Einleitung
Herzbeutelentzündung (Perikarditis)

Bei der Perikarditis (Synonyme: Akute bakterielle Perikarditis mit seropurulentem Erguss; Akute bakterielle Perikarditis mit serösem Erguss; Akute benigne Perikarditis; Akute Myoperikarditis; Akute nichtrheumatische Perikarditis; Akute Perikarditis; Akuter Perikarderguss; Akute unspezifische idiopathische Perikarditis; Eitrige fibrinöse Perikarditis; Eitrige Perikarditis; Fibrinöse Perikarditis; Idiopathische Perikarditis; Infektiöse Perikarditis; Pericarditis purulenta; Perikardialer Abszess; Perikarditis durch Pneumokokken; Perikarditis durch Staphylokokken; Perikarditis durch Streptokokken; Pneumopyoperikard; Pyoperikard; Pyoperikarditis; Pyopneumoperikard; Septische Perikarditis; Serofibrinöse Perikarditis; Suppurative Perikarditis; Virale Perikarditis; ICD-10 I30.-: Akute Perikarditis) handelt es sich um die Entzündung des bindegewebigen Herzbeutels (Perikard; lat. Pericardium, latinisierte Form des altgr. περί „herum“ und καρδιά „Herz“).

Eine Abgrenzung zur Myokarditis (Herzmuskelentzündung) ist nicht immer möglich. Fast immer ist auch dieses von der Entzündung mit betroffen (Perimyokarditis).

Die akute Perikarditis stellt die häufigste Erkrankung des Perikards dar.

Von einer anhaltenden Perikarditis spricht man, wenn die Beschwerden länger als 4 bis 6 Wochen, aber nicht länger als 3 Monate persistieren
Von einer chronischen Perikarditis spricht man wenn diese > 3 Monate anhält.
Von einer rekurrenten Perikarditis spricht man, wenn nach 4-6 Wochen symptomfreien Intervalls erneut eine Perikarditis auftritt.

Von einem Rezidiv einer Perikarditis spricht man, wenn nach einer dokumentierten ersten Periode einer akuten Perikarditis ein symptomfreies Intervall von 4-6 Wochen oder länger (gewöhnlich innerhalb 18-24 Monate) auftritt.

Man kann die akute von der chronischen Form unterscheiden:

  • Akute Form
    • akute fibrinöse Perikarditis ‒ mit Bildung von Fibrin einhergehend
    • akute exsudative Perikarditis ‒ mit Ausschwitzung von Blutbestandteilen einhergehend
  • Subakute Form:
    • subakute exsudativ-konstriktive Perikarditis ‒ mit Ausschwitzung von Blutbestandteilen und Verschwartung einhergehend
    • subakute konstriktive Perikarditis – subakut, mit Belastungsdyspnoe (Atemnot unter Belastung), Zeichen der Rechtsherzinsuffizienz (Rechtsherzschwäche) und einer typischen Hämodynamik einhergehend
  • Chroische Form:
    • chronische konstriktive Perikarditis  – chronisch, mit Belastungsdyspnoe, Zeichen der Rechtsherzinsuffizienz und einer typischen Hämodynamik einhergehend
    • chronische exsudative Perikarditis ‒ mit Ausschwitzung von Blutbestandteilen einhergehend
    • chronische adhäsive Perikarditis ‒ mit Verwachsungen einhergehend

Nach der Ursache kann die Perikarditis unterschieden werden in:

  • infektiöse Perikarditis – in etwa 80 % der Fälle sind Viren die Auslöser; selten sind Bakterien, Mykosen oder Parasiten verantwortlich
  • nicht-infektiöse Perikarditis

Eine idiopathische Perikarditis (ohne erkennbare Ursache) liegt in 5-50 % der Fälle vor.

Häufigkeitsgipfel: Männer im Alter von 16-65 Jahre haben ein höheres Risiko an einer Perikarditis zu erkranken (relatives Risiko 2.02) als Frauen

Die klinisch erfasste Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) für die akute Perikarditis beträgt ca. 1 Erkrankung pro 1.000 Einwohner pro Jahr (in Deutschland). Wahrscheinlich liegt die Zahl höher, da viele Perikarditiden unentdeckt bleiben.

Verlauf und Prognose: Nicht selten findet man begleitende Erkrankungen wie einen Perikarderguss (Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel) oder auch Fibrosierungen (pathologische (krankhafte) Vermehrung des Bindegewebes) sowie Verkalkungen. Die Herzfunktion wird dadurch erheblich beeinträchtigt.
Der Verlauf der Erkrankung ist abhängig von der Ursache. Die Perikarditis zeigt in den meisten Fällen einen benignen (guten) Verlauf. Die häufige virale Perikarditis heilt nach etwa 1-3- Wochen aus.
Treten Komplikationen auf, nimmt dies einen ungünstigen Verlauf auf die Erkrankung. Folglich müssen die Betroffenen gut überwacht werden. Die Perikarditis kann chronisch werden. In solchen Fällen sind die Betroffenen nicht mehr ausreichend körperlich belastbar.
Die Langzeitprognose der meisten Patienten mit akuter Perikarditis (insbesondere derer mit viraler oder idiopathischer Perikarditis) ist gut.

Der Perikarditis tritt rezidivierend (wiederkehrend) auf. Die Rezidivrate liegt bei 15-30 %. Schwerwiegende Komplikationen einer idiopathischen rezidivierenden Perikarditis sind eher ungewöhnlich.

Die Letalität (Sterblichkeit bezogen auf die Gesamtzahl der an der Krankheit Erkrankten) im Rahmen einer bakteriellen Perikarditis beträgt bis zu 50 %.

Leitlinien

  1. Adler Y et al.: 2015 ESC Guidelines for the diagnosis and management of pericardial diseases: The Task Force for the Diagnosis and Management of Pericardial Diseases of the European Society of Cardiology (ESC) Endorsed by: The European Association for Cardio-Thoracic Surgery (EACTS). Eur Heart J. 2015 Aug 29. doi: 10.1093/eurheartj/ehv318

     
Die auf unserer Homepage für Sie bereitgestellten Gesundheits- und Medizininformationen ersetzen nicht die professionelle Beratung oder Behandlung durch einen approbierten Arzt.
DocMedicus Suche

 
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
ArztOnline.jpg
 
DocMedicus                          
Gesundheitsportal

Unsere Partner DocMedicus Verlag