Kontaktlinsenanpassung

Die Kontaktlinsenanpassung ist ein notwendiges Verfahren, dass der Anwendung von Kontaktlinsen Sicherheit verleiht. Fehlerhafte Benutzung von Kontaktlinsen kann zu Infektionen und bleibender Beeinträchtigung der Sehfähigkeit führen. Zudem erreicht eine nicht-passende Linse nicht die gewünschte Sehschärfe, sodass die Fehlsichtigkeit des Trägers nicht ausreichend korrigiert werden kann.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Die Kontaktlinsenanpassung ist immer bei Erst- bzw. Neuanwendung von Kontaktlinsen indiziert, um einen optimalen Umgang mit diesen zu gewährleisten. Die Indikationen für eine Anwendung von Kontaktlinsen sind wie folgt:

  • Kosmetische Indikation – Ersatz der Brille durch Kontaktlinsen, Wunsch nach einer veränderten Irisfarbe
  • Medizinische/optische Indikationen – Hohe Anisometropien (einseitige Fehlsichtigkeiten); hohe Ametropien (Fehlsichtigkeiten: Myopie (Kurzsichtigkeit) und Hyperopie über 8 dpt (Dioptrien); irregulärer Astigmatismus, d. h. die beiden optischen Ebenen des Auges stehen auf Grund einer unregelmäßigen Krümmung der Hornhaut nicht senkrecht aufeinander)
  • Therapeutische Indikation – z. B. Einsatz als sog. Verbandlinsen: z. B. bei perforierenden Schnittverletzungen der Hornhaut
  • Medikamententräger – Weiche Kontaktlinsen können Augentropfen und die darin enthaltenen Wirkstoffe speichern und kontinuierlich auf das Auge abgeben.
  • Sonstige Indikationen – z. B. Sport; Berufe oder Tätigkeiten bei denen eine beschlagene Brille hinderlich ist.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Kontraindikationen für eine Anwendung von Kontaktlinsen sind:

Absolute Kontraindikationen

  • Entzündungen – z. B. Entzündung der Bindehaut oder Hornhaut durch Herpes simplex
  • Einäugigkeit – Mit Ausnahme der Situation einer signifikanten Visusverbesserung durch die Kontaktlinse.
  • Mangel an der Befähigung zur sicheren Nutzung von Kontaktlinsen – Zuverlässigkeit, Motivation, Hygiene, Intelligenz
  • Sicca-Syndrom (Sjögren-Syndrom; davon die schwere Form) – Autoimmunerkrankung mit möglicher Keratokonjunktivitis sicca (Erkrankung der Binde- und Hornhaut); versiegen der Tränenflüssigkeit mit dem Beschwerdebild des trockenen Auges
  • Verminderte Hornhautsensibilität

Relative Kontraindikationen

  • Allergien
  • Augenliderkrankungen
  • Augenlidstellungsprobleme
  • Keratitis sicca (trockenes Auge)
  • Medikamente, die Auswirkungen auf die Hornhaut haben (z. B. Antidepressiva oder Betablocker)
  • Umweltfaktoren, die Auswirkung auf die Hornhaut haben (z. B. Staub oder Dämpfe)

Das Verfahren

Zunächst sollte eine ausführliche Anamnese erfolgen. Diese beinhaltet in der Regel einen allgemeinen Teil, eine Umweltanamnese, eine Allergieanamnese sowie eine Medikamentenanamnese. Eine augenärztliche Anamnese ist ebenfalls Teil des einleitenden Gesprächs bei der Kontaktlinsenanpassung. Anschließend wird die Sehschärfe und die Refraktion der Augen des Patienten bestimmt. Der Visus kann z. B. mithilfe der sogenannten Landolt-Ringe (Normsehzeichen, dass aus einem schwarzen Ring, der an einer Stelle unterbrochen ist, besteht und dem Betrachter in verschiedenen Größen angeboten wird.) bestimmt werden. Die Stärke der Kontaktlinse wird in Dioptrien (dptr) angegeben. Bei isolierter Weit- oder Kurzsichtigkeit spricht man von einer sogenannten sphärischen Linse. Liegt zudem eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) vor, wird eine torische Linse verwendet.

Weiterhin wird mithilfe der Ophthalmometrie die Oberflächenkrümmung der Hornhaut bestimmt, um eine Hornhautastigmatismus zu erkennen und zu vermessen. Die Bestimmung des Pupillen- und Hornhautdurchmessers sowie der Hornhautsensibilität spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in der augenärztlichen Untersuchung im Rahmen der Kontaktlinsenanpassung. Die sogenannte Tränenfilmaufrisszeit (break-up time = BUT, Maß für den Schweregrad eines trockenen Auges) sollte ebenfalls ermittelt werden, eine verkürzte BUT beschränkt die Anwendung von Kontaktlinsen maßgeblich.

Ein weiteres technisches Verfahren zur Vermessung der Hornhautoberfläche ist die Videotopographie. Hierbei wird die Oberfläche der Patientenhornhaut optisch vermessen und anschließend in einer Farbcodierung dargestellt. Mit diesem System kann aus einem Datensatz eine optimale Kontaktlinsenrückfläche berechnet werden. Allerdings wird basierend auf diesem Verfahren keine individuelle Kontaktlinse hergestellt, sondern nur näherungsweise die optimale Linse für den Patienten ausgewählt.

Für die Bewertung der Passform einer Kontaktlinse sind schlussendlich die Sehschärfe und die Trageprobe sowie das genaue Betrachten der Beweglichkeit und des Sitzes entscheidend.

Harte Kontaktlinsen

Der korrekte Sitz einer harten Kontaktlinse wird mithilfe eines Flourescinbildes (fluoreszierender Farbstoff) bestimmt. Sitzt die Kontaktlinse richtig, so findet sich eine gleichmäßige Farbverteilung mit gleichmäßigen Übergängen von der Mitte nach außen. Außerdem wird die Tränenfilmzirkulation überprüft. Bei der sogenannten Steilanpassung sammelt sich der Farbstoff zentral unter der Kontaktlinse, während die Kontaktlinse nur mit dem äußeren Rand auf der Hornhaut aufliegt. Sitzt die Linse zu steil, kann die Tränenzirkulation gestört werden. Die Flachanpassung ist das Gegenstück: Hier findet sich ein kräftiger, peripherer Fluorescinring. In diesem Fall sitzt die Kontaktlinse zentral auf der Hornhaut auf, während sie sich peripher abhebt. Die Linse sollte die Pupille gut bedecken, nicht aber den Hornhautrand. Außerdem sollte sie nicht dauerhaft die Lidkante berühren, dies kann zu Irritationen führen. Sie sollte leicht beweglich (1-2 mm) während des Lidschlages sein und kein deutliches Fremdkörpergefühl beim Tragen bereiten.

Weiche Kontaktlinsen

Bei der Bewertung der Passform einer weichen Kontaktlinse wird keine Fluorescin verwendet, da die Linsen den Farbstoff eventuell einlagern. Wichtig sind die Beweglichkeit und das Zentrierverhalten der Kontaktlinse. Werden die Lider gespreizt, muss die Linse beweglich sein, sonst sitzt sie zu fest, ähnlich eines Saugnapfes auf der Hornhaut und kann diese durch Verminderung der Sauerstoffversorgung schädigen. Die Steilanpassung führt zu einer instabilen Sehschärfe, einem Fremdkörpergefühl sowie zu einer Dezentrierung der Kontaktlinse. Außerdem ist die Beweglichkeit vermindert und die Linse hinterlässt unter Umständen einen Abdruck auf der Hornhaut. Bei der Flachanpassung finden sich ebenfalls ein instabiler Visus, eine Dezentrierung und eine verminderte Beweglichkeit, zudem können Luftblasen unterhalb der Linse zu Störungen der Sehfähigkeit führen.

Mögliche Komplikationen

Komplikationen treten unter anderem bei nicht sachgemäßer Anwendung von Kontaktlinsen auf und können ein Zeichen für eine beschädigte oder verschmutzte Kontaktlinse sowie für eine Reizung der Hornhaut sein.

  • Allergien – Allergische Reaktionen auf das Kontaktlinsen-Material oder Pflegemittel.
  • Akanthamöbenkeratitis – Die Akanthamöben-Keratitis ist eine schwere Keratitisform (Hornhautentzündung) mit Abszedierung (Bildung eines Abszesses), die v. a. bei Kontaktlinsenträgern (insbesondere Dauerkontaktlinsenträgern) vorkommt und durch sogenannte Akanthamöben, eine Protozoen-Art, hervorgerufen wird.
  • Bindehaut- und/oder Hornhautverletzungen – z. B. Hornhautulkus (Hornhautgeschwür)
  • Brennen
  • Epiphora – Auslaufen von Tränenflüssigkeit über den Lidrand.
  • Endothelveränderungen
  • Empfindlichkeit gegenüber den Einlegelösungen
  • "Geisterbilder" – durch verschmutzte Linse
  • Juckreiz
  • Nach oben verlagerte Linse
  • Nebelsehen
  • Overwear-Syndrom – durch zu häufige Verwendung von Kontaktlinsen kann es zu einem zentralen Hornhautödem (Hornhautschwellung) und oberflächlichen Epitheldefekten kommen.
  • Pilzkeratitiden (Hornhautinfektionen durch Pilze); Verursacher der Infektionen sind verschiedene Schimmelpilze der Gattung Fusarium (sehr selten)
  • Photophobie – Blendempfindlichkeit
  • Reduzierte Sehschärfe, fluktuierende Sehschärfe
  • Riesenpapillen-Konjunktivitis (Synonym: gigantopapilläre Konjunktivitis) – entzündliche Erkrankung der Bindehaut des Auges (Konjunktivitis), die vor allem bei Trägern weicher Kontaktlinsen auftritt.
  • Rötung – sog. Injektion, d. h. Einsprossung von feinen Blutgefäßen.
  • Schmerzen, insb. nach Entfernung der Kontaktlinse.
  • Tight-Lens-Syndrom – Die Kontaktlinse sitzt zu fest und unbeweglich auf der Hornhaut, dies führt zu akuten Beschwerden wie einem schmerzhaft geröteten Auge, einem Hornhautödem und einer Bindehautreizung.
  • Toxische Keratopathie – Schädigung der Hornhaut durch toxisch-wirkende Substanzen, z. B. die Reinigungslösung der Kontaktlinsen.

Literatur

  1. Grehn F: Augenheilkunde. Springer Verlag 2011
  2. Burk A, Burk R: Checkliste Augenheilkunde. Georg Thieme Verlag 2010
  3. Kampik A: Augenärztliche Diagnostik. Georg Thieme Verlag 2003

Leitlinien

  1. Leitlinie der BVA und DGV: Kontaktlinsenanpassung und -kontrollen. Januar 2012. Leitlinie 6

     
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