Immunglobulin D (IgD)

Immunglobulin D (IgD) ist ein Immunglobulin (Antikörper) der B-Zell-Rezeptorfamilie (Strukturen auf bestimmten Immunzellen) und wird überwiegend membranständig (an der Zelloberfläche gebunden) auf naiven B-Lymphozyten (unreifen Abwehrzellen) exprimiert (gebildet). Es spielt eine Rolle in der Antigenbindung (Bindung von Fremdstoffen) und B-Zell-Aktivierung (Aktivierung von Abwehrzellen), wobei seine physiologische Funktion (normale Körperfunktion) im Serum (flüssiger Blutbestandteil) nur unvollständig geklärt ist.

In der klinischen Labordiagnostik (medizinische Laboruntersuchung) besitzt IgD eine untergeordnete Bedeutung und wird primär in speziellen Fragestellungen eingesetzt [1, 3].

Synonyme

  • IgD
  • Immunglobulin D (Antikörpertyp D)

Das Verfahren

  • Benötigtes Material
    • Serum
  • Vorbereitung des Patienten
    • Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
  • Störfaktoren
    • Hämolyse (Zerfall roter Blutkörperchen), Lipämie (erhöhter Fettgehalt im Blut)
    • Methodenspezifische Unterschiede zwischen Immunoassays (Labormessverfahren)
    • Geringe Stabilität bei längerer Lagerung
  • Methode
    • Immunnephelometrie (Messung von Streulicht durch Antigen-Antikörper-Reaktionen)
    • Immunturbidimetrie (Trübungsmessung durch Antigen-Antikörper-Reaktionen)
    • ELISA (enzyme-linked immunosorbent assay; Enzymtest)

Normbereiche (je nach Labor)

Subgruppe / Geschlecht / Alter Referenzbereich
Erwachsene < 100 mg/l

Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Verdacht auf seltene IgD-assoziierte Erkrankungen (durch diesen Antikörpertyp bedingte Erkrankungen)
  • Abklärung eines Hyper-IgD-Syndroms (Erkrankung mit erhöhtem IgD) bzw. einer Mevalonatkinase-Defizienz (angeborene Stoffwechselstörung) [1]
  • Ergänzende Diagnostik bei monoklonalen Gammopathien (Erkrankungen mit vermehrter Bildung eines bestimmten Antikörpers), insbesondere bei Verdacht auf ein IgD-Myelom (Knochenmarkkrebs mit IgD-Beteiligung) [2]
  • Seltene ergänzende Fragestellungen in der Immundiagnostik (Untersuchung des Immunsystems)

Interpretation

  • Erhöhte Werte
    • Hyper-IgD-Syndrom bzw. Mevalonatkinase-Defizienz, typischerweise mit klinischer Symptomatik eines autoinflammatorischen Syndroms (Erkrankung mit wiederkehrenden Entzündungen ohne Infektion) [1]
    • IgD-Myelom als seltene Form des multiplen Myeloms (Knochenmarkkrebs) [2]
    • Unspezifisch bei chronischen Entzündungen (lang anhaltende Entzündungen) oder Infektionen (Erkrankungen durch Erreger) mit begrenzter diagnostischer Aussagekraft
  • Erniedrigte Werte
    • In der Regel ohne klinische Relevanz (ohne Krankheitsbedeutung)
    • Physiologisch sehr niedrige Serumkonzentrationen (natürlich geringe Mengen im Blut)
  • Spezifische Konstellationen
    • Eine isolierte IgD-Erhöhung ist ohne passenden klinischen Kontext (Gesamtzusammenhang der Beschwerden) meist nicht diagnostisch verwertbar
    • Die Beurteilung sollte stets zusammen mit IgG, IgA, IgM und der klinischen Symptomatik (Krankheitszeichen) erfolgen [3]

Weiterführende Diagnostik

  • Immunglobuline IgG, IgA und IgM
  • Serum-Eiweißelektrophorese (Auftrennung der Eiweiße im Blut) und Immunfixation (genaue Bestimmung von Antikörpern) bei Verdacht auf monoklonale Gammopathie [2]
  • Genetische Diagnostik (Untersuchung des Erbguts) des MVK-Gens bei Verdacht auf Mevalonatkinase-Defizienz [1]
  • Entzündungsparameter – CRP (C-reaktives Protein) bzw. BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit)
  • Klinische Verlaufsbeurteilung (Beurteilung des Krankheitsverlaufs) bei autoinflammatorischen Syndromen

Literatur

  1. Stoffels M, Simon A. Hyper-IgD syndrome or mevalonate kinase deficiency. Curr Opin Rheumatol. 2011;23(5):419-423. https://doi.org/10.1097/BOR.0b013e328349c3b1
  2. Kyle RA, Rajkumar SV. Multiple myeloma. N Engl J Med. 2004;351(18):1860-1873. https://doi.org/10.1056/NEJMra041875
  3. Schroeder HW Jr, Cavacini L. Structure and function of immunoglobulins. J Allergy Clin Immunol. 2010;125(2 Suppl 2):S41-S52. https://doi.org/10.1016/j.jaci.2009.09.046