Monozyten
Monozyten sind mononukleäre Leukozyten (weiße Blutkörperchen) des angeborenen Immunsystems (unspezifische Abwehr). Sie zirkulieren nur kurz im peripheren Blut (Blutkreislauf außerhalb der Organe) und können nach Gewebeeintritt in Monozyten-abgeleitete Makrophagen (Fresszellen) oder dendritische Zellen (antigenpräsentierende Zellen) differenzieren.
In der klinischen Labordiagnostik werden sie im Rahmen des Differentialblutbildes (Aufschlüsselung der weißen Blutkörperchen) als absoluter und relativer Anteil bestimmt. Die Untersuchung dient vor allem der Einordnung entzündlicher (durch Entzündung bedingter), infektiöser (durch Infektionen bedingter), autoimmunologischer (gegen den eigenen Körper gerichteter) und hämatologischer (das Blut betreffender) Krankheitsbilder sowie der Erkennung persistierender Monozytosen (dauerhaft erhöhter Monozytenwerte) mit Verdacht auf eine klonale myeloische Neoplasie (bösartige Erkrankung der blutbildenden Zellen) [1-4].
Synonyme
- Monocyte count
- Absolute Monozytenzahl
- Relativer Monozytenanteil
- Monozyten im Differentialblutbild
Das Verfahren
- Benötigtes Material
- EDTA-Blut
- Für ein valides Differentialblutbild (genaue Aufschlüsselung der weißen Blutkörperchen) zeitnahe Analyse nach Blutentnahme
- Vorbereitung des Patienten
- Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
- Die Interpretation erfolgt immer im Kontext von Klinik (Beschwerden und Befunde), Gesamtleukozytenzahl (Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen) und übriger Leukozytendifferenzierung (Verteilung der einzelnen Untergruppen)
- Störfaktoren
- Präanalytische Verzögerung (Zeitverzögerung vor der Analyse) bis zur Analyse mit Zellalterung
- Geräteflags (Warnhinweise des Analysegeräts) bei unreifen oder dysplastischen Zellen (fehlgebildeten Zellen)
- Interferenzen (Messstörungen) durch ausgeprägte Leukozytose (stark erhöhte Zahl weißer Blutkörperchen), zirkulierende Blasten (unreife Vorläuferzellen) oder morphologisch atypische Zellen (auffällige Zellformen)
- In unklaren Konstellationen ist eine mikroskopische Blutausstrichbeurteilung (Betrachtung unter dem Mikroskop) erforderlich [2,3]
- Methode
- Automatisierte Leukozytendifferenzierung (maschinelle Aufschlüsselung der weißen Blutkörperchen) im hämatologischen Analysator (Blutanalysegerät)
- Bei Auffälligkeiten ergänzend mikroskopisches Differentialblutbild (manuelle Auszählung unter dem Mikroskop)
- Bei persistierender oder suspekter Monozytose (anhaltend erhöhten oder verdächtigen Monozytenwerten) gegebenenfalls weiterführend Durchflusszytometrie (Spezialverfahren zur Zellanalyse), Molekulardiagnostik (Untersuchung von Erbgutveränderungen) und Knochenmarkdiagnostik (Untersuchung des Knochenmarks) [2-4]
Normbereiche (je nach Labor)
| Subgruppe / Alter | Referenzbereich absolut | Referenzbereich relativ |
| Erwachsene | 0,2-0,8 × 109/l | 2-8 % |
| Kinder | altersabhängig, häufig höher als bei Erwachsenen | altersabhängig |
| Neonatalperiode (Neugeborenenphase) | physiologisch höher (normalerweise erhöht); in den ersten 2 Lebenswochen Anstieg möglich | altersabhängig |
Normbereiche sind methoden- und laborabhängig [2,3].
Indikationen (Anwendungsgebiete)
- Abklärung von Leukozytosen (erhöhte Zahl weißer Blutkörperchen) und Auffälligkeiten im Differentialblutbild (Veränderungen in der Verteilung der weißen Blutkörperchen)
- Infektionsdiagnostik (Diagnostik von Infektionen), vor allem bei subakuten (nicht ganz plötzlich) oder chronischen (lang andauernden) Infektionen
- Differentialdiagnostik (Abgrenzung verschiedener Ursachen) entzündlicher (durch Entzündung bedingter) und autoimmunologischer (gegen den eigenen Körper gerichteter) Erkrankungen
- Beurteilung granulomatöser Erkrankungen (Erkrankungen mit knotigen Entzündungsherden)
- Abklärung persistierender Monozytose (dauerhaft erhöhter Monozytenwerte) mit Verdacht auf chronisch myelomonozytäre Leukämie (bestimmte Form von Blutkrebs) oder andere myeloische Neoplasien (Erkrankungen der blutbildenden Zellen) [2-4]
Interpretation
- Erhöhte Werte
- Reaktive Monozytose (reaktiv bedingte Erhöhung der Monozyten) bei akuten (plötzlich auftretenden), subakuten oder chronischen Infektionen
- Rekonvaleszenzphase (Erholungsphase) nach Infektionen
- Autoimmun- und Entzündungserkrankungen (Erkrankungen mit fehlgeleiteter Immunreaktion bzw. Entzündung)
- Granulomatöse Erkrankungen (Erkrankungen mit knotigen Entzündungsherden)
- Rauchen, Gewebeschädigung (Schädigung von Körpergewebe), Hämolyse (Auflösung roter Blutkörperchen), einzelne Medikamente als mögliche Auslöser
- Persistierende Monozytose (dauerhaft erhöhte Monozytenwerte) als Warnsignal für eine klonale myeloische Erkrankung (bösartige Erkrankung der blutbildenden Zellen), insbesondere chronisch myelomonozytäre Leukämie (bestimmte Form von Blutkrebs) [2-4]
- Erniedrigte Werte
- Glukokortikoidtherapie (Behandlung mit Kortisonpräparaten) oder Stressreaktion
- Aplastische Syndrome (Störungen der Blutbildung) oder andere Knochenmarkinsuffizienzen (Schwäche des Knochenmarks)
- Einzelne Infektionen, Autoimmunerkrankungen (gegen den eigenen Körper gerichtete Erkrankungen) oder selten genetische Syndrome (erblich bedingte Erkrankungen)
- Haarzellleukämie (seltene Form von Blutkrebs) als klassische hämatologische Differentialdiagnose (wichtige Vergleichserkrankung) [3]
- Spezifische Konstellationen
- Eine persistierende periphere Monozytose (dauerhaft erhöhte Monozytenwerte im Blut) über mehr als 3 Monate erfordert bei fehlender reaktiver Erklärung (ohne erkennbare harmlose Ursache) eine gezielte Abklärung auf klonale Ursachen (bösartige Zellveränderungen) [2-4]
- Nach WHO-/ICC-naher aktueller Einordnung (aktueller internationaler Klassifikation) kann eine chronisch myelomonozytäre Leukämie (bestimmte Form von Blutkrebs) bereits bei Monozyten ≥ 0,5 × 109/l und ≥ 10 % der Leukozyten vorliegen, wenn zusätzliche Kriterien einer klonalen myeloischen Neoplasie (bösartige Erkrankung der blutbildenden Zellen) erfüllt sind [3, 4]
Weiterführende Diagnostik
- Wiederholung des Blutbildes mit Differentialblutbild (erneute Blutuntersuchung mit Aufschlüsselung der weißen Blutkörperchen)
- Mikroskopische Blutausstrichbeurteilung (Untersuchung eines Blutausstrichs unter dem Mikroskop)
- Entzündungsparameter (Laborwerte für Entzündungen) und infektiologische Diagnostik (Untersuchungen auf Infektionen) in Abhängigkeit von der Klinik (Beschwerden und Befunde)
- Autoimmunserologie (Blutuntersuchungen auf Autoimmunerkrankungen) bei entsprechendem Verdacht
- Durchflusszytometrie (Spezialverfahren zur Zellanalyse) der Monozytensubsets (Untergruppen der Monozyten) in ausgewählten Fällen
- Knochenmarkaspiration/Knochenmarkbiopsie (Entnahme von Knochenmark), Zytogenetik (Chromosomenanalyse) und Molekulardiagnostik (Untersuchung von Erbgutveränderungen) bei persistierender ungeklärter Monozytose (dauerhaft erhöhten Monozytenwerten ohne klare Ursache) [2-4]
Literatur
- Mildner A, Kim K-W, Yona S. Unravelling monocyte functions: from the guardians of health to the regulators of disease. Discovery Immunology. 2024;3(1):kyae014. https://doi.org/10.1093/discim/kyae014
- Mangaonkar AA, Tande AJ, Gangat N, Patnaik MM. Differential Diagnosis and Workup of Monocytosis: A Systematic Approach to a Common Hematologic Finding. Current Hematologic Malignancy Reports. 2021;16(3):267-275. https://doi.org/10.1007/s11899-021-00618-4
- Zini G, Chang YH, d'Onofrio G, Frater J, Germing U, Merino A, Pozdnyakova O, Ross D, Filho CRS, Takami A, Wendy E. ICSH Recommendations for Monocyte Cell Lineage Morphologic Identification, Nomenclature Harmonization, and Utilization as a Biomarker. International Journal of Laboratory Hematology. 2026;48(1):12-25. https://doi.org/10.1111/ijlh.70029
- Patnaik MM, Tefferi A. Chronic myelomonocytic leukemia: 2024 update on diagnosis, risk stratification and management. American Journal of Hematology. 2024;99(6):1142-1165. https://doi.org/10.1002/ajh.27271