Magengeschwür (Ulcus ventriculi) – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Abheilung des Ulcus ventriculi (Magengeschwürs) und Besserung der ulkusbedingten Symptomatik (Beschwerden) [1, LL1, LL6]
  • Vermeidung von Komplikationen (Folgeproblemen), insbesondere Ulkusblutung (Blutung aus dem Geschwür), Perforation (Durchbruch), Penetration (Eindringen in benachbarte Organe) und Rezidiv (Wiederauftreten) [1, LL4, LL6]
  • Elimination von Helicobacter pylori bei nachgewiesener Infektion und dadurch Reduktion des Ulkusrezidivrisikos (Risikos für ein erneutes Magengeschwür) [LL1, LL2]
  • Ausschaltung bzw. Minimierung medikamentöser Schleimhautschädigungen (Schädigungen der Magenschleimhaut), insbesondere durch nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Acetylsalicylsäure (ASS), soweit klinisch vertretbar [1, LL1, LL6]
  • Sicherung der vollständigen Abheilung eines gastralen Ulkus (Magengeschwürs) und Ausschluss eines malignen Ulkus (bösartigen Magengeschwürs) durch endoskopisch-bioptische Verlaufskontrolle [LL1]

Therapieempfehlungen

  • Grundsätzlich: Bei jedem peptischen Ulcus ventriculi soll auf Helicobacter pylori getestet werden. Bei endoskopischem Nachweis eines gastralen Ulkus sollten mindestens acht Biopsien aus Ulkusgrund und Ulkusrand entnommen werden [LL1].
  • Protonenpumpeninhibitoren (PPI; Magensäureblocker): PPI sind die medikamentöse Standardtherapie zur Ulkusheilung (Abheilung des Geschwürs). Bei Helicobacter-pylori-negativem bzw. nicht Helicobacter-pylori-assoziiertem Ulcus ventriculi richtet sich die Behandlungsdauer nach Wirkstoff, Ulkusätiologie (Ursache des Geschwürs) und Fachinformation; bei den meisten PPI beträgt sie initial 4 Wochen und bei fehlender vollständiger Abheilung weitere 4 Wochen. Für Rabeprazol beträgt die empfohlene Primärtherapie 6 Wochen und kann bei fehlender Abheilung um weitere 6 Wochen verlängert werden [1, FI1-FI5, LL6].
  • Helicobacter-pylori-positives Ulcus ventriculi: Es besteht eine Eradikationsindikation (Notwendigkeit zur vollständigen Beseitigung des Bakteriums) [LL1, LL2].
    • Bei unbekannter Resistenzlage (Empfindlichkeit der Bakterien gegenüber Antibiotika) sollte in Deutschland bevorzugt eine Bismut-haltige Quadrupeltherapie (Vierfachtherapie) über mindestens 10 Tage eingesetzt werden [2-4, LL1, LL2].
    • Für die in Deutschland zugelassene Fixkombination aus Bismut-Kalium-Salz, Metronidazol und Tetracyclinhydrochlorid beträgt die Therapiedauer 10 Tage; zusätzlich wird Omeprazol 20 mg zweimal täglich gegeben [2, FI7, LL1].
    • Eine Clarithromycin-basierte Standard-Tripeltherapie (Dreifachtherapie) ist bei unbekannter Resistenzlage wegen der relevanten Clarithromycinresistenz (Unempfindlichkeit gegenüber Clarithromycin) nicht mehr als bevorzugte empirische Erstlinientherapie (Behandlung der ersten Wahl ohne vorherige Resistenzbestimmung) anzusehen [3, 4, LL1-LL3].
    • Nach erfolgloser primärer Vierfachtherapie sollte eine Resistenztestung erfolgen. Die Zweitlinientherapie (Behandlung nach Versagen der ersten Therapie) soll unter Berücksichtigung der Resistenztestung mit einer Standard-Tripeltherapie oder einer Fluorchinolon-haltigen Tripeltherapie über 14 Tage durchgeführt werden [LL1].
    • Nach Versagen einer Zweitlinientherapie sollen weitere Therapieversuche durch einen in der Helicobacter-pylori-Therapie erfahrenen Arzt mit Zugang zur Resistenztestung erfolgen [LL1-LL3, LL7].
  • NSAR-assoziiertes Ulcus ventriculi (durch NSAR begünstigtes Magengeschwür):
    • Das auslösende NSAR sollte, soweit klinisch möglich, abgesetzt werden; gleichzeitig erfolgt eine PPI-Therapie bis zur Ulkusheilung [1, LL1, LL6].
    • Ist eine weitere NSAR-Therapie zwingend erforderlich, soll bei erhöhtem gastrointestinalem Risiko (Risiko für Komplikationen im Magen-Darm-Trakt) eine PPI-Prophylaxe (vorbeugende Behandlung mit einem Magensäureblocker) erfolgen [1, LL1, LL6].
    • Nach einer NSAR-assoziierten Ulkuskomplikation soll bei notwendiger Fortführung der NSAR-Therapie auch nach erfolgreicher Helicobacter-pylori-Eradikation eine dauerhafte PPI-Prophylaxe erfolgen [LL1].
  • ASS-/antithrombotikaassoziiertes Ulkus (durch gerinnungshemmende Medikamente begünstigtes Magengeschwür):
    • Die Indikation zur antithrombotischen Therapie (Behandlung zur Hemmung der Blutgerinnung) ist gegen das gastrointestinale Blutungsrisiko (Risiko einer Blutung im Magen-Darm-Trakt) abzuwägen; bei zwingender kardiovaskulärer Indikation (medizinischer Notwendigkeit wegen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung) soll eine notwendige antithrombotische Therapie nicht allein wegen des Ulkus dauerhaft beendet werden [LL1, LL4, LL6].
    • Nach stattgehabter gastroduodenaler Ulkusblutung (Blutung aus einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür) sollte bei notwendiger Fortführung einer ASS-, P2Y12-Inhibitor- oder Antikoagulanzientherapie eine PPI-Sekundärprophylaxe (Vorbeugung einer erneuten Blutung) erfolgen [LL1, LL6].
  • Idiopathisches Ulcus ventriculi (Magengeschwür ohne erkennbare Ursache): Nach sicherem Ausschluss einer Helicobacter-pylori-Infektion, einer NSAR-/ASS-Exposition und anderer spezifischer Ursachen erfolgt eine PPI-Therapie zur Ulkusheilung. Bei rezidivierendem (wiederkehrendem) bzw. kompliziertem idiopathischem Ulkus kann eine längerfristige PPI-Erhaltungstherapie (dauerhafte Behandlung zur Rückfallvermeidung) erforderlich sein [LL6].
  • Blutendes Ulcus ventriculi:
    • Bei endoskopisch behandlungsbedürftigen Blutungsstigmata (Zeichen einer aktuellen oder kürzlich erfolgten Blutung) steht die endoskopische Hämostase (Blutstillung) im Vordergrund. Eine präendoskopische PPI-Therapie darf die frühzeitige Endoskopie nicht verzögern [LL4].
    • Nach erfolgreicher endoskopischer Hämostase bei Hochrisikostigmata (Zeichen eines hohen erneuten Blutungsrisikos) soll eine hochdosierte PPI-Therapie erfolgen. Ein zugelassenes intravenöses Schema mit Esomeprazol besteht aus 80 mg als Bolusinfusion über 30 Minuten, gefolgt von 8 mg/h kontinuierlich über 72 Stunden [FI12, LL4].
    • Hochdosierte intermittierende intravenöse bzw. orale PPI-Regime stellen nach endoskopischer Hämostase evidenzbasierte Alternativen zur kontinuierlichen Infusion dar [LL4].
    • Bei Helicobacter-pylori-positivem kompliziertem Ulkus soll die orale Eradikation nach definitiver Blutstillung und Wiederaufnahme der oralen Ernährung begonnen werden. Eine intravenöse Helicobacter-pylori-Eradikation soll nicht durchgeführt werden [LL1].
  • Stressulkusprophylaxe (Vorbeugung stressbedingter Magengeschwüre): Eine medikamentöse Stressulkusprophylaxe ist kritisch kranken Patienten mit relevantem Blutungsrisiko vorbehalten. Zu den wesentlichen Risikofaktoren gehören insbesondere Koagulopathie (Störung der Blutgerinnung), Schock (akutes Kreislaufversagen) und chronische Lebererkrankung. Bei bestehender Indikation können niedrig dosierte PPI oder H2-Rezeptorantagonisten (Medikamente zur Verminderung der Magensäureproduktion) als Erstlinienmedikamente eingesetzt werden; bei enteral ernährten Patienten ohne entsprechende Risikofaktoren soll keine routinemäßige Stressulkusprophylaxe erfolgen. Die Prophylaxe soll beendet werden, sobald die Risikofaktoren nicht mehr bestehen [LL5].

Beachte

  • Kontrollendoskopie: Bei einem Ulcus ventriculi soll nach 4-8 Wochen eine endoskopisch-bioptische Kontrolle erfolgen, um die Abheilung zu bestätigen und bei unvollständiger Abheilung erneut Biopsien zum Malignitätsausschluss (Ausschluss einer bösartigen Erkrankung) zu entnehmen [LL1].
  • Eradikationskontrolle (Kontrolle der erfolgreichen Beseitigung von Helicobacter pylori): Der Erfolg jeder Helicobacter-pylori-Eradikation soll überprüft werden. Zwischen Ende der Antibiotikatherapie und Erfolgskontrolle sollen mindestens 4 Wochen und zwischen Ende einer PPI-Therapie und zuverlässiger Erfolgskontrolle mindestens 2 Wochen liegen [LL1-LL3].
  • Beim Ulcus ventriculi soll der Eradikationserfolg im Rahmen der ohnehin klinisch indizierten Kontrollgastroskopie bioptisch/histologisch (durch Gewebeuntersuchung) überprüft werden [LL1].
  • Ist ausnahmsweise keine Kontrollendoskopie erforderlich, eignen sich der 13C-Harnstoff-Atemtest oder ein validierter monoklonaler Stuhlantigentest zur Eradikationskontrolle. Eine Serologie (Antikörperuntersuchung im Blut) eignet sich nicht zur Erfolgskontrolle [LL1, LL2].
  • Nach bestätigter erfolgreicher Eradikation sollen keine routinemäßigen Verlaufskontrollen zum Ausschluss einer Helicobacter-pylori-Reinfektion (erneuten Ansteckung) erfolgen [LL1].
  • Bei abgeheiltem unkompliziertem Helicobacter-pylori-assoziiertem Ulkus ohne persistierende Risikofaktoren ist nach erfolgreicher Eradikation keine dauerhafte PPI-Rezidivprophylaxe (Vorbeugung eines erneuten Geschwürs) erforderlich. Bei fortbestehender ulzerogener Medikation (geschwürfördernder Medikamenteneinnahme) oder vorausgegangener Ulkuskomplikation kann bzw. soll dagegen eine längerfristige PPI-Prophylaxe erforderlich sein [LL1, LL6].
  • Ranitidin: Ranitidinhaltige Arzneimittel werden nicht mehr als Therapieoption aufgeführt. Die Zulassungen wurden in der Europäischen Union wegen N-Nitrosodimethylamin(NDMA)-Verunreinigungen suspendiert [R1].
  • Die früher üblichen empirischen „französischen“ bzw. „italienischen“ Clarithromycin-basierten Tripeltherapien und kurzzeitige nicht Bismut-haltige konkomitierende Vierfachschemata sind für Deutschland bei unbekannter Resistenzlage keine bevorzugten empirischen Standard-Erstlinientherapien mehr [3-5, LL1-LL3].

Weitere Hinweise

  • Die Eradikation von Helicobacter pylori reduziert bei Helicobacter-pylori-positiven Personen langfristig das Magenkarzinomrisiko (Risiko für Magenkrebs). Die aktualisierte Metaanalyse randomisierter Studien bestätigte eine Reduktion der Magenkarzinominzidenz (Häufigkeit neu auftretender Magenkrebserkrankungen) und der Magenkarzinommortalität (Sterblichkeit an Magenkrebs) [6].
  • Antibiotikaresistenzen (Unempfindlichkeiten gegenüber Antibiotika), insbesondere gegen Clarithromycin und Fluorchinolone, sind wesentliche Determinanten des Eradikationserfolgs. Eine Clarithromycinresistenz reduziert die Wirksamkeit Clarithromycin-basierter Tripelregime erheblich [3, 4, LL1-LL3].
  • Die Metaanalyse der Bismut-Metronidazol-Tetracyclin-Fixkombination plus PPI ergab eine Intention-to-treat-Eradikationsrate von etwa 90 % in der Erstlinie und 89 % in der Zweitlinie. Die Nebenwirkungen waren überwiegend leicht; bei etwa 3 % führte eine Nebenwirkung zum Therapieabbruch [2].
  • Frühere Beobachtungsstudien und Metaanalysen beschrieben eine Assoziation zwischen langfristiger PPI-Einnahme und Magenkarzinom [7, 8]. Eine 2026 publizierte populationsbasierte Fall-Kontroll-Studie aus fünf nordischen Ländern fand dagegen unter besonderer Berücksichtigung potenzieller Verzerrungen für eine langfristige PPI-Anwendung keinen Zusammenhang mit einem Nicht-Kardia-Magenadenokarzinom (Drüsenkrebs des Magens außerhalb des Mageneingangs) [9]. Ein kausaler Zusammenhang zwischen leitliniengerecht indizierter PPI-Langzeittherapie und Magenkarzinom ist somit nicht belegt; die Langzeitindikation sollte dennoch regelmäßig überprüft werden [8, 9].
  • In einer selbstkontrollierten Fallserienstudie mit 66.559 Patienten war eine Clarithromycin-haltige Helicobacter-pylori-Therapie während des 14-tägigen Expositionszeitraums mit einer vorübergehend erhöhten Rate akuter neuropsychiatrischer Ereignisse (akuter Veränderungen von Psyche und Nervensystem) assoziiert. Aufgrund des Beobachtungsdesigns ist daraus kein sicherer Kausalnachweis abzuleiten [10].

Wirkstoffe (Hauptindikation)

Protonenpumpeninhibitoren (PPI)

Wirkstoffe Besonderheiten
Omeprazol Ulcus ventriculi: in der Regel 4 Wochen; bei fehlender Abheilung weitere 4 Wochen; unter 40 mg/d erfolgt die Abheilung schlecht ansprechender Ulzera gewöhnlich innerhalb von 8 Wochen [FI1]
Lansoprazol Ulcus ventriculi: 4 Wochen; bei fehlender vollständiger Abheilung weitere 4 Wochen. Auch für die Therapie NSAR-assoziierter gastroduodenaler Ulzera (Geschwüre des Magens und Zwölffingerdarms) zugelassen [FI2]
Pantoprazol Ulcus ventriculi: gewöhnlich 4 Wochen; bei fehlender Abheilung weitere 4 Wochen. Bei schwerer Leberfunktionsstörung (stark eingeschränkter Leberfunktion) maximal 20 mg/d; bei Niereninsuffizienz (eingeschränkter Nierenfunktion) ist für die Monotherapie keine Dosisanpassung erforderlich [FI3]
Rabeprazol Akutes benignes Ulcus ventriculi (gutartiges Magengeschwür): in der Regel 6 Wochen; bei fehlender Abheilung weitere 6 Wochen. Keine generelle Dosisanpassung bei Nieren- oder Leberfunktionsstörung; bei schwerer Leberfunktionsstörung besondere Vorsicht [FI4]
Esomeprazol Bei NSAR-assoziiertem Ulcus ventriculi: 4-8 Wochen; zur Prophylaxe NSAR-induzierter Ulzera bei Risikopatienten 20 mg 1 x täglich [FI5]
  • Wirkweise: PPI sind substituierte Benzimidazole und hemmen nach Aktivierung im sauren Kompartiment der Belegzelle (säurebildenden Magenzelle) die H+/K+-ATPase und damit die Endstufe der Salzsäuresekretion (Magensäurebildung) [FI1-FI5].
  • Indikationen: Ulcus ventriculi und Ulcus duodeni (Zwölffingerdarmgeschwür) entsprechend der jeweiligen Fachinformation; Bestandteil der Helicobacter-pylori-Eradikation; Behandlung bzw. Prävention NSAR-assoziierter Ulzera; gastroösophageale Refluxkrankheit (Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre) und hypersekretorische Erkrankungen (Erkrankungen mit übermäßiger Magensäureproduktion) [1, FI1-FI5, LL1, LL6].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen den jeweiligen Wirkstoff bzw. substituierte Benzimidazole; weitere Kontraindikationen und Arzneimittelinteraktionen sind präparatespezifisch zu beachten. Bei einer Eradikationstherapie gelten zusätzlich die Kontraindikationen der jeweiligen Kombinationspartner [FI1-FI5].
  • Nebenwirkungen: insbesondere Kopfschmerzen, abdominale Beschwerden (Bauchbeschwerden), Übelkeit, Flatulenz (Blähungen), Diarrhoe (Durchfall) oder Obstipation (Verstopfung); bei längerfristiger Anwendung sind unter anderem Hypomagnesiämie (Magnesiummangel), verminderte Vitamin-B12-Resorption, ein erhöhtes Risiko bestimmter gastrointestinaler Infektionen und selten eine akute tubulointerstitielle Nephritis (akute Entzündung des Nierenzwischengewebes) beschrieben [FI1-FI5].
  • Einnahme: Die Einnahme richtet sich nach der jeweiligen Fachinformation. Pantoprazol soll beispielsweise unzerkaut etwa 1 Stunde vor einer Mahlzeit eingenommen werden [FI3].
  • PPI sind die bevorzugte säuresuppressive Standardtherapie (Standardbehandlung zur Verminderung der Magensäure) der peptischen Ulkuskrankheit (Geschwürerkrankung des Magens oder Zwölffingerdarms) [1, LL6].

H2-Rezeptorantagonisten

Wirkstoffe Besonderheiten
Famotidin Benignes Ulcus ventriculi: in der Regel 4-8 Wochen; bei eingeschränkter Nierenfunktion Dosisanpassung erforderlich [FI6]
  • Wirkweise: kompetitive Blockade der Histamin-H2-Rezeptoren der gastralen Belegzellen mit Verminderung der basalen und stimulierten Magensäuresekretion [FI6].
  • Indikationen: benignes Ulcus ventriculi und Ulcus duodeni; Alternative zur Säuresuppression bei PPI-Unverträglichkeit; außerdem mögliche Erstlinienoption bei indizierter Stressulkusprophylaxe kritisch kranker Patienten [FI6, LL5].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Famotidin bzw. andere H2-Rezeptorantagonisten; eingeschränkte Nierenfunktion erfordert eine entsprechende Dosisanpassung [FI6].
  • Nebenwirkungen: insbesondere Kopfschmerzen, Schwindel, Obstipation und Diarrhoe; selten weitere zentralnervöse (das zentrale Nervensystem betreffende), hämatologische (das Blut betreffende) oder hepatobiliäre Nebenwirkungen (Leber und Gallenwege betreffende Nebenwirkungen) [FI6].
  • Für die reguläre Ulkusheilung werden PPI bevorzugt; H2-Rezeptorantagonisten stellen eine Alternative dar, wenn PPI nicht eingesetzt werden können [1, LL6].

Prostaglandinanaloga – NSAR-Ulkusprophylaxe

Wirkstoffe Besonderheiten
Misoprostol in Fixkombination mit Diclofenac (75 mg Diclofenac + 200 µg Misoprostol) In Deutschland als Fixkombination für Patienten zugelassen, die Diclofenac benötigen und zugleich einer Prophylaxe NSAR-induzierter Magen- und Duodenalulzera bedürfen; keine Standardtherapie eines bereits bestehenden Ulcus ventriculi [FI11]
  • Wirkweise: Misoprostol ist ein Prostaglandin-E1-Analogon und verstärkt den mukosalen Schutz (Schutz der Schleimhaut) durch Steigerung von Schleim- und Bicarbonatsekretion sowie Verminderung der Säuresekretion [FI11].
  • Indikationen: Prävention NSAR-induzierter gastroduodenaler Ulzera; in der deutschen Fixkombination für Patienten, bei denen eine Diclofenac-Therapie erforderlich ist [1, FI11, LL6].
  • Kontraindikationen: insbesondere Schwangerschaft, bestehender Kinderwunsch bzw. fehlende zuverlässige Kontrazeption (Empfängnisverhütung) bei Frauen im gebärfähigen Alter; zusätzlich gelten sämtliche Kontraindikationen von Diclofenac [FI11].
  • Nebenwirkungen: insbesondere Diarrhoe, abdominale Schmerzen und Krämpfe; zusätzlich gelten die Nebenwirkungen der Diclofenac-Komponente [FI11].
  • PPI sind für die NSAR-Ulkusprophylaxe in der klinischen Praxis in der Regel die bevorzugte Strategie [1, LL6].

Helicobacter-pylori-Eradikation

Bismut-haltige Quadrupeltherapie – bevorzugte empirische Erstlinientherapie

Wirkstoffe Besonderheiten
Bismut-Kalium-Salz + Metronidazol + Tetracyclinhydrochlorid als Fixkombination 10 Tage; jeweils nach Frühstück, Mittagessen und Abendessen sowie vor dem Schlafengehen, insgesamt 12 Kapseln/d [FI7]
Omeprazol 10 Tage; zusammen mit der morgendlichen und abendlichen Dosis der Fixkombination [FI7]
  • Wirkweise: Kombination mehrerer gegen Helicobacter pylori gerichteter Wirkmechanismen mit einer ausgeprägten Säuresuppression. Bismut besitzt lokale antimikrobielle (gegen Mikroorganismen gerichtete) und mukosaprotektive Wirkungen (schleimhautschützende Wirkungen); Metronidazol schädigt nach intrazellulärer Aktivierung mikrobielle DNA; Tetracyclin hemmt die bakterielle Proteinsynthese [FI7].
  • Indikationen: bevorzugte empirische Erstlinientherapie der Helicobacter-pylori-Infektion bei Erwachsenen in Deutschland, insbesondere bei unbekannter Clarithromycinresistenz [2-4, LL1, LL2].
  • Kontraindikationen: Schwangerschaft und Stillzeit, Kinder unter 12 Jahren, Nieren- oder Leberfunktionsstörungen, Cockayne-Syndrom (seltene erblich bedingte Erkrankung mit vorzeitigen Alterungserscheinungen) sowie Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe bzw. andere Nitroimidazolderivate. Zwischen 12 und 18 Jahren wird die Fixkombination nicht empfohlen [FI7].
  • Nebenwirkungen: insbesondere gastrointestinale Beschwerden, Geschmacksstörungen, reversible Dunkelfärbung des Stuhls, Photosensitivität (erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut) sowie mögliche neurologische Nebenwirkungen (das Nervensystem betreffende Nebenwirkungen) durch Metronidazol; bei neurologischen Auffälligkeiten ist eine sofortige Neubewertung erforderlich [FI7].
  • Einnahmehinweise: Die Kapseln sind unzerkaut im Sitzen mit einem vollen Glas Wasser einzunehmen; unmittelbar danach soll sich der Patient nicht hinlegen. Aluminium-, Calcium- oder Magnesium-haltige Antazida, Eisen-, Zink- und Natriumbicarbonatpräparate sowie Milchprodukte können die Tetracyclinresorption beeinträchtigen und sollen nicht gleichzeitig eingenommen werden. Während der Therapie und mindestens 24 Stunden danach darf kein Alkohol konsumiert werden [FI7].
  • Die Metaanalyse der Fixkombination ergab Eradikationsraten um 90 % in der Erst- und Zweitlinientherapie [2].

Clarithromycin-haltige Standard-Tripeltherapie – resistenzadaptierte Therapie

Wirkstoffe Besonderheiten
Protonenpumpeninhibitor 14 Tage gemäß resistenzadaptierter leitliniengerechter Zweitlinientherapie [LL1]
Clarithromycin Nur bei nachgewiesener bzw. ausreichend gesicherter Clarithromycinempfindlichkeit [3-5, FI9, LL1-LL3]
Amoxicillin 14 Tage im leitliniengerechten Regime; Penicillinallergie (Überempfindlichkeit gegen Penicillin) und Nierenfunktion beachten [FI8, LL1]
  • Wirkweise: Clarithromycin hemmt als Makrolid die bakterielle Proteinsynthese an der 50S-Untereinheit; Amoxicillin hemmt als Betalactam-Antibiotikum die bakterielle Zellwandsynthese [FI8, FI9].
  • Indikationen: resistenzadaptierte Helicobacter-pylori-Eradikation bei gesicherter Clarithromycinempfindlichkeit; bei unbekannter Resistenzlage keine bevorzugte empirische deutsche Erstlinientherapie [3-5, LL1-LL3].
  • Kontraindikationen: bei Clarithromycin insbesondere Makrolidüberempfindlichkeit, relevante QT-Verlängerung bzw. ventrikuläre Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen aus den Herzkammern) sowie zahlreiche substanzspezifische Arzneimittelinteraktionen; bei Amoxicillin insbesondere Penicillinüberempfindlichkeit bzw. schwere unmittelbare Überempfindlichkeitsreaktion auf andere Betalactam-Antibiotika in der Anamnese [FI8, FI9].
  • Nebenwirkungen: Clarithromycin insbesondere gastrointestinale Beschwerden und Geschmacksstörungen; daneben QT-Verlängerung, hepatotoxische Reaktionen (leberschädigende Reaktionen) und selten Hörstörungen. Amoxicillin kann insbesondere Diarrhoe, Übelkeit, Exantheme (Hautausschläge) und allergische Reaktionen verursachen [FI8, FI9].
  • Bei klassischen PPI-basierten Tripeltherapien verbessert eine Therapiedauer von 14 Tagen gegenüber kürzeren Regimen die Eradikationsrate [5].

Fluorchinolon-haltige Tripeltherapie – resistenzadaptierte Zweit- bzw. Rescue-Therapie

Wirkstoffe Besonderheiten
Protonenpumpeninhibitor 14 Tage [LL1, LL3, LL7]
Amoxicillin 14 Tage [FI8, LL1, LL7]
Levofloxacin 14 Tage; nur bei resistenzadaptierter Therapie. Helicobacter-pylori-Eradikation mit Levofloxacin in Deutschland: Off-Label-Use [FI10, LL1, LL3, LL7]
  • Wirkweise: Levofloxacin hemmt bakterielle DNA-Gyrase und Topoisomerase IV und wirkt bakterizid; Amoxicillin hemmt die bakterielle Zellwandsynthese [FI8, FI10].
  • Indikationen: resistenzadaptierte Zweit- bzw. Rescue-Therapie nach vorausgegangener Eradikationstherapie. Aufgrund relevanter Fluorchinolonresistenzen soll Levofloxacin nicht ungezielt empirisch eingesetzt werden [3, LL1-LL3, LL7].
  • Kontraindikationen: bei Levofloxacin insbesondere Fluorchinolonüberempfindlichkeit, Epilepsie (Anfallsleiden), vorausgegangene fluorchinolonassoziierte Sehnenerkrankung, Schwangerschaft, Stillzeit sowie Anwendung bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum; bei eingeschränkter Nierenfunktion ist eine Dosisanpassung erforderlich [FI10].
  • Nebenwirkungen: potenziell schwerwiegende und teilweise lang anhaltende bzw. irreversible Nebenwirkungen wie Tendinitis (Sehnenentzündung) und Sehnenruptur (Sehnenriss), periphere Neuropathie (Schädigung peripherer Nerven) sowie zentralnervöse und psychiatrische Nebenwirkungen; darüber hinaus Dysglykämien (Störungen des Blutzuckerspiegels) und QT-Verlängerung möglich. Daher strenge Indikationsstellung [FI10].

Literatur

  1. Scally B, Emberson JR, Spata E et al.: Effects of gastroprotectant drugs for the prevention and treatment of peptic ulcer disease and its complications: a meta-analysis of randomised trials. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2018;3(4):231-241. doi: 10.1016/S2468-1253(18)30037-2
  2. Nyssen OP, McNicholl AG, Gisbert JP: Meta-analysis of three-in-one single capsule bismuth-containing quadruple therapy for the eradication of Helicobacter pylori. Helicobacter. 2019;24(2):e12570. doi: 10.1111/hel.12570
  3. Savoldi A, Carrara E, Graham DY et al.: Prevalence of Antibiotic Resistance in Helicobacter pylori: A Systematic Review and Meta-analysis in World Health Organization Regions. Gastroenterology. 2018;155(5):1372-1382.e17. doi: 10.1053/j.gastro.2018.07.007
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  7. Cheung KS, Chan EW, Wong AYS et al.: Long-term proton pump inhibitors and risk of gastric cancer development after treatment for Helicobacter pylori: a population-based study. Gut. 2018;67(1):28-35. doi: 10.1136/gutjnl-2017-314605
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  9. Duru O, Santoni G, Holmberg D et al.: Long term use of proton pump inhibitors and risk of stomach cancer: population based case-control study in five Nordic countries. BMJ. 2026;392:e086384. doi: 10.1136/bmj-2025-086384. Correction: BMJ. 2026;392:s497. doi: 10.1136/bmj.s497
  10. Wong AYS, Wong ICK, Chui CSL et al.: Association Between Acute Neuropsychiatric Events and Helicobacter pylori Therapy Containing Clarithromycin. JAMA Intern Med. 2016;176(6):828-834. doi: 10.1001/jamainternmed.2016.1586

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. S2k-Leitlinie: Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit. (AWMF-Registernummer 021-001) Juli 2022. Langfassung [LL1]
  2. Malfertheiner P, Megraud F, Rokkas T et al.: Management of Helicobacter pylori infection: the Maastricht VI/Florence consensus report. Gut. 2022;71(9):1724-1762. doi: 10.1136/gutjnl-2022-327745. [LL2]
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  5. MacLaren R, Dionne JC, Granholm A et al.: Society of Critical Care Medicine and American Society of Health-System Pharmacists Guideline for the Prevention of Stress-Related Gastrointestinal Bleeding in Critically Ill Adults. Crit Care Med. 2024;52(8):e421-e430. doi: 10.1097/CCM.0000000000006330. [LL5]
  6. Sugimoto M, Kamada T, Ito M et al.: Evidence-based clinical practice guidelines for peptic ulcer disease 2026. J Gastroenterol. 2026. Online ahead of print. doi: 10.1007/s00535-026-02504-3. [LL6]
  7. Shah SC, Iyer PG, Moss SF: AGA Clinical Practice Update on the Management of Refractory Helicobacter pylori Infection: Expert Review. Gastroenterology. 2021;160(5):1831-1841. doi: 10.1053/j.gastro.2020.11.059. [LL7]

Fachinformationen und regulatorische Quellen

  1. Omeprazol-CT magensaftresistente Hartkapseln. AbZ-Pharma GmbH. Fachinformation. Stand Juni 2023. [FI1]
  2. Lansoprazol-ratiopharm 15 mg/30 mg magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Fachinformation. Stand November 2023. [FI2]
  3. Pantoprazol dura 40 mg magensaftresistente Tabletten. Viatris Healthcare GmbH. Fachinformation. Stand Mai 2026. [FI3]
  4. Rabeprazol-ratiopharm 10 mg/20 mg magensaftresistente Tabletten. ratiopharm GmbH. Fachinformation. Stand Oktober 2025. [FI4]
  5. Esomeprazol-CT 20 mg/40 mg magensaftresistente Hartkapseln. AbZ-Pharma GmbH. Fachinformation. Stand April 2025. [FI5]
  6. Famotidin-ratiopharm 20 mg/40 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Fachinformation. Stand März 2024. [FI6]
  7. Pylera 140 mg/125 mg/125 mg Hartkapseln. Fachinformation. Stand Februar 2023. [FI7]
  8. Amoxicillin-ratiopharm 500 mg/750 mg/1.000 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Fachinformation. Stand Mai 2026. [FI8]
  9. Clarithromycin AL 250 mg/500 mg Filmtabletten. ALIUD PHARMA GmbH. Fachinformation. Stand Februar 2024. [FI9]
  10. Levofloxacin-ratiopharm 250 mg/500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Fachinformation. Stand Dezember 2025. [FI10]
  11. Arthotec forte, 75 mg Diclofenac-Natrium/0,2 mg Misoprostol. Pfizer Pharma GmbH. Fachinformation. Stand April 2026. [FI11]
  12. Nexium 40 mg Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung. Fachinformation. Stand März 2025. [FI12]
  13. European Medicines Agency: Ranitidine-containing medicinal products – Article-31 referral. European Commission final decision vom 24. November 2020; Suspendierung ranitidinhaltiger Arzneimittel in der Europäischen Union wegen NDMA-Verunreinigungen. [R1]