Achalasie – Differentialdiagnosen

Erkrankungen, die differentialdiagnostisch bei einer Achalasie (Störung der Speiseröhrenbewegung) abzugrenzen sind:

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Diabetische autonome Neuropathie (diabetesbedingte Nervenschädigung) – kann mit ösophagealer Dysmotilität (Bewegungsstörung der Speiseröhre), verzögerter Passage und dysphagieähnlicher Symptomatik (schluckstörungsähnlichen Beschwerden) einhergehen; diagnostisch nur relevant bei entsprechender Diabetesanamnese (Vorgeschichte einer Zuckerkrankheit) und Ausschluss struktureller Ursachen

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Chagas-Krankheit (Amerikanische Trypanosomiasis) mit Megaösophagus (krankhaft erweiterter Speiseröhre) – sekundäre achalasieähnliche Motilitätsstörung (Bewegungsstörung) durch Destruktion (Zerstörung) des enterischen Nervensystems (Darmnervensystems); besonders relevant bei Herkunft oder Aufenthalt in Endemiegebieten (Gebieten mit gehäuftem Auftreten)
  • Infektiöse Ösophagitis (entzündliche Erkrankung der Speiseröhre) – insbesondere Candida-Ösophagitis, Herpes-simplex-Virus-Ösophagitis oder Cytomegalievirus-Ösophagitis; Abgrenzung vor allem bei Odynophagie (Schmerzen beim Schlucken), Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) und endoskopischen Schleimhautläsionen (Schleimhautschäden)

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Distaler Ösophagusspasmus (Krampf der unteren Speiseröhre) – intermittierende Dysphagie (Schluckstörung) und retrosternale Schmerzen (Schmerzen hinter dem Brustbein); Abgrenzung durch hochauflösende Ösophagusmanometrie (Druckmessung der Speiseröhre)
  • Eosinophile Ösophagitis – Dysphagie, Bolusimpaktion (Steckenbleiben eines Speisebissens) und gegebenenfalls ringförmige Stenosen (Engstellen); Abgrenzung durch Endoskopie (Spiegelung) mit Stufenbiopsien (Gewebeproben aus mehreren Abschnitten)
  • Funktionelle Dysphagie – Ausschlussdiagnose nach unauffälliger Endoskopie einschließlich Biopsien (Gewebeproben), fehlender relevanter gastroösophagealer Refluxkrankheit (Rückflusskrankheit) und Ausschluss einer major Motilitätsstörung in der hochauflösenden Ösophagusmanometrie
  • Gastroösophageale Refluxkrankheit – Refluxbeschwerden (Rückflussbeschwerden), Regurgitation (Zurückfließen von Speisebrei) und gegebenenfalls peptische Striktur (säurebedingte Engstelle); Abgrenzung durch Endoskopie, pH-Metrie/Impedanzmessung (Säure- und Rückflussmessung) und Manometrie (Druckmessung)
  • Hyperkontraktiler Ösophagus (überaktiv zusammenziehende Speiseröhre) – thorakale Schmerzen (Brustkorbschmerzen) und Dysphagie; Abgrenzung durch hochauflösende Ösophagusmanometrie
  • Ineffektive Ösophagusmotilität (unzureichende Speiseröhrenbewegung) – hypomotile Motilitätsstörung (verminderte Bewegungsstörung), häufig im Kontext einer Refluxkrankheit oder systemischer Erkrankungen
  • Ösophagogastrale Übergangsobstruktion (Abflussbehinderung am Übergang von Speiseröhre und Magen) – manometrisches Muster (Druckmessungsmuster) mit erhöhtem Relaxationsdruck (Entspannungsdruck) am unteren Ösophagussphinkter (unterer Speiseröhrenschließmuskel) ohne vollständige Achalasiekriterien; strukturelle Ursachen müssen endoskopisch und bildgebend ausgeschlossen werden
  • Ösophagusdivertikel (Aussackung der Speiseröhre) – insbesondere epiphrenisches Divertikel (Aussackung oberhalb des Zwerchfells) bei Motilitätsstörung; Abgrenzung durch Ösophagusbreischluck (Röntgenuntersuchung der Speiseröhre mit Kontrastmittel) und Endoskopie
  • Ösophagusstenose, benigne (gutartige Speiseröhrenverengung) – peptische Striktur, Anastomosenstenose (Engstelle an einer operativen Verbindung), Strahlenstenose (Engstelle nach Bestrahlung) oder ätzungsbedingte Stenose; Abgrenzung durch Endoskopie und Histologie (Gewebeuntersuchung)
  • Schatzki-Ring (Schleimhautring am unteren Speiseröhrenende) – intermittierende feste Dysphagie und Bolusimpaktion; Abgrenzung durch Endoskopie beziehungsweise Ösophagusbreischluck
  • Sklerodermie-Ösophagus (Speiseröhrenbeteiligung bei Bindegewebsverhärtung) – hypomotiler Ösophagus (vermindert bewegliche Speiseröhre) mit insuffizientem unterem Ösophagussphinkter und schwerer Refluxkrankheit; Abgrenzung zur Achalasie durch Manometrie
  • Zenker-Divertikel (Aussackung im oberen Speiseröhrenbereich) – Differentialdiagnose bei oropharyngealer Dysphagie (Schluckstörung im Mund-Rachen-Bereich), Regurgitation unverdauter Speisen, Foetor ex ore (Mundgeruch), Husten beim Schlucken oder Aspirationsneigung (Neigung zum Verschlucken); Abgrenzung durch Pharyngoesophagographie (Röntgenuntersuchung von Rachen und Speiseröhre)

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Systemische Sklerose (Bindegewebsverhärtung) – relevante Ursache einer ösophagealen Dysmotilität mit fehlender oder verminderter Peristaltik (Transportbewegung) und häufig ausgeprägter Refluxsymptomatik (Rückflussbeschwerden)

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Kardiakarzinom (Magenmundkrebs) – wichtigste Ursache einer Pseudoachalasie (achalasieähnliche Erkrankung); besonders zu erwägen bei höherem Alter, kurzer Symptomdauer, raschem Gewichtsverlust und erschwerter Passage des Endoskops (Spiegelungsgeräts) durch die Kardia (Magenmund)
  • Ösophaguskarzinom (Speiseröhrenkrebs) – kann eine mechanische Stenose oder eine sekundäre achalasieähnliche Motilitätsstörung verursachen
  • Pseudoachalasie durch maligne Infiltration (bösartiges Einwachsen) – insbesondere durch Adenokarzinom (Drüsenkrebs) des ösophagogastralen Übergangs (Übergangs von Speiseröhre und Magen), submuköse Tumorinfiltration (Tumoreinwachsen unter der Schleimhaut), Metastasen (Tochtergeschwülste) oder paraneoplastische Neuropathie (tumorbegleitende Nervenschädigung)

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Neurogene Dysphagie (nervenbedingte Schluckstörung) – insbesondere bei Schlaganfall, Morbus Parkinson (Schüttellähmung), amyotropher Lateralsklerose (Nervenerkrankung mit Muskelschwund) oder Myasthenia gravis (krankhafte Muskelschwäche); Abgrenzung bei oropharyngealer Dysphagie, Husten beim Schlucken, Aspiration (Einatmen von Nahrung oder Flüssigkeit) oder nasaler Regurgitation (Zurückfließen durch die Nase)

Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)

  • Postoperative ösophagogastrale Übergangsobstruktion (Abflussbehinderung nach Operation am Übergang von Speiseröhre und Magen) – insbesondere nach Fundoplicatio (Refluxoperation), bariatrischer Operation (Adipositasoperation) oder Eingriffen am ösophagogastralen Übergang

Medikamente

  • Opioide (starke Schmerzmittel) – können eine opioidinduzierte ösophageale Dysfunktion (durch Opioide ausgelöste Funktionsstörung der Speiseröhre) mit achalasieähnlichem oder spastischem manometrischem Muster verursachen