Ananas-Diät

Die Ananas-Diät ist eine kurzfristig angelegte, stark restriktive und monotone Crash-Diät, bei der überwiegend – teilweise nahezu ausschließlich – Ananas verzehrt wird. In einzelnen Varianten wird der Speiseplan um geringe Mengen proteinreicher, fettarmer Lebensmittel ergänzt. Ziel ist in der Regel eine rasche Gewichtsabnahme innerhalb weniger Tage, häufig motiviert durch den Wunsch nach einem schnellen „Reset“ oder sichtbaren Effekten auf der Waage.

Einzuordnen ist die Ananas-Diät damit als kurzfristiges Konzept mit komplementärmedizinischer bzw. alternativer Prägung und ausgeprägten Detox- und „Fatburner“-Narrativen, ohne belastbare wissenschaftliche Evidenz für einen spezifischen gesundheitlichen Nutzen.

Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen

Die Ananas-Diät entstammt populären Diättrends, die einzelnen Lebensmitteln besondere stoffwechselaktive oder entgiftende Eigenschaften zuschreiben. Häufig wird auf das in Ananas enthaltene Enzymgemisch Bromelain verwiesen, dem eine fettabbauende Wirkung zugeschrieben wird. Wissenschaftlich gesichert ist jedoch lediglich, dass eine massive Kalorienreduktion kurzfristig zu Gewichtsverlust führt, unabhängig vom gewählten Lebensmittel. Leitlinien zur Adipositastherapie betonen dagegen individualisierte, nährstoffdeckende und langfristig umsetzbare Ernährungskonzepte sowie begleitende Verhaltens- und Bewegungsstrategien [1].

Zentrale Annahmen der Ananas-Diät sind, dass Ananas die Fettverbrennung fördere, eine schnelle Gewichtsabnahme per se gesund sei und eine Entgiftung über ein einzelnes Lebensmittel möglich wäre. Diese Annahmen sind physiologisch nicht tragfähig. Entgiftungsprozesse erfolgen primär über Leber und Nieren und lassen sich nicht durch Mono-Diäten ersetzen.

Zielsetzung der Diät

Primäres Ziel der Ananas-Diät ist ein schneller, kurzfristiger Gewichtsverlust über wenige Tage bis maximal ein bis zwei Wochen. Der Fokus liegt dabei nahezu ausschließlich auf einer raschen Reduktion des Körpergewichts, häufig motiviert durch ästhetische oder psychologische Aspekte (z. B. „schneller Erfolg“, „Neustart“), weniger durch klar definierte gesundheitliche Zielparameter.

In populären Darstellungen wird der Diät teilweise eine medizinische oder stoffwechseltherapeutische Wirkung zugeschrieben, etwa durch angebliche Entgiftung, Aktivierung der Fettverbrennung oder einen „Reset“ des Stoffwechsels. Diese Zielsetzungen werden durch die vorhandene wissenschaftliche Evidenz nicht gestützt. Zwar lassen sich kurzfristig Körpergewicht oder Taillenumfang beeinflussen, relevante klinische Endpunkte wie eine Verbesserung der Körperzusammensetzung, eine Reduktion der viszeralen Adipositas (Übergewicht durch eine Vermehrung von Bauchfett), eine nachhaltige Stabilisierung des Glucosestoffwechsels oder eine Senkung kardiometabolischer Risikofaktoren (Risikofaktoren für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen) werden nicht systematisch adressiert [1].

Auch sekundäre Ziele, die in der Ernährungstherapie üblicherweise berücksichtigt werden – etwa Erhalt oder Aufbau von Muskelmasse, Verbesserung der Lebensqualität, langfristige Verhaltensänderung oder Reduktion des Medikamentenbedarfs – sind kein Bestandteil des Konzepts. Aufgrund der sehr niedrigen Energie- und Proteinzufuhr besteht vielmehr das Risiko, dass ein Teil des kurzfristigen Gewichtsverlusts zulasten der fettfreien Masse (beinhaltet u. a. Muskelmasse) geht, was dem langfristigen Gesundheitsziel entgegensteht [3].

Grundprinzipien

Zentrales Prinzip der Ananas-Diät ist eine maximale Vereinfachung und gleichzeitig eine starke Restriktion der Lebensmittelauswahl. Über den Tag verteilt werden mehrere Portionen Ananas verzehrt, meist roh und ohne weitere Verarbeitung. Die Flüssigkeitszufuhr erfolgt überwiegend über Wasser oder ungesüßten Tee. Eine strukturierte Mahlzeitenplanung mit definierten Haupt- und Zwischenmahlzeiten ist in der Regel nicht vorgesehen, vielmehr erfolgt der Verzehr nach dem Prinzip häufiger kleiner Portionen.

Je nach Variante der Diät werden geringe Mengen zusätzlicher proteinreicher, fettarmer Lebensmittel erlaubt, etwa fettarme Milchprodukte, Eiweiß oder magerer Fisch. Andere, strengere Varianten sehen nahezu ausschließlich den Verzehr von Ananas vor. Mengenangaben, Energieziele oder qualitative Kriterien für die Lebensmittelauswahl fehlen in der Regel vollständig. Ebenso existieren keine Vorgaben zur Sicherstellung einer bedarfsgerechten Zufuhr von Makronährstoffen oder essentiellen Mikronährstoffen.

Ein weiteres Grundprinzip ist die bewusste zeitliche Begrenzung. Die Diät wird explizit als kurzfristige Maßnahme propagiert, meist über wenige Tage, seltener über ein bis zwei Wochen. Eine strukturierte Übergangsphase in eine ausgewogene Ernährungsform ist nicht Bestandteil des Konzepts, was das Risiko eines raschen Rückfalls in vorherige Essmuster erhöht.

Angestrebte Wirkmechanismen

Der bei der Ananas-Diät beobachtete Gewichtsverlust ist nahezu vollständig durch das ausgeprägte Energiedefizit erklärbar. Dieses Prinzip gilt unabhängig von der Art des verzehrten Lebensmittels und stellt keinen spezifischen Effekt der Ananas dar [1]. Der hohe Wassergehalt und das vergleichsweise große Volumen der Frucht können kurzfristig zu einem Sättigungsgefühl beitragen, ersetzen jedoch keine ausgewogene Makronährstoffverteilung (Verteilung der Hauptnährstoffe Kohlenhydrate, Fette, Proteine (Eiweiß)) und keine langfristige Regulation von Hunger- und Sättigungshormonen.

Ein zusätzlicher, häufig beworbener Mechanismus ist die angebliche stoffwechselanregende oder fettabbauende Wirkung des in der Ananas enthaltenen Enzymkomplexes Bromelain. Für einen klinisch relevanten Effekt von oral aufgenommenem Bromelain auf Körpergewicht, Fettmasse oder Fettverbrennung existiert jedoch keine belastbare Evidenz. Insbesondere fehlt der Nachweis, dass Bromelain in physiologischen Mengen den Energiestoffwechsel oder die Lipolyse (Fettabbau) beim Menschen relevant beeinflusst.

Ein zentraler und klinisch relevanter Effekt stark kalorienreduzierter Diäten ist der Verlust fettfreier Masse. Metaanalysen zeigen, dass bei ausgeprägter Energie- und Proteinrestriktion im Mittel etwa 20-30 % des Gewichtsverlusts auf Muskelmasse entfallen, insbesondere bei fehlender Proteinsicherung und ohne begleitendes Krafttraining [3]. Dieser Effekt steht im Widerspruch zu langfristigen gesundheitlichen Zielsetzungen, da der Verlust an Muskelmasse mit einer Reduktion des Grundumsatzes, funktionellen Einschränkungen und einem erhöhten Risiko für Gewichtszunahme nach Diätende assoziiert ist.

Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Die Ananas-Diät stellt keine evidenzbasierte Ernährungstherapie dar und ist für die meisten Personengruppen nicht sinnvoll.

Eingeschränkte Eignung

  • Menschen mit Adipositas, Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes, insbesondere unter medikamentöser Therapie, aufgrund des Risikos von Hypoglykämien (Unterzuckerungen) [2, 6, 7].
  • Ältere Menschen aufgrund des erhöhten Sarkopenierisikos (Risiko für einen altersbedingten Verlust von Muskelmasse und -kraft) bei Energie- und Proteinmangel [3]

Nicht geeignet

  • Kinder und Jugendliche
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Essstörungen (z. B. Bulimia nervosa/Ess-Brech-Sucht)
  • Relevante internistische oder metabolische Erkrankungen

In der Gesamtabwägung überwiegen bei nahezu allen Zielgruppen die potentiellen Risiken gegenüber einem relevanten Nutzen.

Durchführung und Ablauf der Diät

Die Durchführung der Ananas-Diät beginnt in der Regel ohne nennenswerte Vorbereitung. Meist beschränkt sich diese auf den Einkauf größerer Mengen frischer Ananas sowie deren Portionierung für mehrere Tage. Eine systematische Planung der Energiezufuhr, der Makronährstoffverteilung oder der Mikronährstoffversorgung findet in der Regel nicht statt. Auch individuelle Faktoren wie Körpergewicht, körperliche Aktivität, Vorerkrankungen oder bestehende Medikation werden üblicherweise nicht berücksichtigt.

Der tägliche Ablauf ist durch einen wiederholten Verzehr von Ananasportionen über den Tag verteilt gekennzeichnet, begleitet von Wasser oder ungesüßtem Tee. Feste Mahlzeitenzeiten fehlen häufig, ebenso eine klare Trennung zwischen Haupt- und Zwischenmahlzeiten. In weniger strengen Varianten werden gelegentlich kleine Mengen proteinreicher, fettarmer Lebensmittel ergänzt, jedoch ohne definierte Mengenangaben oder Qualitätskriterien. Dadurch bleibt die tatsächliche Energie- und Proteinzufuhr meist deutlich unter dem Bedarf.

Zu den häufigsten Fehlern in der praktischen Umsetzung zählen eine extrem niedrige Gesamtenergiezufuhr, eine unzureichende Proteinzufuhr sowie das vollständige Ausblenden essentieller Mikronährstoffe und Elektrolyte. Dies kann bereits nach wenigen Tagen zu Müdigkeit, Leistungsabfall, Schwindel oder gastrointestinalen Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden) führen. Insbesondere bei körperlich aktiven Personen oder im höheren Lebensalter kann es rasch zu funktionellen Einschränkungen kommen.

Die empfohlene Dauer der Diät liegt zwischen ein und sieben Tagen, seltener wird eine Anwendung über ein bis zwei Wochen propagiert. Mit zunehmender Dauer steigt jedoch das Risiko für relevante Nährstoffmängel und einen Verlust an Muskelmasse deutlich an. Metaanalytische Daten zeigen, dass bei stark kalorienreduzierten Diäten ohne ausreichende Proteinsicherung ein erheblicher Anteil des Gewichtsverlusts zulasten der fettfreien Masse geht [3].

Empfohlene Lebensmittel

Die Diät basiert nahezu ausschließlich auf Ananas, meist frisch verzehrt.

  • Ananas
  • Wasser und ungesüßte Tees
  • In manchen Varianten geringe Mengen magerer Proteinquellen

Kurzfristig wird Vitamin C zugeführt, eine ausgewogene Ernährung wird jedoch nicht erreicht.

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

  • Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen
  • Gemüsevielfalt
  • Milchprodukte, Fleisch, Fisch (je nach Variante)
  • Pflanzliche Öle und Fette

Diese breite Restriktion ist der Hauptgrund für die schlechte Nährstoffdeckung und die geringe Alltagstauglichkeit [1].

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

Die Alltagstauglichkeit der Ananas-Diät ist insgesamt sehr gering. Die stark monotone Lebensmittelauswahl führt häufig bereits nach kurzer Zeit zu Geschmacksaversion, Diätmüdigkeit und einem ausgeprägten Hungergefühl. Soziale Situationen wie gemeinsames Essen, berufliche Termine oder familiäre Verpflichtungen lassen sich kaum integrieren, was den Durchhaltegrad zusätzlich reduziert und häufig zu einem abrupten Abbruch der Diät führt.

Falls die Diät dennoch kurzfristig durchgeführt wird, sollten zumindest grundlegende harmreduzierende Aspekte berücksichtigt werden. Dazu gehört eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr über Wasser oder ungesüßten Tee, um Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) und Kreislaufbeschwerden vorzubeugen. Die Dauer sollte strikt kurz gehalten werden, idealerweise auf wenige Tage begrenzt, da mit zunehmender Dauer das Risiko für Nährstoffmängel und funktionelle Einschränkungen deutlich ansteigt.

Von zentraler Bedeutung ist ein im Voraus geplanter Übergang in eine ausgewogene Ernährung. Ohne eine solche Übergangsstrategie kommt es häufig zu einer raschen Rückkehr zu vorherigen Essgewohnheiten mit entsprechendem Jo-Jo-Effekt. Sinnvoll ist ein direkter Wechsel zu einer protein- und ballaststoffreichen, energieadaptierten Kost mit ausreichender Mikronährstoffdichte, um Sättigung, Muskelerhalt und metabolische Stabilität zu unterstützen. Aktuelle Leitlinien empfehlen grundsätzlich individualisierte, langfristig tragfähige Ernährungsmuster statt kurzfristiger, extremer Restriktionen [1].

Ernährungsphysiologische Bewertung

Die Makronährstoffverteilung der Ananas-Diät ist deutlich unausgewogen. Die Proteinzufuhr liegt in der Regel deutlich unter dem Bedarf, was das Risiko für Muskelmasseverlust erhöht, die Sättigungswirkung reduziert und den Erhalt der fettfreien Masse erschwert [3]. Dieser Effekt ist insbesondere bei älteren Menschen, körperlich aktiven Personen und bei wiederholten Diätzyklen klinisch relevant.

Der Fettanteil der Ernährung ist ebenfalls sehr gering. Dadurch wird die Zufuhr essentieller Fettsäuren eingeschränkt, und die Aufnahme fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K) kann beeinträchtigt sein. Gleichzeitig fehlen strukturgebende Fettkomponenten, die normalerweise zur Sättigung und hormonellen Regulation beitragen.

Die Kohlenhydratzufuhr ist relativ hoch und besteht nahezu ausschließlich aus Fructose und Glucose aus der Ananas. Ohne ausgleichende Protein- und Fettanteile kann dies bei empfindlichen Personen zu raschen Blutzuckerschwankungen führen, insbesondere bei bestehender Insulinresistenz, Prädiabetes oder Diabetes mellitus [7]. Zudem fehlt die Vielfalt komplexer Kohlenhydrate und Ballaststoffe aus unterschiedlichen pflanzlichen Quellen.

Die Mikronährstoffversorgung ist insgesamt nicht bedarfsdeckend. Besonders kritisch sind Vitamin B12, Vitamin D, Calcium, Jod, Eisen, Zink sowie essentielle Fettsäuren. Die sehr niedrige Energiezufuhr führt zwar kurzfristig zu einem raschen Gewichtsverlust, ist jedoch mit einer hohen Rückfallwahrscheinlichkeit verbunden, da adaptive Stoffwechselmechanismen und hormonelle Gegenregulationen einsetzen.

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Kurzfristig können bereits nach wenigen Tagen unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Leistungsabfall, Schwindel, Kopfschmerzen und gastrointestinale Symptome wie Blähungen oder Diarrhoe (Durchfall) auftreten. Diese sind Ausdruck der niedrigen Energiezufuhr, der einseitigen Lebensmittelauswahl sowie möglicher Elektrolytverschiebungen.

Bei Personen mit Diabetes mellitus unter Antidiabetika oder Insulin besteht ein relevantes Risiko für Hypoglykämien (Unterzuckerungen) infolge der abrupten Reduktion der Energie- und Kohlenhydratzufuhr ohne Anpassung der Medikation. Dies stellt ein klinisch relevantes Sicherheitsproblem dar und erfordert bei stark kalorienreduzierten Diäten grundsätzlich ärztliches Monitoring [4, 7].

Bei längerer oder wiederholter Anwendung erhöht sich das Risiko für einen relevanten Verlust an Muskelmasse mit funktionellen Einschränkungen und einem Abfall des Grundumsatzes [3]. Zusätzlich steigt die Wahrscheinlichkeit für manifeste Mikronährstoffmängel. Die Kombination aus Muskelabbau, metabolischer Anpassung und fehlender Verhaltensänderung begünstigt einen ausgeprägten Jo-Jo-Effekt nach Beendigung der Diät.

Aus ernährungsmedizinischer Sicht sprechen diese Risiken klar gegen eine wiederholte oder längerfristige Anwendung der Ananas-Diät. 

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Absolute Kontraindikationen

  • Schwangerschaft: erhöhter Bedarf an Energie, Protein, essentiellen Fettsäuren und Mikronährstoffen; Mono-Diäten erhöhen das Risiko für fetale Wachstumsstörungen
  • Stillzeit: Unzureichende Energie- und Nährstoffzufuhr kann die Milchproduktion und die Nährstoffqualität der Muttermilch beeinträchtigen.
  • Kinder und Jugendliche: Wachstums- und Entwicklungsphase mit erhöhtem Bedarf an Protein, Energie und Mikronährstoffen; restriktive Diäten können die körperliche und psychische Entwicklung negativ beeinflussen
  • Essstörungen oder Essstörungsanamnese (z. B. Anorexia nervosa/Magersucht, Bulimia nervosa/Ess-Brech-Sucht, Binge-Eating-Disorder): hohes Risiko für Triggerung wiederholter Essanfälle, bei denen die Kontrolle über das Essen verloren geht
  • Diabetes mellitus unter medikamentöser Therapie (Insulin, Sulfonylharnstoffe, Glinide): relevantes Risiko für Hypoglykämien (Unterzuckerungen) durch abrupte Kalorien- und Kohlenhydratreduktion ohne Therapieanpassung
  • Relevante internistische Erkrankungen, insbesondere:
    • chronische Nierenerkrankungen (erhöhte Fructose- und Kaliumzufuhr, fehlende Proteinsteuerung)
    • chronische Lebererkrankungen
    • entzündliche Darmerkrankungen in aktiver Phase
    • schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Relative Kontraindikationen (ärztliche Rücksprache erforderlich, in der Regel nicht zu empfehlen):

  • Höheres Lebensalter: erhöhtes Risiko für Sarkopenie und Funktionsverlust bei unzureichender Protein- und Energiezufuhr
  • Untergewicht oder grenzwertiger BMI: Gefahr einer weiteren Verschlechterung des Ernährungsstatus
  • Erhöhtes Risiko für Mikronährstoffmängel (z. B. bei einseitiger Ernährung, Malabsorption (gestörte Aufnahme von Nährstoffen im Darm), chronischen Erkrankungen)
  • Personen mit hoher körperlicher Belastung (Berufssport, schwere körperliche Arbeit): unzureichende Energie- und Proteinzufuhr
  • Personen mit gastrointestinaler Sensitivität gegenüber Fructose: Risiko für Blähungen, Diarrhoe und Bauchschmerzen

Zusammenfassend ist die Ananas-Diät für die meisten Bevölkerungsgruppen medizinisch nicht geeignet und in vielen Fällen klar kontraindiziert.

Vorteile

  • Rascher kurzfristiger Gewichtsverlust durch stark reduzierte Energiezufuhr
  • Sehr einfache Durchführung ohne komplexe Planung
  • Geringer organisatorischer Aufwand (wenige Lebensmittel, kein Kochen notwendig)
  • Subjektiv oft als „motivationaler Start“ wahrgenommen, ohne dass dies einen nachhaltigen Effekt belegt

Diese Vorteile sind ausschließlich kurzfristig, unspezifisch und nicht auf besondere Eigenschaften der Ananas zurückzuführen.

Nachteile

  • Extreme Einseitigkeit der Lebensmittelauswahl
  • Keine bedarfsdeckende Versorgung mit essentiellen Makro- und Mikronährstoffen
  • Sehr niedrige Proteinzufuhr mit erhöhtem Risiko für Muskelmasseverlust
  • Erhöhtes Sarkopenierisiko, insbesondere bei älteren Menschen
  • Fehlende Zufuhr essentieller Fettsäuren und fettlöslicher Vitamine
  • Hoher Fructoseanteil mit potentiellen gastrointestinalen Beschwerden und Blutzuckerschwankungen
  • Kein Lerneffekt für ausgewogene Ernährung oder nachhaltige Verhaltensänderung
  • Hohe Wahrscheinlichkeit eines Jo-Jo-Effekts nach Beendigung der Diät
  • Geringe Alltagstauglichkeit und soziale Einschränkungen
  • Risiko für Entwicklung oder Verstärkung eines problematischen Essverhaltens
  • Keine nachgewiesenen langfristigen gesundheitlichen Vorteile

In der Gesamtabwägung überwiegen die Nachteile deutlich, insbesondere bei wiederholter oder längerer Anwendung.

Wissenschaftliche Einordnung

Für die Ananas-Diät existieren keine hochwertigen Studien, die dieses Ernährungskonzept als eigenständige Intervention systematisch untersucht haben. Weder liegen Langzeitdaten zur Wirksamkeit noch zur Sicherheit vor, noch wurden harte klinische Endpunkte wie nachhaltige Gewichtsreduktion, Verbesserung der Körperzusammensetzung, Reduktion kardiometabolischer Risikofaktoren oder Auswirkungen auf Morbidität (Krankheit) und Mortalität (Sterblichkeit) untersucht.

Für die häufig propagierten Wirkannahmen wie „Fettverbrennung durch Bromelain“, „Entgiftung“ oder „Stoffwechsel-Reset“ existiert keine belastbare klinische Evidenz. Diese Narrative stehen im Widerspruch zu etablierten ernährungsphysiologischen und pathophysiologischen Erkenntnissen.

Kurzfristige Crash-Diäten werden explizit kritisch bewertet, da sie mit Muskelmasseverlust, metabolischer Anpassung, hoher Rückfallquote und potentiellen gesundheitlichen Risiken einhergehen.

Fazit

Die Ananas-Diät ist eine klassische Crash-Diät ohne wissenschaftliche Grundlage. Der kurzfristige Gewichtsverlust beruht ausschließlich auf einer drastischen Reduktion der Energiezufuhr und nicht auf spezifischen Eigenschaften der Ananas. Dieser Effekt ist weder nachhaltig noch gesundheitlich relevant und geht mit klaren ernährungsphysiologischen und medizinischen Risiken einher.

Langfristig überwiegen die Nachteile deutlich. Dazu zählen insbesondere der Verlust an Muskelmasse, das erhöhte Risiko für Nährstoffmängel, funktionelle Einschränkungen sowie eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Jo-Jo-Effekt infolge fehlender Verhaltensänderung. Die Diät vermittelt keine Kompetenzen für eine ausgewogene Ernährung und ist weder alltagstauglich noch langfristig umsetzbar.

Aus ernährungsmedizinischer Sicht ist die Ananas-Diät nicht sinnvoll.

Literatur

  1. Jensen MD, Ryan DH, Apovian CM et al.: 2013 AHA/ACC/TOS guideline for the management of overweight and obesity in adults: a report of the American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on Practice Guidelines and The Obesity Society. Circulation. 2014 Jun 24;129(25 Suppl 2):S102-38. doi: 10.1161/01.cir.0000437739.71477.ee.
  2. Davies MJ, Aroda VR, Collins BS et al.: Management of Hyperglycemia in Type 2 Diabetes, 2022. A Consensus Report by the American Diabetes Association (ADA) and the European Association for the Study of Diabetes (EASD). Diabetes Care. 2022 Nov 1;45(11):2753-2786. doi: 10.2337/dci22-0034.
  3. Welton S, Minty R, O´Driscoll T et al.: Intermittent fasting and weight loss: Systematic review. Can Fam Physician. 2020 Feb;66(2):117-125.
  4. Brown A, Leeds AR: Very low-energy and low-energy formula diets: Effects on weight loss, obesity co-morbidities and type 2 diabetes remission – an update on the evidence for their use in clinical practice. Nutrition Bulletin Volume 44, Issue 1Mar 2019 Pages1-101. doi: 10.1111/nbu.12372.
  5. Gibson AA, Seimon RV, Lee CMY et al.: Do ketogenic diets really suppress appetite? A systematic review and meta-analysis. Obes Rev. 2015 Jan;16(1):64-76. doi: 10.1111/obr.12230
  6. Yumuk V, Tsigos C, Fried M et al.: European Guidelines for Obesity Management in Adults. Obes Facts. 2015;8(6):402-24. doi: 10.1159/000442721.
  7. Silverii GA, Botarelli L, Dicembrini I et al.: Low-carbohydrate diets and type 2 diabetes treatment: a meta-analysis of randomized controlled trials. Acta Diabetol. 2020 Nov;57(11):1375-1382. doi: 10.1007/s00592-020-01568-8.