Gehörgangsentzündung (Otitis externa) – Differentialdiagnosen

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Allergisches Kontaktekzem (allergische Hautentzündung durch Kontaktstoffe) des äußeren Gehörgangs – insbesondere bei persistierender oder rezidivierender Symptomatik (Beschwerden) nach topischen Ohrpräparaten (örtlich angewendeten Ohrmedikamenten), Ohrstöpseln, Hörgeräten oder Kosmetika; Leitsymptom häufig Pruritus (Juckreiz) mit Erythem (Rötung), Ödem (Schwellung) und Schuppung.
  • Atopisches Ekzem (Neurodermitis) – chronisch-rezidivierende ekzematöse Veränderung des äußeren Gehörgangs; prädisponiert sekundär zu bakterieller oder mykotischer Otitis externa (Entzündung des äußeren Gehörgangs).
  • Psoriasis (Schuppenflechte) des äußeren Gehörgangs – schuppende, erythematöse Dermatose (Hauterkrankung) mit möglicher Gehörgangsobstruktion (Verlegung des Gehörgangs) und sekundärer Entzündung.
  • Seborrhoisches Ekzem (fettendes Hautekzem) – häufig ekzematöse, schuppende Entzündung im Bereich der Ohrmuschel und des äußeren Gehörgangs; kann eine Otitis externa imitieren oder begünstigen.

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Herpes zoster oticus (Gürtelrose des Ohres) (Ramsay-Hunt-Syndrom) – vesikulärer Ausschlag (bläschenförmiger Ausschlag) im Bereich von Ohrmuschel/Gehörgang, otalgiforme Schmerzen (ohrschmerzartige Schmerzen) und gegebenenfalls Fazialisparese (Gesichtsnervenlähmung); wichtige Differentialdiagnose bei starken Schmerzen und neurologischen Begleitsymptomen.

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Gehörgangskarzinom (Krebs des äußeren Gehörgangs) – wichtige Differentialdiagnose bei therapieresistenter, blutender, granulierender oder einseitig chronischer Otitis-externa-ähnlicher Symptomatik, insbesondere bei Verdacht auf Otitis externa necroticans (nekrotisierende Entzündung des äußeren Gehörgangs).

Ohren – Warzenfortsatz (H60-H95)

  • Cerumen obturans (Ohrenschmalzpfropf) – Gehörgangsobstruktion mit Druckgefühl, Hörminderung und gegebenenfalls Schmerz; Ohrentropfen können durch Quellung die Symptomatik verstärken.
  • Chronische suppurative Otitis media (chronische eitrige Mittelohrentzündung) – chronische Otorrhoe (Ohrfluss) bei Trommelfelldefekt (Loch im Trommelfell); Differentialdiagnose bei länger bestehendem eitrigem Ohrfluss und Mittelohrbefund.
  • Gehörgangscholesteatom (Perlgeschwulst des äußeren Gehörgangs) – seltene keratinisierende Erkrankung (hornbildende Erkrankung) des äußeren Gehörgangs mit chronischer Otorrhoe, Schmerzen und möglicher knöcherner Destruktion (Knochenzerstörung); Differentialdiagnose zu chronischer oder necroticans wirkender Otitis externa.
  • Keratosis obturans (Hornpfropf des Gehörgangs) – Keratinpfropf (Hornpfropf) des äußeren Gehörgangs mit Schmerzen, Hörminderung und Gehörgangserweiterung; abzugrenzen von Cerumen obturans und Gehörgangscholesteatom.
  • Mastoiditis (Entzündung des Warzenfortsatzes) – Differentialdiagnose bei retroaurikulärer Druckschmerzhaftigkeit (Druckschmerz hinter dem Ohr), abstehender Ohrmuschel, Fieber und Verschlechterung nach Otitis media (Mittelohrentzündung).
  • Otitis externa circumscripta (umschriebene Entzündung des äußeren Gehörgangs) – lokalisierter Furunkel (Eiterknoten) des äußeren Gehörgangs mit umschriebenem, stark schmerzhaftem Befund; abzugrenzen von diffuser Otitis externa.
  • Otitis externa necroticans (maligne Otitis externa) – invasive, potentiell lebensbedrohliche Form mit starken, oft disproportionalen Schmerzen, Granulationsgewebe (Wundheilungsgewebe) am knorpelig-knöchernen Übergang, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) und möglicher Hirnnervenbeteiligung.
  • Otitis media acuta (akute Mittelohrentzündung) – Mittelohrentzündung mit Trommelfellvorwölbung, Mittelohrerguss (Flüssigkeit im Mittelohr) und otoskopischem Mittelohrbefund (Ohrspiegelungsbefund des Mittelohrs); nach Trommelfellperforation (Trommelfelldurchbruch) Otorrhoe möglich.
  • Otomykose (Pilzinfektion des äußeren Gehörgangs) – mykotische Entzündung des äußeren Gehörgangs, häufig nach Antibiotika-/Steroid-Ohrentropfen; typisch sind Juckreiz, chronischer Verlauf und pilztypischer Belag.
  • Paukenerguss/Seromukotympanon (Flüssigkeit hinter dem Trommelfell) – Druckgefühl und Schallleitungsschwerhörigkeit (Schwerhörigkeit durch gestörte Schallweiterleitung) ohne typische schmerzhafte Gehörgangsentzündung.
  • Perichondritis der Ohrmuschel (Entzündung der Knorpelhaut der Ohrmuschel) – schmerzhafte Rötung und Schwellung der Ohrmuschel mit ausgespartem Ohrläppchen; häufig nach Trauma (Verletzung), Piercing oder Operation.
  • Tubenfunktionsstörung/Tubenkatarrh (Belüftungsstörung der Ohrtrompete) – Ohrdruck, Knacken und Hörminderung ohne entzündlichen Gehörgangsbefund.

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Barotrauma des Ohres (Druckverletzung des Ohres) – Ohrschmerz nach Flug, Tauchen oder Druckereignis; Befund typischerweise am Trommelfell/Mittelohr, nicht primär am Gehörgang.
  • Fremdkörper im Gehörgang – Schmerzen, Otorrhoe, Blutung oder Gehörgangsreizung; besonders bei Kindern und bei Hörgeräte-/Ohrstöpselträgern relevant.
  • Traumatische Gehörgangsläsion (verletzungsbedingte Schädigung des Gehörgangs) – nach Manipulation mit Wattestäbchen, Ohrreinigung, Spülung, Hörgerät oder Kratzen; kann eine sekundäre Otitis externa imitieren oder auslösen.