Bauchfellentzündung (Peritonitis) – Differentialdiagnosen
Atmungssystem (J00-J99)
- Basale Pneumonie (Lungenentzündung)/Pleuritis (Rippenfellentzündung) – kann durch diaphragmale Reizung (Reizung des Zwerchfells) rechts- oder linksseitige Oberbauchschmerzen mit Abwehrspannung imitieren; besonders relevant bei Fieber, Husten, Dyspnoe (Atemnot) und pleuritischem Schmerz.
Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben (P00-P96)
- Nekrotisierende Enterokolitis (schwere Darmentzündung mit Gewebeuntergang) – wichtigste peritonitisnahe Differentialdiagnose (andere mögliche Ursache) beim Früh- und Neugeborenen; Leitsymptome sind geblähtes Abdomen (Bauch), Nahrungsintoleranz (Unverträglichkeit von Nahrung), blutige Stühle, Sepsiszeichen (Zeichen einer Blutvergiftung) und bei Perforation (Durchbruch) freie Luft.
Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)
- Hereditäres Angioödem (erblich bedingte Schwellungserkrankung) – rezidivierende, häufig starke abdominelle Schmerzattacken (Bauchschmerzattacken) durch Darmwandödem (Schwellung der Darmwand); kann ein akutes Abdomen (akuter Bauch) imitieren, typischerweise ohne ausgeprägte Entzündungszeichen.
- Sichelzellkrankheit (erblich bedingte Erkrankung der roten Blutkörperchen) mit abdomineller vaso-okklusiver Krise (Bauchschmerzkrise durch Gefäßverschluss) – akute abdominelle Schmerzen durch mikrovaskuläre Ischämie (Durchblutungsstörung kleinster Blutgefäße); Abgrenzung zu Cholezystitis (Gallenblasenentzündung), Milzinfarkt (Gewebeuntergang der Milz), Mesenterialischämie (Durchblutungsstörung des Darms) und echter Peritonitis erforderlich.
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Akute intermittierende Porphyrie (akute Stoffwechselerkrankung mit Bauch- und Nervensymptomen) – neuroviszerale Attacke (Anfall mit Nerven- und Eingeweidesymptomen) mit starken kolikartigen Bauchschmerzen, Übelkeit, Obstipation (Verstopfung), Tachykardie (Herzrasen), Hypertonie (Bluthochdruck) und neurologisch-psychiatrischen Symptomen (Beschwerden des Nervensystems und der Psyche); keine primäre peritoneale Entzündung (Entzündung des Bauchfells).
- Addison-Krise (akute Nebennierenkrise) – akute Nebennierenrindeninsuffizienz (Unterfunktion der Nebennierenrinde) mit Bauchschmerzen, Erbrechen, Hypotonie (niedrigem Blutdruck), Hyponatriämie (vermindertem Natrium im Blut) und Hyperkaliämie (erhöhtem Kalium im Blut); kann als akutes Abdomen fehlgedeutet werden.
- Pseudoperitonitis diabetica (scheinbare Bauchfellentzündung bei Zuckerkrankheit) bei diabetischer Ketoazidose (Übersäuerung bei Diabetes mellitus) – seltene, aber wichtige Peritonitis-Imitation (Nachahmung einer Bauchfellentzündung) bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), insbesondere bei beginnender oder manifester ketoazidotischer Dekompensation (Entgleisung mit Übersäuerung); typische Begleitbefunde sind Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker), Ketose (vermehrte Ketonkörperbildung), metabolische Azidose (stoffwechselbedingte Übersäuerung), Exsikkose (Austrocknung), Übelkeit, Erbrechen und gegebenenfalls Bewusstseinseintrübung.
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Akute Mesenterialischämie – vaskulärer Notfall (gefäßbedingter Notfall) mit starken, initial häufig diskrepant geringen klinischen Abdomenbefunden (Bauchbefunden); Peritonismus (Bauchfellreizung) spricht für fortgeschrittene Darmnekrose (Gewebeuntergang des Darms) oder Perforation.
- Akutes Koronarsyndrom (akute Durchblutungsstörung des Herzens) – insbesondere Hinterwandinfarkt (Herzinfarkt der Hinterwand) kann mit epigastrischem Schmerz (Oberbauchschmerz), Übelkeit und vegetativer Symptomatik (Beschwerden des unwillkürlichen Nervensystems) ein Oberbauchgeschehen imitieren.
- Rupturiertes oder symptomatisches abdominelles Aortenaneurysma (Aussackung der Bauchschlagader) – lebensbedrohliche Differentialdiagnose bei Bauch-/Rückenschmerz, Hypotonie, Synkope (kurzzeitiger Bewusstseinsverlust) oder pulsatiler Raumforderung (pulsierende Gewebevermehrung).
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Clostridioides-difficile-Kolitis (Dickdarmentzündung durch Clostridioides difficile) – antibiotikaassoziierte Kolitis (antibiotikabedingte Dickdarmentzündung) mit Diarrhoe (Durchfall), Fieber, Leukozytose (Vermehrung weißer Blutkörperchen) und Bauchschmerzen; schwerer Verlauf bis toxisches Megakolon (akute gefährliche Dickdarmerweiterung) und sekundäre Peritonitis möglich.
- Infektiöse Gastroenteritis (Magen-Darm-Entzündung)/Enterokolitis (Dünn- und Dickdarmentzündung) – häufige Ursache akuter Bauchschmerzen mit Erbrechen und Diarrhoe; Abgrenzung wichtig, da ausgeprägte Abwehrspannung, Ileuszeichen (Zeichen eines Darmverschlusses), Sepsis (Blutvergiftung) oder freie Luft gegen eine unkomplizierte Gastroenteritis sprechen.
- Typhlitis (Blinddarmentzündung bei Abwehrschwäche)/neutropene Enterokolitis (Dünn- und Dickdarmentzündung bei Mangel an bestimmten weißen Blutkörperchen) – schwere Enterokolitis bei Neutropenie (Mangel an neutrophilen Granulozyten), meistens unter onkologischer Therapie (Krebsbehandlung); kann mit Fieber, rechtsseitigen Bauchschmerzen, Sepsis und Perforationsrisiko auftreten.
Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)
- Akute Cholangitis (akute Gallenwegsentzündung) – biliäre Infektion (Infektion der Gallenwege) mit Fieber, Ikterus (Gelbsucht) und Oberbauchschmerz; bei septischem Verlauf (Verlauf mit Blutvergiftung) differentialdiagnostisch relevant gegenüber diffuser Peritonitis.
- Akute Cholezystitis – rechtsseitiger Oberbauchschmerz mit lokalem Peritonismus; komplizierte Verläufe können gangränös (mit Gewebeuntergang), emphysematös (mit Gasbildung) oder perforiert (durchgebrochen) sein.
- Akute Pankreatitis (akute Bauchspeicheldrüsenentzündung) – epigastrischer Schmerz mit Ausstrahlung in den Rücken, Übelkeit und systemischer Entzündungsreaktion (Entzündungsreaktion des gesamten Körpers); schwere Verläufe können ein akutes Abdomen imitieren.
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Akute Appendizitis (akute Blinddarmentzündung) – häufige Ursache lokaler oder diffuser peritonealer Reizung; Perforation, Abszess (Eiteransammlung) oder generalisierte Peritonitis bei verzögerter Diagnostik möglich.
- Akute Divertikulitis (Entzündung von Darmausstülpungen) – linksseitige Unterbauchschmerzen, Fieber und Entzündungszeichen; gedeckte oder freie Perforation kann eine sekundäre Peritonitis verursachen.
- Darmobstruktion/Ileus (Darmverschluss) – kolikartige Schmerzen, Distension (Aufblähung), Erbrechen und Stuhl-/Windverhalt; Strangulation (Abschnürung), Ischämie (Minderdurchblutung) oder Perforation führen zu Peritonismus.
- Entzündliche Darmerkrankung (chronische Darmentzündung) mit akutem Schub – Morbus Crohn (chronische Darmentzündung) oder Colitis ulcerosa (chronische Dickdarmentzündung) können mit starken Bauchschmerzen, Fieber und Entzündungszeichen auftreten; Perforation, Abszess oder toxisches Megakolon sind abzugrenzen.
- Ischämische Kolitis (Dickdarmentzündung durch Minderdurchblutung) – akuter abdomineller Schmerz, häufig mit blutiger Diarrhoe; transmuraler Infarkt (Gewebeuntergang der gesamten Darmwand) kann in Peritonitis übergehen.
- Perforiertes gastroduodenales Ulkus (durchgebrochenes Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür) – klassische Ursache einer akuten sekundären Peritonitis mit plötzlich einsetzendem stärkstem epigastrischem Schmerz und freier intraperitonealer Luft (Luft in der Bauchhöhle).
- Toxisches Megakolon – schwere Kolondilatation (Erweiterung des Dickdarms) bei Colitis ulcerosa, infektiöser Kolitis oder ischämischer Kolitis; hohes Perforations- und Sepsisrisiko.
- Volvulus (Darmverdrehung) – Drehung eines Darmabschnitts mit Obstruktion (Verschluss) und Ischämierisiko; Sigmavolvulus (Verdrehung des S-förmigen Dickdarms) und Zökumvolvulus (Verdrehung des Blinddarms) sind besonders relevant.
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Abdominales Wand-/Nerveneinklemmungssyndrom (Bauchwand-/Nerveneinklemmungssyndrom) – lokalisierter Bauchdeckenschmerz, häufig mit positivem Carnett-Zeichen (Untersuchungszeichen für Bauchwandschmerz); keine intraabdominelle Entzündung (Entzündung im Bauchraum).
- Abdominalwandhämatom (Bluterguss der Bauchwand)/Rektusscheidenhämatom (Bluterguss in der Hülle des geraden Bauchmuskels) – akuter lokaler Bauchschmerz, Schwellung oder Hämatom (Bluterguss); Risikokonstellation sind Antikoagulation (Blutverdünnung), Trauma (Verletzung), Husten oder körperliche Belastung.
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Peritonealkarzinose (Tumorbefall des Bauchfells) mit malignem Aszites (bösartiger Bauchwassersucht) – kann durch Bauchschmerzen, Aszites (Bauchwassersucht), subileusartige Beschwerden (Beschwerden wie bei beginnendem Darmverschluss) und Entzündungszeichen eine infektiöse Peritonitis imitieren; sekundäre Infektion muss abgegrenzt werden.
- Tumorperforation des Gastrointestinaltrakts (Durchbruch eines Tumors im Magen-Darm-Trakt) – insbesondere bei Kolonkarzinom (Dickdarmkrebs) oder gastrointestinalem Stromatumor (Tumor des Magen-Darm-Bindegewebes) möglich; klinisch häufig als akute sekundäre Peritonitis.
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)
- Rupturierte Extrauteringravidität (geplatzte Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter) – gynäkologischer Notfall (Notfall der Frauenheilkunde) mit Unterbauchschmerz, Blutung, Kreislaufinstabilität und peritonealer Reizung durch Hämoperitoneum (Blut in der Bauchhöhle).
- Uterusruptur (Gebärmutterriss) – seltene, aber lebensbedrohliche Differentialdiagnose in Schwangerschaft oder Geburt, insbesondere bei Uterusnarbe (Gebärmutternarbe); akuter Schmerz, fetale Gefährdung (Gefährdung des ungeborenen Kindes) und intraabdominelle Blutung (Blutung in den Bauchraum).
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Akute Adnexitis (akute Eileiter- und Eierstockentzündung)/Pelvic inflammatory disease (PID, entzündliche Erkrankung des kleinen Beckens) – Unterbauchschmerz, Fieber, Fluor (Ausfluss), Portioschiebeschmerz (Schmerz beim Bewegen des Gebärmutterhalses) und Adnexdruckschmerz (Druckschmerz im Bereich von Eileiter und Eierstock); tuboovarialer Abszess (Eiteransammlung an Eileiter und Eierstock) oder Peritonitis möglich.
- Akute Pyelonephritis (akute Nierenbeckenentzündung) – Flankenschmerz, Fieber und Krankheitsgefühl; kann rechts- oder linksseitige Bauchschmerzen verursachen und ein akutes Abdomen imitieren.
- Harnleiterkolik (Kolik des Harnleiters)/Urolithiasis (Harnsteinleiden) – akuter kolikartiger Flanken- oder Unterbauchschmerz mit Hämaturie (Blut im Urin); typischerweise Unruhe statt Schonhaltung.
- Ovarialtorsion (Eierstockverdrehung) – plötzlich einsetzender einseitiger Unterbauchschmerz mit Übelkeit/Erbrechen; Notfall wegen Ischämierisiko.
- Rupturierte Ovarialzyste (geplatzte Eierstockzyste) – akuter Unterbauchschmerz, gegebenenfalls Hämoperitoneum; kann peritoneale Reizung verursachen.
- Tuboovarialabszess – komplizierte Form der Adnexitis mit Fieber, Entzündungszeichen und Unterbauchschmerz; Ruptur (Riss) führt zu diffuser Peritonitis.
Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)
- Anastomoseninsuffizienz (Undichtigkeit einer operativen Verbindung) nach gastrointestinaler Operation (Operation am Magen-Darm-Trakt) – postoperative Ursache (Ursache nach einer Operation) einer sekundären Peritonitis; Warnzeichen sind Fieber, Tachykardie, zunehmender Schmerz, Ileuszeichen, Sepsiszeichen und Drainageveränderung (Veränderung der Wundableitung).
- Iatrogene Hohlorganperforation (durch medizinische Maßnahmen verursachter Durchbruch eines Hohlorgans) – nach Endoskopie (Spiegelung), Intervention (medizinischem Eingriff) oder Operation möglich; klinisch abhängig von Lokalisation (Ort), Kontaminationsausmaß (Ausmaß der Verunreinigung) und Zeitintervall (Zeitabstand).
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Abdominaltrauma (Bauchverletzung) mit Hohlorganverletzung (Verletzung eines Hohlorgans) – stumpfes oder penetrierendes Trauma mit Darm- oder Magenverletzung; Peritonitiszeichen können verzögert auftreten.
- Hämoperitoneum – intraabdominelle Blutung, z. B. nach Trauma, Milzruptur (Milzriss) oder Leberverletzung; kann peritoneale Reizung und Kreislaufinstabilität verursachen.