • Niedrigem Blutdruck
  • Gallensteinen
  • Gicht oder Hyperurikämie
  • Nierensteinen
  • Hormonellen Erkrankungen
  • Kinderwunsch oder Fertilitätsbehandlung
  • Regelmäßiger Einnahme verschreibungspflichtiger Medikamente

Wissenschaftliche Einordnung

Die DGE fasst mehrere ältere randomisierte und placebokontrollierte Untersuchungen zur HCG-Diät zusammen.

In einer doppelblinden Cross-over-Studie mit 202 Personen zeigten sich keine Unterschiede zwischen HCG und Placebo bei Körpergewicht, Hautfaltendicke, Abbruchraten oder subjektiven Rückmeldungen.

Eine weitere randomisierte Doppelblindstudie mit 51 Frauen fand keine Unterschiede bei:

  • Gewichtsverlust
  • Prozentualer Gewichtsabnahme
  • Taillen- und Hüftumfang
  • Hungergefühl

Eine 1995 veröffentlichte Kriterien-basierte Metaanalyse kam zu dem Ergebnis, dass keine wissenschaftliche Grundlage für die Anwendung von HCG zur Behandlung von Übergewicht besteht. Weder ein zusätzlicher Gewichtsverlust noch eine Verringerung des Hungergefühls oder eine Verbesserung des Wohlbefindens wurden überzeugend belegt. [4]

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft kam bereits 1987 zu dem Ergebnis, dass HCG:

  • keine nachgewiesene fettmobilisierende Wirkung besitzt,
  • Appetit und Hungergefühl nicht relevant beeinflusst
  • keine stärkere Gewichtsabnahme als eine hypokalorische Diät ohne HCG bewirkt,
  • das Befinden während der Gewichtsreduktion nicht verbessert [4, 5].

Neue randomisierte Wirksamkeitsstudien zur HCG-Diät liegen nicht vor. Die direkte HCG-spezifische Evidenz ist daher überwiegend älter. Die vorhandenen kontrollierten Studien zeigen jedoch übereinstimmend keinen Zusatznutzen.

Fazit

Die HCG-Diät kombiniert eine extreme Kalorienrestriktion mit einem Hormon, für das kein überzeugender zusätzlicher Nutzen bei der Gewichtsreduktion nachgewiesen ist.

Die beobachtete Gewichtsabnahme ist in erster Linie durch das massive Energiedefizit erklärbar. Ein gezielter Abbau bestimmter Fettdepots, ein Schutz der Muskelmasse, eine Verringerung des Hungergefühls oder eine besondere Stabilisierung des Stoffwechsels durch HCG konnten nicht belegt werden [4, 5].

Gleichzeitig bestehen relevante Risiken (s. o.). Von der klassischen HCG-Diät und von HCG-Produkten zur Gewichtsreduktion ist daher aus medizinisch-ernährungswissenschaftlicher Sicht abzuraten. Sinnvoller ist eine individuell angepasste Kombination aus moderater Energiebegrenzung, ausgewogener Ernährung, Bewegung und Verhaltensmodifikation. Bei schwerer Adipositas kommen medizinisch betreute Formulaprogramme, zugelassene Medikamente oder operative Verfahren infrage. [1]

Literatur

  1. S3-Leitlinie: Prävention und Therapie der Adipositas. (AWMF-Registernummer: 050-001), Oktober 2024 Langfassung
  2. Janssen TAH, Van Every DW, Phillips SM: The impact and utility of very low-calorie diets: the role of exercise and protein in preserving skeletal muscle mass. Curr Opin Clin Nutr Metab Care. 2023 Nov 1;26(6):521-527. doi: 10.1097/MCO.0000000000000980
  3. Schunemann MJ, Bertschinger M, Trachsel C, Bachli E: Severe refeeding syndrome after human chorionic gonadotropin diet: a potentially lethal complication. BMJ Case Rep. 2021 Nov 17;14(11):e244011. doi: 10.1136/bcr-2021-244011.
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.: Die HCG-Diät. DGEinfo. 2018;3:39-45.
  5. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Human-Choriongonadotropin: Ungeeignet zur Behandlung des ernährungsbedingten Übergewichts. Deutsches Ärzteblatt. 1987;84:A917.