Hepatitis B

Man unterscheidet die akute Hepatitis B – circa 90 %, Ausheilung innerhalb von 6 Monaten – von der chronischen Verlaufsform, die über mehr als sechs Monate hinweg besteht.

Die Inkubationszeit – Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung – liegt zwischen 40-160 Tagen. Meist verläuft die Infektion asymptomatisch – also ohne das Auftreten von Beschwerden.

Etwa sieben Prozent der deutschen Bevölkerung haben bereits einmal eine Infektion mit Hepatitis B durchgemacht. Weniger als ein Prozent der Deutschen leiden an chronischer Hepatitis B.

Die Erkrankung ist meldepflichtig.

Wer mit Hepatitis B infiziert ist, kann sich auch mit dem unvollständigen Hepatitis D-Virus infizieren. Dieses Virus kann nur in Kombination mit Hepatitis B existieren. Etwa fünf Prozent der mit Hepatitis B infizierten Patienten erleiden zusätzlich eine Hepatitis D-Infektion. Dies kann zu schweren Verlaufsformen der Erkrankung mit chronischem Leberversagen führen, was in etwa 20 % der Fälle vorkommt.

Übertragung

Das Hepatitis B-Virus wird zunehmend häufiger sexuell übertragen. Weitere Infektionsmöglichkeiten sind die parenterale Übertragung – über Blut – sowie perinatale Infektionen – während der Geburt von der Mutter auf das Kind.

Die Infektionen über den Geschlechtsverkehr sind mit 50-70 % die häufigste Ursache für eine Hepatitis B-Erkrankung.

Die Hepatitis B ist sehr ansteckend.
Da das Virus praktisch in allen Körperflüssigkeiten nachgewiesen werden kann, sind auch Übertragungen des Krankheitserregers ohne Sexual- und Blutkontakte möglich, z. B. durch gemeinsames Benutzen von Geschirr oder durch Küssen.

Zusammenfassung der Übertragungswege

  • Blut, aber auch andere Körperflüssigkeiten (z. B. Speichel)
  • Intravenöser Drogenkonsum – durch das gemeinsame Benutzen von Injektionsnadeln oder durch gemeinsames Verwenden anderer Utensilien (z. B. Löffel), auch wenn kein Blut sichtbar ist!
  • Ungeschützter Sexualkontakt oder enger körperlicher Kontakt (z. B. Küssen)
  • Tätowierungen und Piercen bei mangelnder Hygiene
  • Gemeinsames Verwenden von Rasierern, Zahnbürsten, Nagelscheren usw.
  • Von der Mutter auf das Kind bei der Geburt

Symptome – Beschwerden

In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung ohne Symptome. Treten Beschwerden auf, so handelt es sich in erster Linie um:

  • Appetitlosigkeit
  • Nausea (Übelkeit)
  • Diarrhoe (Durchfall)
  • Cephalgie (Kopfschmerzen)
  • Gliederschmerzen
  • Myalgie (Muskelschmerzen)
  • Arthralgie (Gelenkschmerzen)
  • Leichtes Fieber
  • Ikterus (Gelbsucht) – in etwa einem Drittel der Fälle

In der Regel klingen die Beschwerden nach vier bis sechs Wochen wieder ab.

Etwa 5 % der Erwachsenen entwickeln eine chronische – dauerhafte – Hepatitis B, wobei Kinder, die vor oder während der Geburt infiziert wurden, eine sehr hohe Chronifizierungsrate aufweisen (bis zu 90 % der Fälle).

Diese kann beschwerdefrei verlaufen oder mit einem oder mehreren der folgenden Symptome einhergehen aktive chronische Hepatitis B:

  • Abgeschlagenheit
  • Myalgie (Muskelschmerzen)
  • Arthralgie (Gelenkschmerzen)
  • Leberzirrhose (Schrumpfleber)
  • Leberhautzeichen – Gefäßspinnen, Pruritus (Juckreiz), gerötete Handflächen etc.
  • Erhöhung der Transaminasen (Leberparameter)

Bei Patienten, die eine durch Hepatitis B verursachte Leberzirrhose aufweisen, steigt das Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom (Leberkrebs) deutlich an.

Diagnostik

Eine Infektion mit Hepatitis B-Viren kann mit Hilfe verschiedener Marker im Blut nachgewiesen werden.

Laborparameter 1. Ordnung – obligate Laboruntersuchungen

  • Serologie – Nachweis von Hepatitis B-spezifischen Antigenen
    • Hepatitis-B-Surface-Antigen (HBsAG)
    • Hepatitis-B-Core-Antigen (HBcAG)
    • Hepatitis-B-e-Antigen (HBeAG)
    • IgM- und IgG-Antikörper (Anti-HBs, Anti-HBc, Anti-HBe)
  • Alanin-Aminotransferase (ALT, GPT), Aspartat-Aminotransferase (AST, GOT), Glutamat-Dehydrogenase (GLDH) und Gamma-Glutamyl-Transferase (γ-GT, Gamma-GT; GGT) – wegen der Leberfunktion

Des Weiteren kann die Virus-DNA nachgewiesen werden.

Therapie

Im Falle einer akuten, nicht chronischen Hepatitis B werden lediglich die Symptome behandelt. Auf Alkohol, welcher die Leber zusätzlich belastet, sollte in dieser Zeit verzichtet werden.

Im Falle einer chronischen Hepatitis B sollte je nach Aktivität der Erkrankung eine entsprechende Therapie durchgeführt werden, um das Auftreten einer Leberzirrhose und die Umwandlung zu einem hepatozellulären Karzinom zu verhindern.

Die Behandlung erfolgt medikamentös mittels sogenannter “Nukleosid- und Nukleotidanaloga” wie Lamivudin oder Adefovir, die in Tablettenform eingenommen werden können.
Zurzeit werden Lamivudin oder Adefovir insbesondere bei Patienten mit niedriger Krankheitsaktivität (mäßig erhöhte Transaminasen – Leberparameter) sowie bei Patienten mit Gegenanzeigen für eine Interferon-alfa-Therapie angewendet. Patienten mit sehr hohen Leberwerten scheinen vor allem durch
eine Therapie mit Interferon-alfa zu profitieren.
Die Interferontherapie zeigt jedoch neben der Chance eines Therapieerfolgs der chronischen Hepatitis B und C leider auch erhebliche Nebenwirkungen, die aber nach Absetzen des Medikamentes in den allermeisten Fällen wieder abklingen.

Impfschutz

Eine Schutzimpfung gegen Hepatitis B existiert sowohl in Form einer aktiven als auch in Form einer passiven Immunisierung.

Im Falle eines Kontaktes mit Hepatitis B-Viren ist eine postexpositionelle Impfung mit einer Kombination aus aktivem und passivem Impfstoff möglich.

Wichtig!
Personen, die mit einem Hepatitis-B-Infizierten in einem Haushalt leben, sollten sich unbedingt impfen lassen, um eine Ansteckung zu verhindern
.

Die Hepatitis-B-Impfung wird für Jugendliche bis 18 Jahre und für Patienten mit chronischen Lebererkrankungen von den Krankenkassen übernommen.

Entgegen einigen Veröffentlichungen in der Regenbogenpresse gilt die Hepatitis-B-Impfung als eine der sichersten Vorsorgeimpfungen überhaupt.

Eine Impfung gegen Hepatitis B wird für folgende Personengruppen empfohlen: 

  • Angestellten im Gesundheitswesen
  • Dialysepatienten – Patienten, die eine Blutwäsche bekommen
  • Bewohnern und Angestellten von Betreuungseinrichtungen für behinderte Menschen
  • Personen mit intravenösem Drogenmissbrauch
  • Insassen von Haftanstalten
  • Homosexuelle und Heterosexuelle mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern
  • Personen mit regelmäßiger Gabe von Bluttransfusionen
  • Personen mit häuslichem Kontakt zu Infizierten (HbsAg-positiven)
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Bei der aktiven Impfung wird eine dreimalige intramuskuläre Gabe des Impfstoffs zu den Zeitpunkten 0, 1 Monat und 6 Monaten durchgeführt, wobei als Injektionsstelle der Musculus deltoideus – Muskel, der kappenartig die Schulter bedeckt – herangezogen wird.


     
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