Hepatische Enzephalopathie – Klassifikation

Anhand der "West-Haven-Kriterien" wird die hepatische Enzephalopathie (HE) in folgende Stadien eingeteilt:  

Stadium
Beschreibung
Psychometrische Testverfahren*
0 (minimale   HE) asymptomatisch; keine klinisch-neurologischen Symptome, aber Defizite in kognitiven Teilbereichen wie Aufmerksamkeit, Feinmotorik, Kurzzeitgedächtnis, visuell-räumliche Wahrnehmung pathologisch (krankhaft)
I beginnende Schläfrigkeit, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Verlangsamung, verwaschene Sprache, Verwirrung pathologisch
II Apathie, Flattertremor (grobschlägiges Zittern der Hände), stärkere Schläfrigkeit; Veränderungen von Schriftproben, EEG: Triphasische Wellen pathologisch
III Flattertremor, Patient schläft überwiegend, ist aber erweckbar; Kornealreflexe (Lidschlussreflex) und Sehnenreflexe erhalten; einsetzender Geruch nach roher Leber ("Foetor hepaticus"); EEG: Triphasische Wellen  nicht mehr möglich
IV Leberausfallkoma (Coma hepaticum): keine Reaktion mehr auf Schmerzreize, keine Kornealreflexe, ausgeprägter Foetor hepaticus, meist fehlt der Flattertremor, tiefer Schlaf, nicht erweckbar; EEG: Delta-Aktivität nicht mehr möglich

22-74 % der Patienten mit Leberzirrhose haben bereits eine "minimale hepatische Enzephalopathie" (Synonym: latente (verborgene) hepatische Enzephalopathie) [1].

* Psychometrische Testverfahren = Zahlenverbindungstest (Number-connection-Test), Liniennachfahr-Test, Zahlensymbol-Test; Sie dienen als Parameter für Konzentrationsfähigkeit, Feinmotorik sowie logisches Denken.

Literatur

  1. Dhiman RK, Saraswat VA, Sharma BK, Sarin SK, Chawla YK, Butterworth R et al.: Minimal hepatic encephalopathy: consensus statement of a working party of the Indian National Association for Study of the Liver. J Gastroenterol Hepatol. 2010 Jun;25(6):1029-41. doi: 10.1111/j.1440-1746.2010.06318.x.