BDSM/Sadomasochismus – Definition, Einordnung und Abgrenzung

Der Begriff BDSM ist ein Akronym und umfasst verschiedene, miteinander verwandte Bereiche sexuellen Erlebens und Verhaltens: Bondage und Disziplin (B/D), Dominanz und Submission (D/s) sowie Sadismus und Masochismus (S/M). Gemeint sind konsensuelle sexuelle Praktiken und Beziehungskonstellationen, bei denen Macht, Kontrolle, Rollenverteilung, körperliche Restriktion oder auch gezielt eingesetzte Schmerzreize Bestandteil des sexuellen Erlebens sein können [1-3].

Zentral ist dabei, dass diese Elemente bewusst, freiwillig und einvernehmlich in das sexuelle Geschehen integriert werden. BDSM beschreibt somit kein einheitliches Verhalten, sondern ein breites Spektrum unterschiedlicher Ausdrucksformen, Intensitäten und Beziehungsmuster [1, 2].

Einordnung im Spektrum sexuellen Verhaltens

BDSM ist als nicht-normative, aber konsensuelle Sexualpraxis einzuordnen. Es unterscheidet sich grundlegend von nicht-konsensuellen Handlungen, Gewalt oder sexuellen Übergriffen. Die bewusste Aushandlung von Rollen, Grenzen und Einwilligung stellt ein zentrales Strukturmerkmal dar [1, 3].

Aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht ist BDSM nicht per se Ausdruck einer psychischen Störung. Entscheidend für die Einordnung ist nicht die Art der Praxis, sondern der Kontext, in dem sie stattfindet, insbesondere Freiwilligkeit aller Beteiligten, Fähigkeit zur informierten Zustimmung, Respektierung individueller Grenzen und Abwesenheit von Zwang oder Fremdgefährdung [1-3].

Gesellschaftlicher und kultureller Kontext

In der öffentlichen Wahrnehmung wird BDSM häufig mit Gewalt, Machtmissbrauch oder psychischer Auffälligkeit assoziiert. Diese Zuschreibungen beruhen vor allem auf medialen Verkürzungen und moralischen Normvorstellungen. Gleichzeitig zeigen gesellschaftliche Entwicklungen eine zunehmende Sichtbarkeit und Differenzierung BDSM-bezogener Lebens- und Beziehungsformen [3, 4].

Innerhalb entsprechender Gemeinschaften haben sich klare ethische Leitlinien etabliert, die Konsens, Sicherheit und Kommunikation betonen. Diese Selbstregulation verdeutlicht die Abgrenzung zu nicht-konsensuellen Verhaltensweisen [1, 3].

Abgrenzung zu problematischen oder behandlungsbedürftigen Konstellationen

BDSM ist nicht gleichzusetzen mit sexueller Gewalt, Missbrauch oder pathologischer Aggression. Eine klare Abgrenzung ist jedoch erforderlich, wenn Einwilligung fehlt oder nicht wirksam gegeben werden kann, Macht- oder Abhängigkeitsverhältnisse ausgenutzt werden, erheblicher Leidensdruck entsteht oder körperliche beziehungsweise psychische Schädigungen auftreten [1, 3].

In solchen Fällen liegt nicht das konsensuelle BDSM-Verhalten im Vordergrund, sondern eine Grenzüberschreitung oder eine eigenständige klinisch relevante Problematik, die unabhängig vom BDSM-Kontext zu bewerten ist [1, 3].

Klinische Relevanz – wann Aufmerksamkeit sinnvoll ist

Eine medizinische oder psychologische Aufmerksamkeit kann sinnvoll sein, wenn BDSM-bezogene Praktiken mit anhaltendem subjektivem Leidensdruck verbunden sind, zu wiederkehrenden Konflikten in Beziehungen führen, mit Kontrollverlust oder fehlender Abgrenzungsfähigkeit einhergehen oder als alleiniges Mittel zur Emotionsregulation genutzt werden [1, 3].

Dabei steht nicht die Praxis selbst, sondern deren funktionale Bedeutung für das psychische Erleben im Vordergrund [1-3].

Zusammenfassung

BDSM bezeichnet ein breites Spektrum konsensueller sexueller Praktiken und Beziehungsdynamiken, die sich durch bewusst ausgehandelte Macht-, Rollen- oder Kontrollaspekte auszeichnen. Als nicht-normative, aber einvernehmliche Sexualform ist BDSM nicht per se krankhaft. Eine sachliche medizinisch-wissenschaftliche Einordnung erfordert die klare Trennung zwischen Konsens und Zwang, Normvarianz und tatsächlicher klinischer Relevanz [1-4].

Literatur

  1. Jozifkova E: Consensual sadomasochistic sex (BDSM): The roots, the risks, and the distinctions between BDSM and violence. Curr Psychiatry Rep. 2013;15(9):392. doi: https://doi.org/10.1007/s11920-013-0392-1
  2. Wuyts E, Morrens M. The biology of BDSM: A systematic review. J Sex Med. 2022;19(1):144-157. doi: https://doi.org/10.1016/j.jsxm.2021.11.002
  3. Fanghanel A: Asking for it: BDSM sexual practice and the trouble of consent. Sexualities. 2020;23(4):550-567. doi: https://doi.org/10.1177/1363460719828933
  4. Richters J, de Visser RO, Rissel CE, Grulich AE, Smith AMA: Demographic and psychosocial features of participants in bondage and discipline, “sadomasochism” or dominance and submission (BDSM): Data from a national survey. J Sex Med. 2008;5(7):1660-1668. doi: https://doi.org/10.1111/j.1743-6109.2008.00795.x
  5. Wuyts E, De Neef N, Coppens V et al.: Between pleasure and pain: A pilot study on the biological mechanisms associated with BDSM interactions in dominants and submissives. J Sex Med. 2020 Apr;17(4):784-792. doi: 10.1016/j.jsxm.2020.01.001. Epub 2020 Feb 7.