Weitere Therapie
Prostatakarzinom

Allgemeine Maßnahmen

  • Körperliche Aktivität (siehe unten bei Sportmedizin)
  • Normalgewicht anstreben bzw. erhalten!
    Bestimmung des BMI (Body Mass Index, Körpermassen-Index) bzw. der Körperzusammensetzung mittels der elektrischen Impedanzanalyse
    • BMI ≥ 25 → Teilnahme an einem ärztlich betreuten Abnehmprogramm
    • Unterschreitung der BMI-Untergrenze (ab dem 45. Lebensjahr: 22; ab dem 55. Lebensjahr: 23; ab dem 65. Lebensjahr: 24) → Teilnahme an einem ärztlich betreuten Programm für Untergewichtige
  • Nikotinrestriktion (Verzicht auf Tabakkonsum) – Rauchen erhöht nicht nur das Risiko für Tumorprogression (Fortschreiten der Tumorerkrankungen) und krebsbedingte Mortalität (Sterberate) sondern auch die Toxizität für eine externe Strahlentherapie (Radiatio) [1]
  • Alkoholrestriktion (Verzicht auf Alkohol)
  • Beachte unten die Hinweise zur Sportmedizin!
  • Überprüfung der Dauermedikation wg. möglicher Auswirkung auf die vorhandene Krankheit
  • Vermeidung von Umweltbelastungen:
    • Beruflicher Umgang mit Gummi, Schwermetallen (z. B. Cadmium)

Konventionelle nicht-operative Therapieverfahren

  • Hyperthermie (Überwärmungstherapie) – Die alleinige Hyperthermie soll in der Primärtherapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms nicht erfolgen [5].
  • HIFU-Therapie (hochintensiver fokussierter Ultraschall (High-Intensity-Focused-Ultrasound (HIFU)) – Die HIFU-Therapie ist beim lokal begrenzten Prostatakarzinom ein experimentelles Verfahren. Die HIFU-Therapie soll nur im Rahmen von prospektiven Studien angewendet werden [5]. Weiteres s. u. dem Artikel "Hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU) ".
  • Irreversible Elektroporation (IRE) – nonthermales Gewebeablationsverfahren: Dabei werden über in das Zielgewebe eingebrachte nadelförmige Elektroden repetitive Starkstromimpulse mit 2.000-3.000 V und 30-50 A im Mikrosekundenbereich ausgeführt. Das dadurch entstehende elektromagnetische Feld verursacht einen elektrischen Zusammenbruch der Zellmembran im Zielbereich, wobei Nanoporen in der Zellmembran entstehen. Diese wiederum führen zu einem unkontrollierten Ioneneinstrom sowie zum Verlust von Makromolekülen mit der Folge einer gestörten Zellhomöostase. Diese soll innerhalb von 1-7 Tagen zur Apoptose führen.
    Die Anwendung von IRE als Therapiealternative zur Behandlung des Prostatakarzinoms ist bislang nicht ausreichend mit Evidenz belegt. Experten sind sich allerdings einig, dass das Verfahren ein hohes Potenzial für die Therapie von Malignomen aufweist. 
  • Kryotherapie (Kältetherapie) – Die Kryotherapie ist keine adäquate Behandlungsalternative in der Primärtherapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms. Es liegen keine Studiendaten vor, die einen Einsatz dieses Verfahrens in der Primärtherapie des lokal begrenzten PCa rechtfertigen [5].

Impfungen

Die nachfolgenden Impfungen sind angeraten:

  • Pneumokokken-Impfung
  • Grippe-Impfung

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

  • Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen zur Früherkennung eines Rezidivs (Wiederauftreten der Erkrankung)

Ernährungsmedizin

  • Ernährungsberatung auf der Grundlage einer Ernährungsanalyse
  • Ernährungsempfehlungen gemäß einem Mischköstler unter Berücksichtigung der allgemeinen Erkenntnisse über die Ernährung bei einer Tumorerkrankung. Das bedeutet:
    • wenig rotes Fleisch, d. h. Muskelfleisch von Schwein, Rind, Lamm, Kalb, Hammel, Pferd, Schaf, Ziege – Dieses wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als "wahrscheinlich karzinogen für den Menschen", das heißt als krebserregend, eingestuft. Fleisch- und Wurstwaren werden als sogenanntes „definitives Gruppe 1-Karzinogen“ eingestuft und sind damit vergleichbar (qualitativ, aber nicht quantitativ) mit der kanzerogenen (krebserregenden) Wirkung des Tabakrauchens. Zu den Fleischwaren zählen Produkte, deren Fleischbestandteil durch Verarbeitungsverfahren wie Salzen, Pökeln, Räuchern oder Fermentieren haltbar gemacht bzw. im Geschmack verbessert wurde: Würstchen, Wurstwaren, Schinken, Corned beef, Dörrfleisch, luftgetrocknetes Rindfleisch, Fleischkonserven [3].
    • Verzehr von geräucherten und gepökelten Nahrungsmitteln reduzieren, denn diese enthalten Nitrat oder Nitrit als Bestandteil des Pökelsalzes. Bei deren Zubereitung entstehen Verbindungen (Nitrosamine), die Risikofaktor für verschiedene Tumorerkrankungen sind.
    • ein- bis zweimal pro Woche frischen Seefisch, d. h. fette Meeresfische (Omega-3-Fettsäuren) wie Lachs, Hering, Makrele
    • täglich insgesamt 5 Portionen frisches Gemüse und Obst (≥ 400 g; 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst)
    • auf schadstoffbelastete Lebensmittel wie Innereien und Wildpilze verzichten
    • keine angeschimmelten Lebensmittel essen
    • nur begrenzt energiereiche Lebensmittel verzehren
    • moderate Gesamtfettaufnahme
    • ballaststoffreiche Ernährung (Vollkornprodukte, Gemüse)
  • Beachtung folgender spezieller Ernährungsempfehlungen:
    • Ernährung reich an:
      • Vitaminen (A, C, D, E, Folsäure)
      • Mineralstoffen
      • Spurenelementen (Selen, Zink)
      • Omega-3-Fettsäuren (Alpha-Linolensäure, Eicosapentaensäure (EPA), Docosahexaensäure (DHA))
      • Sekundären Pflanzenstoffen (z. B. Carotinoide, Polyphenole)
      • Probiotischen Lebensmitteln (ggf. Nahrungsergänzungsmittel mit probiotischen Kulturen)
  • Auswahl geeigneter Lebensmittel auf Grundlage der Ernährungsanalyse
  • Siehe auch unter "Therapie mit Mikronährstoffen (Vitalstoffe)" – ggf. Einnahme eines geeigneten Nahrungsergänzungsmittels
  • Detaillierte Informationen zur Ernährungsmedizin erhalten Sie von uns. 

Sportmedizin

  • Ausdauertraining (Cardiotraining) und Krafttraining (Muskeltraining)
  • Bewegungstherapie lindert bei Patienten mit Prostatakarzinom, die eine Hormontherapie erhalten, hoch effektiv die krebsassoziierte Müdigkeit.
  • Laufen, Fahrradfahren (> 20 min/d) und Ausdauertraining (> 1 h/Woche) führen zu einer Reduktion der Gesamt-Mortalität (Sterberate)und der prostatakarzinomspezifischen Mortalität [2].
  • Regelmäßige sportliche Betätigung nach der Krebsdiagnose reduziert die Gesamtmortalität (Sterberate) beim Prostatakarzinom um relative 30 % (Tertiärprävention) [6]. 
  • Eine kanadische Langzeitstudie von 830 Männern mit Prostatakarzinom kam zu folgenden Ergebnissen: In der Gruppe mit der geringsten Bewegung verstarben mehr als doppelt so viele Patienten wie im Quartil mit der höchsten körperlichen Aktivität (158 versus 75). Bis zum Studienende waren rund ein Drittel der aktivsten Teilnehmer gestorben, von denen mit der geringsten Bewegung hingegen bereits drei Viertel. Die Nachbeobachtungsdauer der Überlebenden lag bei 15,5 Jahre und reichte bis zu 17 Jahren [4].
  • Erstellung eines Fitness- bzw. Trainingsplans mit geeigneten Sportdisziplinen auf der Grundlage eines medizinischen Checks (Gesundheitscheck bzw. Sportlercheck)
  • Detaillierte Informationen zur Sportmedizin erhalten Sie von uns.

Psychotherapie

  • Ggf. Stressmanagement
  • Detaillierte Informationen zur Psychosomatik (inkl. Stressmanagement) erhalten Sie von uns.

Organisationen und Selbsthilfegruppen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)
    Postfach 91 01 52, D-51071 Köln
    Telefon: 0221-89920, Fax: 0221-8992300 E-Mail: poststelle@bzga.de, Internet: www.bzga.de
  • Krebsinformationsdienst KID, telefonischer Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg
    Mo-Fr 8-20.00; in türkischer Sprache Di, Mi, Don 18-20.00. Telefon: 06221-410121
  • Deutsche Krebshilfe e.V.
    Thomas-Mann-Str.40, Postfach 1467, 53111 Bonn
    Telefon: 0228-72990-0, Fax: 0228-72990-11, E-Mail: deutsche@krebshilfe.de, Internet: www.krebshilfe.de
  • Deutsche Krebsgesellschaft und ihre Landesverbände, Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
    Paul-Ehrlich-Straße 41, 60596 Frankfurt/M.
    Telefon: 069-6300960
  • Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e. V.
    Alte Straße 4, 30989 Gehrden
    Telefon: 05108 926646, E-Mail: info@prostatakrebs.de, Internet: www.prostatakrebs-bps.de

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Literatur

  1. Steinberger E et al.: Cigarette smoking during external beam radiation therapy for prostate cancer is associated with an increased risk of prostate cancer-specific mortality and treatment-related toxicity. BJU Int 2014; online 23. Oktober; doi: 10.1111/bju.12969
  2. Bonn SE, Sjölander A, Lagerros YT, Wiklund F, Stattin P, Holmberg E, Grönberg H, Bälter K: Physical Activity and Survival among Men Diagnosed with Prostate Cancer. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev. 2014 Dec 19.
  3. Bouvard V, Loomis D, Guyton KZ, Grosse Y, El Ghissassi F, Benbrahim-Tallaa L, Guha N, Mattock H, Straif K on behalf of the International Agency for Research on Cancer Monograph Working Group: Carcinogenicity of consumption of red and processed meat. Lancet Oncology (2015; doi: 10.1016/S1470-2045(15)00444-1)
  4. Friedenreich CM et al.: Physical Activity and Survival After Prostate Cancer. DOI: 10.1016/j.eururo.2015.12.032
  5. S3-Leitlinie: Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. (AWMF-Registernummer: 043 - 022OL), Mai 2019 Kurzfassung Langfassung
  6. Friedenreich CM et al.: Physical activity and mortality in cancer survivors: a systematic review and meta-analysis. JNCI Cancer Spectrum 2019; https://doi.org/10.1093/jncics/pkz080

Leitlinien

  1. Rieger CT et al.: Anti-infective vaccination strategies in patients with hematologic malignancies or solid tumors—Guideline of the Infectious Diseases Working Party (AGIHO) of the German Society for Hematology and Medical Oncology (DGHO). Annals of Oncology, Volume 29, Issue 6, 1 June 2018, Pages 1354-365. doi.org/10.1093/annonc/mdy117
  2. S3-Leitlinie: Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. (AWMF-Registernummer: 043 - 022OL), Mai 2019 Kurzfassung Langfassung
     
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