Einleitung
Kaliumüberschuss (Hyperkaliämie)

Von einer Hyperkaliämie (Kaliumüberschuss; Synonyme: Hyperkaliämie-Syndrom; Hyperpotassämie; Kaliumintoxikationssyndrom; Kaliumvergiftungssyndrom; ICD-10-GM E87.5: Hyperkaliämie) spricht man, wenn bei einem Erwachsenen die Konzentration des Serum-Kaliums über einen Wert von 5-5,5 mmol/l steigt (bei Kindern ab 5,4 mmol/l).

Von einer schweren Hyperkaliämie spricht man ab einem Serum-Kalium > 6,5 mmol/l.

Eine Pseudohyperkaliämie, d. h. ein falsch hoher Kaliumwert im Serum, liegt vor, wenn entweder Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Leukozyten (weiße Blutkörperchen) oder Thrombozyten (Blutplättchen) in vitro lysieren (sich "im Reagenzglas" auflösen) und ihr Kalium in das Serum abgeben (Hämolyse/Auflösung von roten Blutkörperchen). Weitere Ursachen einer Pseudohyperkaliämie sind u. a. das Auftreten einer Leukozytose (> 50.000 Leukozyten/mm3), eine hereditäre Sphärozytose (Kugelzellenanämie), eine fehlerhafte Blutabnahme (zu lange Venenstauung → Hämolyse) oder nach der Blutentnahme eine zu lange Lagerung des Blutes (führt zu einer artifiziellen Erhöhung des Kaliumwertes).

Häufigkeitsgipfel: Das Maximum des Auftretens der Hyperkaliämie liegt im mittleren bis hohen Alter.

Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) bei Notfallpatienten beträgt zwischen 1,8-10,4 %.

Die Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) der Hyperkaliämie ist in der Allgemeinbevölkerung nicht bekannt.

Verlauf und Prognose: Eine leichte Hyperkaliämie ist in der Regel symptomlos.
Hohe Konzentrationen ab 6,5 mmol/L (= akute Hyperkaliämie) sind hingegen potentiell lebensgefährlich und damit ein Notfall. Sie äußern sich in Muskelschwäche, Lähmungen, Diarrhoe (Durchfall), metabolische Azidose (stoffwechselbedingte Übersäuerung), Herzrhythmusstörungen (siehe unter Medizingerätediagnostik/EKG: von der Abnahme der Vorhofaktivität, zu Kammerflimmern und zu einer Asystolie), Herzstillstand und im schlimmsten Fall ist ein fataler Ausgang (Tod) möglich.
Ab einem Kalium-Serumwert von 5,5 mmol/l ist mit einer erhöhten Mortalität (Sterberate) zu rechnen. Bei Hypertonikern ist dies bereits ab 5,0 mmol/l der Fall [1]. 
Die Mortalitätsrate unter hospitalisierten Patienten aufgrund einer Hyperkaliämie schwankt zwischen 1,7 % und 41 %.

Komorbiditäten (Begleiterkrankungen): Eine Hyperkaliämie tritt häufig bei älteren Patienten mit Nierenerkrankungen auf. In 33 % bis 83 % der Fälle liegt eine Niereninsuffizienz (Prozess, der zu einer langsam fortschreitenden Verringerung der Nierenfunktion führt) bzw. ein akutes Nierenversagen vor. Häufig spielen dabei auch Medikamente eine Rolle (s. u. "Ursachen").

Literatur

  1. Krogager ML et al.: Short-term mortality risk of serum potassium levels in hypertension: a retrospective analysis of nationwide registry data. European Heart Journal, Volume 38, Issue 2, 7 January 2017, Pages 104-112, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehw129

Leitlinien

  1. Kidney Disease Outcomes Quality Initiative (KDOQI). VA/DoD Clinical Practice Guideline
  2. ESH/ESC Task Force for the Management of Arterial Hypertension (2013) 2013 Practice guidelines for the management of arterial hypertension of the European Society of Hypertension (ESH) and the European Society of Cardiology (ESC): ESH/ESC Task Force for the Management of Arterial Hypertension. J Hypertens 31(10):1925-1938
  3. Yancy CW, Jessup M, Bozkurt B et al (2013) 2013 ACCF/AHA guideline for the management of heart failure: executive summary: a report of the American College of Cardiology

     
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