Kreatin-Monohydrat im Sport – Wirkung, Dosierung und Sicherheit
Kreatin-Monohydrat zählt zu den am umfassendsten untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln im Sport. Seine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel – insbesondere bei kurzen, intensiven Belastungen – macht es zu einem häufig eingesetzten Supplement im Freizeit- und Leistungssport. Kreatin unterstützt die rasche Regeneration von Adenosintriphosphat (ATP) und kann so die kurzfristige Leistungsfähigkeit in intensiven Belastungsphasen verbessern.
Wirkmechanismen: Wie Kreatin im Körper wirkt
Kreatin wird vorwiegend als Phosphokreatin in der Muskulatur gespeichert und dient dort als schnell verfügbarer Energiespeicher. Dieses System ist entscheidend, wenn maximale Kraftanforderungen oder explosive Belastungen über wenige Sekunden hinweg auftreten.
- Freizeitsport: Eine Supplementierung kann es ermöglichen, Trainingseinheiten etwas intensiver oder länger zu gestalten. Dies kann langfristig die Trainingsqualität steigern.
- Leistungssport: In Disziplinen, die wiederholt hohe Leistungsimpulse erfordern – etwa Sprint-, Spiel- oder Kraftsportarten – werden in vielen Studien leichte bis deutliche Verbesserungen der maximalen und wiederholten Leistungsfähigkeit beschrieben.
Evidenzbasierte Vorteile von Kreatin
Die Studienlage weist auf mehrere positive Effekte hin, wobei deren Ausprägung individuell variieren kann:
- Kraft- und Muskelzuwachs: In Kombination mit regelmäßigem Krafttraining wird häufig eine etwas stärkere Zunahme an fettfreier Muskelmasse und Maximalkraft beobachtet.
- Kurzzeitleistung: Kreatin kann wiederholte Sprintleistungen, Sprungkraft oder explosive Bewegungsabläufe unterstützen – insbesondere bei intensiven Belastungen bis etwa 30–150 Sekunden.
- Regeneration: Einige Untersuchungen zeigen eine günstigere Entwicklung bestimmter Muskelmarker nach Belastung; die Ergebnisse sind jedoch nicht in allen Studien gleich ausgeprägt.
- Kognitive Aspekte: Unter besonderen Anforderungen wie Schlafmangel oder mentaler Ermüdung wurden in einigen Studien leichte Vorteile beschrieben. Diese Erkenntnisse gelten jedoch als weniger robust als die sportbezogene Evidenz.
Dosierung: Ladephase oder kontinuierliche Einnahme?
Für die Kreatinsupplementierung haben sich zwei Einnahmeformen etabliert, die beide zuverlässig zu einer Erhöhung der intramuskulären Speicher führen:
Ladephase
- 0,3 g/kg Körpergewicht pro Tag über 5-7 Tage, verteilt auf mehrere Einzeldosen
- anschließend 3-5 g/Tag als Erhaltungsmenge
- Vorteil: rasche Auffüllung der Speicher und frühzeitig spürbare Effekte
Kontinuierliche Einnahme
- 3-5 g/Tag ohne vorherige Ladephase
- erreicht dieselben Speicherwerte nach etwa 3-4 Wochen
- häufig gut verträglich und für viele Anwender alltagstauglicher
Praxistipps
- Der Zeitpunkt der Einnahme ist weniger entscheidend als die tägliche Regelmäßigkeit.
- Viele Personen empfinden die Einnahme zu einer Mahlzeit als angenehmer.
- Kreatin kann langfristig eingesetzt werden; feste Einnahmezyklen sind nicht zwingend erforderlich.
Sicherheit: Was die Studienlage zeigt
Kreatin-Monohydrat wird in üblichen Dosierungen von der Mehrzahl der Studien als gut verträglich beschrieben und zählt zu den am besten untersuchten Supplementen bezüglich der Sicherheit.
Mögliche Nebenwirkungen:
- leichte Wassereinlagerungen innerhalb der Muskulatur
- gelegentliche Verdauungsbeschwerden, insbesondere bei hohen Einzeldosen
Nierenfunktion:
- Bei bekannten Nierenerkrankungen sollte Kreatin nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden.
Produktqualität:
- Kreatin-Monohydrat ist die am besten untersuchte Form.
- Hochwertige, zertifizierte Rohstoffe reduzieren das Risiko möglicher Verunreinigungen.
Besonderheiten für Frauen
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung zur Kreatinsupplementierung bei Frauen nimmt zu, zeigt jedoch teils unterschiedliche Ergebnisse.
Trainingseffekte:
- Auch Frauen profitieren grundsätzlich von Kreatin, etwa im Kraft- oder Intervalltraining. Die Ausprägung der Effekte variiert jedoch stärker als in der Literatur zu Männern.
Physiologische Unterschiede:
- Unterschiede in Muskelmasse, Kreatinaufnahme über die Ernährung und hormonelle Schwankungen können die Wirkung beeinflussen.
Lebensphasen:
- Erste Hinweise deuten auf mögliche Vorteile in bestimmten Lebensabschnitten – etwa rund um die Menopause oder im höheren Lebensalter – hin. Weitere Forschung ist hier sinnvoll.
Fazit
Kreatin-Monohydrat ist ein wissenschaftlich gut untersuchtes Supplement, das gezielt zur Unterstützung intensiver Trainingsbelastungen eingesetzt werden kann. Es zeigt positive Effekte auf Kraft, Schnellkraft und kurzzeitige Leistungsfähigkeit und gilt in üblichen Dosierungen für gesunde Personen als gut verträglich. Beide Einnahmestrategien – Ladephase oder kontinuierliche Gabe – sind wirksam und lassen sich flexibel in den Trainingsalltag integrieren. Auch für Frauen kann Kreatin eine sinnvolle Ergänzung sein, wenngleich spezifische Fragen geschlechtsspezifischer Unterschiede weiterhin Gegenstand aktueller Forschung bleiben.
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