Kohlsuppen-Diät
Die Kohlsuppen-Diät, auch als Krautsuppen-Diät oder Magic-Soup-Diät bezeichnet, ist ein kurzfristiges, stark kalorienreduziertes Abnehmkonzept. Sie basiert auf dem nahezu unbegrenzten Verzehr einer Gemüsesuppe auf Kohlbasis über einen Zeitraum von meist sieben Tagen. Eine therapeutische oder leitliniengestützte Diät stellt sie nicht dar, sondern ist als Lifestyle- bzw. Crash-Diät einzuordnen.
Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen
Die Kohlsuppen-Diät stammt ursprünglich aus den USA. Der genaue Zeitpunkt sowie die konkrete Urheberschaft lassen sich heute nicht mehr nachvollziehen. In den vergangenen Jahrzehnten wurden zahlreiche Bücher und Ratgeber veröffentlicht, die das Grundkonzept in leicht abgewandelten Formen darstellen und unterschiedliche Rezeptvarianten propagieren.
Eine wissenschaftlich fundierte medizinische oder ernährungsphysiologische Grundlage existiert nicht. Das Konzept beruht auf populärwissenschaftlichen Annahmen zur Energiebilanz und entbehrt einer evidenzbasierten Herleitung.
Zielsetzung der Diät
Die Kohlsuppen-Diät wird von den Entwicklern des Konzepts als kurzfristige Diät beworben, mit der innerhalb einer Woche eine Gewichtsabnahme von bis zu 5 kg erreicht werden soll. Diese Zielsetzung stellt ein Werbeversprechen des Diätkonzepts dar und ist ausschließlich kurzfristig sowie Lifestyle-orientiert ausgerichtet. Der angestrebte Gewichtsverlust dient primär kosmetischen Motiven und ist nicht auf eine dauerhafte Lebensstiländerung ausgerichtet.
Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb dieses Zeitraums einen derart ausgeprägten Gewichtsverlust zu erreichen, ist stark von individuellen Voraussetzungen abhängig, darunter Ausgangsgewicht, Ernährungszustand, Flüssigkeitshaushalt und vorherige Ernährungsgewohnheiten. Ein schneller Gewichtsverlust in kurzer Zeit beruht in der Regel überwiegend auf vorübergehenden Veränderungen wie Wasserverlusten, der Entleerung von Glykogenspeichern sowie einer Reduktion des Darminhalts und stellt keinen belastbaren medizinischen Zielparameter dar. Ein relevanter Verlust an Körperfett ist unter diesen Bedingungen nicht zu erwarten. Zur Einordnung ist zu berücksichtigen, dass für den Abbau von 1 kg Körperfett ein Energiedefizit von etwa 7.000 kcal erforderlich ist.
Eine therapeutische Zielsetzung mit definierten medizinischen Zielparametern wie BMI-Reduktion, Verbesserung metabolischer Marker oder nachhaltigen Verhaltensänderungen ist nicht vorgesehen.
Grundprinzipien
Das zentrale Prinzip der Diät ist der unbegrenzte Verzehr von Kohlsuppe, um subjektives Hungergefühl zu vermeiden. Ergänzend erlaubt ein fester Wochenplan an einzelnen Tagen bestimmte Lebensmittel.
Die Energiezufuhr bleibt insgesamt sehr niedrig, eine ausgewogene Makronährstoffverteilung ist nicht vorgesehen.
Die Diät ist auf sieben Tage begrenzt, Phasenmodelle oder Individualisierungen sind nicht vorgesehen.
Angestrebte Wirkmechanismen
Als Wirkmechanismus der Kohlsuppen-Diät wird häufig angeführt, dass der Körper für die Verdauung der Kohlsuppe mehr Energie aufwende, als ihm durch deren Verzehr zugeführt werde. Dieses Konzept wird häufig als „negative Kalorien“ bezeichnet. Aus physiologischer Sicht ist dieses Modell nicht haltbar, da der Energieaufwand für Verdauung, Resorption und Stoffwechsel von Lebensmitteln stets deutlich geringer ist als deren Energiegehalt. Aktuelle ernährungswissenschaftliche Übersichtsarbeiten zeigen, dass selbst bei sehr ballaststoffreichen und energiearmen Lebensmitteln kein negativer Energieertrag entsteht [1].
Der bei der Kohlsuppen-Diät beobachtete Gewichtsverlust lässt sich vielmehr durch die insgesamt sehr niedrige Energiezufuhr erklären. Die tägliche Kalorienaufnahme liegt deutlich unter dem individuellen Energiebedarf, wodurch ein kurzfristiges Energiedefizit entsteht. Zusätzlich kommt es zu einer raschen Entleerung der Glykogenspeicher (Glykogen = Speicherform der Glucose in Leber und Muskulatur), die mit einem begleitenden Wasserverlust einhergeht. Diese Veränderungen führen insbesondere zu Beginn der Diät zu einer schnellen Abnahme des Körpergewichts, ohne dass dabei ein relevanter Abbau von Körperfett stattfindet.
Ein weiterer diskutierter Mechanismus ist das hohe Volumen der Kohlsuppe bei gleichzeitig geringer Energiedichte. Durch die Dehnung des Magen-Darm-Trakts kann es kurzfristig zu einem verstärkten Sättigungsgefühl kommen. Dieser Effekt ist jedoch unspezifisch und nicht an den Verzehr von Kohl gebunden, sondern tritt grundsätzlich bei voluminösen, energiearmen Speisen auf. Ein langfristiger Einfluss auf den Appetit, den Energieverbrauch oder hormonelle Regulationsmechanismen des Körpergewichts ist nicht belegt [2].
Zielgruppen und Ausschlusskriterien
Die Kohlsuppen-Diät richtet sich an gesunde Erwachsene ohne relevante Vorerkrankungen, die kurzfristig Gewicht reduzieren möchten.
Geeignete Zielgruppen
- Stoffwechselgesunde Erwachsene mit dem Wunsch nach kurzfristigem Gewichtsverlust
Eingeschränkte Eignung
- Kinder und Jugendliche
- Schwangere und Stillende
- Ältere Menschen
- Personen mit Essstörungen
- Menschen mit chronischen Erkrankungen oder erhöhtem Nährstoffbedarf
Aufgrund der einseitigen Zusammensetzung und der sehr niedrigen Energie- und Proteinzufuhr ist die Diät für medizinische Indikationen nicht geeignet.
Durchführung und Ablauf der Diät
Die Zubereitung der Kohlsuppe erfolgt aus Weißkohl, Tomaten, Karotten, Paprika, Sellerie und Petersilie. Die Suppe darf zu jeder Tageszeit und in beliebiger Menge verzehrt werden. Zusätzlich ist ein Wochenplan vorgesehen, der an einzelnen Tagen bestimmte Lebensmittel erlaubt.
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von zwei bis drei Litern Wasser täglich wird empfohlen. Koffeinhaltige Getränke und Alkohol sollen vermieden werden.
Die Diät ist auf eine Woche begrenzt und sieht keine strukturierte Übergangsphase oder langfristige Ernährungsstrategie vor.
Der Wochenplan sieht neben der Kohlsuppe folgende Lebensmittel vor:
1. Tag – Obst in beliebiger Menge, außer Bananen und Honigmelonen (Obsttag)
2. Tag – rohes Gemüse, außer Mais, Erbsen und Bohnen sowie abends Kartoffeln mit Magerquark (Gemüsetag)
3. Tag – rohes Obst und Gemüse in beliebiger Menge (Rohkosttag)
4. Tag – drei Bananen sowie 250 ml Magermilch oder 250 g fettarmer Joghurt (Bananentag)
5. Tag – 200 g Geflügelfleisch oder magerer Fisch (mit wenig Fett gebraten) und 6 rohe Tomaten (Geflügel- oder Fischtag)
6. Tag – mageres Steak sowie grünes Gemüse und Salat ohne Dressing (Fleischtag)
7. Tag – Vollkornreis, Gemüse nach Wahl und 250 ml frisch gepressten Orangensaft (Reistag)
Empfohlene Lebensmittel
- Kohlbasierte Gemüsesuppe
- Bestimmte Obst- und Gemüsesorten je nach Diättag
- Mageres Fleisch oder Fisch an einzelnen Tagen
Die Auswahl ist stark reglementiert und zeitlich begrenzt.
Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel
Ausgeschlossen oder stark eingeschränkt sind:
- Fett- und zuckerreiche Lebensmittel
- Getreideprodukte außerhalb des vorgesehenen Reistages
- Alkohol
- Kaffee und koffeinhaltige Tees
Die Einschränkungen dienen primär der Kalorienreduktion und nicht einer ernährungsphysiologischen Optimierung.
Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag
Für die Umsetzung der Kohlsuppen-Diät empfiehlt sich eine frühzeitige Planung. Das rechtzeitige Einkaufen der benötigten Zutaten sowie das Vorkochen größerer Mengen der Kohlsuppe erleichtern die Einhaltung des Diätplans im Alltag. Eine portionsweise Lagerung kann dabei helfen, die Suppe über den Tag hinweg flexibel verfügbar zu haben.
Die zeitliche Strukturierung des Tages kann die Umsetzung unterstützen. Feste Essenszeiten sowie das Mitnehmen vorbereiteter Mahlzeiten erleichtern die Orientierung im Tagesablauf. Auch eine gleichmäßige Verteilung der empfohlenen Trinkmenge über den Tag kann hilfreich sein.
Mahlzeiten außerhalb des eigenen Haushalts lassen sich durch vorherige Planung besser berücksichtigen. Berufliche Termine, Schichtarbeit oder gesellschaftliche Anlässe sollten im Vorfeld in die Tagesplanung einbezogen werden.
Zur Unterstützung der Umsetzung kann es sinnvoll sein, den vorgesehenen Zeitraum der Diät im Voraus festzulegen und nach dessen Abschluss schrittweise zu einer regulären Ernährungsweise überzugehen.
Ernährungsphysiologische Bewertung
Ernährungsphysiologisch ist die Kohlsuppen-Diät als deutlich unausgewogen einzustufen. Die tägliche Energiezufuhr liegt in der Regel deutlich unter dem individuellen Energiebedarf und entspricht funktionell einer sehr niedrigkalorischen Diät. Ein derart ausgeprägtes Energiedefizit führt kurzfristig zu Gewichtsverlust, geht jedoch nicht mit einer bedarfsgerechten Versorgung an Makro- und Mikronährstoffen einher.
Die Proteinzufuhr ist im Gesamtkonzept zu niedrig, da proteinreiche Lebensmittel nur an einzelnen Diättagen und in begrenzten Mengen vorgesehen sind. Bereits nach wenigen Tagen kann dies den Abbau von Muskelmasse begünstigen, insbesondere bei körperlich aktiven Personen, älteren Menschen oder bei wiederholter Durchführung der Diät. Eine ausreichende Proteinzufuhr zur Erhaltung der fettfreien Körpermasse ist mit diesem Diätkonzept nicht gewährleistet.
Auch die Zufuhr essentieller Fettsäuren ist unzureichend, da fettreiche Lebensmittel weitgehend ausgeschlossen sind. Dies kann sich negativ auf die Aufnahme fettlöslicher Vitamine sowie auf hormonelle und entzündungsmodulierende Stoffwechselprozesse auswirken. Gleichzeitig ist die Versorgung mit mehreren kritischen Mikronährstoffen nicht sichergestellt, insbesondere mit Calcium, Eisen, Zink und Vitamin B12. Auch die Zufuhr der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K ist aufgrund der sehr fettarmen Ernährung eingeschränkt.
Der hohe Anteil an ballaststoffreichem Kohl führt zwar zu einem hohen Sättigungsvolumen, kann jedoch insbesondere zu Beginn der Diät gastrointestinale Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl oder Bauchschmerzen verursachen. Die Ballaststoffzufuhr ist zudem einseitig zusammengesetzt und ersetzt keine ausgewogene Vielfalt pflanzlicher Lebensmittel.
In der Gesamtschau weist die Kohlsuppen-Diät eine geringe Nährstoffdichte, eine unzureichende Makronährstoffverteilung und keine langfristig ausgewogene Zusammensetzung auf. Eine nachhaltige Sicherstellung der ernährungsphysiologischen Anforderungen ist mit diesem Diätkonzept nicht möglich [2].
Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen
Mögliche medizinische Risiken der Kohlsuppen-Diät umfassen einen Abbau von Muskelmasse infolge der insgesamt niedrigen Proteinzufuhr sowie potentielle Elektrolytverschiebungen durch die stark reduzierte Energieaufnahme.
Vorwiegend bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr oder bei erhöhtem Flüssigkeitsverlust können Kreislaufbeschwerden auftreten.
Gastrointestinale Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl, Bauchschmerzen oder vermehrte Darmgeräusche sind aufgrund des hohen Kohlanteils häufig und können die Verträglichkeit der Diät einschränken.
Ferner können Leistungseinbußen, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Schwindel auftreten, insbesondere bei körperlicher Belastung oder im beruflichen Alltag. Die stark eingeschränkte Energie- und Kohlenhydratzufuhr kann zudem zu einer verminderten Belastbarkeit sowie zu einer Beeinträchtigung der kognitiven Leistungsfähigkeit führen.
Ein weiteres relevantes Risiko stellt der schnelle Gewichtsverlust ohne begleitende nachhaltige Ernährungsumstellung dar. Diese Form der Gewichtsreduktion begünstigt das sogenannte Weight-Cycling (Jo-Jo-Effekt), also wiederholte Phasen von Gewichtsabnahme und anschließender Gewichtszunahme. Systematische Übersichtsarbeiten zeigen, dass Weight-Cycling langfristig weder zu einer stabilen Gewichtsregulation noch zu nachhaltigen metabolischen Vorteilen führt und mit gesundheitlichen Risiken assoziiert sein kann, insbesondere im Hinblick auf kardiometabolische Parameter [3].
Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
Absolute Kontraindikationen
- Essstörungen (z. B. Bulimia nervosa/Ess-Brech-Sucht)
- Schwangerschaft und Stillzeit
Relative Kontraindikationen
- Chronische Erkrankungen
- Untergewicht
- Erhöhter Protein- oder Energiebedarf
In diesen Fällen ist von der Durchführung abzuraten.
Vorteile
- Sehr einfache Struktur
- Kurzfristiger Gewichtsverlust
- Hoher Gemüseanteil mit sekundären Pflanzenstoffen
Diese Effekte sind zeitlich begrenzt.
Nachteile
- Starke Einseitigkeit
- Nährstoffmängel
- Erhöhtes Risiko für Muskelabbau
- Geringe Alltagstauglichkeit
- Fehlende Nachhaltigkeit
- Hohe Abbruchrate
Die Nachteile überwiegen deutlich.
Wissenschaftliche Einordnung
Aus wissenschaftlicher Sicht existieren keine hochwertigen Interventionsstudien, die die Kohlsuppen-Diät als eigenständiges Konzept untersuchen oder empfehlen. Die Diät widerspricht grundlegenden Prinzipien evidenzbasierter Ernährungstherapie. Aktuelle Leitlinien und systematische Übersichtsarbeiten betonen, dass extreme, einseitige und kurzfristige Diätformen keine geeignete Strategie für eine gesunde und langfristige Gewichtsreduktion darstellen [1-3].
Fazit
Die Kohlsuppen-Diät ist eine klassische Crash-Diät ohne medizinischen Nutzen. Der schnelle Gewichtsverlust beruht überwiegend auf Wasserverlust und nicht auf einem relevanten Fettabbau. Die Risiken, insbesondere Muskelabbau, Nährstoffmängel und Jo-Jo-Effekte, überwiegen deutlich mögliche kurzfristige Vorteile. Für eine nachhaltige Gewichtsregulation oder gesundheitliche Verbesserung ist die Diät ungeeignet.
Literatur
- Hall KD, Farooqi IS, Friedmann JM et al.: The energy balance model of obesity: beyond calories in, calories out. Am J Clin Nutr. 2022 May 1;115(5):1243-1254. doi: 10.1093/ajcn/nqac031.
- Jensen MD, Ryan DH, Apovian CM et al.: 2013 AHA/ACC/TOS guideline for the management of overweight and obesity in adults: A Report of the American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on Practice Guidelines and The Obesity Society. Circulation. 2014;129(25 Suppl 2):S102-S138. doi: 10.1161/01.cir.0000437739.71477.ee.
- Montani JP, Schutz Y, Dulloo AG: Dieting and weight cycling as risk factors for cardiometabolic diseases: who is really at risk? Obesity Reviews. 2015;16(Suppl 1):7-18. doi: 10.1111/obr.12251.