Hollywood-Diät

Die Hollywood-Diät ist eine stark kalorienreduzierte Diätform mit einer maximalen täglichen Energiezufuhr von etwa 1.000 kcal. Sie kombiniert Elemente einer kohlenhydratarmen Ernährung mit Trennkostprinzipien und verspricht einen raschen Gewichtsverlust innerhalb weniger Wochen. Die Lebensmittelauswahl ist stark eingeschränkt und fokussiert sich auf eiweißreiche, fettarme Lebensmittel sowie auf bestimmte exotische Früchte.

Die Hollywood-Diät ist als nicht leitliniengestützte Lifestyle- und Schönheitsdiät einzuordnen und stellt weder eine therapeutische Diät noch eine präventive Ernährungsform dar.

Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen

Die Hollywood-Diät wurde in den 1920er-Jahren in den USA entwickelt und gezielt für Filmschauspielerinnen konzipiert, um kurzfristig ein möglichst niedriges Körpergewicht für Filmproduktionen zu erreichen. Die theoretische Grundlage beruht auf frühen Trennkostkonzepten sowie auf der Annahme, dass eine starke Reduktion der Kohlenhydratzufuhr bei gleichzeitig hoher Proteinzufuhr den Fettabbau beschleunigt.

Ergänzend wird postuliert, dass Enzyme aus rohen exotischen Früchten wie Papaya oder Ananas die Fettverbrennung steigern. Für diese Annahmen existiert keine wissenschaftlich belastbare Evidenz; weder das Trennkostprinzip noch eine relevante fettverbrennende Wirkung fruchteigener Enzyme konnten in kontrollierten Studien bestätigt werden [1, 2].

Zielsetzung der Diät

Ziel der Hollywood-Diät ist ausschließlich eine kurzfristige und rasche Reduktion des Körpergewichts. Eine medizinische Zielsetzung besteht nicht. Therapeutisch relevante Zielparameter wie HbA1c (Langzeitblutzuckerwert), Nüchternglucose, LDL-Cholesterin, Blutdruck oder Entzündungsmarker werden nicht adressiert.

Ebenso fehlen langfristige Ziele wie Gewichtsstabilisierung, Verbesserung der Körperzusammensetzung oder die Etablierung eines nachhaltigen Ernährungsverhaltens.

Eine leitlinienbasierte Logik aus Indikation, Intervention, Monitoring und Risikobewertung ist nicht vorhanden.

Grundprinzipien

Das zentrale Prinzip der Hollywood-Diät ist eine drastische Kalorienrestriktion bei gleichzeitig sehr hoher Proteinzufuhr.

Kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Brot, Nudeln, Reis und Kartoffeln werden nahezu vollständig ausgeschlossen.

Ergänzend gelten strikte Trennkostregeln, nach denen eiweiß- und kohlenhydrathaltige Lebensmittel nicht gemeinsam verzehrt werden dürfen.

Exotische Früchte sollen roh gegessen werden und ausschließlich allein, ohne Kombination mit anderen Lebensmitteln.

Angestrebte Wirkmechanismen

Der angestrebte Gewichtsverlust beruht primär auf der massiven Reduktion der Energiezufuhr. Kurzfristig kommt es zu einem Abbau von Glykogenspeichern (Glykogen = Speicherform der Glucose in Leber und Muskulatur) mit konsekutivem Wasserverlust, was den raschen Gewichtsabfall erklärt.

Eine zusätzliche stoffwechselsteigernde Wirkung durch den hohen Proteinanteil ist nur begrenzt relevant und kann die extreme Energieeinschränkung nicht kompensieren.

Die postulierte Aktivierung der Fettverbrennung durch Enzyme aus tropischen Früchten ist pathophysiologisch nicht plausibel und wissenschaftlich nicht belegt [1].

Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Geeignete Zielgruppen

  • Stoffwechselgesunde Erwachsene ohne relevante Vorerkrankungen
  • Personen mit kurzfristigem kosmetischem Gewichtsreduktionswunsch

Eingeschränkte Eignung

  • Personen mit hohem körperlichem oder geistigem Leistungsbedarf
  • Personen mit erhöhtem Risiko für Nährstoffmängel

Nicht geeignet

  • Kinder und Jugendliche
  • Schwangere und Stillende
  • Ältere Menschen mit erhöhtem Risiko für Sarkopenie (alters- oder krankheitsbedingter Abbau von Muskelmasse und Muskelkraft)
  • Personen mit Multimorbidität (gleichzeitiges Vorliegen mehrerer chronischer Erkrankungen)
  • Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion, Lebererkrankungen, Gicht oder anderen Stoffwechselerkrankungen

Durchführung und Ablauf der Diät

Die Hollywood-Diät basiert überwiegend auf eiweißreichen Lebensmitteln wie fettarmem Fisch, magerem Fleisch, Eiern, fettarmen Milchprodukten sowie Meeresfrüchten wie Hummer oder Shrimps. Ergänzend sind bestimmte Gemüsesorten sowie exotische Früchte wie Mango, Papaya oder Ananas erlaubt, die möglichst roh verzehrt werden sollen. Kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Brot, Nudeln, Reis und Kartoffeln werden konsequent gemieden.

Die Mahlzeiten unterliegen strikten Trennkostregeln. Eiweißreiche und kohlenhydrat­haltige Lebensmittel dürfen nicht gemeinsam verzehrt werden, exotische Früchte sollen grundsätzlich allein gegessen werden. Die Mahlzeitenstruktur ist monoton und wenig variabel, Individualisierungen oder flexible Anpassungen an Alltagssituationen sind nicht vorgesehen.

Getrunken werden soll überwiegend Mineralwasser. Andere Getränke spielen im Konzept keine Rolle. Eine gezielte Vorbereitung auf die Diät, etwa durch Anpassung der Nahrungszufuhr oder Reduktion von Koffein und Zucker, ist nicht Bestandteil des Konzepts.

Die Diät wird typischerweise über mehrere Wochen durchgeführt, häufig maximal zwei bis drei Wochen. Ein strukturierter Übergang in eine ausgewogene Ernährung oder ein definiertes Beendigungskonzept fehlen vollständig, wodurch das Risiko für rasche Gewichtszunahme nach Diätende erhöht ist.

Eine ärztliche Begleitung ist im Konzept nicht vorgesehen. Die Hollywood-Diät wird in der Regel selbstständig durchgeführt, ohne systematisches Monitoring von Körpergewicht, Stoffwechselparametern oder möglichen Nebenwirkungen.

Empfohlene Lebensmittel

  • Fettarme, proteinreiche tierische Lebensmittel
  • Mageres Fleisch
  • Fettarmer Fisch
  • Eier
  • Fettarme Milchprodukte
  • Meeresfrüchte wie Hummer oder Shrimps
  • Ausgewählte Gemüsesorten
  • Exotische Früchte wie Papaya, Ananas und Mango, möglichst roh und stets allein verzehrt

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

  • Brot und Backwaren
  • Nudeln, Reis und andere Getreideprodukte
  • Kartoffeln
  • Zucker und Süßwaren
  • Fette und Öle
  • Alkohol
  • Vollfette Milchprodukte

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

Eine vorausschauende Planung erleichtert die Umsetzung der Hollywood-Diät im Alltag. Sinnvoll ist es, erlaubte Lebensmittel frühzeitig einzukaufen und griffbereit zu halten, um spontane Abweichungen zu vermeiden. Eine Wochenplanung der Mahlzeiten kann helfen, die stark eingeschränkte Lebensmittelauswahl organisatorisch zu strukturieren.

Bei Mahlzeiten außer Haus empfiehlt es sich, Speisekarten im Vorfeld zu prüfen oder gezielt einfache Gerichte ohne Beilagen auszuwählen, etwa Fisch oder Fleisch ohne Soßen. Bei gesellschaftlichen Anlässen kann es hilfreich sein, kleine Mengen erlaubter Lebensmittel vorab einzuplanen oder eigene Speisen mitzubringen, sofern dies möglich ist.

Zur Reduktion der Kosten können anstelle sehr exklusiver Lebensmittel wie Hummer oder Krabben auch andere fettarme, proteinreiche Alternativen genutzt werden, die den Diätvorgaben entsprechen. Eine bewusste Auswahl kostengünstiger Proteinquellen erleichtert die Durchführung im Alltag.

Um der monotonen Mahlzeitenstruktur entgegenzuwirken, können erlaubte Lebensmittel in unterschiedlichen Zubereitungsformen variiert werden, beispielsweise durch wechselnde Gewürze oder unterschiedliche Gartechniken, sofern diese mit den Diätregeln vereinbar sind.

Bei beruflichen Belastungen, Schichtarbeit oder unregelmäßigen Tagesabläufen ist es sinnvoll, Mahlzeiten zeitlich zu planen und geeignete Snacks aus erlaubten Lebensmitteln bereitzuhalten. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr sollte über den Tag verteilt sichergestellt werden.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist die Hollywood-Diät deutlich unausgewogen. Die Energiezufuhr von maximal 1.000 kcal pro Tag liegt weit unter dem Bedarf der meisten Erwachsenen und führt zwangsläufig zu einem schnellen Gewichtsverlust, der zu einem erheblichen Anteil auf Wasserverlust und Muskelabbau zurückzuführen ist.

Die Makronährstoffverteilung (Verteilung der Hauptnährstoffe Kohlenhydrate, Fette, Proteine (Eiweiß)) ist stark verschoben, mit einem Proteinanteil von etwa 60 % der Gesamtenergiezufuhr, einer extrem niedrigen Kohlenhydratzufuhr und einem sehr geringen Fettanteil. Eine derart hohe Proteinzufuhr überschreitet die Empfehlungen gängiger Ernährungsgesellschaften deutlich und kann insbesondere bei längerer Durchführung die Nierenfunktion belasten sowie das Risiko für Ketonämie und Hyperurikämie (erhöhter Harnsäurespiegel im Blut) erhöhen [3, 4]. Große Kohortenstudien und Metaanalysen zeigen, dass sowohl sehr kohlenhydratarme als auch sehr kohlenhydratreiche Ernährungsformen mit einer erhöhten Gesamtmortalität (Gesamtsterblichkeit) assoziiert sind, während eine moderate Kohlenhydratzufuhr mit den günstigsten Langzeitergebnissen verbunden ist [5].

Die Versorgung mit essentiellen Fettsäuren ist unzureichend. Gleichzeitig ist die Zufuhr zahlreicher Mikronährstoffe kritisch, insbesondere von Calcium, Magnesium, Kalium, B‑Vitaminen und Vitamin C.

Auch die Aufnahme von Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen ist unzureichend.

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Die Hollywood-Diät ist mit einer Vielzahl potentieller medizinischer Risiken verbunden, die sich sowohl kurzfristig als auch langfristig manifestieren können. Aufgrund der sehr niedrigen Energiezufuhr und der stark eingeschränkten Lebensmittelauswahl besteht ein hohes Risiko für relevante Mikronährstoffmängel, insbesondere von Calcium, Magnesium, Kalium, B‑Vitaminen und Vitamin C. Diese Defizite können zu neuromuskulären Beschwerden, erhöhter Infektanfälligkeit und kognitiven Beeinträchtigungen beitragen.

Der sehr hohe Proteinanteil bei gleichzeitig niedriger Energiezufuhr begünstigt einen Abbau von Muskelmasse, insbesondere bei älteren Menschen oder bei Personen mit bereits eingeschränkter Muskelreserve. Der Verlust fettfreier Masse kann die Grundumsatzrate senken und langfristig die Gewichtsstabilisierung erschweren.

Stoffwechselveränderungen sind insbesondere bei ausgeprägter Kohlenhydratrestriktion zu erwarten. Es kann zur Ausbildung einer Ketonämie kommen, die sich klinisch durch Müdigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen und verminderte Leistungsfähigkeit äußern kann. Gleichzeitig kann es durch den erhöhten Purinumsatz bei proteinreicher Ernährung zu einer Hyperurikämie kommen, wodurch das Risiko für Gichtanfälle steigt und die Nieren zusätzlich belastet werden.

Die sehr niedrige Kalorienzufuhr kann darüber hinaus zu Hypotonie, Schwindel, Konzentrationsstörungen und allgemeinem Leistungsabfall führen. Bei entsprechender Prädisposition sind auch Herzrhythmusstörungen durch Elektrolytverschiebungen möglich.

Ein wesentliches langfristiges Risiko stellt das sogenannte Weight-Cycling (Jo-Jo-Effekt) dar. Der rasche Gewichtsverlust bei gleichzeitig fehlender Ernährungsumstellung führt häufig zu einer schnellen Gewichtszunahme nach Beendigung der Diät. Wiederholte Phasen von Gewichtsabnahme und -zunahme sind mit ungünstigen metabolischen Effekten, einer Zunahme viszeraler Fettmasse (Bauchfett) und einer erhöhten kardiometabolischen Morbidität assoziiert [5].

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Absolute Kontraindikationen

  • Chronische Niereninsuffizienz (Nierenschwäche)
  • Lebererkrankungen
  • Gicht
  • Schwere Stoffwechselerkrankungen
  • Essstörungen (z. B. Bulimia nervosa/Ess-Brech-Sucht) in der Vorgeschichte

Relative Kontraindikationen (ärztliche Rücksprache empfohlen)

  • Höheres Lebensalter
  • Multimorbidität (gleichzeitiges Vorliegen mehrerer chronischer Erkrankungen bei einer Person)

Vorteile

  • Schnelle Reduktion des Körpergewichts
  • Kurzfristig ausgeprägte Sättigung durch den hohen Proteinanteil

Nachteile

  • Extreme Einseitigkeit der Ernährung
  • Hohe Wahrscheinlichkeit für Nährstoffmängel
  • Erhöhtes Risiko für Muskelabbau
  • Belastung der Nierenfunktion
  • Hohes Risiko für Weight-Cycling (Jo-Jo-Effekt)
  • Keine Vermittlung eines nachhaltigen Ernährungsverhaltens

Wissenschaftliche Einordnung

Die Hollywood-Diät wird von keiner nationalen oder internationalen Fachgesellschaft empfohlen. Aktuelle Leitlinien und Metaanalysen zur Gewichtsreduktion sprechen sich klar gegen stark restriktive Crash-Diäten aus und empfehlen stattdessen langfristig ausgewogene, moderat kalorienreduzierte Ernährungsformen [1, 3, 5].

Fazit

Die Hollywood-Diät ist aus medizinischer und ernährungswissenschaftlicher Sicht nicht zu empfehlen. Der schnelle Gewichtsverlust geht mit erheblichen gesundheitlichen Risiken, einer mangelhaften Nährstoffversorgung und einem hohen Risiko für Weight-Cycling einher. Die zugrunde liegenden Annahmen, insbesondere zur angeblich fettverbrennenden Wirkung von Enzymen aus tropischen Früchten, sind wissenschaftlich nicht haltbar. Insgesamt überwiegen die Nachteile deutlich, sodass von dieser Diät klar abzuraten ist.

Literatur

  1. Johnston BC, Kanters S, Bandayrel K et al.: Comparison of weight loss among named diet programs in overweight and obese adults: a meta-analysis. JAMA. 2014;312(9):923-933. doi: 10.1001/jama.2014.10397.
  2. Te Morenga L, Howatson AJ, Jones RM, Mann J: Dietary sugars and body weight: systematic review and meta-analyses of randomised controlled trials and cohort studies. BMJ. 2013;346:e7492. doi: 10.1136/bmj.e7492.
  3. Friedman AN: High-protein diets: potential effects on the kidney in renal health and disease. Am J Kidney Dis. 2020;76(4):547-558. doi: 10.1053/j.ajkd.2020.03.015.
  4. Schwingshackl L, Chaimani A, Hoffmann G et al.: Impact of different dietary approaches on blood lipid control in patients with type 2 diabetes mellitus: a systematic review and network meta-analysis. Eur J Epidemiol. 2019;34(9):837-852. doi: 10.1007/s10654-019-00534-1.
  5. Seidelmann SB, Claggett B, Cheng S et al: Dietary carbohydrate intake and mortality: a prospective cohort study and meta-analysis. Lancet Public Health. 2018;3(9):e419-e428. doi: 10.1016/S2468-2667(18)30135-X.