Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom) – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
- Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Atemfrequenz, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
- Allgemeinzustand und Ernährungszustand [reduzierter Allgemeinzustand bzw. Gewichtsverlust bei fortgeschrittener Erkrankung]
- Stimme und Sprechfunktion [neu aufgetretene oder persistierende Heiserkeit bei Beeinträchtigung des N. laryngeus recurrens (rückläufiger Kehlkopfnerv)]
- Atmung [Dyspnoe (Atemnot) bzw. inspiratorischer Stridor (pfeifendes Atemgeräusch beim Einatmen) bei ausgeprägter lokaler Tumorausdehnung mit Trachealkompression (Einengung der Luftröhre) bzw. -infiltration (Einwachsen in benachbartes Gewebe)]
- Schluckfunktion [Dysphagie (Schluckstörung) bei Kompression (Einengung) bzw. Infiltration des Ösophagus (Speiseröhre)]
- Inspektion und Palpation (Betasten) des Halses und der Schilddrüse
- Inspektion des Halses in Ruhe und beim Schlucken [sichtbare umschriebene bzw. asymmetrische Schilddrüsenvergrößerung; bei fortgeschrittener Erkrankung verminderte Verschieblichkeit beim Schlucken]
- Palpation beider Schilddrüsenlappen und des Isthmus (Verbindungssteg der Schilddrüse) hinsichtlich Größe, Konsistenz, Oberfläche, Druckschmerzhaftigkeit, Abgrenzbarkeit und Verschieblichkeit [derber bis harter, unregelmäßig begrenzter bzw. schlecht verschieblicher oder fixierter Schilddrüsenknoten; rasche Größenzunahme insbesondere bei aggressiven bzw. anaplastischen Schilddrüsenkarzinomen (undifferenzierten Schilddrüsenkrebsformen)]
- Beurteilung einer möglichen Infiltration bzw. Fixierung gegenüber Haut und tieferen Halsstrukturen [Fixierung des Tumors bzw. Infiltration benachbarter Strukturen bei lokal fortgeschrittenem Schilddrüsenkarzinom (Schilddrüsenkrebs)]
- Inspektion und Palpation der regionalen Lymphknotenstationen
- Systematische Untersuchung der zentralen und lateralen zervikalen (am Hals gelegenen) sowie supraclaviculären (oberhalb des Schlüsselbeins gelegenen) Lymphknoten [derbe, vergrößerte, schlecht verschiebliche bzw. fixierte zervikale Lymphknoten bei lymphogener Metastasierung (Ausbreitung von Krebszellen über die Lymphbahnen)]
- Neurologische Untersuchung
- Beurteilung von Pupillenweite und Lidstellung sowie der sympathischen Halsinnervation (Nervenversorgung durch den Sympathikus) bei klinischem Verdacht auf lokale Infiltration [Horner-Syndrom (Störung der sympathischen Nervenversorgung am Auge) mit Miosis (Pupillenverengung), partieller Ptosis (teilweisem Herabhängen des Oberlids) und ggf. ipsilateraler Anhidrose (vermindertem Schwitzen auf derselben Seite) bei Infiltration des zervikalen Sympathikus (sympathischen Halsnervensystems)]
- Untersuchung des Bewegungsapparates
- Inspektion und Palpation der Wirbelsäule und des übrigen Skelettsystems bei entsprechenden Beschwerden [lokalisierter Knochen- bzw. Klopfschmerz bei ossärer Metastasierung (Absiedlung von Krebszellen in den Knochen)]
- Auskultation (Abhören) der Lunge [pathologische Atemgeräusche bzw. Zeichen eines Pleuraergusses (Flüssigkeitsansammlung zwischen Lunge und Brustwand) bei fortgeschrittener pulmonaler (die Lunge betreffender) bzw. pleuraler (das Brustfell betreffender) Metastasierung]
- Palpation des Abdomens (Bauches) [Hepatomegalie (Lebervergrößerung) bei fortgeschrittener hepatischer (die Leber betreffender) Metastasierung]
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.