Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Kontaktlinsen

Kontaktlinsen dienen als Brillenersatz und sind formal kleine Haftschalen, die in der Regel aus Kunststoff bestehen. Sie werden auf der Hornhautoberfläche getragen und schwimmen in der Tränenflüssigkeit. Kontaktlinsen dienen dem Refraktionsausgleich (Ausgleich der Brechkraft des Auges) bei Fehlsichtigkeit. Sie werden häufig als Brillenersatz eingesetzt und bieten neben einem verbesserten kosmetischen Ergebnis einige Vorteile:
Bei Hyperopie (Weitsichtigkeit) und Aphakie (Fehlen der Linse) können Kontaktlinsen eine Erweiterung des Gesichtsfeldes bewirken. Ein myoper (kurzsichtiger) Patient profitiert von einer Netzhautbildvergrößerung und somit von einer Verbesserung der Sehschärfe. Beim Blick zur Seite folgt die Linse der Richtung des Auges, sodass Sichtfehler, die durch eine Brille entstehen, vermieden werden. Das Gesichtsfeld wird nicht durch die Brillenfassung eingeengt. Weitere Vorteile von Kontaktlinsen sind, dass sie nicht beschlagen können, dass Druckstellen eines etwaigen Brillengestells vermieden werden und die natürliche Erscheinung des Menschen nicht verändert wird.

Eindeutige Nachteile von Kontaktlinsen im Vergleich zu Brillen sind eine erhöhte Infektionsgefahr oder Verletzungsgefahr, Allergien, größerer Hygieneaufwand und Kostenaufwand sowie schwankende Visuswerte (Sehschärfe) in Abhängigkeit vom Tränenfilm. Vor allem ältere Patienten mit zitterigen Händen können Probleme bei der Handhabung von Kontaktlinsen haben.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Die Indikationen für die Anwendung von Kontaktlinsen können in Untergebiete unterteilt werden.

Kosmetische Indikation

  • Aus kosmetischen Gründen möchte der Patient seine Brille durch Kontaktlinsen ersetzen.
  • Außerdem kann der Wunsch nach einer veränderten Irisfarbe bestehen.

Medizinische/ optische Indikationen

  • Hohe Anisometropien (einseitige Fehlsichtigkeiten), z. B. einseitige Aphakie, Fehlen der Linse) – Dies kann zum auszugleichenden Ausfall des binokularen Sehens (Sehen mit beiden Augen, das Voraussetzung für das dreidimensionale Sehen ist) führen.
  • Hohe Ametropien (Fehlsichtigkeiten) – (Myopie (Kurzsichtigkeit) und Hyperopie (Weitsichtigkeit) über 8 dpt (Dioptrien))
  • Irregulärer Astigmatismus – Die beiden optischen Ebenen des Auges stehen auf Grund einer unregelmäßigen Krümmung der Hornhaut nicht senkrecht aufeinander. Dies ist zum Beispiel der Fall beim sogenannten Keratokonus (fortschreitende, kegelförmige Verformung der Hornhaut des Auges), beim Narbenastigmatismus (narbige Veränderungen der Hornhaut nach Verletzungen), bei Zustand nach Keratoplastik (operativer Ersatz erkrankter Hornhaut durch geeignetes Spendermaterial) oder nach refraktiven hornhautchirurgischen Eingriffen (Augenlaser).

Therapeutische Indikation: z. B.  Einsatz als sogenannte Verbandlinsen

  • Perforierende Schnittverletzungen der Hornhaut – Bei kleinen Inkarzerationen (Einklemmung von Gewebe) oder Schnittverletzungen kann die Kontaktlinse eine Hornhautnaht eventuell ersetzen.
  • Keratitis filiformis (Fädchenkeratitis) – Als häufige Ursache für diese Hornhautentzündung ist die Keratokonjunktivitis sicca (Syndrom des trockenen Auges) zu nennen. Ihren Namen hat diese Erkrankung von den sichtbaren feinen charakteristischen Epithelfädchen.
  • Rezidivierende Hornhauterosionen – Wiederkehrende bzw. schlecht verheilende oberflächliche Hornhautverletzungen, die z. B. auf ein Trauma zurückzuführen sind.
  • Medikamententräger – Weiche Kontaktlinsen können Augentropfen und die darin enthaltenen Wirkstoffe speichern und kontinuierlich auf das Auge abgeben.

Sonstige Indikationen

  • Sport (Sportarten bei denen eine Verletzungsgefahr durch die Brillengläser besteht, z. B. Kampfsport)
  • Berufe oder Tätigkeiten, bei denen eine beschlagene Brille hinderlich ist (z. B. Polizei, Feuerwehr, Koch).

Kontraindikationen

Absolute Kontraindikationen

  • Entzündungen – z. B. Entzündung der Bindehaut oder Hornhaut durch Herpes simplex
  • Einäugigkeit – Mit Ausnahme der Situation einer signifikanten Visusverbesserung (Verbesserung der Sehschärfe) durch die Kontaktlinse.
  • Mangel an Befähigung zur sicheren Nutzung von Kontaktlinsen – Zuverlässigkeit, Motivation, Hygiene, Intelligenz
  • Sicca-Syndrom (Sjögren-Syndrom; davon die schwere Form) – Autoimmunerkrankung mit möglicher Keratokonjunktivitis sicca (Erkrankung der Binde- und Hornhaut); versiegen der Tränenflüssigkeit mit dem Beschwerdebild des trockenen Auges
  • Verminderte Hornhautsensibilität

Relative Kontraindikationen

  • Allergien
  • Augenliderkrankungen
  • Augenlidstellungsprobleme
  • Keratitis sicca (trockenes Auge)
  • Medikamente, die Auswirkungen auf die Hornhaut haben (z. B. Antidepressiva oder Betablocker)
  • Umweltfaktoren, die Auswirkung auf die Hornhaut haben (z. B. Staub oder Dämpfe)

Das Verfahren

Für die Erstverwendung ist es wichtig, die richtige Anwendung zu erlernen, um Verletzungen zu vermeiden. Das Einsetzen der Kontaktlinse erfolgt, nachdem diese mit möglichst steriler, gepufferter NaCl-Lösung (Kochsalzlösung) angefeuchtet wurde. Die Kontaktlinse wird auf die Fingerspitze genommen, das Augenlid wird gespreizt. Während des Heranführens wird die Linse fixiert und anschließend eingesetzt. Danach wird zunächst das Oberlid und dann das Unterlid losgelassen. Weiche Kontaktlinsen sollten vorsichtig zwischen Zeigefinger und Daumen aus dem Auge entfernt werden. Beim Herausnehmen von harten Kontaktlinsen wird das Auge weit geöffnet. Die Lidhaut wird fest am seitlichen Kanthus (Augenwinkel) nach lateral (seitlich) gezogen, sodass die Kontaktlinse heraus fällt.

Um die passende Kontaktlinse zu ermitteln bzw. die Eignung einer bereits gewählten Kontaktlinse festzustellen ist eine Kontaktlinsenanpassung notwendig. Das Führen von Kraftfahrzeugen ist erlaubt, allerdings muss eine Ersatzbrille mitgeführt werden. Es gibt folgende Kontaktlinsenarten:

  • Formstabile Kontaktlinsen – Hierzu zählen die harten und die gasdurchlässigen Kontaktlinsen.
  • Harte Kontaktlinsen – Diese bestehen aus PMMA (Polymethylmethakrylat, Plexiglas), sie sind bruchsicher, besitzen ein hohe Formstabilität und sind gut benetzbar. Die harten Kontaktlinsen sind undurchlässig für O2 und CO2. Sie werden vor allem bei Hornhautastigmatismus verwendet.
  • Gasdurchlässige Kontaktlinsen – Diese können aus CAB (Zelluloseazetobutyrat), Fluor-Silikonakrylaten, Fluorkarbonen oder Silikonakrylaten bestehen. Gasdurchlässige Kontaktlinsen sind im Gegensatz zu harten Kontaktlinsen sehr viel besser verträglich.
  • Weiche (flexible) Kontaktlinsen – Diese Kontaktlinsen bestehen aus sogenannten Hydrogelen bzw. Kopolymeren, die einen Wassergehalt von 30-80 % aufweisen. Weiche Kontaktlinsen sind besser als formstabile Kontaktlinsen anzupassen und besser verträglich. Jedoch weisen sie eine höhere Verschleißrate als diese auf und sind aufgrund einer hohen Ablagerungstendenz nicht gleichermaßen hygienisch.
  • Austausch- oder Einweg-Kontaktlinsen – Für den Wechsel nach 14 Tagen bis zu drei Monaten bzw. täglich bestimmt (Verbesserung der Hygiene).

Kontaktlinsenformen: Die Form einer Kontaktlinse (ähnlich dem Schliff von Brillengläsern) bestimmt ihre physikalischen  bzw. optischen Eigenschaften und somit ihr Einsatzgebiet.

  • bifokal – Diese Kontaktlinsen weisen einen Krümmungsbereich für die Nahkorrektur sowie für die Fernkorrektur auf.
  • multifokal – Diese Kontaktlinsen weisen eine Vielzahl von konzentrischen Ringzonen unterschiedlicher Krümmung auf.
  • sphärisch – Die Kontaktlinse weist eine identische Krümmung in allen Meridianen auf. Sie sind zur Behebung von Kurz- und Weitsichtigkeit geeignet.
  • torisch – Hier handelt es sich um Kontaktlinsen, die jeweils auf ihrer Vorder- und Rückseite unterschiedliche Krümmungen aufweisen. Sie korrigieren ein durch Hornhautverkrümmung bedingten Astigmatismus.

Mögliche Komplikationen

Komplikationen treten unter anderem bei nicht sachgemäßer Anwendung von Kontaktlinsen auf und können ein Zeichen für eine beschädigte oder verschmutzte Kontaktlinse sowie für eine Reizung der Hornhaut sein.

  • Allergien – allergische Reaktionen auf das Kontaktlinsen-Material oder Pflegemittel
  • Akanthamöbenkeratitis – Die Akanthamöben-Keratitis ist eine schwere Keratitisform (Hornhautentzündung) mit Abszedierung (Bildung eines Abszesses/Eiteransammlung in einer nicht präformierten Körperhöhle), die v. a. bei Kontaktlinsenträgern (insb. Dauerkontaktlinsenträgern) vorkommt und durch sogenannte Akanthamöben, eine Protozooen-Art, hervorgerufen wird.
  • Verletzung der Konjunktiva (Bindehaut) und/oder Cornea- (Hornhaut-)verletzungen – z. B. Ulcus corneae (Hornhautgeschwür)
  • Brennen
  • Epiphora – Auslaufen von Tränenflüssigkeit über den Lidrand
  • Endothelveränderungen
  • Empfindlichkeit gegenüber den Einlegelösungen
  • "Geisterbilder" – durch verschmutzte Linse
  • Keratitis (Hornhautentzündung) – insb. bei:
    • Verwendung alter Kontaktlinsen
    • Schlafen mit Kontaktlinsen (6-8-faches Risiko einer Augeninfektion) [4]
  • Nach oben verlagerte Linse
  • Nebelsehen
  • Overwear-Syndrom – durch zu häufige Verwendung von Kontaktlinsen kann es zu einem zentralen Hornhautödem (Hornhautschwellung) und oberflächlichen Epitheldefekten kommen.
  • Photophobie (Lichtempfindlichkeit)
  • Pilzkeratitiden (Hornhautinfektionen durch Pilze); Verursacher der Infektionen sind verschiedene Schimmelpilze der Gattung Fusarium (sehr selten)
  • Reduzierte Sehschärfe, fluktuierende Sehschärfe
  • Pruritus (Juckreiz)
  • Riesenpapillen-Konjunktivitis (Synonym: gigantopapilläre Konjunktivitis) – entzündliche Erkrankung der Bindehaut des Auges (Konjunktivitis), die vor allem bei Trägern weicher Kontaktlinsen auftritt.
  • Rötung – sogenannte Injektion, d. h. Einsprossung von feinen Blutgefäßen.
  • Schmerzen, insbesondere nach Entfernung der Kontaktlinse
  • Tight-Lens-Syndrom – Die Kontaktlinse sitzt zu fest und unbeweglich auf der Hornhaut, dies führt zu akuten Beschwerden wie einem schmerzhaft geröteten Auge, einem Hornhautödem (Wassereinlagerung in die Hornhaut) und einer Bindehautreizung.
  • Toxische Keratopathie – Schädigung der Hornhaut durch toxisch-wirkende Substanzen, z. B. die Reinigungslösung der Kontaktlinsen

Haltbarkeit von Kontaktlinsen [5]

  • Tageslinsen sollten nach einmaligem Tragen entsorgt werden
  • Monatslinsen sollten nach etwa vier Wochen entsorgt werden.
  • Harte Kontaktlinsen können bis zu zwei Jahre getragen werden.

Hygieneregeln für Kontaktlinsenträger [5]

Fünf Tipps, damit Linse und Auge sauber bleiben:

  • Hände waschen: Damit Schmutz und Keime nicht ins Auge gelangen.
  • Reinigen: Kontaktlinse auf die gereinigte Handinnenfläche legen und mit einigen Tropfen Reinigungsmittel sanft mit der Fingerspitze auf der Linse verrieben. Danach mit Kochsalzlösung abspülen. Niemals mit Leitungswasser reinigen oder aufbewahren, da sich sonst Keime an der Linse bilden können.
  • Desinfizieren: Kontaktlinsen über Nacht in geeignete Lösung lagern, um Bakterien, Pilze oder Viren abzutöten und Eiweißreste zu entfernen.
  • Aufbewahrungsbehälter reinigen: Desinfizieren und alle drei bis sechs Monate austauschen.
  • Pflegeanleitung des Herstellers beachten: Nur Aufbewahrungslösungen verwenden, die sich für den jeweiligen Linsentyp eignen.

Literatur

  1. Grehn F: Augenheilkunde. Springer Verlag 2011
  2. Burk A, Burk R: Checkliste Augenheilkunde. Georg Thieme Verlag 2010
  3. Augustin AJ, Krieglstein GK: Augenheilkunde. Springer Verlag 1996
  4. Femling, J et al.: Corneal Infections Associated With Sleeping in Contact Lenses – Six Cases, United States, Annals of Emergency Medicine 2016-2018 January 2019 Volume 73, Issue 1, Pages 25-27 doi: https://doi.org/10.1016/j.annemergmed.2018.11.025
  5. Kontaktlinsen, DOG Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft und Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA), 2017

     
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