Hepatische Enzephalopathie – Klassifikation

Die hepatische Enzephalopathie (HE) wird anhand klinischer Kriterien nach den West-Haven-Kriterien graduiert; zusätzlich wird zwischen verdeckter hepatischer Enzephalopathie (covert HE) und manifester hepatischer Enzephalopathie (overt HE) unterschieden:

Stadium/Grad Klinische Zuordnung Beschreibung Psychometrische Testverfahren
Minimale HE Verdeckte HE Keine klinisch erkennbare Bewusstseins- oder Orientierungsstörung; Nachweis diskreter kognitiver und/oder psychomotorischer Defizite, insbesondere in Aufmerksamkeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Exekutivfunktionen, Feinmotorik und visuell-räumlicher Wahrnehmung. Pathologisch; Nachweis nur durch standardisierte psychometrische oder neurophysiologische Testverfahren möglich.
I Verdeckte HE Geringgradige Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Schlaf-Wach-Rhythmus-Störung; subtile Verhaltensänderung, Reizbarkeit, Euphorie oder Angst; veränderte Feinmotorik möglich; keine Desorientierung. In der Regel pathologisch; psychometrische Testverfahren können die klinische Einschätzung ergänzen.
II Manifeste HE Lethargie oder Apathie, zeitliche Desorientierung, deutliche Persönlichkeits- und Verhaltensänderung, verlangsamte Reaktion, verwaschene Sprache, Asterixis. Meist nicht erforderlich; Diagnose klinisch. Psychometrische Testverfahren sind häufig nicht mehr zuverlässig durchführbar.
III Manifeste HE Somnolenz bis Sopor, jedoch noch erweckbar; ausgeprägte Verwirrtheit, Desorientierung, inadäquates Verhalten, deutliche neurologische Auffälligkeiten; Asterixis kann vorhanden sein. Nicht mehr sinnvoll durchführbar.
IV Manifeste HE Koma; Patient nicht erweckbar, fehlende adäquate Reaktion auf verbale Reize; Reaktion auf Schmerzreize je nach Komatiefe vermindert oder fehlend. Nicht mehr möglich.

Die Begriffe „subklinische“ oder „latente“ hepatische Enzephalopathie sollten zugunsten der heute gebräuchlichen Einordnung als minimale hepatische Enzephalopathie beziehungsweise verdeckte hepatische Enzephalopathie vermieden werden. Die verdeckte hepatische Enzephalopathie umfasst die minimale hepatische Enzephalopathie und West-Haven Grad I; die manifeste hepatische Enzephalopathie umfasst West-Haven Grad II-IV.

Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) der covert/minimalen hepatischen Enzephalopathie bei Patienten mit Leberzirrhose liegt nach einer aktuellen systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse bei etwa 40,9 %. In Studien mit Psychometric Hepatic Encephalopathy Score (PHES) als diagnostischem Verfahren lag die gepoolte Prävalenz bei 39,9 %.

* Psychometrische Testverfahren umfassen insbesondere den Psychometric Hepatic Encephalopathy Score (PHES) beziehungsweise den Portosystemic Encephalopathy Syndrome Test. Dieser enthält unter anderem Zahlenverbindungstests, Liniennachfahrtest, Zahlensymboltest und weitere standardisierte Aufgaben zur Prüfung von Aufmerksamkeit, psychomotorischer Geschwindigkeit, Feinmotorik und visuell-räumlicher Verarbeitung. Die Testverfahren müssen alters- und bildungsadjustiert sowie populationsspezifisch normiert interpretiert werden.

Literatur

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Leitlinien

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