Membranoproliferative Glomerulonephritis – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine membranoproliferative Glomerulonephritis (MPGN) (Nierenkörperchenentzündung mit charakteristischer Umbildung der Filterstrukturen) mitbedingt sein können:

Die membranoproliferative Glomerulonephritis bezeichnet nach heutiger Klassifikation kein einheitliches Krankheitsbild, sondern ein histopathologisches glomeruläres Schädigungsmuster (mikroskopisch erkennbares Schädigungsmuster der Nierenkörperchen). Pathogenetisch werden insbesondere immunkomplexvermittelte Formen (durch Ablagerungen von Antikörper-Antigen-Komplexen verursachte Formen) und komplementdominante Formen (durch Fehlregulation des Komplementsystems verursachte Formen), vor allem die C3-Glomerulopathie (komplementbedingte Erkrankung der Nierenkörperchen), unterschieden. Verlauf und Folgeerkrankungen werden wesentlich durch die zugrunde liegende Pathobiologie, die persistierende Proteinurie (anhaltend erhöhte Eiweißausscheidung im Urin) und die Entwicklung einer chronischen Nierenkrankheit (dauerhafte Nierenerkrankung) bestimmt [1-4, LL1].

Atmungssystem (J00-J99)

  • Lungenödem (Flüssigkeitsansammlung in der Lunge) bei ausgeprägter renaler Natrium- und Wasserretention (durch die Niere bedingte Salz- und Wassereinlagerung), insbesondere bei akuter Nierenschädigung (plötzliche Verschlechterung der Nierenfunktion) oder fortgeschrittener chronischer Nierenkrankheit; kann mit schwerer Dyspnoe (Atemnot) und Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut) einhergehen [LL1, LL2]

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Anämie bei chronischer Nierenkrankheit (Blutarmut bei dauerhafter Nierenerkrankung) im Verlauf einer fortschreitenden Einschränkung der Nierenfunktion insbesondere durch eine verminderte renale Erythropoetinproduktion (verminderte Bildung des blutbildenden Hormons Erythropoetin in der Niere), gestörte Eisenhomöostase (gestörter Eisenhaushalt) und weitere CKD-assoziierte Mechanismen [LL3]

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung) insbesondere bei nephrotischem Verlauf mit Hypercholesterinämie (erhöhtem Cholesterinspiegel) und häufig Hypertriglyceridämie (erhöhtem Triglyceridspiegel) als Folge des ausgeprägten renalen Proteinverlusts [LL1]

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) häufige Begleit- und Folgeerscheinung durch eingeschränkte renale Natriumausscheidung und neurohumorale Aktivierung; eine persistierende Hypertonie kann ihrerseits die Progression der chronischen Nierenkrankheit beschleunigen [LL1, LL2]
  • Venöse Thromboembolien (Blutgerinnsel in den Venen mit möglicher Gefäßverschleppung) bei nephrotischem Syndrom (Nierenerkrankung mit starkem Eiweißverlust im Urin) infolge der erworbenen Hyperkoagulabilität (erhöhten Blutgerinnungsneigung); möglich sind insbesondere tiefe Venenthrombose (Blutgerinnsel in einer tiefen Vene) und Lungenembolie (Verschluss einer Lungenarterie durch ein Blutgerinnsel) [LL1]
  • Arterielle thromboembolische Ereignisse (Gefäßverschlüsse in Arterien durch Blutgerinnsel) bei ausgeprägtem nephrotischem Syndrom ebenfalls möglich; das Risiko wird durch zusätzliche kardiovaskuläre Risikofaktoren und eine eingeschränkte Nierenfunktion verstärkt [LL1, LL2]
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche) bei fortschreitender chronischer Nierenkrankheit steigt das Risiko infolge Volumenbelastung, arterieller Hypertonie und CKD-assoziierter kardiovaskulärer Veränderungen [LL2]

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Bakteriämie (Bakterien im Blut) und Sepsis (lebensbedrohliche Organdysfunktion durch eine Infektion) bei ausgeprägtem nephrotischem Syndrom kann durch den renalen Verlust immunologisch wirksamer Plasmaproteine die Infektanfälligkeit erhöht sein [LL1]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Ödeme (Wassereinlagerungen im Gewebe) bis zur Anasarka (ausgeprägte Wassereinlagerung des gesamten Körpers) insbesondere bei nephrotischer Proteinurie und Hypoalbuminämie (erniedrigtem Albuminspiegel im Blut) in Verbindung mit renaler Natrium- und Wasserretention [LL1]
  • Aszites (Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle) bei schwerem nephrotischem Syndrom infolge ausgeprägter Hypoalbuminämie und Flüssigkeitsretention möglich [LL1]

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Akute Nierenschädigung möglich bei ausgeprägter entzündlicher glomerulärer Aktivität oder rascher Verschlechterung der Nierenfunktion; ein unvollständiges Erholen der Nierenfunktion kann in eine chronische Nierenkrankheit übergehen [LL1, LL2]
  • Nephritisches Syndrom (Nierenentzündung mit Blut und Eiweiß im Urin, Bluthochdruck und eingeschränkter Nierenfunktion) mit glomerulärer Hämaturie (Blut im Urin infolge einer Schädigung der Nierenkörperchen), Proteinurie, arterieller Hypertonie und eingeschränkter Nierenfunktion; eine klinische Manifestationsform des MPGN-Schädigungsmusters [LL1]
  • Nephrotisches Syndrom bei ausgeprägter glomerulärer Proteinurie (stark erhöhter Eiweißausscheidung aufgrund einer Schädigung der Nierenkörperchen) mit Hypoalbuminämie und Ödemen; nephrotische Proteinurie ist insbesondere bei persistierendem Verlauf prognostisch relevant [1-4, LL1]
  • Chronische Nierenkrankheit Folge persistierender glomerulärer Schädigung mit fortschreitendem Verlust funktionsfähiger Nephrone (Funktionseinheiten der Niere) und zunehmenden chronischen glomerulären und tubulointerstitiellen Veränderungen (Veränderungen der Nierenkörperchen, Nierenkanälchen und des umgebenden Gewebes) [1-4]
  • Nierenversagen (hochgradiger Verlust der Nierenfunktion) eine der prognostisch bedeutsamsten Langzeitfolgen. In der italienischen Registerkohorte entwickelten 26 % der Patienten mit primärer C3-Glomerulopathie bzw. primärer immunkomplexvermittelter MPGN innerhalb eines medianen Beobachtungszeitraums von fünf Jahren ein Nierenversagen; im britischen RaDaR-Register waren es 40 % bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 11 Jahren. Der systematische Review berichtet, abhängig von Population und Beobachtungsdauer, Nierenversagen bei bis zu 50 % der Patienten mit C3-Glomerulopathie und bis zu 37 % mit primärer immunkomplexvermittelter MPGN [1, 2, 4]
  • Sekundärer Hyperparathyreoidismus renalen Ursprungs (Überfunktion der Nebenschilddrüsen infolge einer Nierenerkrankung) mögliche Folge einer fortgeschrittenen chronischen Nierenkrankheit im Rahmen der CKD-assoziierten Störung des Mineral- und Knochenstoffwechsels (Störung des Mineral- und Knochenhaushalts bei chronischer Nierenkrankheit) [LL2]
  • Renale Osteodystrophie (Knochenerkrankung infolge chronischer Nierenfunktionsstörung) mögliche Langzeitfolge einer fortgeschrittenen chronischen Nierenkrankheit im Rahmen der CKD-assoziierten Störung des Mineral- und Knochenstoffwechsels [LL2]
  • Rezidiv der Grunderkrankung im Nierentransplantat (Wiederauftreten der Grunderkrankung in der transplantierten Niere) nach Nierentransplantation (Übertragung einer Spenderniere) besteht ein relevantes Rezidivrisiko. In einer multizentrischen Kohorte trat ein klinisch manifestes Rezidiv bei 25 % der Patienten auf; die Rezidivrate betrug 62 % bei komplementvermittelter MPGN und 67 % bei mit Dysproteinämie (krankhafter Veränderung der Bluteiweiße) assoziierter MPGN. Neuere Übersichten berichten, abhängig von Biopsiestrategie und Nachbeobachtungsdauer, Rezidivraten von 67-89 % bei C3-Glomerulopathie und 15-45 % bei primärer immunkomplexvermittelter MPGN [5, 6]

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Transplantatdysfunktion (Funktionsstörung der transplantierten Niere) bis zum Transplantatversagen (Funktionsverlust der transplantierten Niere) infolge eines MPGN-Rezidivs ein Rezidiv im Nierentransplantat ist mit einer deutlich ungünstigeren Transplantatprognose verbunden. In der multizentrischen Transplantationskohorte entwickelten 33 der 54 Patienten mit Rezidiv ein Nierenversagen des Transplantats; aktuelle Übersichten berichten nach eingetretenem Rezidiv über Transplantatverlustraten von etwa 50-60 % bei C3-Glomerulopathie und 43-56 % bei immunkomplexvermittelter MPGN [5, 6]

Prognosefaktoren

  • Persistierende Proteinurie einer der am konsistentesten belegten prognostischen Faktoren. Eine Proteinurie von ≥ 1 g/24 Stunden ein Jahr nach Diagnosestellung ist mit einem erhöhten Risiko für ungünstige renale Endpunkte verbunden; eine persistierende zeitgemittelte Proteinurie < 1 g/Tag ist dagegen mit einer besseren Nierenprognose assoziiert [2, 3]
  • Proteinurie nach zwölf Monaten im britischen RaDaR-Register war eine Urin-Protein-Kreatinin-Ratio < 100 mg/mmol zwölf Monate nach Diagnosestellung mit einem etwa 90 % niedrigeren Risiko für späteres Nierenversagen assoziiert (HR 0,10; 95-%-KI 0,03-0,30). Die Proteinurie bei Diagnosestellung allein war in dieser Kohorte dagegen nicht signifikant mit dem späteren Nierenversagen assoziiert [1]
  • Abnahme der Proteinurie im Verlauf eine Reduktion der Proteinurie um ≥ 50 % war in einer multizentrischen Längsschnittkohorte mit einem geringeren Risiko für Nierenversagen assoziiert (HR 0,61; 95-%-KI 0,46-0,75). Eine Reduktion um ≥ 30 % nach sechs Monaten bzw. ≥ 50 % nach zwölf Monaten war zudem mit einem langsameren Abfall der geschätzten glomerulären Filtrationsrate und einem geringeren Risiko für Nierenversagen verbunden [3]
  • Nierenfunktion eine eingeschränkte geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (geschätzte Filterleistung der Niere) ist mit einer ungünstigeren Prognose verbunden. In der longitudinalen Kohorte war eine Ausgangs-eGFR ≥ 60 ml/min/1,73 m2 in mehreren Modellen mit einem deutlich niedrigeren Risiko für Nierenversagen assoziiert; auch die Entwicklung der eGFR im Verlauf besitzt prognostische Bedeutung [1, 3]
  • Histologische Chronizität (Ausmaß dauerhaft bestehender Gewebeschäden) ein höherer histologischer Chronizitätsscore, insbesondere irreversible glomeruläre und tubulointerstitielle Schäden, ist stark mit einem erhöhten Risiko für Nierenversagen assoziiert. In der longitudinalen Kohorte war ein Chronizitätsscore ≥ 4 gegenüber < 4 mit deutlich ungünstigeren renalen Endpunkten verbunden [3]
  • Alter bei Krankheitsbeginn ein Krankheitsbeginn im Kindesalter ist mit einer günstigeren Nierenprognose assoziiert als ein Beginn im Erwachsenenalter. Die italienische Registerkohorte bestätigte ein signifikant besseres langfristiges Nierenüberleben bei pädiatrischem Erkrankungsbeginn [2]
  • Pathobiologischer Subtyp (krankheitsmechanistische Unterform) für die native Nierenprognose zeigen große neuere Kohorten keinen konsistenten unabhängigen Unterschied zwischen primärer C3-Glomerulopathie und primärer immunkomplexvermittelter MPGN. Proteinurie im Verlauf, Nierenfunktion und Chronizitätsschäden sind prognostisch aussagekräftiger als die histologische Subgruppe allein [1-4]
  • Zugrunde liegende Ätiologie (zugrunde liegende Ursache) bei sekundärer immunkomplexvermittelter MPGN hängen Prognose und Progressionsrisiko wesentlich von der zugrunde liegenden Erkrankung und ihrer Kontrollierbarkeit ab, insbesondere bei chronischen Infektionen, Autoimmunerkrankungen (Erkrankungen durch eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems gegen körpereigene Strukturen) und monoklonalen Gammopathien (Erkrankungen mit Bildung eines einheitlichen krankhaften Eiweißes durch einen Zellklon) [LL1]
  • Rezidiv nach Nierentransplantation das Auftreten eines Rezidivs ist ein wesentlicher negativer Prognosefaktor für das Transplantatüberleben. Besonders hohe Rezidivraten finden sich bei komplementvermittelter MPGN und bei mit Dysproteinämie assoziierten Formen [5, 6]
  • Frühes Rezidiv nach Nierentransplantation, eingeschränkte Transplantatfunktion und Hypoalbuminämie bei eingetretenem Rezidiv waren ein Auftreten innerhalb von weniger als 15 Monaten nach Transplantation, eine geschätzte glomeruläre Filtrationsrate < 30 ml/min/1,73 m2 und ein Serumalbumin < 3,5 g/dl mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit einer Remission (Rückgang der Krankheitsaktivität) und einer ungünstigeren Transplantatprognose assoziiert [5, 6]

Literatur

  1. Masoud S, Wong K, Pitcher D et al.: Quantifying association of early proteinuria and estimated glomerular filtration rate changes with long-term kidney failure in C3 glomerulopathy and immune-complex membranoproliferative glomerulonephritis using the United Kingdom RaDaR Registry. Kidney Int. 2025;108(3):455-469. doi: 10.1016/j.kint.2025.06.003
  2. Nanchen G, Marasà M, Breno M et al.: Natural History and Clinical Associations with Long-Term Outcomes in Primary C3 Glomerulopathy and Immune Complex-Mediated Membranoproliferative GN. Clin J Am Soc Nephrol. 2026;21(4):626-640. doi: 10.2215/CJN.0000000953
  3. Caravaca-Fontán F, Toledo-Rojas R, Huerta A et al.: Comparative Analysis of Proteinuria and Longitudinal Outcomes in Immune Complex Membranoproliferative Glomerulonephritis and C3 Glomerulopathy. Kidney Int Rep. 2025;10(4):1223-1236. doi: 10.1016/j.ekir.2025.01.024
  4. Caravaca-Fontán F, Fakhouri F, Pickering MC et al.: Clinical Presentation, Treatment Patterns, Burden of Disease, and the Association of Proteinuria with Clinical Outcomes in C3 Glomerulopathy and Primary Immune Complex Membranoproliferative Glomerulonephritis: A Systematic Review. Nephron. 2026;150(1):25-40. doi: 10.1159/000548245
  5. Caravaca-Fontán F, Polanco N, Villacorta B et al.: Recurrence of immune complex and complement-mediated membranoproliferative glomerulonephritis in kidney transplantation. Nephrol Dial Transplant. 2023;38(1):222-235. doi: 10.1093/ndt/gfac148
  6. Ruiz-Cabello JE, Trujillo H, Cavero T et al.: Recurrence of C3 Glomerulopathy and Immune Complex-Mediated Membranoproliferative Glomerulonephritis After Kidney Transplantation: Challenges and Opportunities. Kidney Int Rep. 2026;11(2):103682. doi: 10.1016/j.ekir.2025.11.008

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) Glomerular Diseases Work Group: KDIGO 2021 Clinical Practice Guideline for the Management of Glomerular Diseases. Kidney Int. 2021;100(4S):S1-S276. doi: 10.1016/j.kint.2021.05.021. KDIGO-Leitlinienseite. [LL1]
  2. Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group: KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int. 2024;105(4S):S117-S314. doi: 10.1016/j.kint.2023.10.018. KDIGO-Leitlinienseite. [LL2]
  3. Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) Anemia Work Group: KDIGO 2026 Clinical Practice Guideline for the Management of Anemia in Chronic Kidney Disease (CKD). Kidney Int. 2026;109(1S):S1-S99. doi: 10.1016/j.kint.2025.06.006. KDIGO-Leitlinienseite. [LL3]