Radikuläre Zyste – Differentialdiagnosen

Atmungssystem (J00-J99)

  • Retentionszyste (Schleimansammlungszyste)/Pseudozyste (scheinbare Zyste) der Kieferhöhle – kuppelförmige, weichteildichte Verschattung im Sinus maxillaris (Oberkieferhöhle); DD: keine odontogene (von den Zähnen ausgehende) Beziehung zur Wurzelspitze, keine Compactalamelle (dünne Knochenschicht) als zystische Begrenzung, typischerweise intakte Sinusbodenbegrenzung

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Störungen der Zahnentwicklung und des Zahndurchbruchs (K00)
    • Follikuläre Zyste (Zahnsäckchenzyste) – entwicklungsbedingte odontogene Zyste um die Krone eines retinierten (zurückgehaltenen) beziehungsweise nicht durchgebrochenen Zahnes; DD: Beziehung zur Zahnkrone statt zur Wurzelspitze, meist vitaler (lebender) Nachbarzahn; Abgrenzung zur radikulären Milchzahnzyste (Zyste an der Milchzahnwurzel) bei engem Bezug zum bleibenden Zahnkeim radiologisch (bildgebend) schwierig
    • Radikuläre Milchzahnzyste – entzündliche odontogene Zyste im Milchgebiss mit Beziehung zu einem avitalen (abgestorbenen) Milchzahn; DD: Abgrenzung zur follikulären Zyste des bleibenden Zahnes bei enger Beziehung zum Zahnkeim des bleibenden Zahnes radiologisch eingeschränkt möglich
  • Sonstige Krankheiten der Zahnhartsubstanzen (K03)
    • Periapikale Zementdysplasie (Gewebeumbau an der Zahnwurzelspitze), frühes osteolytisches (knochenauflösendes) Stadium – meist im Frontzahnbereich des Unterkiefers, häufig bei vitalen Zähnen; DD: Zähne vital, keine entzündliche Pulpanekrose (Absterben des Zahnmarks), häufig multiple (mehrfache) Läsionen (Gewebeveränderungen), initial (anfänglich) fehlende scharf kortikalisierte (mit Knochenrinde begrenzte) Zystenbegrenzung
  • Krankheiten der Pulpa und des periapikalen Gewebes (K04)
    • Chronische apikale Parodontitis (dauerhafte Entzündung an der Zahnwurzelspitze)/Peri-/apikales Granulom (entzündliches Knötchen an der Zahnwurzelspitze)/Wurzelgranulom – entzündliche periapikale (um die Wurzelspitze gelegene) Osteolyse (Knochenauflösung) bei devitalem (nicht mehr lebendem) Zahn; DD: kleinere, häufig weniger scharf begrenzte periapikale Aufhellung; sichere Unterscheidung von radikulärer Zyste nur histologisch (feingeweblich) möglich; größere Läsionen sprechen eher für eine Zyste, sind aber nicht beweisend
    • Laterale radikuläre Zyste (seitliche Zyste an der Zahnwurzel) – entzündliche odontogene Zyste lateral (seitlich) an der Wurzel eines devitalen Zahnes; DD: Zahn devital, entzündliche Pulpaursache (Ursache im Zahnmark), laterale Beziehung zur Wurzel statt apikaler (an der Wurzelspitze gelegener) Lokalisation (Lage)
    • Periapikaler Abszess (Eiteransammlung an der Zahnwurzelspitze) – akute oder chronisch-exazerbierte (dauerhaft bestehende und plötzlich verschlimmerte) eitrige periapikale Infektion (Entzündung); DD: Schmerz, Perkussionsempfindlichkeit (Klopfschmerz), Schwellung, Fistelung (Gangbildung), unscharf begrenzte Osteolyse, gegebenenfalls systemische Entzündungszeichen
    • Residualzyste (Restzyste) – persistierende (fortbestehende) radikuläre Zyste nach Entfernung des verursachenden Zahnes; DD: zystische Osteolyse in einer zahnlosen Region mit entsprechender Extraktionsanamnese (Vorgeschichte einer Zahnentfernung)
  • Zysten der Mundregion, andernorts nicht klassifiziert (K09)
    • Laterale parodontale Zyste (seitliche Zahnhalteapparat-Zyste) – entwicklungsbedingte odontogene Zyste lateral an der Zahnwurzel; DD: erhaltener vitaler Zahn, seitliche Lokalisation, keine apikale Pulpanekrose
    • Nasopalatinale Zyste (Zyste im Schneidezahnkanal) – nichtodontogene (nicht von den Zähnen ausgehende) Zyste des Canalis incisivus (Schneidezahnkanals) im anterioren (vorderen) Oberkiefer; DD: mediane (mittige) beziehungsweise paramediane (neben der Mitte gelegene) Lokalisation zwischen den oberen Schneidezähnen, Zähne vital, Beziehung zum Canalis incisivus
    • Odontogene Keratozyste (verhornende Zahnzyste) – lokal aggressiv wachsende odontogene Zyste mit Rezidivneigung (Neigung zum Wiederauftreten); DD: häufig posteriorer (hinterer) Unterkiefer/Ramus mandibulae (Unterkieferast), Wachstum entlang des Markraums, relativ geringe Expansion (Ausdehnung) trotz großer Ausdehnung, histologische Sicherung erforderlich
    • Solitäre Knochenzyste (einzelne Knochenzyste)/einfache Knochenzyste – pseudzystische (scheinbar zystische) intraossäre (im Knochen gelegene) Läsion ohne epithelialen (aus Deckgewebe bestehenden) Zystenbalg; DD: vitaler Zahn, häufig scalloping (bogenförmige Ausziehung) zwischen Zahnwurzeln, Parodontalspalt (Zahnhalteapparat-Spalt) zum Zystenlumen (Zystenhohlraum) abgrenzbar

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Fokaler osteoporotischer Knochenmarksdefekt (umschriebener knochenarmer Knochenmarksbezirk) – radioluzenter (röntgendurchlässiger) Knochenmarksbezirk, häufig im posterioren Unterkiefer; DD: fehlende kortikalisierte Zystenwand, fehlende Beziehung zu einem devitalen Zahn, erhaltene Trabekelarmut (verminderte Knochenbälkchen) statt zystischer Hohlraum
  • Stafne-Knochenhöhle (linguale Unterkieferknochenhöhle) – linguale (zungenseitige) mandibuläre (den Unterkiefer betreffende) Knochendepression (Knocheneinziehung), meist unterhalb des Canalis mandibulae (Unterkieferkanals); DD: typische Lokalisation im posterioren Unterkiefer kaudal (unterhalb) des Mandibularkanals, keine odontogene Ursache, Zähne vital

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Ameloblastom (Zahnschmelzbildner-Tumor), unikystisch (einkammerig-zystisch)/zystisch – zystisch imponierender odontogener Tumor (von Zahngewebe ausgehende Geschwulst), häufig im posterioren Unterkiefer; DD: expansives Wachstum, mögliche Beziehung zu retiniertem Zahn, Zahnverschiebung/Wurzelresorption (Wurzelabbau), definitive Abgrenzung nur histopathologisch (feingeweblich krankheitsbezogen)
  • Karzinommetastase (Absiedlung eines bösartigen Tumors) des Kiefers – osteolytische Kieferläsion, insbesondere bei bekannter Tumoranamnese (Tumorvorgeschichte); DD: unscharfe Osteolyse, Schmerzen, Parästhesien (Missempfindungen), rasche Progredienz (Fortschreiten), keine typische odontogene Ursache
  • Langerhans-Zell-Histiozytose (Erkrankung bestimmter Abwehrzellen)/eosinophiles Granulom (entzündliche Knochenläsion) – osteolytische Kieferläsion; DD: scheinbar „schwebende Zähne“, fehlende typische zystische Kortikalis (Knochenrinde), Parodontaldestruktion (Zerstörung des Zahnhalteapparats), histologische Sicherung erforderlich
  • Plasmozytom (Plasmazelltumor)/multiples Myelom (Knochenmarkkrebs) – osteolytische Kieferläsionen; DD: multiple Osteolysen, hämatologische (das Blut betreffende) beziehungsweise systemische (den ganzen Körper betreffende) Begleitkonstellation, fehlende odontogene Genese (Entstehung)
  • Riesenzellgranulom, zentral (zentrale Riesenzellveränderung) – osteolytische Läsion, bevorzugt anteriorer Unterkiefer; DD: multilokuläre (mehrkammerige) oder expansiv wirkende Osteolyse, Zahnverschiebungen/Wurzelresorptionen möglich, histologische Sicherung erforderlich

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Postoperative Knochendefekte (Knochendefekte nach Operation) – radioluzente Defekte nach Wurzelspitzenresektion (operative Entfernung der Zahnwurzelspitze), Zystektomie (operative Zystenentfernung), Osteosynthesematerial-Entfernung (Entfernung von Knochenverbindungsmaterial) oder Extraktion (Zahnentfernung); DD: typische Operationsanamnese (Operationsvorgeschichte), irreguläre (unregelmäßige) Defektform, fehlende Progression bei Verlaufskontrolle