Ursachen
Nebenschilddrüsenüberfunktion (Hyperparathyreoidismus)

Primärer Hyperparathyreoidismus

Pathogenese (Krankheitsentstehung)

Von einem primären Hyperparathyreoidismus spricht man, wenn eine primäre Erkrankung der Nebenschilddrüsen (lat.: Glandulae parathyroideae) mit vermehrter Bildung von Parathormon und daraus resultierender Hypercalcämie (Calciumüberschuss) vorliegt.

Bei einer Erhöhung des extrazellulären Calcium-Spiegels reagiert die Nebenschilddrüse mit einer Reduktion der Produktion und Sekretion (Ausschüttung) des Parathormons. Im Rahmen des primären Hyperparathyreoidismus ist dieser Regelkreis gestört. Die Nebenschilddrüsen produzieren über den Bedarf hinaus Parathormon, wodurch der Calcium-Spiegel im Serum pathologisch (krankhaft) ansteigt (Hypercalcämie (Calciumüberschuss)). Die Ursache liegt in den Nebenschilddrüsen selbst.

In der Literatur werden folgende pathogenetische Mechanismen beschrieben:

  • Der "Set-Point" ist verschoben: Die Reduktion der Produktion und Sekretion des Parathormons erfolgt erst bei einer höheren extrazellulären Calcium-Konzentration.
  • Die Nebenschilddrüse ist vergrößert und die Produktion und Sekretion des Parathormons vermehrt. Des Weiteren ist die physiologische Regulation beeinträchtigt.

Ätiologie (Ursachen)

Biographische Ursachen

  • Genetische Belastung – familiäre Häufungen sind bekannt (familiärer primärer Hyperparathyreoidismus).

Krankheitsbedingte Ursachen

  • Adenom (gutartige Geschwulst) der Nebenschilddrüse (solitäres Epithelkörperchenadenom/ einzelne vergrößerte Nebenschilddrüse); in 80-85 % der Fälle
  • Hyperplasie der Nebenschilddrüsen – alle vier Epithelkörperchen sind vergrößert; in 15-20 % der Fälle
  • Karzinom der Epithelkörperchen; sehr selten (< 1 % der Fälle)

Sekundärer Hyperparathyreoidismus

Pathogenese (Krankheitsentstehung) 

Von einem sekundären Hyperparathyreoidismus spricht man, wenn eine nicht parathyreogene Erkrankung zu einem Absinken des Serum-Calciums (Hypocalcämie (Calciummangel)) führt und die Nebenschilddrüsen daraufhin mehr Parathormon ausschütten.

Die zugrunde liegende, primäre Störung kann im Calcium-, Phosphat- oder Vitamin D-Stoffwechsel liegen. Es kann sich folglich um eine Hypocalcämie (Calciummangel), Hyperphosphatämie (Phosphatüberschuss) oder erniedrigte 1,25(OH)2-Vitamin D-Spiegel handeln.

Diese Störungen können durch unterschiedlichste Erkrankungen verursacht werden. Am häufigsten tritt ein sekundärer Hyperparathyreoidismus bei Vitamin D-Mangel oder bei einer terminalen Niereninsuffizienz („stark fortgeschrittene Nierenschwäche“) auf. Letzteres wird als "Renaler sekundärer Hyperparathyreoidismus" bezeichnet. Im Rahmen einer Niereninsuffizienz ist die Phosphatausscheidung vermindert (→ Hyperphosphatämie (Phosphatüberschuss)). Es kommt zu einer gesteigerten Komplexbildung von Phosphat und freiem Calcium. Die Folge ist eine Hypocalcämie (Calciummangel). Zudem ist durch die beeinträchtigte Nierenfunktion die Aktivität der 1α-Hydroxylase eingeschränkt, was dazu führt, dass zu wenig 1,25-Dihydroxycholecalciferol synthetisiert wird. Auch dieser Prozess begünstigt die Entwicklung einer Hypocalcämie (Calciummangel) und führt letztlich zu einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen.

Ätiologie (Ursachen)

Verhaltensbedingte Ursachen

  • Ernährung
    • Nicht ausreichende Aufnahme von Vitamin D und Calcium über die Nahrung (Malabsorption)

Krankheitsbedingte Ursachen

  • Anorexia nervosa (Magersucht)
  • Chronische Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) mit verminderter Vitamin D 3-Aktivierung und Phosphatretention
  • Hepatische Ursachen eines sekundären Hyperparathyreoidismus bei normaler Nierenfunktion:
    • alkoholische Leberzirrhose (Leberschrumpfung)
    • primär biliäre Leberzirrhose
    • Cholestase (Gallenstau) 
  • Maldigestion ("schlechte Verdauung")/Malabsorption (Störung in der Resorption von Nahrung im Darm) – durch Gastrektomie (Magenentfernung), Zöliakie, chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, Lactoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)
  • Renale Osteopathie (Knochenveränderungen (Osteomalazie/Knochenerweichung), die durch eine chronische Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) bedingt sind) → Renaler sekundärer Hyperparathyreoidismus
  • Totale parenterale Ernährung (künstliche Ernährung durch spezielle Infusionslösungen)
  • Vitamin D-abhängige Rachitis

Medikamente

  • Antiepileptika

Weitere Ursachen

  • Dialysebehandlung
  • Mangelnde Sonnenlichtexposition (UV-Mangel)

Tertiärer Hyperparathyreoidismus

Pathogenese (Krankheitsentstehung)  

Ein tertiärer Hyperparathyreoidismus beschreibt eine Hypercalcämie (Calciumüberschuss), die sich im Verlauf eines über lange Zeit (Jahre/Jahrzehnte) bestehenden sekundären Hyperparathyreoidismus entwickelt. Die Regulation der Sekretion (Ausschüttung) des Parathormons durch die Höhe des Serum-Calciums entfällt. Die Nebenschilddrüsen produzieren autonom (selbstständig) das Parathormon. 

Ätiologie (Ursachen)

Krankheitsbedingte Ursachen

  • langjährig bestehender sekundärer Hyperparathyreoidismus bei Niereninsuffizienz

Weitere Ursachen

  • Dialysebehandlung
     
Die auf unserer Homepage für Sie bereitgestellten Gesundheits- und Medizininformationen ersetzen nicht die professionelle Beratung oder Behandlung durch einen approbierten Arzt.
DocMedicus Suche

 
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
ArztOnline.jpg
 
DocMedicus                          
Gesundheitsportal

Unsere Partner DocMedicus Verlag