7-Tage-Körner-Kur

Die 7-Tage-Körner-Kur ist eine stark kalorienreduzierte, fett- und eiweißarme Ernährungsform mit einem sehr hohen Kohlenhydratanteil. Die tägliche Energiezufuhr liegt bei etwa 900 kcal. Die Diät ist strikt auf eine Dauer von sieben Tagen begrenzt.

Die 7-Tage-Körner-Kur ist als kurzfristige Kur bzw. Reduktionsdiät einzuordnen. Sie stellt keine leitliniengestützte therapeutische Diät dar.

Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen

Die 7-Tage-Körner-Kur entstammt dem Bereich kommerzieller Kur- und Diätprogramme und wird als Komplettpaket inklusive Rezeptvorschlägen im Lebensmitteleinzelhandel angeboten.

Die theoretische Grundlage basiert auf der Annahme, dass ballaststoffreiche Getreideprodukte eine starke Sättigung erzeugen, den Blutzuckerspiegel stabilisieren und dadurch eine rasche Gewichtsabnahme ermöglichen. Diese Annahmen sind allgemein plausibel, jedoch nicht spezifisch für dieses Diätkonzept belegt [2].

Zielsetzung der Diät

Die 7-Tage-Körner-Kur wird von den Entwicklern des Konzepts als kurzfristige Diät beworben, mit der innerhalb von sieben Tagen eine Gewichtsreduktion von bis zu 5 kg erreicht werden soll. Diese Zielangabe stellt ein Werbeversprechen des Diätkonzepts dar, jedoch kein verlässliches oder für die Mehrheit der Personen erwartbares Ergebnis.

Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von sieben Tagen 5 kg Körpergewicht zu verlieren, ist stark von individuellen Voraussetzungen abhängig, darunter Ausgangsgewicht, Ernährungszustand, Flüssigkeitshaushalt und vorherige Ernährungsgewohnheiten. Eine in diesem Zeitraum beobachtete Gewichtsabnahme beruht in der Regel überwiegend auf Wasser- und Glykogenverlusten (Glykogen = Speicherform der Glucose in Leber und Muskulatur) sowie auf einer Reduktion des Darminhalts. Ein relevanter Verlust an Körperfett ist unter diesen Bedingungen nicht zu erwarten. Zur Einordnung ist zu berücksichtigen, dass für den Abbau von 1 kg Körperfett ein Energiedefizit von etwa 7.000 kcal erforderlich ist.

Eine therapeutische Zielsetzung mit definierten medizinischen Zielparametern besteht nicht. Weder primäre noch sekundäre therapeutische Endpunkte sind vorgesehen, ebenso fehlt eine leitlinienorientierte Struktur aus Indikation, Intervention, Monitoring und Risikobewertung. Langfristige Ziele zur Gewichtsstabilisierung oder zu einer nachhaltigen Ernährungsumstellung werden nicht verfolgt.

Grundprinzipien

Die 7-Tage-Körner-Kur basiert auf einer sehr niedrigen Energiezufuhr von etwa 900 kcal pro Tag bei gleichzeitig extrem hoher Kohlenhydratzufuhr. Fett- und Eiweißanteil sind deutlich reduziert. Die Mahlzeitenstruktur ist strikt vorgegeben und umfasst drei Mahlzeiten pro Tag, verteilt auf morgens, mittags und abends. Eine Individualisierung nach Energiebedarf, Körpergewicht, Aktivitätsniveau oder gesundheitlichen Voraussetzungen ist nicht vorgesehen.

Zentrales Element der Diät ist der tägliche Wechsel der Getreideart. An jedem der sieben aufeinanderfolgenden Tage steht jeweils eine bestimmte Getreideart im Mittelpunkt.

Angestrebte Wirkmechanismen

Der hohe Ballaststoffanteil der Ernährung soll eine ausgeprägte Sättigung bewirken und dadurch die spontane Energieaufnahme reduzieren. Gleichzeitig wird eine Stabilisierung des Blutzuckerspiegels angestrebt, um Heißhungerattacken zu vermeiden. Ferner sollen Ballaststoffe die Darmflora günstig beeinflussen und durch ein erhöhtes Stuhlvolumen die Darmpassage beschleunigen, was eine schnellere Ausscheidung von Stoffwechselprodukten begünstigen soll [2].

Diese Wirkmechanismen sind grundsätzlich plausibel, jedoch unspezifisch und nicht exklusiv an dieses Diätkonzept gebunden. Ein belegter gesundheitlicher Zusatznutzen gegenüber ausgewogenen ballaststoffreichen Ernährungsformen besteht nicht.

Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Die 7-Tage-Körner-Kur richtet sich an gesunde Erwachsene ohne relevante Vorerkrankungen.

Geeignete Zielgruppen

  • Stoffwechselgesunde Erwachsene mit kurzfristigem Gewichtsreduktionswunsch

Eingeschränkte Eignung

  • Ältere Menschen mit erhöhtem Sarkopenierisiko (altersbedingter Muskelabbau)
  • Personen mit Multimorbidität (eine Person hat mehrere chronische Erkrankungen gleichzeitig)
  • Menschen mit erhöhtem Protein- oder Energiebedarf

Nicht geeignet

  • Kinder und Jugendliche
  • Schwangere und Stillende
  • Personen mit chronischen Erkrankungen oder Essstörungen (z. B. Bulimia nervosa/Ess-Brech-Sucht)

Aufgrund der extrem einseitigen Nährstoffzufuhr ist bei vulnerablen Personengruppen (besonders empfindliche oder schutzbedürftige Menschen) von einer Durchführung abzuraten.

Durchführung und Ablauf der Diät

Im Mittelpunkt der Diät stehen die Getreidesorten Weizen, Hirse, Reis, Hafer, Gerste und Dinkel. An jedem der 7 aufeinander folgenden Tage steht eine andere Getreideart im Mittelpunkt – Beispiel:

1. Tag: Weizenschrot
2. Tag: Hirse
3. Tag: Hafergrütze
4. Tag: Naturreis
5. Tag: Gerstengrütze
6. Tag: Dinkelgrütze
7. Tag: Getreidemischung

Die tägliche Getreidemenge beträgt etwa 150-170 g und wird mit Gemüse, Gemüsebrühe und Obst ergänzt. Milchprodukte sind nur in geringem Umfang erlaubt.

Die Mahlzeiten werden auf drei feste Zeitpunkte pro Tag verteilt. Aufgrund der stark wasserbindenden Eigenschaften der Getreidekörner ist eine Flüssigkeitszufuhr von mindestens 3 Litern pro Tag erforderlich, vorzugsweise in Form von Wasser oder ungesüßten Kräuter- und Früchtetees.

Verboten sind Fleisch, Geflügel, Fisch, tierische Fette, Zucker und Alkohol. Die Diät ist strikt auf sieben Tage begrenzt. Eine längere Durchführung wird selbst von Anbietern nur unter zusätzlicher Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln empfohlen.

Empfohlene Lebensmittel

  • Vollkorngetreide gemäß Tagesplan
  • Gemüse aller Art
  • Obst in moderaten Mengen
  • Gemüsebrühe
  • Geringe Mengen Milchprodukte

Die Lebensmittelauswahl ist klar reglementiert und nur gering variabel.

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

  • Fleisch, Fisch und Geflügel
  • Eier
  • Tierische Fette
  • Zucker und zuckerhaltige Lebensmittel
  • Alkohol

Die konsequente Ausgrenzung ganzer Lebensmittelgruppen trägt wesentlich zur Einseitigkeit der Diät bei.

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

Die Umsetzung der 7-Tage-Körner-Kur erfordert eine sorgfältige Planung, da die Lebensmittelauswahl stark eingeschränkt und die Mahlzeitenstruktur starr vorgegeben ist.

Einkäufe müssen gezielt vorbereitet werden, spontane Mahlzeiten oder außerhäusliche Verpflegung sind nur schwer realisierbar. Im beruflichen und sozialen Alltag kann dies zu erheblichen Einschränkungen führen, insbesondere bei gemeinsamen Mahlzeiten oder Einladungen.

Besonderes Augenmerk sollte auf die empfohlene hohe Flüssigkeitszufuhr gelegt werden, da die ballaststoffreiche Kost andernfalls zu Obstipation (Verstopfung) führen kann. Auch die monotone Lebensmittelauswahl kann die Compliance über die sieben Tage hinweg beeinträchtigen. Eine bewusste mentale Vorbereitung auf die Kurzfristigkeit der Diät kann helfen, vorzeitigem Abbruch vorzubeugen.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Die 7-Tage-Körner-Kur ist ernährungsphysiologisch deutlich unausgewogen. Die Makronährstoffverteilung (Verteilung der Hauptnährstoffe Kohlenhydrate, Fette, Proteine (Eiweiß)) ist extrem kohlenhydratlastig, während Eiweiß und Fett deutlich unter den empfohlenen Zufuhrmengen liegen. Der Proteinanteil ist insbesondere für den Erhalt der Muskelmasse unzureichend, sodass bei Durchführung – selbst über einen kurzen Zeitraum – ein negativer Stickstoffhaushalt begünstigt werden kann. Dies ist vor allem bei Personen mit bereits geringer Muskelmasse, bei älteren Menschen oder bei Personen mit eingeschränkter körperlicher Belastbarkeit relevant und kann einen Muskelabbau fördern.

Der sehr niedrige Fettanteil führt zudem zu einer unzureichenden Zufuhr essentieller Fettsäuren, die für Zellmembranen, Hormonstoffwechsel und entzündungsmodulierende Prozesse notwendig sind. Gleichzeitig kann die Aufnahme fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K) eingeschränkt sein, da deren Resorption an eine ausreichende Fettzufuhr gebunden ist.

Auch die Mikronährstoffversorgung ist kritisch zu bewerten. Durch den Verzicht auf tierische Lebensmittel und die starke Einschränkung der Lebensmittelauswahl ist insbesondere die Zufuhr von Vitamin B12, Eisen, Zink, Calcium und Jod potentiell unzureichend. Bei einer längeren oder wiederholten Durchführung steigt somit das Risiko für latente oder manifeste Mikronährstoffdefizite deutlich an.

Der sehr hohe Ballaststoffanteil wirkt zwar sättigend und kann kurzfristig zur Reduktion der Energieaufnahme beitragen, ist jedoch in dieser Konzentration nicht für alle Personen gut verträglich. Häufig treten gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden), Völlegefühl oder eine veränderte Stuhlkonsistenz auf, insbesondere bei Personen mit empfindlichem Gastrointestinaltrakt oder funktionellen Darmbeschwerden [2]. Eine langfristig ausgewogene, bedarfsdeckende Ernährung wird mit diesem Konzept nicht erreicht.

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Mögliche Risiken sind Proteinmangel mit potentiellem Muskelabbau, Defizite essentieller Fettsäuren sowie eine unzureichende Mikronährstoffzufuhr. Häufig treten gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden) wie Flatulenz (Blähungen) und Bauchschmerzen auf.

Große epidemiologische Studien zeigen zudem, dass extrem kohlenhydratreiche Ernährungsformen mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko (Sterblichkeitsrisiko) assoziiert sind. In großen Kohortenstudien war eine sehr hohe Kohlenhydratzufuhr mit einer erhöhten Gesamtmortalität (Gesamtsterblichkeit) verbunden [1, 3]. Gleichzeitig zeigen Metaanalysen, dass sowohl sehr hohe (> 70 %) als auch sehr niedrige (< 40 %) Kohlenhydratanteile mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko einhergehen, während ein moderater Anteil von etwa 50-55 % mit dem geringsten Risiko assoziiert ist [1].

Zusätzlich erhöht eine Ernährung mit hohem glykämischen Index das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und Mortalität [4]. Nach Beendigung stark kalorienreduzierter Diäten besteht zudem ein erhöhtes Risiko für einen Jo-Jo-Effekt aufgrund physiologischer Gegenregulationsmechanismen [5].

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Absolute Kontraindikationen

  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Essstörungen

Relative Kontraindikationen

  • Höheres Lebensalter
  • Chronische Erkrankungen
  • Erhöhter Nährstoffbedarf

In diesen Fällen ist eine ärztliche Rücksprache dringend empfohlen.

Vorteile

  • Hoher Ballaststoffanteil
  • Klare und einfache Vorgaben
  • Kurzfristig gut planbar

Die Vorteile beschränken sich im Wesentlichen auf organisatorische Aspekte.

Nachteile

  • Extrem einseitige Ernährung
  • Hohes Risiko für Mangelernährung
  • Sehr niedrige Protein- und Fettzufuhr
  • Keine Vermittlung nachhaltiger Ernährungsgewohnheiten
  • Erhöhtes Risiko für Weight Cycling (Jo-Jo-Effekt) nach Beendigung der Diät [5]

Die langfristige Umsetzbarkeit ist sehr gering.

Wissenschaftliche Einordnung

Aus wissenschaftlicher Sicht ist die 7-Tage-Körner-Kur kritisch zu bewerten. Die Makronährstoffverteilung liegt deutlich außerhalb der in großen Kohortenstudien und Metaanalysen mit dem geringsten Mortalitätsrisiko assoziierten Bereiche [1, 3].

Systematische Übersichtsarbeiten und Netzwerk-Metaanalysen zeigen zudem, dass keine kurzfristige Diätform langfristig überlegen ist und nachhaltiger Erfolg primär von Umsetzbarkeit im Alltag und Ausgewogenheit abhängt [6].

Fazit

Die 7-Tage-Körner-Kur ist als kurzfristige Kur zwar durchführbar, aus ernährungsmedizinischer Sicht jedoch klar abzulehnen. Die ausgeprägte Einseitigkeit, der sehr niedrige Energie- und Proteingehalt sowie das Risiko für Mangelernährung überwiegen mögliche kurzfristige Vorteile deutlich.

Die im Rahmen der Diät beworbene rasche und hohe Gewichtsabnahme ist aus ernährungsmedizinischer Sicht kein belastbarer Zielparameter, da sie weder verlässlich reproduzierbar noch für die Mehrheit der Personen realistisch ist.

Als Diät zur nachhaltigen Gewichtsreduktion ist die 7-Tage-Körner-Kur nicht geeignet und kann durch fehlenden Lerneffekt einen Jo-Jo-Effekt begünstigen.

Literatur

  1. Seidelmann SB, Claggett B, Cheng S et al.: Dietary carbohydrate intake and mortality: a prospective cohort study and meta-analysis. Lancet Public Health. 2018. doi: 10.1016/S2468-2667(18)30135-X.
  2. Reynolds A, Mann J, Cummings J et al.: Carbohydrate quality and human health: a series of systematic reviews and meta-analyses. Lancet. 2019;393(10170):434-445. doi: 10.1016/S0140-6736(18)31809-9.
  3. Dehghan M, Mente A, Zhang X et al.: Associations of fats and carbohydrate intake with cardiovascular disease and mortality in 18 countries from five continents (PURE): a prospective cohort study. Lancet. 2017;390(10107):2050-2062. doi: 10.1016/S0140-6736(17)32252-3.
  4. Jenkins DJA, Dehghan M, Mente A et al.: Glycemic Index, Glycemic Load, and Cardiovascular Disease and Mortality. N Engl J Med. 2021;384(14):1312-1322. doi: 10.1056/NEJMoa2007123.
  5. Sumithran P, Proietto J: The defence of body weight: a physiological basis for weight regain after weight loss. Clin Sci (Lond). 2013;124(4):231-241. doi: 10.1042/CS20120223.
  6. Ge L, Sadeghirad B, Ball GDC et al.: Comparison of dietary macronutrient patterns of 14 popular named dietary programmes for weight and cardiovascular risk factor reduction in adults: systematic review and network meta-analysis of randomised trialsBMJ. 2020 Apr 1:369:m696. doi: 10.1136/bmj.m696.