Ernährungstherapie bei Mammakarzinom (Brustkrebs)
Die Ernährungstherapie bei Mammakarzinom (Brustkrebs) umfasst alle evidenzbasierten diätetischen Maßnahmen zur Sicherung des Ernährungszustands, zur Reduktion therapiebedingter Beschwerden, zur Unterstützung von Muskelmasse und körperlicher Leistungsfähigkeit sowie zur langfristigen Senkung von Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Risiken. Sie ist ein integraler, supportiver Bestandteil der Behandlung und Nachsorge.
Viele Patientinnen sind bei Diagnosestellung normalgewichtig oder übergewichtig, können aber im Verlauf durch Operation, Chemotherapie, Radiotherapie, endokrine Therapie (Hormontherapie) oder zielgerichtete Therapien relevante Veränderungen von Appetit, Körperzusammensetzung, Gewicht, Muskelmasse und Stoffwechsel entwickeln. Klinisch bedeutsam sind sowohl ungewollter Gewichtsverlust und Sarkopenie (krankheits- oder altersbedingter Verlust von Muskelmasse, Muskelkraft und körperlicher Leistungsfähigkeit) als auch therapieassoziierte Gewichtszunahme, Insulinresistenz, Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörungen) und Osteopenie (verminderte Knochendichte) bzw. Osteoporose [1-5].
Wissenschaftliche Grundlagen
Neben der Prävention von Mangelernährung geht es heute auch um Körperzusammensetzung, Muskelmasse, körperliche Aktivität, metabolische Gesundheit, kardiovaskuläre Risikoreduktion und Lebensqualität. Dies ist besonders relevant, weil viele Patientinnen durch verbesserte Früherkennung und wirksamere Systemtherapien lange mit und nach der Erkrankung leben.
Medizinisch basiert die Ernährungstherapie auf mehreren Ebenen. Während der Akuttherapie soll sie Energie- und Proteinmangel vermeiden, Nebenwirkungen wie Übelkeit, Mukositis (Schleimhautentzündung), Fatigue (Erschöpfung), Diarrhoe (Durchfall) oder Obstipation (Verstopfung) abmildern und die Therapiefähigkeit erhalten [1, 2]. In der Nachsorge stehen ein gesundes Körpergewicht, regelmäßige Bewegung, pflanzenbetonte Ernährung, Alkoholverzicht bzw. deutliche Alkoholreduktion und die Behandlung therapiebedingter Spätfolgen im Vordergrund [3-6].
Streng kohlenhydratarme Anti-Krebs-Diäten, Fastenkuren, Entgiftungsdiäten, hochdosierte Antioxidantien oder pauschale Nahrungsergänzungsprogramme sind jedoch nicht als onkologische Standardtherapie belegt. Kritisch ist insbesondere, wenn solche Konzepte zu Gewichtsverlust, Proteinmangel, Therapieabbrüchen oder Wechselwirkungen mit Chemo-, Strahlen-, endokriner oder zielgerichteter Therapie führen [1, 5, 7].
Medizinisch sinnvoll ist ein dauerhaft umsetzbares Ernährungsmuster mit hoher Nährstoffdichte, ausreichender Proteinversorgung, überwiegend pflanzlichen Lebensmitteln, wenig Alkohol und möglichst wenig hochverarbeiteten Produkten [3, 5].
Zielsetzung der Ernährungstherapie
Die Ernährungstherapie soll den Ernährungszustand stabilisieren, therapiebedingte Beschwerden reduzieren, die körperliche Leistungsfähigkeit erhalten und langfristig das Risiko für metabolische, kardiovaskuläre und knöcherne Komplikationen senken. Bei übergewichtigen Patientinnen ist keine aggressive Diät während intensiver Systemtherapie anzustreben, sondern zunächst Gewichtsstabilität, Muskelerhalt und gute Verträglichkeit. In der stabilen Nachsorge kann eine moderate, strukturierte Gewichtsreduktion sinnvoll sein [1-4].
Primäre therapeutische Zielparameter sind Körpergewicht, Gewichtsverlauf, BMI (Body-Mass-Index/Körpermassen-Index), Taillenumfang, Muskelmasse bzw. Muskelkraft, Nahrungsaufnahme, Proteinaufnahme, körperliche Leistungsfähigkeit, Blutdruck, HbA1c (Langzeitblutzuckerwert) bzw. Nüchternglucose, Lipidprofil, Vitamin-D-Status bei Risikokonstellation, Knochendichte bei Aromatasehemmer-Therapie sowie Entzündungs- und Ernährungsmarker nur bei konkreter klinischer Fragestellung [1-4].
Übergewicht und Fettverteilung: Übergewicht und Adipositas sind insbesondere nach der Menopause ungünstig. Eine relevante Gewichtszunahme – je nach Körpergröße zwischen 13 und 16 kg (Anstieg des BMI um 5 kg/m²) ist mit einem erhöhten Risiko für postmenopausales Mammakarzinom (Brustkrebs nach den Wechseljahren) assoziiert. Für prämenopausales Mammakarzinom (Brustkrebs vor den Wechseljahren) wurde dagegen eine inverse bzw. negative Assoziation beschrieben [12]. Nach Diagnosestellung sind Übergewicht und Adipositas mit ungünstigeren Tumorcharakteristika, geringeren Überlebenschancen und erhöhter Gesamtmortalität (Sterblichkeit) assoziiert [13, 14].
Zusätzlich ist eine androide Fettverteilung (Apfel-Typ) mit vermehrtem abdominalem bzw. viszeralem Bauchfett, hohem Taillenumfang oder erhöhtem Taille-Hüft-Quotienten ungünstig. Sie gilt als Risikofaktor für postmenopausales Mammakarzinom und wurde mit einem erhöhten Risiko für Östrogenrezeptor-negative Tumoren in Verbindung gebracht [15, 16].
Sekundäre Ziele sind Symptomkontrolle, Erhalt der Lebensqualität, Reduktion von Fatigue, bessere Alltagsbelastbarkeit, Unterstützung der Darmfunktion, Senkung des Risikos für Sarkopenie (krankheitsbedingter Verlust von Muskelmasse, Muskelkraft und körperlicher Leistungsfähigkeit), Osteopenie und kardiometabolische Folgeerkrankungen sowie ein sicherer Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln [1-3, 7].
Die Leitlinienlogik lautet: Indikation erkennen → Ernährungsrisiko und Therapiephase erfassen → individuelle Intervention planen → Verlauf regelmäßig kontrollieren → Risiken, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen berücksichtigen. Kurzfristig geht es um ausreichende Energie- und Proteinzufuhr sowie Nebenwirkungsmanagement. Langfristig stehen pflanzenbetonte Ernährung, Körpergewichtsmanagement, Bewegung, Alkoholreduktion und metabolische Gesundheit im Vordergrund [1-6].
Grundprinzipien
Grundlage ist eine mediterran orientierte, pflanzenbetonte Mischkost mit hohem Anteil an Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen, Saaten, hochwertigen Pflanzenölen und regelmäßigem Fischkonsum. Diese Ernährungsweise besitzt eine hohe Nährstoffdichte, die reich an Ballaststoffen, sekundären Pflanzenstoffen und ungesättigten Fettsäuren ist und zugleich eine günstige Stoffwechselwirkung zeigt. Sie kann helfen, Körpergewicht, Blutzucker, Blutfette, Blutdruck und Entzündungsprozesse positiv zu beeinflussen – Faktoren, die für die langfristige Gesundheit von Patientinnen mit Brustkrebs bedeutsam sind [3, 5].
Ergänzt wird sie durch eine ausreichende Proteinversorgung aus fettarmen Milchprodukten, Eiern, Fisch, Geflügel, Hülsenfrüchten, Sojaprodukten oder anderen geeigneten Eiweißquellen. Dies ist wichtig, um Muskelmasse, Muskelkraft, Wundheilung, Immunfunktion und körperliche Leistungsfähigkeit während und nach der Therapie zu unterstützen. Stark verarbeitete Lebensmittel, zuckerreiche Getränke, Alkohol, große Mengen rotes Fleisch und insbesondere verarbeitetes Fleisch sollten reduziert werden, da sie mit ungünstigen Stoffwechselveränderungen, Gewichtszunahme und erhöhten kardiometabolischen Risiken verbunden sein können [3, 5].
Die Mahlzeitenstruktur richtet sich nach Therapiephase und Beschwerden. Bei guter Verträglichkeit sind drei Hauptmahlzeiten und ein bis zwei eiweißreiche Zwischenmahlzeiten praktikabel. Bei Übelkeit, Appetitverlust, Mukositis oder frühem Sättigungsgefühl sind kleinere, häufigere Mahlzeiten besser. Jede Hauptmahlzeit sollte eine Proteinquelle enthalten, damit Muskelmasse und Regeneration unterstützt werden [1, 2].
Phasenweise Anpassungen sind sinnvoll: Während intensiver Therapie steht Verträglichkeit vor Perfektion. In der Nachsorge kann die Ernährung schrittweise in Richtung vollwertiger, ballaststoffreicher, energieangepasster Kost optimiert werden. Bei endokriner Therapie, insbesondere unter Aromatasehemmern, sind Knochengesundheit, Gewichtsentwicklung und kardiometabolische Parameter besonders zu beachten.
Angestrebte Wirkmechanismen
Die Ernährungstherapie hat folgende klinisch relevante Effekte: Stabilisierung des Ernährungszustands, Erhalt von Muskelmasse, bessere Therapietoleranz, Reduktion von Fatigue, Verbesserung metabolischer Risikofaktoren und langfristig günstigere Gesundheitsprognose [1-6].
Pathophysiologisch plausibel sind mehrere Mechanismen. Eine ausreichende Energie- und Proteinzufuhr reduziert katabole Prozesse und unterstützt Muskelproteinsynthese, Immunfunktion und Wundheilung [1]. Eine ballaststoffreiche, pflanzenbetonte Ernährung kann Blutzucker- und Lipidstoffwechsel, Darmmikrobiom, Sättigung und Körpergewicht günstig beeinflussen [3, 5]. Körperliche Aktivität verbessert Insulinsensitivität, Muskelmasse, kardiorespiratorische Fitness und Fatigue; in Beobachtungsdaten ist sie mit günstigerer Mortalität (Sterblichkeit) nach Mammakarzinom assoziiert [2, 6].
Stoffwechselmodelle, die Krebs pauschal „aushungern“ wollen, etwa durch extreme ketogene Ernährung, strenges Fasten oder vollständigen Zuckerverzicht, sind für die Routineversorgung nicht ausreichend belegt. Kurzzeitfasten rund um Chemotherapie wird wissenschaftlich untersucht, ist aber nicht Standard und kann bei Gewichtsverlust, Mangelernährung, Diabetes mellitus, Essstörung, höherem Alter oder intensiver Therapie riskant sein.
Hypothetische oder nicht belegte Mechanismen betreffen „Entgiftung“, „Entsäuerung gegen Krebs“, pauschale Antioxidantien-Hochdosistherapie, Krebsheilung durch einzelne Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel. Diese Konzepte dürfen nicht als Alternative zur onkologischen Therapie dargestellt werden [1, 7].
Zielgruppen und Ausschlusskriterien
Geeignete Zielgruppen
- Patientinnen mit frühem Mammakarzinom während Operation, Chemo-, Strahlen-, Antikörper-, Immun-, CDK4/6-, PARP- oder endokriner Therapie
- Patientinnen in der Nachsorge
- Patientinnen mit erhöhtem Risiko für Gewichtszunahme, Sarkopenie, Diabetes mellitus, Dyslipidämie oder Osteoporose
- Patientinnen mit therapiebedingten gastrointestinalen Beschwerden
- Ältere Patientinnen: Besonders wichtig sind Screenings auf Mangelernährung, Sarkopenie, Sturzrisiko, Knochengesundheit, Polypharmazie (gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente) und ausreichende Proteinzufuhr
- Schwangere Patientinnen: Ernährungstherapie nur in Abstimmung mit Onkologie, Gynäkologie und Ernährungsmedizin; keine Reduktionsdiäten, keine Fastenkonzepte, keine hochdosierten Supplemente ohne klare Indikation
Eingeschränkte Eignung
- Patientinnen mit schwerer Übelkeit, Mukositis, Diarrhoe (Durchfall), Dysphagie, Depression, ausgeprägter Fatigue, Essstörung, schwerer Mangelernährung oder metastasierter Erkrankung → benötigen eine engmaschigere Betreuung
Indikationsbezogene Eignung
- Bei Übergewicht, Insulinresistenz, metabolischem Syndrom, Aromatasehemmer-Therapie, Fatigue, Osteopenie oder Sarkopenie ist eine strukturierte Ernährungstherapie besonders sinnvoll
Komorbiditäten (Begleiterkrankungen)
- Diabetes mellitus, chronische Nierenerkrankung, Herzinsuffizienz (Herzschwäche), Lebererkrankungen, gastrointestinale Erkrankungen und Osteoporose erfordern individuelle Anpassungen
Durchführung und Ablauf der Ernährungstherapie
Die Vorbereitung beginnt mit einem strukturierten Assessment. Erfasst werden Körpergewicht, Gewichtsverlauf, BMI, Taillenumfang, Muskelkraft, Appetit, Essmenge, gastrointestinale Symptome, Stuhlverhalten, Fatigue, Schmerzen, depressive Symptome, Bewegung, Begleiterkrankungen, Medikamente, Supplemente, Laborwerte und Therapieplan [1].
Typische Fehler zu Beginn sind zu spätes Handeln, pauschaler Zucker- oder Kohlenhydratverzicht, sehr kalorienarme Kost während Chemotherapie, unkritische Supplemente, fehlende Proteinplanung, Angst vor Soja, zu geringe Trinkmenge, zu wenig Bewegung und die Annahme, dass Gewichtsverlust bei Übergewicht automatisch günstig sei. Besonders problematisch sind strenge Diäten, die während Chemo- oder Strahlentherapie zu Muskelabbau führen.
Eine sinnvolle Übergangsphase besteht darin, zunächst drei Kernziele zu setzen: ausreichend trinken, jede Hauptmahlzeit mit Protein ergänzen und Gemüse bzw. ballaststoffreiche Lebensmittel langsam steigern. Bei Nebenwirkungen gilt: Verträglichkeit zuerst. Wenn Rohkost, Vollkorn oder Hülsenfrüchte vorübergehend Beschwerden auslösen, werden sie reduziert und später wieder aufgebaut.
Die Dauer richtet sich nach Therapieverlauf. Während aktiver Therapie sollte das Monitoring mindestens alle 2-4 Wochen erfolgen, bei hohem Risiko häufiger. In der Nachsorge sind Kontrollen alle 3-6 Monate sinnvoll, bei stabiler Situation jährlich.
Das therapeutische Setting kann ambulant erfolgen, sollte aber bei schwerer Mangelernährung, enteraler oder parenteraler Ernährung, massiven Nebenwirkungen, metastasierter Erkrankung, schwerem Diabetes, Niereninsuffizienz oder ausgeprägter Sarkopenie ärztlich und ernährungstherapeutisch eng gesteuert werden [1].
Empfohlene Lebensmittel
Diese Lebensmittelgruppen bilden gemeinsam eine nährstoffreiche, entzündungsarme und stoffwechselgünstige Basisernährung, die sich gut an Therapiephase, Beschwerden und persönliche Vorlieben anpassen lässt.
- Proteinquellen:
- Fisch, Geflügel, Eier, Joghurt, Quark, Skyr, Käse in moderaten Mengen, Hülsenfrüchte, Tofu, Nüsse und Samen; sie sind wichtig für den Erhalt von Muskelmasse, Muskelkraft, Wundheilung, Immunfunktion und körperlicher Leistungsfähigkeit.
- Jede Hauptmahlzeit sollte möglichst eine Proteinquelle enthalten.
- Vollkornprodukte:
- Haferflocken, Vollkornbrot, Naturreis, Vollkornnudeln, Quinoa, Buchweizen.
- Sie liefern komplexe Kohlenhydrate, Ballaststoffe, B-Vitamine, Magnesium und Spurenelemente.
- Sie tragen zu stabileren Blutzuckerwerten, besserer Sättigung und einer regelmäßigen Verdauung bei.
- Hülsenfrüchte:
- Linsen, Bohnen, Kichererbsen, Erbsen, Sojaprodukte wie Tofu, Tempeh oder Edamame
- Sie liefern pflanzliches Protein, Ballaststoffe, Eisen, Magnesium und Folsäure.
- Sie unterstützen Sättigung, Darmmikrobiom, Blutzuckerregulation und Muskelversorgung. Bei Blähungen langsam einschleichen und zunächst kleine Portionen wählen.
- Fette:
- Olivenöl, Rapsöl, Nüsse, Samen, Avocado
- Sie liefern einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren und unterstützen Herz-Kreislauf-Gesundheit sowie die Aufnahme fettlöslicher Vitamine.
- Fettreicher Seefisch liefert zusätzlich langkettige Omega-3-Fettsäuren, die im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung entzündungsmodulierende Eigenschaften haben können.
- Gemüse:
- Brokkoli, Blumenkohl, Kohl, Karotten, Paprika, Tomaten, Blattgemüse, Zucchini, Kürbis
- Sie liefern Ballaststoffe, Kalium, Folsäure, Vitamin C und sekundäre Pflanzenstoffe und unterstützen Sättigung, Darmfunktion und Stoffwechsel.
- Bei Beschwerden wie Blähungen, Übelkeit oder Mukositis gegart statt roh verzehren.
- Obst:
- Beeren, Äpfel, Birnen, Zitrusfrüchte, Steinobst: Sie liefern Vitamine, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Beeren und Äpfel sind oft gut geeignet, weil sie vergleichsweise ballaststoffreich und moderat zuckerhaltig sind.
- Bei Diarrhoe oder Mukositis individuell anpassen.
- Getränke:
- Wasser, ungesüßte Tees und bei Bedarf verdünnte Saftschorlen
- Sie sichern die Flüssigkeitszufuhr und unterstützen Kreislauf, Nierenfunktion und Verdauung.
- Bei Appetitmangel können energie- und proteinreiche Getränke oder Trinknahrung sinnvoll sein, um Gewichtsverlust und Muskelabbau vorzubeugen.
Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel
Eingeschränkt werden sollten vor allem Lebensmittel und Getränke, die Gewichtszunahme, ungünstige Blutzucker- und Blutfettwerte, Bluthochdruck, Entzündungsbelastung oder eine geringe Nährstoffdichte begünstigen können.
- Verarbeitetes Fleisch – von der WHO/IARC als karzinogen eingestuft [17]
- Wurst, Schinken, Speck, Salami und Fleischwaren möglichst meiden.
- Diese Produkte enthalten häufig viel Salz, gesättigte Fettsäuren, Nitritpökelsalz und andere Verarbeitungsprodukte und sind ernährungsmedizinisch ungünstig.
- Rotes Fleisch:
- Rind, Schwein und Lamm nur begrenzt und nicht täglich verzehren.
- Größere Mengen können die Aufnahme gesättigter Fettsäuren erhöhen und eine pflanzenbetonte, ballaststoffreiche Ernährung verdrängen.
- Zuckerreiche Getränke:
- Limonaden, Energy-Drinks, gesüßte Eistees und große Saftmengen vermeiden.
- Sie liefern schnell verfügbare Energie ohne relevante Sättigung und können Gewichtszunahme, Insulinresistenz und erhöhte Blutzuckerwerte fördern.
- Hochverarbeitete Produkte:
- Fast Food, Süßwaren, Chips, Fertiggerichte und stark gezuckerte Frühstücksprodukte reduzieren.
- Sie enthalten oft viel Zucker, Salz, ungünstige Fette und Zusatzstoffe, aber wenig Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe.
- Sehr energiedichte Snacks:
- Gebäck, Süßigkeiten, Chips, Nuss-Nougat-Cremes oder große Mengen Nüsse nur bewusst und portionskontrolliert einsetzen.
- Bei ungewollter Gewichtszunahme können sie die Energiebilanz deutlich erhöhen.
- Bei Appetitmangel können energiedichte Lebensmittel dagegen gezielt therapeutisch genutzt werden.
- Grapefruit, Johanniskraut und bestimmte Pflanzenextrakte:
- Nur nach Rücksprache verwenden, da Wechselwirkungen mit onkologischen Medikamenten möglich sind.
- Johanniskraut kann den Abbau vieler Arzneimittel beeinflussen; Grapefruit kann bestimmte Enzymsysteme hemmen und dadurch Wirkstoffspiegel verändern.
- Stark gebräunte oder frittierte Lebensmittel:
- Pommes frites, Chips, stark gebräunte Backwaren und sehr dunkel geröstete Produkte reduzieren. Beim starken Erhitzen stärkehaltiger Lebensmittel kann Acrylamid entstehen, das als wahrscheinlich karzinogen eingestuft wird.
- Eine hohe Acrylamidexposition wurde mit einem erhöhten Risiko für östrogenrezeptor‑positiven Brustkrebs in Verbindung gebracht [18].
Genussmittelkonsum
Tabak (Rauchen)
- Rauchen ist mit erhöhten Risiken für Wundheilungsstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Zweitmalignom und einer schlechteren allgemeinen Prognose verbunden.
- Für das Mammakarzinom zeigen Studien insbesondere bei frühem Beginn, langer Expositionsdauer und prämenopausalen Frauen Hinweise auf ein erhöhtes Erkrankungsrisiko [9].
- Auch Passivrauchen wird mit einem erhöhten Mammakarzinomrisiko diskutiert. Dabei scheint das Risiko mit Dauer und Intensität der Passivrauchexposition zuzunehmen [8].
- Klare Empfehlung: vollständige Tabakabstinenz und konsequente Vermeidung von Passivrauch.
Alkohol
- Alkohol ist von der International Agency for Research on Cancer (IARC) bzw. WHO als Karzinogen der Gruppe 1 eingestuft [10].
- Das Mammakarzinomrisiko steigt bereits bei niedrigen Alkoholmengen: pro 10 g Alkohol pro Tag wurde eine Risikoerhöhung um etwa 4,2 % beschrieben [11].
- Nach Mammakarzinom ist Alkohol auch wegen Gewichtszunahme, Schlafstörungen, Fatigue, Leberbelastung, metabolischer Risiken und möglicher Medikamenteninteraktionen ungünstig.
- Bei Mammakarzinom ist Abstinenz bzw. weitestmögliche Reduktion die klare Empfehlung; aus onkologischer Sicht gibt es keine risikofreie Alkoholmenge
Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag
Ein guter Wochenplan beginnt mit Proteinbausteinen: Quark, Joghurt, Eier, Fisch, Geflügel, Tofu, Linsen, Bohnen, Hummus oder Nüsse sollten regelmäßig verfügbar sein. Praktisch ist die Tellerregel: eine Hälfte Gemüse oder Salat, ein Viertel Proteinquelle, ein Viertel Vollkorn- oder Kartoffelbeilage, ergänzt durch ein hochwertiges Fett.
Bei Fatigue helfen einfache Vorratslösungen: Tiefkühlgemüse, vorgekochter Reis, Linsennudeln, Hummus, Dosentomaten, Haferflocken, Nüsse, Naturjoghurt und Fischkonserven in guter Qualität.
An belastenden Therapietagen sind Suppen, Porridge, Smoothies mit Joghurt oder Skyr, Kartoffelbrei mit Ei, Reisgerichte oder weiche Gemüsegerichte oft besser verträglich als große Rohkostportionen.
Bei Übelkeit sind kleine, trockene, geruchsarme Mahlzeiten hilfreich, z. B. Zwieback, Cracker, Kartoffeln, Reis, Banane, mildes Gemüse, kalte Speisen oder Ingwertee, sofern verträglich.
Bei Mukositis sollten saure, scharfe, harte und sehr heiße Speisen gemieden werden. Geeignet sind weiche, milde Speisen wie Joghurt, Porridge, Suppen, Rührei, Kartoffelpüree oder cremige Gemüsegerichte.
Bei Obstipation helfen Flüssigkeit, Bewegung, Hafer, Leinsamen, Flohsamenschalen und gegartes Gemüse.
Bei Diarrhoe wird ballaststoffreich nicht pauschal abgesetzt, sondern auf lösliche Ballaststoffe wie Hafer, Banane, Apfelmus oder Reis umgestellt.
Ernährungsphysiologische Bewertung
Im Zentrum steht eine ausreichende Proteinversorgung. Für viele onkologische Patientinnen sind etwa 1,0-1,5 g Protein/kg Körpergewicht pro Tag sinnvoll. Bei schwerer Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) muss die Menge individuell angepasst werden [1]. Die Energiezufuhr sollte während intensiver Therapie mindestens gewichtsstabilisierend sein. Bei Übergewicht wird eine Gewichtsreduktion erst dann angestrebt, wenn die Patientin stabil isst, keine relevante Mangelernährung vorliegt und die Muskelmasse geschützt werden kann.
Kohlenhydrate sollten bevorzugt aus Vollkornprodukten, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten stammen. Ein pauschaler Zuckerverzicht ist nicht notwendig, aber zuckerreiche Getränke und häufige Süßwarenzufuhr sind ungünstig. Fette sollten überwiegend aus Olivenöl, Rapsöl, Nüssen, Samen und Fisch stammen.
Gesättigte Fette aus fettreichen Fleisch- und Wurstwaren, Butter, Sahneprodukten und hochverarbeiteten Snacks sollten begrenzt werden.
Ballaststoffe sind langfristig günstig für Sättigung, Darmfunktion, sowie Glucose- und Lipidstoffwechsel. Zielwerte von etwa 25-30 g/Tag sind sinnvoll, müssen aber bei Diarrhoe, Mukositis, Stenosen (Verengungen), Reizdarmbeschwerden oder nach Operation individuell angepasst werden.
Mikronährstoffe (Vitalstoffe) sollten evidenzbasiert betrachtet werden. Relevant sind vor allem Vitamin D, Calcium, Folsäure, Vitamin B12, Eisen, Zink, Selen und Jod – nicht als pauschale Hochdosistherapie, sondern bei Risiko, nachgewiesenem Mangel oder spezieller Ernährungssituation. Vitamin D und Calcium sind besonders bei Aromatasehemmer-Therapie, Osteopenie, Osteoporose, geringer Sonnenexposition oder höherem Alter wichtig. Ein Vitamin-D-Mangel wurde mit einem erhöhten Mammakarzinomrisiko in Verbindung gebracht [19]. Vitamin B12 ist bei veganer Ernährung, Metformintherapie, höherem Alter oder Resorptionsstörungen zu prüfen. Eisen sollte nur bei gesichertem Mangel substituiert werden. Zink und Selen sind für normale Immunfunktion relevant, Hochdosen ohne Mangel sind jedoch nicht angezeigt. Folsäure ist bei einseitiger Ernährung oder Alkoholbelastung zu beachten; gleichzeitig sind hochdosierte Einzelpräparate ohne Indikation kritisch zu bewerten.
Soja und Isoflavone: Sojalebensmittel wie Tofu, Tempeh, Edamame, Sojajoghurt oder Sojadrink können in üblichen Verzehrmengen Bestandteil einer ausgewogenen, pflanzenbetonten Ernährung sein. Die enthaltenen Isoflavone sind pflanzliche sekundäre Pflanzenstoffe mit schwach hormonähnlicher Wirkung, wirken aber nicht wie körpereigenes Östrogen. Nach aktueller Datenlage gibt es keinen überzeugenden Hinweis, dass moderater Sojaverzehr nach Mammakarzinom das Rezidivrisiko erhöht. In Beobachtungsstudien war Sojakonsum teilweise sogar mit günstigeren Prognoseparametern assoziiert. Nicht empfohlen werden hochdosierte Isoflavon-Präparate, insbesondere während einer Hormontherapie wie Tamoxifen oder Aromatasehemmern, da Nutzen und Sicherheit hierfür nicht ausreichend gesichert sind [8].
Langfristig ist die Ernährung ausgewogen, wenn sie ausreichend Energie, Protein, Ballaststoffe, essentielle Fettsäuren, Calcium, Vitamin D, B-Vitamine, Eisen, Zink, Selen und Jod liefert und gleichzeitig Gewichtsentwicklung, Blutzucker, Lipide, Blutdruck, Darmfunktion und Knochengesundheit berücksichtigt.
Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen
Das wichtigste Risiko ist eine falsch verstandene Krebsdiät, die zu wenig Energie und Protein liefert. Gerade während Chemotherapie oder bei Nebenwirkungen kann eine sehr kalorienarme, fettarme oder stark restriktive Ernährung Muskelabbau, Fatigue, Infektanfälligkeit und Therapieverzögerungen begünstigen [1, 2].
Nährstoffmängel können durch Appetitverlust, Übelkeit, Diarrhoe, Mukositis, Geschmacksstörungen, vegane Ernährung, Alkohol, Medikamente oder einseitige Diäten entstehen. Kritisch sind Vitamin D, Calcium, Vitamin B12, Eisen, Folsäure und bei geringer Zufuhr auch Zink, Selen und Jod. Eine ungezielte Hochdosis-Supplementierung ist jedoch ebenfalls riskant. Beobachtungsdaten bei Brustkrebspatientinnen unter Chemotherapie weisen darauf hin, dass die Einnahme bestimmter Antioxidantien sowie Vitamin B12 und Eisen vor und während Chemotherapie mit ungünstigeren Outcomes assoziiert sein kann. Deshalb sollten Supplemente während der Systemtherapie immer ärztlich geprüft werden [7].
Stoffwechselveränderungen betreffen besonders Gewichtszunahme, Insulinresistenz, Dyslipidämie, Hypertonie (Bluthochdruck) und Steatosis hepatis (Fettleber). Diese können durch endokrine Therapie, Bewegungsmangel, Menopause, Glukokortikoide, Schlafstörungen und Fatigue verstärkt werden. Gleichzeitig darf die Gewichtskontrolle nicht zulasten der Muskelmasse gehen.
Gastrointestinale Komplikationen umfassen Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Obstipation, Mukositis, Reflux (Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre), Geschmacksstörungen und Appetitverlust. Hier muss die Ernährung symptomorientiert angepasst werden. Bei schwerer Diarrhoe, Fieber, Dehydratation (Austrocknung), Blut im Stuhl, anhaltendem Erbrechen oder raschem Gewichtsverlust ist ärztliche Abklärung erforderlich.
Relevante Wechselwirkungen bestehen zwischen Nahrungsergänzungsmitteln bzw. pflanzlichen Präparaten und onkologischen Medikamenten. Johanniskraut ist wegen Enzyminduktion besonders problematisch. Grapefruit kann über CYP3A4 Wechselwirkungen verursachen. Hochdosierte Antioxidantien während Chemo- oder Strahlentherapie sind ohne onkologische Freigabe zu vermeiden. Bei Antikoagulantien (Blutverdünner) sind starke Schwankungen der Vitamin-K-Zufuhr und pflanzliche Präparate kritisch. Bei Antidiabetika kann eine starke Ernährungsumstellung Hypoglykämien (Unterzuckerungen) auslösen. Bei Antihypertensiva sind Gewichtsabnahme, reduzierte Salzaufnahme oder Diarrhö hinsichtlich Blutdruck und Elektrolyten zu beobachten.
Kurzfristige Risiken sind Gewichtsverlust, Dehydratation, Elektrolytstörungen, Obstipation, Diarrhoe, Mangelernährung, Refeeding-Risiko bei stark ausgezehrten Patientinnen und Therapieunterbrechungen. Langfristige Risiken sind Sarkopenie, Osteoporose, metabolisches Syndrom, kardiovaskuläre Erkrankungen und psychisch belastendes Essverhalten.
Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
Absolute Kontraindikationen
- Ablehnung der Maßnahme durch die Patientin
- Strenge Fasten-, Detox- oder Reduktionsdiäten bei manifester Mangelernährung, relevantem Gewichtsverlust oder Sarkopenie
- Hochdosierte Supplemente während Chemo-, Strahlen- oder zielgerichteter Therapie ohne ärztliche Freigabe
- Alternative Krebsdiäten, die eine leitliniengerechte onkologische Therapie ersetzen sollen
- Orale Ernährung bei nicht beherrschbarer Aspirationsgefahr ohne angepasstes Ernährungskonzept
Relative Kontraindikationen mit Monitoringbedarf
- Diabetes mellitus unter Insulin oder Sulfonylharnstoffen bei deutlicher Ernährungsumstellung
- Chronische Niereninsuffizienz mit notwendiger Protein-, Kalium-, Phosphat- oder Flüssigkeitsanpassung
- Herzinsuffizienz mit Volumenempfindlichkeit (Herz ist geschwächt und reagiert empfindlich auf zu viel Flüssigkeit)
- Schwere Mukositis, Dysphagie (Schluckstörung), Stenosen, Ileus- oder Subileusrisiko (vollständiger oder teilweiser Darmverschluss)
- Aktive Essstörung oder ausgeprägte Angst vor Lebensmitteln
- Metastasierte Erkrankung mit rascher Verschlechterung des Allgemeinzustands
- Gleichzeitige Einnahme mehrerer Supplemente, pflanzlicher Präparate oder komplementärmedizinischer Mittel
Vorteile
- Stabilisierung von Gewicht, Muskelmasse und Leistungsfähigkeit
- Bessere Kontrolle von Übelkeit, Obstipation, Diarrhoe, Mukositis und Appetitverlust
- Unterstützung der Wundheilung und Regeneration nach Operation
- Reduktion von Fatigue durch ausreichende Energie-, Protein- und Flüssigkeitszufuhr
- Verbesserung von Blutzucker, Lipiden, Blutdruck und Körperzusammensetzung
- Unterstützung der Knochengesundheit, besonders unter Aromatasehemmern
- Mehr Handlungssicherheit für Patientinnen und Angehörige
Grenzen
- Für einzelne Lebensmittel oder Supplemente gibt es keinen belastbaren Nachweis einer krebsheilenden Wirkung
- Die Evidenz zur direkten Rezidivsenkung durch spezifische Ernährungsfaktoren ist begrenzter als die Evidenz zu Körpergewicht, Bewegung und allgemeiner Ernährungsqualität
- Nebenwirkungen können eine ideale Ernährung zeitweise unmöglich machen
- Soziale, psychische, finanzielle und familiäre Belastungen beeinflussen die Umsetzbarkeit stark
Wissenschaftliche Einordnung
Die Studienlage zeigt am stärksten konsistente Hinweise für gesundes Körpergewicht, Vermeidung postdiagnostischer Adipositas, regelmäßige körperliche Aktivität und eine insgesamt hohe Ernährungsqualität [3-6]. Ein höherer BMI nach Diagnose ist mit ungünstigeren Prognoseparametern assoziiert und körperliche Aktivität nach Diagnose kann mit geringerer Gesamt- und brustkrebsspezifischer Mortalität verbunden sein [4, 6]. Für einzelne Ernährungsfaktoren ist die Evidenz zurückhaltender. Für ein pflanzenbetontes, ballaststoffreiches und wenig alkoholbetontes Ernährungsmuster spricht jedoch die Gesamtschau aus Krebs-, Herz-Kreislauf- und Stoffwechselforschung [3, 5].
Fachgesellschaften empfehlen eine leitliniengerechte onkologische Ernährungstherapie: Screening auf Mangelernährung, ausreichende Energie- und Proteinversorgung, Symptommanagement, körperliche Aktivität, Gewichtsmanagement und kritischer Umgang mit Supplementen [1-3]. Bei Nahrungsergänzungsmitteln ist die wissenschaftliche Einordnung besonders klar: Defizite sollen behandelt werden, Hochdosen ohne Mangel oder klare Indikation sind nicht evidenzbasiert und können während Systemtherapie potentiell problematisch sein [7].
Plausibel und empfehlenswert ist eine mediterran orientierte, pflanzenbetonte Ernährung mit ausreichend Protein, hoher Ballaststoffzufuhr, hochwertigen Fetten, wenig Alkohol und begrenztem Anteil hochverarbeiteter Lebensmittel. Nicht belegt sind Heilsversprechen durch ketogene Diäten, Zuckerverbote, Detox-Kuren oder hochdosierte Mikronährstoffprogramme.
Fazit
Die Ernährungstherapie beim Mammakarzinom ist medizinisch sinnvoll, aber kein Ersatz für die onkologische Therapie. Kurzfristig soll sie die Patientin durch Operation, Chemo-, Strahlen-, endokrine oder zielgerichtete Therapie bringen: mit ausreichender Energie- und Proteinversorgung, guter Verträglichkeit, Symptomkontrolle und Schutz vor Muskelabbau. Langfristig soll sie die metabolische Gesundheit, Knochengesundheit, Körpergewicht, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität unterstützen.
Die beste Gesamtbewertung erhält kein extremes Ernährungskonzept, sondern eine alltagstaugliche, mediterran orientierte, pflanzenbetonte Mischkost mit ausreichendem Protein, vielen Ballaststoffen, hochwertigen Fetten, wenig Alkohol, möglichst wenig hochverarbeiteten Lebensmitteln und regelmäßiger Bewegung. Bei Übergewicht ist eine moderate, muskelprotektive Gewichtsreduktion in der stabilen Nachsorge sinnvoll; während intensiver Therapie steht jedoch Stabilität vor Gewichtsverlust.
Literatur
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