Einleitung
Thrombose

Die Thrombose (Synonyme: Beckenbeinvenenthrombose; Beinbeckenthrombose; Phlebothrombose; TBVT; TVT; Thrombosis; tiefe Beinvenenthrombose (TBVT); tiefe Venenthrombose (TVT); venöse Thrombose; ICD-10 I80.-: Thrombose, Phlebitis und Thrombophlebitis) bezeichnet den vollständigen oder teilweisen Verschluss eines Gefäßes oder einer Herzhöhle. Dieser Verschluss erfolgt durch einen Thrombus (Blutgerinnsel).

Normalerweise gerinnt unser Blut, wenn wir uns verletzen und bildet einen Blutpfropfen, der die Wunde verschließt. Dadurch wird ein weiterer Blutverlust verhindert und die Wunde wird gegen das Eindringen von Keimen oder Bakterien von außen abgesichert.
Entsteht so ein Thrombus bereits im Gefäß ohne Einwirkung von Außen, spricht man von einer Thrombose. Ein solcher Thrombus verstopft dann das Gefäß und verursacht mitunter starke Schmerzen.

Thrombosen lassen sich unterscheiden in:

  • venöse Thrombosen
  • arterielle Thrombosen (selten)

Je nach Lokalisation können Thrombosen unterschieden werden in:

  • oberflächliche Thrombose (Thrombophlebitis) bzw. oberflächliche Venenthrombose (OVT) – Verlegung des oberflächlichen Venensystems (Hauptstammvenen und/oder deren Seitenäste) durch ein Thrombus (Blutgerinnsel)
    • Thrombophlebitis (= OVT einer nichtvarikösen Vene)
    • Varikophlebitis (= OVT einer Varize)
  • tiefe Venenthrombose (TVT) – partielle oder vollständige Verlegung im tiefen Venensystem (Leitvenen und/oder Muskelvenen) durch ein Thrombos (Blutgerinnsel)
    • tiefe Venenthrombose der oberen Extremitäten (TVT-OE): Schulter- und  Armvenenthrombose (1-4 %) 
    • tiefe Beinvenenthrombose (TBVT; Phlebothrombose)

Verlaufsformen der tiefen Venenthrombose (TVT):

  • Deszendierende Beckenvenenthrombose ("aufsteigend"): Ursprung ist die V. iliaca (anatomisch bedingt meist linke V. iliaca communis). Hiervon ausgehend, kommt es zum appositionellen Wachstum des Thrombus (Blutgerinnsel) nach distal ("von der Körpermitte entfernt"), gelegentlich auch nach proximal ("näher zur Körpermitte hin") in die V. cava (Hohlvene).
  • Aszendierende TVT ("absteigende"): Ursprung sind zumeist die Unterschenkelvenen, hiervon ausgehend, kommt es zum appositionellen Fortschreiten des Thrombus nach proximal. (häufigste Verlaufsform)
  • Transfasziale Venenthrombose: Ausgehend von einer oberflächliche Venenthrombose (OVT) kommt es zum Einwachsen des Thrombus in das tiefe Venensystem.
  • Phlegmasia coerulea dolens: Sonderform, bei der es zum akuten Verschluss aller Venen der betroffenen Extremität kommt.

Die tiefen Venenthrombosen der Extremitäten werden unterteilt in:

  • distale Thrombosen (Typ 1) – wachsen nach proximal ("näher zur Körpermitte hin"); am häufigsten; geringes Embolierisiko 
  • proximale Thrombosen (Typ 2) – wachsen nach distal ("weiter von der Körpermitte"); hohes Embolierisiko
  • Thrombosen, die in die Tiefe wachsen (von der Oberfläche über die Venae perforantes) (Typ 3); geringes Embolierisiko

Geschlechterverhältnis: Armvenenthrombosen treten bei Männern häufiger auf als bei Frauen. Unabhängig von der Art der Thrombose haben gesunde junge Frauen ein dreifach erhöhtes Risiko als junge Männer; im höheren Alter liegt ein ausgeglichenes Geschlechtsverhältnis vor

Häufigkeitsgipfel: Je höher das Alter, desto höher das Risiko: 70 % aller Thrombosen treten nach dem 60. Lebensjahr auf!

Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) liegt bei 0,1 % (in Deutschland).

Die Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) beträgt ca. 90-130 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr (in Deutschland).

Verlauf und Prognose: Thrombosen können in allen Gefäßen des menschlichen Körpers auftreten. Besonders häufig ist die Phlebothrombose (Thrombose der tiefen Venen) und hier speziell die tiefe Beinvenenthrombose (TBVT). Die gefährlichste Komplikation einer Thrombose ist die Embolie (teilweiser oder vollständiger Verschluss eines Gefäßes).

Eine TVT kann erhebliche Folgen haben: ca. 2,6-9,4 % führen zu einer Lungenembolie mit letalen (tödlichen) Ausgang. Bei ausgedehnten TVT tritt bei ca. 20 % der Patienten ein chronisches postthrombotisches Syndrom (PTS) auf.

Patienten mit tiefen Venenthrombosen (TVT) oder mit pulmonalen Embolien
(Lungenembolie) haben ein erhöhtes Risiko für einen Myokardinfarkt (Herzinfarkt). Im ersten Jahr nach tiefer Beinvenenthrombose ist die Myokardinfarktrate 1,6-fach erhöht, im ersten Jahr nach pulmonaler Embolie sogar 2,6-fach.

Eine arterielle Thrombose führt durch die Verlegung der versorgenden Arterien zu Organinfarkten wie Myokardinfarkt oder Apoplex (Hirninfarkt).

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Venenthrombose und Lungenembolie: Diagnostik und Therapie. (AWMF-Registernummer: 065-002), Oktober 2015 Langfassung

     
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