Harnverhaltung (Ischurie) – Weitere Therapie
Harnverhaltung (Ischurie) – Therapie
- Akuter Harnverhalt (medizinischer Notfall):
- Bei akuter Harnverhaltung (plötzliche Unfähigkeit, die Harnblase zu entleeren) ist die dringlichste Maßnahme die rasche Wiederherstellung des Urinabflusses.
- Dies erfolgt im Regelfall durch einen transurethralen Dauerkatheter (Blasenkatheter über die Harnröhre) (Standard).
- Alternativ kann ein suprapubischer Katheter (SPK) (Blasenkatheter durch die Bauchwand) oder eine suprapubische Blasenpunktion (Punktion der Harnblase durch die Bauchwand) zur Anwendung kommen.
- Nach Harnableitung:
- Nach Ableitung des Urins erfolgt die notwendige diagnostische Abklärung der Ursache des Harnverhaltes.
- Analgetische Therapie:
- Bei persistierenden Schmerzen nach Katheteranlage können Paracetamol oder Metamizol eingesetzt werden.
Operative Maßnahmen
- Akutsituation:
- Chirurgische Maßnahmen zur definitiven Beseitigung einer Obstruktion werden in der akuten Notfallsituation selten durchgeführt.
- Sie erfolgen in der Regel erst nach einer weiterführenden diagnostischen Abklärung.
- Indikationen zur operativen Desobstruktion:
- Rezidivierender Harnverhalt bei benigner Prostatahyperplasie
- Wiederholte Harnwegsinfektionen (Infektionen der Harnwege)
- Harnblasensteine (Steine in der Harnblase)
- Konservativ nicht beherrschbare Makrohämaturie (sichtbares Blut im Urin)
- Schädigung des oberen Harntraktes infolge einer Prostataobstruktion
Weitere Hinweise
- Patienten mit benigner Prostatahyperplasie (BPH): Die Inzidenz und Mortalität bei akutem Harnverhalt von Männern hat sich trotz rückläufiger Rate von BPH-Operationen nicht erhöht; die Mortalität liegt jedoch weiterhin bei etwa 18 % im ersten Jahr nach Harnverhalt [1].
- Atoner Harnverhalt: siehe Neurogene Blase (durch Nervenstörung verursachte Blasenfunktionsstörung).
Literatur
- Bengtsen MB et al.: Acute urinary retention in men: 21-year trends in incidence, subsequent benign prostatic hyperplasia-related treatment and mortality: A Danish population-based cohort study. Prostate. 2022.
https://doi.org/10.1002/pros.24440